Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 247 (9.6.1932)
- Date
- 1932-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nf, 24? Kerker schleiften — Achi Melr, der hebräische Schriftsteller, erfreut sich heute noch der Gastfreundschaft des Gefängnisdirektors in Akko — seit der 'Eröffnung also haben sich die Reihen der friedensbegeisterten Zuhörer merklich gelichtet.' Man Sieht die Hörftr vor lauter leeren Bänken nicht. Der Kanzler Magnes, 'der jüdfcchen Welt als prominenter Nichtwissenschaftief und daher Autor von Verbrüderungsschriften bekannt, gibt nun dein, hörerlosen Bentwich Revanche. Er arrangiert ihm, wie wir in der palästinensischen Presse lesen, eine Vortragstournee im Emek, für die Pioniere in den Siedlungen. Herr Norman Bentwich reist also im Emek von Kwuzah zu Kwuzah, von Moschaw zu Moschaw und spricht zu alt und jung, zu unseren Kolonisten, die alles Wissenswerte mit Begeisterung aufnehmen. Worüber spricht Herr Bentwich? Man wird wohl mit Recht annehmen, daß der Professor dort sein Kolleg hält oder wenigstens den bekannten Text von der Verständigung mit den Arabern und der Freundschaft zu den Engländern herunterliest. Mit Unrecht. Herr Beritwich spricht über — Sowjetrußland. In den Brith Schalom-Blättern begegnet man in jüngster Zeit häufig Artikeln, die das Thema Kommunismus und Sowjetrußland behandeln: mit wissenschaftlicher, präziser Objektivität, gewissenhaft bis «um Wohlwollen. So las kürzlich in der Prager „Selbstwehr", ein Gentleman aus dem Frankfurter Ghetto namens Dr. Ernst Simon einem jungen Mann die Leviten, weil dieser sich über die geistige Konkurrenz des Kommunismus in der jüdischen Jugend despektierlich geäußert habe. Das Berliner, Milchbruderblatt „Jüdische Rundschau" gab anläßlich der letzten Reichspräsidentenwahlen in Deutschland ihren Lesern eine Parole: „Nicht Hitler!" Da es daneben nur die Kandidaturen Hindenburg und Thälmann gab, so durften sich nach dem Rezept der „Rundschau" die Juden für einen der beiden entschließen, also auch für den — Kommunisten. Herr Bentwich sprach im Emek über Sowjetrußland. Wie die palästinensischen Blätter sagen, hörte sich das Reden des Friedens-B entwich wie hymnische Propaganda für Sowjetrußland an und unsere Bauern von Deganjah-Beth, von Gewah und anderswo vernahmen aus der von Magnes gemanegten Tournee die lieblichsten sowjetrussischen Töne. Mit dem Gefühl tiefster Bedrückung hat das Nationalheim die sowjetistische Kunde der Friedensfreunde vernommen. Ja, unsere Friedensfreunde. Sie sind gegen das Militär, aber nicht gegen die leicht losgehenden Gewehre der arabischen „Freiheitskämpfer" und die Rote Armee Moskaus; sie sind gegen soziale Unterdrückung, aber nicht gegen die Diktatur einer Klasse; sie sind gegen eine nationale Staatsordnung, aber nicht gegen die Hypertrophie des sowjetrussischen Staatsgedankens. Die britische Administration in Palästina sabotiert die Entwicklung des Nationalheims. —_ jene kokettieren mit dieser Administration. t Die arabischen Führer zeigen sich als wütende Bekämpfer eines jüdi- [\ sehen Palästina — jene verbrüdern sich mit ihnen; Die il Sowjetkommunisten sind Todfeinde des Zionismus und :] haben ihn in Rußland ausgerottet jene halten Reden II zum Lob und Preis des sowjetrussischen Henkers. Mit i verbrecherischer Intuition erfühlen sie alles, was dem;j Zionismus an die Gurger fahrenwill und propagieren es, Herr Magnes und Herr Bentwich vom Brith Schalom. .* - -.^•"Aber'^eB gibt rioeb andere iFürsprechei-Sowietnißlands in Palästina. So weiß das palästinensische Tagblätt; „Haarez" vom 24. Mai zu berichten:; „Die Propagandä der Agenten: Moskaus gefährdet; den Frieden des Landes und die Sicherheit der Juden. ( üik-Erbitterung gegen die Hetze seitens dieser: Elemente | nimmt von Tag zu Tag zu." Das Blatt zitiert ^nün aus n dem Hauptorgan der palästinensischen Ärbeiterschäft' „Dawar" die Zuschrift einer Gruppe jüdischer Arbeiter in: Magdiel, wonach diese die Entfernung der kommunistischen Elemente aus dem palästinensi seilen Haschomer . Hazair verlangt, ebenso wie die Antwort deä „Dawar",; daß die Exekutivörgane der Arbeiterpartei alle die kommunistische Propaganda betreibenden .Mitglieder der Kwuzah vor das Parteigericht stellen und ausschließen werde. „Haarez" bemerkt hiezu: „Dieser Beschluß zeigt; Mangel an Mut. Hätte ihn die Arbeiterpartei, so müßte: sie diese Kommunisten nicht nur aus der Histadruth, sondern auch aus den Kwuzoth entfernen." * „Haarez" tut der Arbeiterpartei Unrecht. Die Arbeiterpartei hat Mut. Zwar nicht gegen die Kom-; munisten, aber gegen revisionistische Arbeiter, Mitglieder, des Brith Trumpeldör. Mari liest z. B. jetzt; wieder in der palästinensischen Presse von konstanten Drohungen gegen revisionistische Arbeiter in der Kolonie Herzliah. Hier schreckt man sogar vor. brutalen Gewaltakten nicht zurück, um dem revisionistischen". Arbeiter. Brot und Arbeit zu nehmen: das alles, weil der mutige Betar sich nicht in die klassenkämpferische Histadruth hineinpressen lassen will. Der Brith Schalom liebt den Frieden, den Effendi,, den Bolschewismus. Die Linken sind gegen die kom-: munistischen Aufwiegler zwar gerecht, aber nicht streng — gegen die revisionistischen Arbeiter mehr streng als gerecht. Und all diese Hiebe hat der Zionismus zu ertragen. Aber wir können — das sqllen sich die, Totengräber des. Zionismus sagen lassen -r-, die ersten Zeichen der aufdämmernden Abwehr vermerken. o. r. Am der judi§dien Well 80.000 Juden in Jugoslawien. Auf Grund bisheriger. Ergebnisse der Volkszählung hat Jugoslawien eine jüdische Bevölkerung von 79.800 Seelen, während im Jahre 1921 nur 64.159 Juden in Jugoslawien registriert wurden. * Hundert Jahre Judenemanzipation in Kanada. Die Londoner „Times'' erinnern daran', daß vor genau hundert Jahren die Juden in dem englischen Do* in i n i u m Kanada ihre politische und bürgerliche Gleichberechtigung erhielten. Nach mehrere Jahrzehnte andauernden erregten Debatten in der kanadischen Öffentlichkeit hat die gesetzgebende Versammlung von Kanada im März 1832 das Gesetz über die Jüdische Gleichberechtigung angenommen. Am 5. Juni 1832 erhielt da« Gesetz die königliche Sanktion. Seit dieser Zeit halben viele Juden im kanadischen Parlament .gesessen und zahlreiche andere Juden haben hohe Positionen im öffentlichen Leben des Landes eingenommen. , * Mischehe« bedrohen die Existenz des italienischen Judentums. Die du Florenz ersaheinende jüdische Wochenschrift „Israel" führt aus, daß das Ueberhandnehmen der Mischehenf.in Italien — a\if hundert Ehen von Juden oder < Judinnen kommen 3 3 E h e tf zwischen Juden und Christen — das italienische Judentum in seiner. Existenz bedroht. Die Zeitung fordert die jüdische Oeffentlichkeit auf, dieser Entwicklung entgdg«ttMWifken. Die" römische TatfttKseitattg „II Tevere'Jtihtt ih einer Polemik gegen „Israel" aus, die einzige Lösung der Judenfrage «ei die Mischehe, durch die die Juden vom Stammvölk aufgesogen 'werden. In Italien, führt das Blatt aus, existieren im Gegensatz 7,11 Deutschland keine Kasscvörurteile. * VÜI. Nationalitätenkongreß in Wien, Vom 23. bis 30, Juni findet in Wien der VIH. Nationalitäteukonffrefl (Kongreß der nationalen Minderheiten), dem heute über 40 Minderheiten in Europa mit etwa 40 Millionen Seelen angeschlossen sind, statt. Auf dem Kongreß werden auch diesmal jüdische Minderheiten aus verschiedenen Ländern vertreten sein. Im Mittelpunkt der Beratungen werden stehen: „Die Frage der allgemeinen Gültigkeit der;Grundsätze des Nationalitätenrechts im europäischen Raum" und „Die Frage der Anerkennung der Volkstumsreohte im Wirken der Kirchen". Hervorragende und besonders da.zu^ eingeladene Vertreter der einzelnen Konfessionen werden zu Worte kommen. Auch die Frage der „Selbsthilfe" der Nationalitäten auf dem Gebiet des Genfer Petitionswesens wird behandelt werden. * Ein Zionist auf einem hohen Richterposten in Niederländisch-Indien. Der Führer der Zionisten Nieder- Iändiscih-Indiens, Dr. Isidore Hen aus Baiavia, wurde zum Vizepräsidenten des Obersten Gerichts in Soerabaja ernannt. Die Juden von Batavia ehrten aus diesem Anlaß Hen in einer überfüllten Versammlung. •. y '.fr . .; s■ , ■ * --■>• f j •. ... f 1 k Die neue Leitung des zionistischen Landesverbandes in Belgien Der ZentraLrat der Zionistischen Föderation in Belgien, der sich aus Vertretern aller zionistischen Richtungen mit Ausnahme der Revisionisten zusammensetzt, wählte ein föderatives leitendes Komitee, dem seitens der allgemeinen Zionisten Dr. Torczyner, Pi t zele und Schulsinger, seitens des Misrachi Genachowski und Lindenbaum, seitens der vereinigten sozialistischen Zionisten Lipschitz und Trachtenberg angehören. Ein Sitz wurde für die Brüsseler Zionisten und zwei Sitze wurden für die Revisionisten reserviert. Späte Erkcnnfni§ Zu den beharrlichsten Gegnern" der zionistischen Forderung, in allen Ländern1, wo Juden in beträchtlicher Anzahl Idben, jüdisch-nationale, das heißt bewußt jüdische P o l i t rk zu treiben, jüdisch-politische Organisationen zu bilden, jüdische Vertretungen dii den Parlamenten und anderen* öffentlichen Körperschaften anzustreben usw., geftör'teMi die a fn e r ik a ri i s c Ire n Juden. Und in dem Kampfe gegen alle politischen Bestrebungen jüdischnationaler Art fanden diie europäischen Assimilationsjuden Unterstützung in Amerika. In dem- Wahne, ■ vor dem Antisemitismus europäischer Fasson für alle Zeiten bewahrt zu sein, fanden die amerikanischen Juden für diese Bestrebungen nur Worte der Ablehnung und Geringschätzung. Aber die Zeit hat sich gründlich gewandelt. Aus New York wird gemeldet: Auf der dieser Tage in Philadelphia abgehaltenen Nationalkonferenz für jüdische soziale Fürsorge in Amerika erstattete Dr. J. M. Rubino wV Sekretär des Wettbüros , des 5'. Unabhängigen Ord.ensJBnei;Brith^-Bericht über die Lage der amerikanischen Juden. .Die- Juden in den Vereinigten Staaten, führte er aus, sind im Handel, in der Industrie, ja sogar in den geistigen Berufen, Benachteiligungen ausgesetzt; in gewissen Wirtschaftszweigen werden Juden nicht angestellt. So ist eine Massen not entstanden, für die eine Abwanderung zum Kleinhandel,' zur Landwirtschaft und zur Industriearbeit keinen Ausweg bedeutet. Der Kleinhandel wird infolge der wirtschaftlichen Revolution und der Verkürzung des Weges zwischen Produzenten In Beruf und Sport sich frisch und ausdauernd zu erhalten, gibt es nichts Besseres als ständige Körperpflege. Ein ideales Mittel dazu finden Sie in dem seit Jahrzehnten bewährten, In tausenden Familien beliebten Franzbrannttoeln mit Menthol! •-< : . . ( Erhält durch tägliche Massagen 'Einreibungen). die, Spannkraft, kräftigt -Muskeln. und Nerven, verleiht Ausdauer. 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Ruhdnow, wie die Neger, unsere Lage als eine fundamentale Bedingung unseres Lebens, der man nicht entrinnen kann, akzeptieren und uns ganz auf uns zurückziehen, womit wir aber unsere soziale und wirtschaftliche Isolierung vollenden würden* Wir können schließlich auch weiterhin diejenigen Berufe überfüllt halten, in die wir durch den stillen sozialen Druck gedrängt worden sind. Besser aber wäre es, wenn wir versuchten, die Tendenz, Jud en, zurückzusetzen, durch erzieherische^ aufklärerische und sogar legislative Aktionen zu bekämpfen.. •■■■.♦ Wie zu ersehen, hat die jüdische politische Abstinenz der amerikanischen Juden ein Ende gefunden. Aua rächt-nationalem, nicht-zionistischem Mund ertönt die Forderung nach einer bewußt jüdischen Politik. Eine Erkenntnis, die leider sehr spät* und leider erst ■unter?' dem- Druck größter Not durchgedrungen ißt. Juden/ «Araber und Engländer iii Palästina / Der junge Lord Melchett, Sohn des verstorbenen englischen Ministers und Zionistenfüihrers, Sir Alf red Mond, hielt sich mehrere Monate in Palästina auf., um die Fortführung des von seinem Vater großzügig begonnenen Siedlungswerkes zu organisieren. In . der Jeru* salemer englischen Tageszeitung .rPalestine Bulletin** gibt er die Eindrücke wieder, welche das politische und wirtschaftliche Leben und insbesondere die Art des Zusammenlebens von Juden, Arabern und Engländern bei ihm hervorgerufen haben. Er schreibt u. a.: ■■■.''. „Die Araber sind zu staatlicher Zusammenarbeit und staatlichem Aufbau nicht geneigt. Sie haben zugesehen, wie die vielen Millionen Pf und, die die Juden in ihrem begeisterten Bestreben, Land zu erwerben, ihnen in den Schoß geschüttet haben —- wodurch z. B. -der Boden pr eis in der Scharon-Ebene den im englischen {Hjam5eah*i-re überstieg.—,- fort .rieselten, ohne die .geringste Anstrengung zu machen, das Bo,deJiproblem hier m ^alüsfina oder im dünn bevölkerten Transjordanien zu iosen.'Die Moslems kannten, die Juden als. blasse Gelehrte, Wie'sie seit dem Mittelalter in Safed, Tiiberias und Jerusalem wohnen; der neue junge Ma k k a b a e r - T y p, der Tel. Awiw aufgebaut und den Emek urbar gemacht hat, geht über ihren Gesichtskreis hinaus. Den Zionisten wiederum, die mit einer Hingabe und einem Feuer in das Land zurückkehren, das, nachdem es bald 2000 Jahre unier der Asche glühte, wieder hell aufgelodert ist, ist das Andersgeartet sein des Engländers unbegreiflich. So muß die Menge blind ihren Weg gehen,, kämpfend, glaubend, arbeitend, um die Heimat wieder au gewinnen, das Nationalheim aufzubauen, das die Nationen der Welt dem jüdischen Volke in Genf versprochen haben. . Die Zionisten haben Wunder vollbracht. In zehn Jahren haben sie hunderttauesnd Menschen in einem Lande von der Größe1 etwa von Wales neu angesiedelt, und während überall in der Welt stärkste Depression herrscht, herrscht hier Mangel an Arbeitshänden. Sie haben, Tim sich aus dem Babel der Diaspora zu retten» ihre Sprache neu geschaffen. Sie schuf en Schulen, Plantagen, die Universität, Hospitäler und 'Wohlfahrtszentren; Sie haben ein unlösbar erscheinendes Problem mit Eifer, Energie .und Sachkunde gemeistert. Das jüdische Volk - gleicht, einem. Vollb l utpferd, das grausam behandelt wutde,, dessen Feuer man aber nicht eindämmen konnte; das, wenn man die Hand erheibt, sogar um es zu streicheln, scheu zurückschreckt und den Kopf hochwirft. Eö ist so viele Schläge und so wenige Liebkosungen gewohnt, daß es bei jeder Bewegung mißtrauisch wird, Pie kleinste Nation sein heißt, unter allen Kreaturen Gottes die am meisten geknechtete und gequälte und am ungerechtesten behandelte, sein. Jetzt gar haben die Juden ihr schlimmstes Verbrechen begangen; sie WQÜen ihr Land für sich nachdem alle Nationen der .Welt es ihnen versprochen haben. Eines Tages wird es ihr Land sein, denn es gibt keine Macht auf Erden, die das hindern könnte." Konstituierung des American Palestine Committee Das im Jänner 1932 auf Initiative des amerikanischen Mitglied« der zionistischen Exekutive Emauuel Neu man und mit Billigung des Präsidenten Hoover an Washington l>egründete. American Paletfine Committee, das sich t... führenden Staatsmännern und Politikern der Vereinigten Staaten zusammensetzt