Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 250 (1.7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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18* Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. Preis SS Groschen iahw»s henag, de» t» mm w** «*, W.b. tft DIE HEUE WELT tVefiag/ den f» JaH u REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.- {Polen monatlich Zloty 2.-, vierteil Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15—s Jugoslawien monatlich Dir- "------—'« ----J Lei 40.-, vierteljährig Lei 120,—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vlerteljährii " Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 3.-. vierteljährig Lire 14.-; Schweiz und jährig Schweizer Franca 4.50 -MUiii i*.—, viciicijaimg l/iuiu w.—j l\u warnen I71UD_______ Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig rigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, viert«? HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitatsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag BEILAGE a> FÜR DEUTSCHLAND Max Wordaus lefote Jahre (Seite 5) Und sie drängen nach Palästina ♦ ♦ ♦ Die Spötter und Lästerer sind Sehnsüchtige geworden wächst. Wo sich der jüdische Mensch seinen Platz im Leiben erarbeiten kann, nicht unter schmählicher Gefahr erschleichen, erlisten muß. Auf den einst'"so selbstzufriedenen, leicht-spöttischen Gesichtern der Zuhörer malt sich die bange, sehnsüchtige Frage: „Wie kann ich mich nach Palästina retten, wie kann ich meinen Kindern den Weg dahin bahnen?" Palästina, der.Zionismus ist ureigene Angelegenheit geworden, ist nicht mehr ein Ding für a n d e r e. Der preußische Landtag hat folgenden Gefeetzesantrag angenommen: „Die gesamten Vermögen der seit dem i. August 1914 eingewanderten Ostjuden sind als unsittliche Bereicherung einer produktiv nicht arbeitenden, sondern raffendenRasse zu Lasten des geknechteten deutschen Volkes in Preußen sofort restlos zu beschlagnahmen und nach einem binnen drei Wochen von der Staatsoregierung im Landtag vorzulegenden Gesetzentwurf Her Arbeitsbeschaffung dienstbar zu machen." * Als Theodor Herzl von 35 Jahren, in der Zeit 'des Liberalismus, das ungeheure Anwachsen des Judenhasses und der Judennot voraussagte und zur Schaffung des Judenstaates in Palästina, als Rettung vor der Judennot, aufgerufen hatte, da schrieb ein jüdisch-liberaler Spötter: „Bravo, Herr Doktor! Auch ich bin für den Judenstaat in Palästina. Aber unter einer Bedingung: Wenn, ich als Gesandter in Wien bleiben darf . ■'■■■■■<. .' . ,^*. -: - ,■ NacK dem großen Krieg, in der Zeit des Sozialismüs,.flog ein anderes Witziwört auf. Ein jüdischeoziälistischer Spötter sagte: „Zionismus besteht 'darin, daß ein Jude von einem zweiten Juden .verlangt, einen dritten Juden nach Palästina zu schicken ..." * * Viel Wahres ist hinter diesem bissigen Witzeln, hinter diesem ätzenden Spötteln. Bis vor ganz kurzer Zeit konnte jeder zionistische Redner von den Gesichtern seiner jüdischen Zuhörer den Gedanken ablesen: „Dieser Zionismus, von dem der gute Mann 'da oben so begeistert spricht, ist vielleicht eine ganz nette Sache. Taugt vielleicht für exaltierte Idealisten — für Juden in irgend einem fernen Erdenwinkel, wo Pogrome drohen —, für arme, hungernde jüdische Brüder im fernen Osten. Ich werde vielleicht für diese humane Sache etwas Geld geben. (Ich gebe doch auch fürs Blindeninstitut und fürs jüdische Spital und für arme Wöchnerinnen.) Aber, was bedeutet dieser Zionismus und Rieses Palästina für mich, für meine Kinder? Nichts bedeuten sie für mich, der ich in einer wirtschaftlich und gesellschaftlich so weit fortgeschrittenen Umgebung lebe, in. Europa, in Amerika, in Berlin, Wien, New York i^sw; Nichts bedeuten sie für mich, der ich hier, bequem sitzend, eine Rede über fremdes Elend anhöre, dann, von einer guten Polizei behütet, ruhig nach Hause und morgen früh in mein von gerechten Gesetzen geschütztes, gutes Geschäft gehen werde." * . So war es noch vor ganz kurzer Zeit. Heute ist es anders. Vor dem zionistischen Redner s.itzen heute gedrückte, verängstigte, von Sorgen um das Heute, von Sorgen um das Morgen zerquälte jüdische Menschen. Menschen, die nicht wissen, was sie mit ihren Söhnen und Töchtern beginnen sollen, mit ihren Kindern, denen riesenhafter Judenhaß und Krisen aller Art den Eintritt in freie Berufe und öffentliche Dienste verwehren, jede Berufswahl unmöglich machen. Da sitzen Menschen, die noch ein Gewerbe treiben und Kapital haben,, sich aber genau die kurze Zeit errechnen können, nach deren Verlauf das Geschäft ruiniert und das ersparte Kapital aufgegessen sein wird. Menschen, die nicht wissen, ob sie morgen noch unbehelligt über die Straße werden gehen können. Mitten imkultivierten Europa, 'Amerika! ■• t . Wie anders hören sie jetzt zu, wenn der Redner von Palästina spricht, von dem Lande, in welchem Juden als freie Menschen arbeiten, auf jüdischer Erde sitzen, auf einem Bodien, der ehrlicher Arbeit ehrlichen Lohn gibt. Wo jüdische 'Arbeit und jüdisches Kapital Früchte tragen. Wo feine jüdische Jugend frei und hoffnungsvoll heran- Das obenzitierte Juden-Enteignungsgesetz des preußischen Landtages ist unter bezeichnenden Umständen angenommen worden. Außer den erklärten Au§fr ospaläsf ufien§i§dter Wirtsdiaftsplaii Nach Uängerer gewissenhafter Vorbereitung ist in Wien ein Institut geschaffen worden, welches, richtig geleitet; Oesterreiclr und%Paläfstina die wertvollsten Dienste leisten wird. Es soll■ der;.Industrie, dem Handel, und Gewerbe Oesterreichs Palästina als Absatzland erschließen, anderseits - den Konsum palästinensischer Produkte in Oesterreich erhöhen und allen jenen, die in Palästina arbeiten und investieren wollen, die bisher wenig oder gar nicht verbreitete Kenntnis von den landwirtschaftlichen, industriellen, gewerblichen und kommerziellen Bedingungen Palästinas vermitteln. Fachleute in Oesterreich und Palästina stehen dem Institut zur Verfügung und werden in jedem Falle ehrenamtlich Beratung gewähren und Auskünfte erteilen. Das unpolitisch, ,;rein fachlich geleitete Institut ist berufen, den auströ-palästinensischen, privaten Wirtschaftsverkehr, der bisher in den meisten Fällen dem Zufalle preisgegeben war und jeder Organisation entbehrte, zu sichern und zu heben, zum Vorteile beider Länder. Die „Neue Welt" erhielt vom Büro der neuen Institution folgende Bekanntmachung: Eine Gruppe bekannter österreichischer Industrieller, Kaufleutc und Gewerbetreibender haben eine Institution geschaffen, welche die Förderung eines regen wirtschaftlichen Verkehrs zwischen Oesterreich und Palästina bezweckt. Das fachmännisch und ehrenamtlich geleitete Büro des Austro.-palästinensischen Wir tschaft sdienste s, das sowohl in Palästina als auch in Oesterreich hervorragend faphliche Berater aller Brauchen zur Verfügung hat, erteilt allen Firmen, welche W*uen nach Palästina liefern wollen, und allen Interessenten für palästinensische Produkte die nötigen Aufklärungen. Der österreichisch-palästinensische Wirtschafts-; dienst wird es sich auch angelegen sein lassen, den Reiseverkehr zwischen Oesterreich und Palästina zu intensivieren und allen jenen, welche sich in Palästina in industriellen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Unternehmungen betätigen oder beteiligen wollen, die Unterlagen zu verschaffen. Ins Präsidium wurden die Herren Hans Perutz, Oberbaurat Ing; Robert Stricker, Ma* Ernst und Fritz Richter gewählt. Ferner gehören der Leitung die Herren Oberfinanzrat Dr. Hugo Benedikt,' Siegfried Graubart, Theodor Grubner, Direktor- Josef Pollak, Dr. Bruno Singer, mann, Direktor Artur Sternfeld, Dr, Jakob Weiner und Gustav Wilder an. ' Das "Büro des- Äustro-palästinensischen Wirtsohaftsdienstes befindet sich ■ am Han'delsmuseum (IX., Berggasse 16, Tel.;A-17-540). Sprechstunden 'des Sekretariats jeden Montag" und Donnerstag von #5 bis 6 Uhr nachmittags; Auskunftserteilung auch schriftlich. _ "V Antisemiten haben die Kommunisten dafür gestimmt, die Sozialdemokraten haben n i c h t d agegen gestimmt, sich der Stimmenabgabe enthalten. Beide geben als Grund agitatorische Schwierigkeiten an. Jüdisches Menschen-, recht, jüdische Ehre gelten auch den von Juden gewählten Parteien nichts, wenn die Vertretung und Achtung dieser jüdischen Rechte mit „agitatorischen Schwierigkeiten" verbunden sind ... Um die aufs tiefste erregte und erschütterte Judenheit zu beruhigen, läßt der antizionistische, yon der „Vergänglichkeit des Antisemitismus"' immer 60 unentwegt überzeugte „Cenfralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" eine Erklärung verbreiten: »Der angenommene Antrag auf Enteignung jüdischer Vermögen ist nur als reiner Demonstrationsantrag zu werten, dem keinerlei praktische Bedeutung zukommt. Das Staatsministeium braucht einem derartigen Antrag nicht zu entsprechen, weil es sich um kein Gesetz handelt, sondern um Anregungen, die in Form eines Antrages gekleidet sind/' Schön möglich, daß formelle Schwierigkeiten die.Durchführung dieses wirtschaftlichen Pogroms, verhindern werden. "/* Aber fest steht, daß eine überwältigende Mehrheit im deutschen Volke ausspricht und. aussprechen läßt, daß die Juden eine „raffende . Rasse" sind, die zu enteignen staatliches Interesse erheischt. In dieser Atmosphäre sollen fortab die Juden Deutchlands leben. Aber der Centraiverein.sagt tröstend, daß ja das Staatsministerium den Antrag nicht auszuführen braucht — wenn es nicht will. Armseliger Trost, den eine armselige Gesellschaft zu bieten vermag ... * Zionismus, Palästina — als Antwort auf die Frage von der Lösung'der moralischen und materiellen Judennot. Was Theodor Herzl, der prophetische Führer, gesehen hat, das erkennen nun alle. Alle, die einst gespottet und gezweifelt haben. Die zionistischen Stellen werden von Tausenden mit der Frage bestürmt, wie man nach Palästina kommen kann. Hätte die Mehrheit des jüdischen Volkes in den fünfunddreißig Jahren nach Herzls Ruf nicht gezweifelt und gespöttelt, sondern geglaubt und gearbeitet, um wieviel leichter wäre die Losung. So ist die Aufgabe schwer geworden, um vieles schwerer. Aber sie muß und wird gelöst werden. Die Judenheit drängt nach Palästina. Eine starke, vom reinen Herzl-Gedanken geleitete zionistische Organisation kann ihr den Weg freimachen. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt* Hohen H9.ÜMQ S&4 dmsk ejn bsigefügttt £ bezeichnet, JÜDISCHE VOLKS PARTEI Zwei große Versammlungen Donnerstag, den 30. Juni, um halb 9 Uhr abends im Saale des Restaurants Jakob Heugl „Zum roten Apfel", XVI., Neulerchenfelderstraße 49. Thema: „Wie begegnen wir Juden der drohenden Gefahr?" Referenten: Fritz Richter, Hans Kandl, David Nebenzahl. * Montag, den '4 Juli, um halb 9 Uhr abends im Jüdischen Heim, X., Humboldtgasse 25>. Thema: „Was sollen wir Juden jetzt tun?" Referenten; Dr. D. Bukspan, Oberbaurat Robert Stricker. Juden, erscheinet zahlreicht — Kein Konsumzwang* — Regiebeitrag 20 Groschen.