Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 250 (1.7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 250 jüdischen aufbauenden KrHfte sichtbar, sondern vor allem die ihm aus seiner eigenen Welt vertrauten, von assimilierten Juden nur anerworbenen — so daß der Nichtjude den eigentlich jüdischen Geist gar nicht kennt und für ihn etwas hält, was nur verdorbener europäischer Geist . in Judenmaske ist." Uriel Birnbaum, dem jüdischen Volk eine nur ihm allein zukommende Bestimmung anerkennend, den nationalistischen Geist als fremd, judentumsfeindlich bezeichnend, rennt dann „den gedanklichen Untergrund der in Palästina versuchten Aufbau* Ordnung", nämlich den sozialistischen, an und gibt ihm folgendes auf den Weg mit: „Die heute gefährlichste, für das Anwachsen des Judenhasses verantwortlichste Abart jüdischer Assimilationsgier ist zweifellos das Sympathisieren weiterer jüdischer Kreise mit der sozialistischen Weltbewegung und dem Bolschewismus. Woran nichts ändert, daß Blüher, im Banne seiner Behauptung: „Der wichtigste korruptive Gedankengang des Judentums... ist die sozialistische Theorie", ziemlich bewußt die Wahrheit fälscht mit seinem Gerede vom „jüdischen Sozialismus". Trotzdem ist es wahr, daß manche jüdische Aussprüche solche Urteile zu begründen scheinen — wie unter vielen anderen einer Martin Bubers schon vom November 1918 vom „Verwirklichkeitsdrang der Juden; er macht ihn zum berufenen Helfer der großen sozialen Umwandlung" oder einer Kahns: „1818 geht der Stern von Bethlehem zum zweiten Male auf. Wieder steigt er empor über den Dächern Judäas: Marx." Birnbaum erweitert nun seine Begründung: „Was aber am gefährlichsten ist — auch die unradikalsten, noch jüdischesten Kreise, in ängstlichem Bestreben, ja nicht Anstoß zu erregen, überlassen gerade den ärgstassimilierten, entjudetesten, bolschewisiertesten Scheinjuden die Verteidigung der Judenheit gegen den Antisemitismus — also gerade jenen Leuten, die den Hauptteil des heutigen Judenhasses verschuldet haben und die schon anno 1848 der alte katholische Alban Stolz in seiner derben Art, auch geographisch merkwürdig modern, gekennzeichnet hat: „Am allerschlimmsten sind die Herrenjuden, welche in Frankfurt, Berlin und Wien die verteufelten Zeitungen schreiben." Ein paar charakteristische Zeilen sind der Presse gewidmet: „Gottlob machen schreibende und lesende Zivilisationsliteraten kein Volk aus, weder das deutsche noch das jüdische. Darum gibt es auch, was einmal gesagt werden muß, keine jüdische Presseherrschaft: Denn es handelt sich nicht um eine jüdische Clique, die nur Juden und Judengenossen fördert, sondern um eine internationale linke Gesinnungsgenossenschaft, die (und vielleicht weniger unbewußt, als der verärgerte Zuschauer bei diesem] Schauspiel einer negativen Auslese glauben mag) jeden zu fördern bereit ist, der am Werk der geistigen Weltbolschewisierung mitarbeiten will, die aber jeden anders! Denkenden, jeden Konservativen, jeden Reaktionär, einerlei welchen Volkes oder welcher Fähigkeit, totzuschweigen! und literarisch zu morden versucht: Was sich so „das geistige Wien" oder „das geistige Berlin" nennt, steht außerhalb jeder Rasse — unterhalb jeder Rasse," # Der Züricher Zinnen-Verlag ersuchte Uriel Birnbaum, für ein in Aussicht genommenes, von Antisemiten, Juden und Neutralen zu bestreitendes Sammelwerk „D e •* Jud ist schuld...!", einen Beitrag zu schreiben und sicherte völlige Meinungsfreiheit zu. Da der Verlag aber sein Versprechen nicht einhielt, vielmehr Striche vornahm, die die Wahrung der Grundtendenz des Birnbaumscheni Beitrags verletzten — der Zinnen-Verlag versuchto die Unterdrückung solcher Stellen, die sich „gegen den links-« radikalen Ungeist innerhalb der Judenheit und gegen einige seiner Vertreter wandten" — entschloß sich Birnbaum, seinen Beitrag als selbständige Schrift unter dem! Titel „Volk unter Nationen" herauszugeben. In dieser Schrift finden sich die vom Verlag gestrichenen Stellet« wieder. Zum Teil ist die Schrift erweitert und durpK charakteristische Zitate vergrößert. o, r, Aus Deu tschlan 4j£*lage der »Neuen Welt« fftr Dewtsdbland » fiUalwedaktion und Administration: Berlin, Charlotlenburg % JoadrfmstaBeMfraBe 3/lJ Bis zur Selbsfvermdifung Emstein will Deutschland reiten — Kommunistische JVf ordhetze in Palästina nistische Jugend laßt sich nicht beirren — Die nevisicM Man kennt die Neigung gewisser Kreise und Persönlichkeiten, in ihrem Drang nach „Humanität" sich — sagen wir mit Zurückhaltung — auf Irrwegen zu verlieren. Immer wieder scheinen ihre Namen auf, wenn es gilt, irgendwo in der Welt ein Unrecht zu brandmarken, eine Gewalttat zu geißeln, die —• Kultur zu retten. Es ist die Klasse von Menschlichkeitsfanatikern und Humanitätsliteraten, die jeder politischen Zufallsimpression erliegen, mit großen Worten herumeohlagen und ihren Namen unter jeden der zahllos'en Proteste setzen. Es sind bekannte, abgegriffene Namen, eine lange Liste der „Hans Dampf in allen Ga ss en". Das Alpdrücken im Traum . vom Dritten Reich bringt sie wieder einmal zum Erwachen. Die Gewitterschwüle in Deutschland macht sie zu Politikern des Tages. Inmitten einer sich vorbereitenden Veränderung des Verhältnisses der beiden proletarischen Parteien, der sozialdemokratischen und der komm unistischen, reden sie einer Vereinigung der beiden zum Kampf gegen das Hakcnkreuzlertum das Wort — die Herren Albert Einstein, Ernst Toller, Thomas Mann und andere. Die zwei letzten, der eine seit jeher Wortführer einer großen Portion Weltrevolution, der andere deutsch-arischer Verkünder republikanisch-behaglicher Bürgerstühle mit hoher, bequemer Lehne, mögen den Antrieb ihrer politischen Wünsche und Hoffnungen mit sich selber ausmachen. Albert Einstein gehört ein wenig in ein anderes Kapitel. Zählt er sich, zählen ihn doch die Herren der erweiterten Jewish Agency zu einem der ihren, zu einem, der an der Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes und an der Wiederaufrichtung des jüdischen Landes interessiert ist und darum auch an allen Dingen, die diesen idealen Bestrebungen dienen.' Nun, Albert Einstein und sein Kreis wollen die deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten zu einer Front zusammenschmieden. Darin erblicken sie das Heil für Deutschland und für die ganze zivilisierte Welt. Zuerst für Deutschland und für den in Deutschland lebenden Teil des jüdischen Volkes. Der erste Schritt hiezu ist getan. Die von Einstein und seinen Genössen umschmeichelten Kommunisten haben gemeinsam mit den Nationalsozialisten im preußischen Landtag einen vom Plenum bereits angenommenen Antrag eingebracht, wonach „die gesamten Vermögen der seit 1914 eingewanderteii Ostjudeu als unsittliche Bereicherung einer produktiv nicht arbeitenden, sondern raffenden Rasse zu Lasten des geknechteten deutschen Volkes in Preußen restlos zu beschlagnahmen sind". Die Kommunisten leugnen diese Verbrüderung, wie sie seinerzeit bestritten, im Präsidentschaftskampf die Parole für Hitler abgegeben zu haben. Albert Einstein und seine Genossen also, die liberalen Israeliten ä la Jakob Wassermann, und die weniger liberalen Kommunisten und Hitler-Pogromisten, finden eich zusammen im Dritten Märchenreich von der raffenden Rasse, die kein Anrecht auf einen Platz der Sonne habe. i Nun ganz klar und eindeutig und ohne Verkleian dung gesagt: Die Albert Einsteins treten für die Kommunisten ein als rettenden Faktor im Deutschen Lande; für die Mitglieder der Dritten Internationale, die all- überall ganze Arbeit leisten will: zunächst im M-utterlande Sowjetrußland, wo Einsteins Volks- und Gesinnungsgenossen in den dumpfen Kellern der. G. P. U. und in den Sümpfen von Biro Bidschan weniger Gelegenheit haben, menschheitsverbrüdernde Manifeste zu unterzeichnen; und dann in Palästina, wo seitens der von den Albert Einsteins umschmeichelten Kommunisten gegen das zionistische Werk und dessen Errichtet eine/Mord- und Raubhetze inszeniert wird, die in Tön und Absicht unseren ambischen Widersachern in nichts nachsteht. Der offizielle Zionismus weiß, wie bei ähnlichen Anlässen, nichts zu sagen. Er, der in der ihm ergebenen Presse predigt, man müsse für die „sozialen Strebungen der neuen jüdischen Jugend" Verständnis haben, hält scheinbar eine andere Aufgabe für wichtiger: die nämlich, alle Warner vor sozialistischen Experimenten, vor der Bagatellisierung linksradikaler Strömungen als reaktionäre, d e m ö kr a t i ef ein dlich e,;* faschistische, ja hakenkre u z 1 e r i s che Chauvinisten hinzustellen. Es braucht nicht erst gesagt werden, daß es die Revisionisten sind, die mit diesen verderblich-heuchlerischen Schlagworten belegt werden. Verständnis für die Gefühle der neuen jüdischen Jugend — das ist der Rechtstitel, den sich die offiziellen Bewahrer des Zionismus von London über Berlin und Prag bis Jerusalem für ihr tragisches Treiben, für die Korrumpierung der Jugend konstruiert haben. Derjenige Teil der Jugend, der < der Fahne Theodor Herzls gefolgt und in den Verbänden des eindeutig, orientierten, keiner Weltanschauung als der des Zionismus huldigenden Br.ith Trumpeldor konzentriert 'ist, dieser Teil der jüdischen Jugend bedarf keiner Sonderrezepte für die Genesung seiner Seele. Er findet im Herzl-Zionisnius alles, was er für seinen nationalen Stolz, für seine nationale Aufgabe, fiir sein nationales Sein begehrt. Die revisionistische Jugend unseres Volkes wird keiner der Versuchungen erliegen, für die unsere Herren Menschheitß'beglücker so viele Entschuldigungen parat haben. Sie marschiert, sie geht unbeirrbar ihren Weg, mögen die Agency-Einsteins unter Mißbrauch ihrer geistigen Autorität noch so verführerisch Stimmung inachen für den Weg zur — Selbstvernichtung. o. r. Ausnahmegesetz gegen jüdische Aerzte Stuttgart, 21. Juni. Im württembergischen Landtag hat die Fraktion der N. S. D. A. P. u. a. eiuen Antrag eingebracht, der bei der Neuzulassung zur Kassenpraxis „ausreichende" Beschränkung, für jüdische Aerzte fordert. Die nächste Landtagssitzung wird über diesen Nazi-Antrag zu entscheiden haben. Der Nazi-Terror in Breslau Breslau, 20. Juni. Wie die J. T. A. aus Breslau bereits berichtet hat, haben die w^iedergenehmigten nationalsozialistischen S. A., die in neuer Uniform in geschlossenem Zuge durch Breslau marschierten, einen" ihnen begegnenden jüdischen Leichenzug mit den Rufen empfangen; „Da haut schon einer ab nac$ Palästina. Die anderen kommen bald nach." Es war dies bei der Bestattung de9 um Breslau hochverdienten jüdischen Bürgers Josef Deutsch. Seit heute prangen an allen Litfaßsäulen Einladungen zu einer am 22, d- M* stattfindenden nationalsozialistischen Versammlung, die als Motto in Riesenbuchstaben die Worte tragen? „Fertigmachen nach Palästina!" Auf diese1 und andere Weise wird die Erregung der Bevölkerung zur Siedehitze gesteigert und Togromstimmung erzeugt* Im Straßenbilde der inneren Stadt dominieren die! braunen Uniformen. Für die Geschäftswelt entstehe« schwere Schädigungen. Die gesamte nationa!sozialist& sehe Propaganda ist hier auf den Judenhaß abgestellt — Die Stadt Breslau zählt unter etwa 610.000 Eirf« wohnonn 23.240 Juden. Die anti jüdische Hetze des „Angriff" Berlin, 22. Juni. Der „Angriff" setzt seine mtU jüdische Hetze in Verbindung mit Nachrichten über „kommunistische Revolten" fort. Unter der, Ueberschrift „Stellt endlich die Mordhetzer und Mordorganisatoren an die Wand!" schreibt das Berliner nationalsozialistische Organ u. a.: Die marxistischen Mordorganisatoreu sitzen ungeschoren in ihren Büros* schmieden täglich neue Terrorpläne und die verlumpte jüdische Journaille leistet ihnen dabei Hilfsstellung*, indem sie mit den wüstesten Verleumdungen über diel unbewaffnete S. A. und S. S. herfällt. Dem verbreche-* rischen Judenpack ist der Kamm geschwollen, als es! merkte, daß die Reichsregierung von denselben Not-! Verordnungen, die die Journaille zu Brünings Zeiten so warm begrüßte, keine Anwendung machte." Untersagte Boykotthetze Meiningen, 21. Juni. Die Ortsgruppe Sonneberg der N. S. D. A. P. hatte unter dem Titel „Stirbt der Mittelstand?" ein Flugblatt verbreitet, in dem zum Boykott der jüdischen Geschäfte aufgefordert wurde. Jetzt ist vom Landgericht Meiningen auf Antrag der betreffenden Geschäfte eine einstweilige Verfügung erlassen worden, in der der N. S. D. A. P< ivnter Androhung von Geldstrafe in unbeschränkter Höhe oder Haft bis zu sechs Monaten die Aufforderung) zum Boykott der jüdischen Geschäfte untersagt wird* Das Flug/hlatt darf nicht mehr ausgehängt werden. Keine jüdischen Künstler an Staatstheatern Der Preußische Landtag nahm am 25. Juni den Antrag der Nationalsozialisten an, wonaeli jüdische Künstler an Staatstheatern nicht mehr beschäftigt werden dürfen. Die Annahme dieses Antrages war nur deshalb möglich* weil bei der Abstimmung in der zweiten Morgenstunde die Gegner des Antrages, Zentrum, Sozialdemokraten und Kommunisten, die im Landtag die Mehrheit haben,; nur noch recht schwach vertreten waren. Praktische Folgen wird der Beschluß des Landtages nicht haben, da er gegen die im Artikel 135 der Reichsverfassung, verankerte bürgerliche Gleichberechtigung deii deutschen Juden verstößt und auch in bestehende Ver-i träge eingreift. ..illllllllllllllllllllllllltlllillllllllllllllllllllllllfllllllllllllllliK Infolge frühzeitigen Redaktionsschlusses mit Rücksicht auf den gesetzlichen Feiertag des 29. Juni mußte eine Reihe von Nachrichten wegbleiben. •'iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir