Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 251 (8.7.1932)
- Date
- 1932-07-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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18=5 Preis 35 Groschen Titl. Universi tätsbibliotlick fafirgang 6 Freitag/ den 8« im Wien, 1. V. b. b. R E V U E [ S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.-: inar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlieh Lei 40.-, vierteljährig Lei izo.-; uentsehiand monatlich Mark 1—, vierteljährig Mark 3.-: Bulgarien monatlich Lewa 40.-.^erteliähria Lewa 120.-; Itaifen monatlich Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.-; Schweiz und die ü%r Igen Lä'nde.'monatlichli^MPtmalS^SSi |anrlg Schweizer Francs 4.90 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion k. Verwaltung: Wien IX, üniversUätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag BUm^%i^i^L\sD\^^ Nofdaus letzte Jahre *«. «> Aussprache im Unterhaus über die Arbeiterpolitik der Palästina-Regierung London, 3. Juili. (J. T. A.) Die am 22. April dm Unterhaus begonnene Aussprache. iifber die Arbeiterpolitik der Palästina-Regierung wurde in der Sitzung am I. Juli fortgesetzt Kalonienminisiter Sir Philip Cunliffe-Lister ging auf die damals von Jos ia h Wedgwood und anderen Parlamentariern gegen die britischen Beamten in Palästina vorgab rächten Ank/lagen nicht ein, sondern befaßte sich in seiner Antwort ausschließlich mit der Gewerkschaf tsfrag e in Palästina, Auf die Frage des früheren Unterstaatsstekretärs für dit Dominions, Lunn (Arbeiterpartei), warum es Eisenfoai«- und Postangestellten in Palästina verboten sein soM, dem jüdischen Arbeiterverbande (Histadnuth) anzugehören, wo doch eine durch Zusammenarbeit im gleichen Verband herbeigeführte Annäherung zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern der Annäherung beider Rassen aneinander dienen würde, erwiderte Cunliffe-Lister, das Verbot der Zugehörigkeit von Staatsangeatellten zur Arbeitergewerkschaft sei noch von der britischen Arbeiterregierung ausgesprochen worden; dieses Verbot sei auch berechtigt, denn man könne es nicht zulassen, daß z. B. ein Regienungsbeamter eine vom Arbeiterverband proklamierte StredkparoJe befolgt; es könne nicht zugelassen werden, daß ein Regierungsangestellter unter das Dilemma einer doppelten Verpflichtung gerät: der gegenüber der Regierung und der gegenüber dem Arbeiterverband. Peter MacDonald, der Sohn des Premiers, griff Wedgwood wegen seiner scharfen Angriffe gegen die Palästina-Beamten an. „Aber ich* glaube, man wird uns nicht in Runs lassen." Das Bilderbuch des Grauens, des Hasses und der Verzweiflung Judennot — ludenfrage— Palästina Stück für Stück verbriefter, jüdischer Rechte ab, um die Jude» allmählich in ein •Wirtschaftsghetto * zp;:pres^eiii^ifein &'&^und S'üd a f '%abe.ü;iri- 3er v ScKul^> dfes, , eu^ojp^ischen ■ ^#tisemitismus „erfolgreiche" Studien gemacht. Diese beiden Län- > der machensich,?;d&s erste in intellektuellem, das zweite in ökonomischem Sinne,,, anjijüdische Ten-! denzen zu eigen. „Schafft die^ 60;p00VJuderi weg und es gibt keine Wirtschaftskrise!"' war die Forderung eines südafrikanischen Parlamentariers. In F/r a n kr r eich und seinen n o r däf rik an isch en Kolonien, in B e 1 g i en, in Holland und in den s k a n d i n a v i s c h e n Staaten, in " B u lgarien und Griechenland schafft sich das Hakenkreuz deutscher Couleur Bahn. Die neue Türkei Kemal Paschas, des Regenerators und Reformators seines Volkes, übt schonungslose Intoleranz an den jüdischen Bürgern seines Landes. Das Bilderbuch ist nicht geschlossen. Es #ibt darin noch viele Seiten, die wir nicht aufgeschlagen haben, Seiten, mit gleicher Farbe und gleichem Text, eine Seite, die am dichtesten bemalte und bedruckte: Deutschland, das republikanische Deutsche Reich. Hier braucht man nichts mehr zu erzählen. Grauen, Haß, Verzweiflung — das ist die Grundstimmung. Was sich da auftut, was da in mittelalterlichem Dunkel an untermenschlichen Instinkten entfesselt wird, wie da auch gegen Träger kultureller und menschheitlicher Höchstleistungen gewütet, in welcher Weise die Entwurzelung hunderttausender, seit Jahrhunderten friedlich schaffender jüdischer Menschen vorbereitet wird, das erhellt p a r a d i g m a t i s c h die jüdische Galuthsituation. Aus'Thfeodör Herzls „Jiidenstaat"; Bilder ^dey - Heutigen Lage der Judenheit . . . Fünfzehn Millionen .Menschen in fast allen Ländern im Mittelpunkt von Diskussionen, Bewegungen, Parolen ... Ein zerstreutes' Volk, auf der ganzen Erde ausgesetzt dem Drück latenter und^eruptischer Leidenschaften . . * Ein Bilderbuch des Grauens, des Hasses, der Verzweiflung. ', Schlagen wir das Buch auf. Die freiheitlichen Republiken: Amerika: Der Jüdische Kongreß für U. S. A. müßte zwei' Sitzungen der Frage des amerikanischen Antisemitismus widmen und konstatieren, daß in allen Gebieten des politischen und sozialen Lebens ein bisher unbekannter antijüdischer Geist eingedrungen ist. Es gibt heute in Amerika bereits den in Europa landläufigen Begriff des „H o c h s c h u 1antisemitismus", den hier ebenso bekannten Wirtschaftsboykott gegen die Juden, antisemitische Pamphlete in Büchern und Journalen, einen praktisch geübten gesellschaftlichen numerus clausus. Zu Ende das goldene. Zeitalter der amerikanischen Judenheit! Der stolze, jugendfrisehe, zukunftsgewisse amerikanische Jude' ist im Begriff, gleich seinem europäischen Bruder zusammenzubrechen — wirtschaftlich und menschlich. Die übermächtige Wirtschaftskrise, die ganz Amerika erfaßt hat, knickt in jeder Stunde den Wohlstand der jüdischen Bevölkerung und zeigt de, die wirtschaftlich ganz spezifisch gelagert ist, dreimal so nart getroffen, wie den nicht jüdischen Amerikaner. „Zwei Millionen Juden zu viel", lautet der Ruf, den Amerika vom europäischen Polen gelernt hat. Hier ist das jüdische Problem aller Welt klar. Das Grauen des Massenelends, die Auswirkungen des, administrativen Terrors, die täglichen Exzesse, die , Verzweiflung der verelendeten, hungernden, ausweglosen jüdischen Massen können niemandem Ueherraschung abringen. Sie sind das charakteristische Merkmal des jüdischen Nachkriegspolen. Im. Nachbarlande Polens, im Lande der „völkerbefreienden" kommunistischen Revolution Sowjetrußland ist der jüdische Mensch auch noch dem Zwang der Gewissensp ei n ausgesetzt, der Qual, sich nur unterirdisch zu seinem Volk und zu seinem Gott bekennen zu dürfen. Hinter dem Gespenst der Armut stehen dort die Fangarme der kommunistischen Inquisitoren, die ihm das Gefühl des Verlassenseins, des Fernseins von aller Welt, der grausamen Einsamkeit deutlich machen. Weitere Bilder: Lettland und Litauen, tftekng Staaten autonomen jüdischen Lebens, bauen Ist das Judennot? Ist das jene Not, die eine schmale Schicht liberaler Juden da und dort jeweils empfand, wenn man irgend einem ihrer Glaubensgenossen den Weg zur ersehnten Spitzenkarriere unterband, wenn irgend ein ungnädiger Mitbürger in Amt und Straße ein antisemitisches Wort fallen ließ, wenn gar ein Gerichtshof sich nicht scheute, einen Ritualmordprozeß abrollen zu lassen? Diese Schicht liberaler Juden empfand solch schmachvolle Lage als Unrecht am Individuum, als ein Unrecht, dem eine fortschreitende Zivilisation und die Erkenntnis vom Wert des jüdischen Menschen, des mosaischen Staatsbürgers, in der Kulturgemeinschaft ein Ende machen werde. Das war ihr Trost, das war ihr fester Glaube. Das Gruadubel erkannten sie Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt» Hohen Notizen a'nd durch ein beigefügtes E bezeichnet nicht, obwohl gerade die letzten Jahrzehnte, insbesondere Kriegs- und Nacbkriegsjähre ihnen eine ganz andere1 jüdische Not ' hätten vor Augen führen können. Ihnen genügte die Emanzipation des Einzelnen, die Eingliederung des Individuums in eine fremde Gemeinschaft, in der sie sich zu verlieren hofften. Und wie höhnten sie, als Männer wie Leo Pinsker und Theodor Herzl an die Stelle der Emanzipation die Autoemanzipation setzten, an Stelle der Eingliederung des Einzelnen in eine fremde Gemeinschaft die Eingliederung des jüdischen Volkes in die Völkergemeinschaft, an Stelle der Erkenntnis von der Einzelnot fies Juden die Erkenntnis von der Not des ganzen Volkes, der — Judennot. Das Bilderbuch, in dem wir geblättert haben, die Grammatik des Grauens, des Hasses und der Verzweiflung, die allen offensteht, hat grausameindringlich die beiden ' Auffassungen in den Rahmen der Geschichte gestellt. Mit eindeutiger, eindringlichster Wucht hat dieser Geschichtsäbschnitt die weisere;' bessere Erkenntnis allen aufgezwungen. Der Wahrheitsgehalt des Herzlschen Begriffs von Judennot und der Herzlschen Lösung vom Judenstaat steht als unauslöschliches Mal auf den Millionen Stirnen der Juden geschrieben. Und dieser. Wahrheitsgehalt muß;, auchjene" Schicht; er* greifen, äeren Tro^i und , .Glaube >r^,,ein - eitlem Trug war. ft«/. Wei*J*eit ist za Ende. Ihr Trost ist zerronnen. Ihr Glaube ist. erschüttert. Ehre Wege sind bankrott; Armes, verwiirtes Assiml-; lantentum! Wie arm und verwirrt und verlassen sind sie alle, die noch ihren' Selbstbetrüg weiter mit sich schleppen wollen! Trost, Glaube, Wege! Der' neue jüdische Mensch hat einen Trost, einen Glauben, einen Weg. Wütender Haß umbrandet ihn, und in dein Meer von Leiden tröstet ihn das Bewußtsein, daß er Teil ist eines ewigen unzerstörbaren Volkes. Den Glauben besitzt er an seine nationale Wiedergeburt im Lande Israel, an die würdige, erhebende Lösung der Judenfrage, an die Befreiung von der Judennot durch den Juden st a a f. Und der Weg? Es ist die Konzentration des nationalen Willens überall, wo Juden wohnen, im Zionismus. Judennot, Judenfrage, Palästina — das ist der historisch bedingte eiserne Ring, der die Befreiung des jüdischen Galuthvolkes umschließt. o. r. . Wer stört die Mittel§tand§- koIoiu§ation? Machinationen Das misrachistische Exekutivinitglied Heschel •F.arbstein weilt zur-Zeit in-Warschau und hat als Haupt des Ressorts für Mittelstandskolonisation bei der palästinensischen Exekutive vor Pressevertretern und zionistischen Körperschaften über seine Bemühungen berichtet. Im nachstehenden veröffentlichen wir den ersten Teil von Farbsteins Ausführungen, die sich mit den gegen die Mittelstandskolonisation gerichteten Machinationen beschäftigen: „Als ich das Amt in der Exekutive übernahm, hatte ich erwartet, daß die Angelegenheit der ..Mittelstandskolonisation etwas .vernachlässigt ,Vsei.' Leider aber zeigte essich viel schlimmer als ich. erwartete. Diese Sache war einfach zur Seite geschoben. 'Es herrschte direkt eine unfreundliche Beziehung zu ihr. - Ich rief sogleich eine Sitzung .der wirtschaftlichen Organisationen Palästinas zusammen mit den Vertretern des- Tel-Awiwer Stadtrats . ein, und es wurden Informationsbureaus für Besucher des Landes : geschaffen. Hunderte Menschen wendeten sich an diese Bureaus, und es wurden ihnen sogar spezielle In«truktorea aar