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Die neue Welt · 1932-06-09 · Heft 247 (9.6.1932) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 247 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Seite t Brief aus Budapest Eine Wahl — Terror und Polizeiassistenz Vom Korrespondenten der „Netten Welt" Budapest, 30. Mai 1932. Die korrupte Notabeinwirtschaft in der jüdischen Führerschaft Ungarns hat am letzten Sonntag, anläßlich einer Wahl, zu einem Skandal geführt, der selbst im Lande, das an starken Tabak gewöhnt ist, peinlichstes Aufsehen erregte. Nach dem ungarischen Gesetze sind die liberalen — oder wie man sie hierzulande nennt* die n e o 1 o g e n — Judengemeinden in einem Verbände zusammengefaßt, an dessen Spitze die Israelitische Landeskanzlci steht. Jahrelang stand Baron Adolf K o h n e r der Kanzlei vor, hat sich jedoch vor kurzem, teils infolge von Amtsmüdigkeit, teils infolge der Liquidierung der altrenommierten Firma Kohner veranlaßt gesehen, auf das Ehrenamt zu verzichten. Er war keine ideenreiche Persönlichkeit, aber immerhin ein Gentleman, der es niemals über sich gebracht hätte, selbst auch nur die geringste Inkorrektheit in der Amtsführung zuzulassen. Kaum war durch Kohners Rücktritt die Stelle des Präsidenten der Landeskanzlei erledigt, als sich zur allgemeinen Ueberraschung der Präsident der Pester Neologengemeinde, Hofrat Samuel Stern, selbst als Kandidat präsentierte. An dieser Stelle hatten wir schon des öfteren Gelegenheit, uns mit seiner Person zu beschäftigen, die das rückständigste Kahalsystem verkörpert, das den Gemeindemitgliedern die Steuern abnimmt und sie gleichzeitig des Wahlrechtes beraubt. Nur ein Sechstel der Mitglieder der Pester Neologengemeinde besitzt das Wahlrecht. Als Stern an die Spitze der Budapester Gemeinde trat, versprach er feierlich, an Stelle der veralteten Statuten eine demokratische Verfassung zu schaffen. Seither sind drei Jahre vergangen und er denkt nicht daran, sein Wort einzulösen. Im Gegenteil, er ist ängstlich darauf bedacht, es beim alten Klüngelwesen bewenden zu lassen, da er befürchtet, daß „unberufene Elemente" in die Leitung der Gemeinde eindringen könnten. Hiebei führt er immer als Beispiel die Wiener Gemeinde an, die seiner Ansicht nach zugrunde gegangen sei, weil man das Verhältniswahlrecht eingeführt habe. Auch an der Isolierung der ungarischen Judenheit hält er fest, ähnlich, wie es seine Vorgänger getan haben, und vermeidet jede Annäherung an das Judentum im A u s 1 a n d e, denn sie könnte ja seinen magyarischen Ultrapatriotismus in Regierungskreisen verdächtig erscheinen lassen. Einmal nahm er sich wohl einen Anlauf, eine Verbindung mit der französischen Judenheit anzubahnen. In Wirklichkeit war das aber nur ein Versuch, eine Anleihe der Bethlen-Regierung in Paris zu placieren. Hofrat Stern hat vom Judentum nur eine ganz verschwommene Vorstellung und so hält er sich einen Ratgeber in jüdischen Dingen, den Redakteur des sattsam bekannten Assimilantenblattes „Egyenlöseg", Ludwig Szabolcsi. Dieser gab ihm auch den famosen Rat, sich nicht mit dem Vorsitz der Pester Gemeinde zu begnügen, sondern an die Spitze der Landeskanzlei zu treten, in seiner Person beide Machtstellungen zu vereinigen. Auf diese Weise hoffte Freund Szabolcsi, neben den reichlich fließenden Geldquellen der Gemeinde auch die der Landeskanzlei für sich gewinnen zu können. Diese Kandidatur löste selbst in führenden Kreisen das größte Mißfallen aus. Die angestrebte Aemterkumulierung und Erweiterung der Sternschen Paschawirtschaft yeranlaßte zwei führende Mitglieder des Kultusvorstandes, den Präsidenten der Ungarischen Allgemeinen Kohlenbergbau A. G. Eugen Vida und den Großindustriellen Dr. Leo v. Goldberger-Buda, zurückzutreten. Die gesamte jüdische Presse des Landes nahm gegen Sterns Kandidatur Stellung und richtete an ihn die Bitte, zugunsten eines anderen Kandidaten zurückzutreten. Stern blieb aber unbeugsam, worauf die Opposition Dr. Leo v. Goldberger als Gegenkandidaten aufstellte, der in sein Programm auch die Vertiefung der Beziehungen zum ausländischen Judentum, die Förderung der Palästina-Arbeit und die jüdische Jugendfürsorge aufnahm. Die Stern-Partei antwortete mit einem Staatsstreich. Sie ließ, im Besitze der Macht, vpr allem die Wahl für Sonntag, den 29. Mai, anberaumen, einen Tag, an dem auf Anordnung der Regierung im ganzen Lande in den Gotteshäusern Heldenfeiern stattfinden. An diesem Tage müssen daher die wahlberechtigten Rabbiner ECKSTEDTS F A MI LI E N Restauration, Kalfeehaue / TttflllcH 9»Mnr«T«a SEMMERING ZUStKütSSSÜ»43 Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-8-24 und Kultu9vorsteher in ihren Gemeinden verbleiben, so daß sie dem Wahlakt in Budapest nicht beiwohnen können. Und das war ja der Zweck der Uebung, da Stern nur zu gut wußte, daß die überwältigende Mehrheit der Provinz auf Goldbergers Seite steht. Aber auch das genügte Stern nicht. Er ließ mitteilen, daß die Wahl eine offene sein würde. Auf diese Weise sollten alle, die von der Gemeinde abhängen, eingeschüchtert werden. Wer wird es wohl wagen,' gegen den Brotherrn zu stimmen? Gegen beide Bestimmungen hagelte es Proteste. Vergebens. Stern und seine Freunde, die an der Macht sind, verhöhnten die Protestler. Unser guter alter Paul S a n d o r, Sterns Wahlmacher, der im Parlament den Demokraten markiert, erklärte bei einer Aussprache der Parteien, daß er „eine geheime Abstimmung nicht dulden werd e". Das sagte derselbe Sändor, der im Abgeordnetenhaus sonst immer sehr böse tut, wenn sich die ungarische Regierung der Einführung des geheimen Wahlrechtes widersetzt. Wir erlebten daher dasselbe Schauspiel wie im Westen, wo sich liberale Politiker in jüdischen Dingen stets als die größten Reaktionäre erweisen. Die Proteste fruchteten nicht und so ging denn am letzten Sonntag der Wahlakt vor sich. So glatt, wie es sich die Herren Stern und Konsorten vorgestellt hatten, verlief die Sache allerdings nicht. Die Opposition trat mit einer in Ungarn in jüdischen offiziellen Kreisen ganz ungewohnten Schärfe auf, es kam zu argen Tumulten, so daß sich der Wahlmacher Sändor, der große liberale Politiker, veranlaßt sah, zweimal die Polizei herbeizurufen. Die Abstimmung ging unter Assistenz der Wache vor sich. Mit diesen Mittelchen gelang es Herrn Hofrat Stern, 223 Stimmen auf sich zu vereinigen, während sein Gegenkadidat mit 147 Stimmen in der Minderheit blieb. So endete dieser für Stern und seinen Anhang wenig ruhmreiche Wahlkampf, der aber vielleicht eine gute Folge haben wird: die Zusammenfassung der wirklich demokratisch gesinnten, bewußt jüdischen Kräfte zum Kampfe gegen das veraltete, korrupte Kahalsystem und seine Vertreter Stern, Sändor, Szabolcsi und wie sie alle heißen mögen. Vor allem dürfte die mit ungesetzlichen Mitteln durchgeführte Wahl angefochten werden. Jomtow Lipman. Au§ Rumänien Antisemitischer Kurs und neue Regierung Ueber den soeben gestürzten Chef der Regierung und deren Tätigkeit wird der „Neuen Welt" aus Bukarest "geschrieben: Der Premier Jorga war ein guter rumänischer Historiker, aber ein sehr schlechter Politiker. Sein Regierungskurs war in die Richtung des schlimmsten Antisemitismus eingestellt. Um die jüdischen finanziellen und wirtschaftlichen Faktoren zu schädigen, war er bereit, die größten Opfer zu bringen. Die staatliche Administration verstand sehr bald den Wink von oben und begann ein System zu entwickeln, wie es in Rumänien vor der Regierung Maniu bestand. Die Demission der Regierung Jorga war nicht die Folge eines politischen Kampfes, sondern der Tatsache, daß sie sich nur als extrem antisemitisches Kabinett erwies, ohne die Fähigkeit, Rumänien vor dem finanziellen und wirtschaftlichen Ruin zu retten. Prof. Jorga wandte zunächst seine Macht gegen die jüdischen I n d u s t r i e 11 e n u n d Bankiers. Als Beispiel genüge die systematische Unterhöhlung des größten Bankinstituts Rumäniens, der jüdischen Bankfirma Marmarosch, Blank & Co. Durch verschiedene Machinationen und. den Druck auf andere rumär nische Banken wurden der jüdischen Bank die Gelder entzogen. Als sich seinerzeit der Chef des Bankhauses Blank an die Regierung wandte; verhandelte mit ihm der Finanzminister und versprach Hilfe. Die Unterhandlungen dauerten eine ganze Nacht. Am nächsten Morgen konnte man in der Bukarester Presse lesen, daß Premier Jorga einer Bauerndelegation erklärt habe, mit der Bank Marmarosch, Blank & Co. sei es zu Ende. Diese Nachricht erregte einen Sturm in der Presse und in der Finanzwelt. Der Finanzminister machte dem Premier Vorwürfe und dieser meinte, das Gespräch mit der Delegation habe vertraulichen Charakter gehabt. So ging nun die Bank in rumänische Hände über. Von der neuen Regierung erwartet man, daß . sie sich energisch von der alt"n Richtung des Jorga-Kabinetts abwenden wird.. Tortur und Inquisition Die in Kischinew erscheinende jiddische Tageszeitung „Unser Zeit" teilt mit, daß in Jeditez, in der Nähe von Chotin in Bessarabien, der Führer der dortigen Zionlsten Samson Bronstein von lokalen Beamten unter der Beschuldigung, daß er Kommunist sei — in Wirklichkeit war Bronstein als Zionist ein Gegner des Kommunismus — so lange gemartert wurde, bis er unter den Händen seiner Feiniger starb. Die Zeitung gibt eine genaue Schilderung des Inquisitionsaktes. Samson Bronstein wurde an Händen und Füßen gefesselt, an ein Pferd gebunden und so lange durch die Straßen geschleift, bis er kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Die Zeitung „Unser Zeit" erklärt, daß solche Torturen und inquisitorische Terrorakte gegen Juden in Bessarabien nicht vereinzelt sind. Fast täglich erhält die Zeitung Briefe mit Schilderungen haarsträubendster Torturen, denen Juden Der neue Kühlschrank für J wmmmmmmmmmmmmmmm! I Ueberau aufzustellen oder aufzuhängen 11 »Motorlos« I Daher: keine Abnützungserscheinungen, Velne Reparaturen Bequemt!« Teilzahlungen! ELECTROLUX Ges. m. b. h. Schauräume: I, StocKim -Eisen-Platz 3, Tel.R-28 - 5-60, I, NlbelunRengasse 9, Tel. A- 36-0 -78, A-36-0-81 D E R M A N N ausgesetzt sind. Die Zeitung richtet an die Regierung die Frage, ob dem Schutz des Staates gegen Kommunismus damit gedient sei, wenn man die unschuldige jüdische Bevölkerung dem frevelhaften Sadismus perverser und betrunkener Beamter aussetze. Der Abgeordnete der jüdischen Reichspartei, der Zionist Dr. Michael Landau (Bessarabien) erachtete es als seine Pflicht, nach Bukarest zu eilen, um dort bei der Regierung das Folterungssystem zur Sprache zu bringen. Bei dieser Gelegenheit führte Landau noch einen zweiten grausigen Fall an. In Tschepoloutz (Bezirk Chotin) wurden am 10. Mai im Hause des jüdischen Dorfkrämers KI e i vSmann und im Hause eines gewissen Fuchs, um 11 Uhr nachts ohne höheren Befehl Haussuchungen vorgenommen, die ergebnislos verliefen. Trotzdem wurden die Söhne Kleinmanns und der Sohn des Fuchs verhaftet, in Ketten gelegt und mißhandelt. Nach eintägiger Haft wurden die jungen Leute, nachdem sie den Gendarmen die Summe von 3000 Lei ausgefolgt hatten, in Freiheit gesetzt. Der Gendarmeriekommandant Pintilie versprach dem Advokaten Croitoru eine Untersuchung dieses Falles, die aber bis heute noch nicht durchgeführt worden ist. Abgeordneter Landau betont, daß es sich hier nur um ein typisches Beispiel der zu Hunderten sich ereignenden Willkürakte untergeordneter Organe in Bessarabien handelt. Die Mehrzahl der Fälle wird von der eingeschüchterten Bevölkerung nicht zur Anzeige gebracht und gelangt nicht zur Kenntnis der breiten Oeffentlichkeit. Das deutsche Hakenkreuz Ein charakteristisches Beispiel für die Ausbreitung des Hakenkreuztums auch auf die Auslandsdeutschen finden wir in Siebenbürgen. In der letzten Maiwoche fand in Sibiu, dem Zentrum der sächsischen Bevölkerung Transsylvaniens, eine mehrtägige „kulturelle Manifestation" der deutschen Nationalsozialisten Rumäniens statt. Die Veranstaltung, an der auch Delegierte der Banater Schwaben teilnahmen, zeugte von der rapiden Ausbreitung des Nationalsozialismus unter der deutschen Minderheit Rumäniens. Bezeichnend für die Lage ist, daß die gesamte sächsische Schuljugend an den öffentlichen Kundgebungen der Hitler- Leute teilnahm. Diese Propaganda unter den Deutschen zeitigt bereits Folgen. Bei einem Spiel um die Fußballraeister- ' schaft in Czernowitz zwischen dem jüdischen Sportklub Makkabi und dem deutschen Verein „J a h n" überfielen nach dem Sieg des Makkabi die Anhänger des „Jahn" die jüdischen Spieler und verletzten mehrere schwer. Ein zweiter Zwischenfall ereignete sich vor einer Polizeiwachtstube an der Peripherie. Ein Spieler vom Makkabi wurde im fahrenden Auto von einem Stein getroffen, den ein Mitglied des Klubs „Jahn" gegen ihn geschleudert hatte. Der Makkabi-Mann sprang ab, faßte , den Täter und übergab ihn einem Schutzmann. Eine ' Gruppe von „jahn"-Leuten unter Führung des Turnlehrers Franz Gruber kam. hinzu und versuchte unter dem Rufe: „Juden nach Palästina!" über den Makkabi- Spieler herzufallen, was von der Wache nur mit Mühe verhindert werden konnte. Mit seinem siegreichen Spiel gegen „Jahn" wurde Makkabi Bukowinaer Fußballmeister für das Jahr 1932. Brith Trumpeldor (Vom Shdlton-Bairo in Paris.) builtou. Aus verschiedenen Gründen ist die Lröffnung der zentralen Instruktorenscbule in Paris für September verlegt worden. Von den eingelaufenen Gesuchen wurden 18 berücksichtigt und als Schüler der Instrinktionsschule in Aussicht genommen. — Auf Ansuchen der Spar- und Leihkasse Kupat Hazohar Ltd. in Tel-Awiw erließ der Shilton eine Pekuda an die Kenanim, sie mögen, den Beschlüssen der Danziger Weltkonferenz gemäß, sich mindestens eine Aktie dieser Bank anschaffen. — Vizepräsident der Weltunion der Z. R., Herr Meir Gr ose mann, inspizierte auf Bitte des Shilton hin die Lage und Arbeit des Betar in Rumänien und sandte dem Shilton einen eingehenden Bericht ein. —7 Der Shilton zeichnete durch eine besondere Pekuda die Chaverim Zelvinsky, Mefaked Tel-Awiw und Leiter des Betar-Qrdner-Lagers an der Levante. Messe aus; seinen Gehilfen. Instrukteur J. Dukler und die Chaverim Wasermann und Schmerling, die ersten für geschickte. Leitung, die letzteren für hingebungsvolle .Arbeit während des Ordnerdienstes au der Levante-Messe. Informationen. Polen. In Galizien wurden neue Gelilim unter Leitung der Herren Dr. Tänzer und Dr. W e i n t r a u b' geschaffen. — Zur Instruierung der Arbeit ia Gttiiiieu ist der Absolvent der lustiuktoreu«.

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