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Die neue Welt · 1932-05-27 · Heft 245 (27.5.1932) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 245 (27.5.1932)
Date
1932-05-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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186 Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. Preis 35 Groschen Freitag, den 27« Mai 1938 REVU E BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig «4.20 Ranzjähriß S 16.-; Polen monatlich Zloty2.-, vierteljährig Zloty 8.-; Tschechoslowakei monatlich K«6>n vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.*-; Deutschland monatlich Mark I.—, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Itaifen monatlich Life 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Jet. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Hakeiikreuz*Exzesse in Wien Im Zusammenhang mit der Eröffnung des Wiener Stadtparlaments und dem Einzug von 1S> Nationalsozialisten in diese Körperschaft kam es am 24. d. M. in den Abendstunden zu argen antisemitischen Exzessen. Vom Rathaus abgedrängte Hakenkreuzler versuchten in jüdische Geschalte einzudringen, zerrten jüdische Passagiere aus der Straßenbahn, um sie zu verprügeln und drangen In jüdisclie Geschäftsstraßen des Zentrums ein. Nur dem Umstände, daß die Ueberfälle scheinbar nicht genügend vorbereitet waren, ist es zu danken, daß es nicht zil folgenschweren Ausschreitungen kam. Jedenfalls steht die Wiener Judenschaft vor Ereignissen, denen man nicht ohne Besorgnis entgegensehen kann. Was sich in Oesterreich vorbereitet Die Idee des verschärften, auf Gewalttaten eingestellten Antisemitismus, die bei den letzten Wahlen ins Wiener Stadtparlament einen großen Erfolg errang, beginnt über die Grenzen der Partei des Hakenkreuzes hinaus zu wirken.-. Auch-die .anderen Parteien stellen sich in der Judenfragum. Die große Partei der Christlichst zi'alenj welche-.sich;'heute noch mit den Sozialdemokraten in die Herrschaft über Oesterreich teilt, kündigtah,' daß sie den -gemäßigten Kurs in der Judenfrage aufzügeben entschlossen ist. Ihr neuer Obmann, Professor K.'ra s s c r, stellte in seiner Antrittsrede fest, daßdie Rückstellung des .antisemitischen Programms durch die frühere, Leitung-der Partei argen Schäden gebracht habe. Er kündigt für. die';Zukunft einen;s c'ha r f e n ,ari;Usem.iti^^ sprüht, dafür, Saß* -etf irr: d"i e s>e:rÄ Hinsicht; sein^Wbr-t einlösen-" wird.' . ■'. -; , v _ . . >»•■;::• . •. ' ', ' - Die'Nation.als'.oziäl'is'tenhaben' nach gewonnener Wahlschlacht begonnen, ihr Judenprogramm in die Wirklichkeit, umzusetzen. Sie. haben ihren Einzug in An die jüdischen Volk§* geno§§en! Immer dringender hat sich die Notwendigkeit gezeigt, der Judehheit Österreichs ein Instrument zu schaffen, das berufen1 ist, die drohenden wirtschaftlichen und politischen . Gefahren abzuwehren und eine Tribüne für ' alles zu schaffen, was in den Bereich jüdischer Interessen fällt. ,Yon jüdischen Männern .und Frauen soll, der legitime Kampf geführt werden gegen alle Versuche, die jüdischen Rechte zu schmälern, und für die wirtschaftlichen und kulturellen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung. Nur eine bewußt jüdische, weder an rechts '« noch an links gebundene Politik kann in dieser I Zeit höchster Gefahr, angesichts des bedrohlich anwachsenden aggressiven Antisemitismus, den Kampf erfolgreich führen. Unserem Ruf sind zahlreiche Juden aus allen Schichten gefolgt. Unsere Aufklärungsarbeit war nicht erfolglos. Es gilt nun, die breiten jüdischen Massen zu gewinnen. Jüdische Volksgenossen! [Werbet für die Jüdische Volksparter Der Obmann ' Robert Strickeri1' Beitrittserklärung Ich melde hiemit meinen Beitritt zur Jüdischen Volkspailei mit einem Jahresbeitrag von S .... am (Mindestbeitrag pro Jahr-S i.f i s ■ 1118 4 1» Name: . Beruf: Adresse: « , * « s s Ausschneiden und an das Sekretariat, Wien, IL, Untere Augartenetraße 38, senden* den niederösterreichischen Landtag — in welchem übrigens kein Jude sitzt — mit einem unerhörten antisemitischen Schimpf- und Drohkönzert begonnen. Sie werden es im Wiener Stadtparlament fortsetzen. Ihre antisemitische Agitation von „Mann zu Mann" in allen staatlichen und städtischen Aemtern wird immer merkbarer. * Die sozialdemokratische Partei, welcher die österreichischen Juden bedingungslos nächlaufen, welcher fast alle jüdischen Stimmen zugefallen sind, hat auch das judenfreundliche Mäntelchen abgelegt und fein säuberlich in den Kasten gehängt. Bis zur nächsten Wahl. Mit aller Deutlichkeit macht sie jetzt den „geliebten jüdischen Wählern" klar, daß sie im großen und ganzen doch eine Partei der n i c h t j ü d i s c h e n Arbeiter und keine Ju d.e n s c h u tz t ru p p e ist. Um das zu unterstreichen, bringt das sozialdemokratische Hauptorgan „A r b e i,t e r. - Z-e/i t u n g" in seiner . letzten Sonnta'g- .n^mmßt;.einen. Artikel 4e| Jver^tQrbierjQn; ■Führers V;iktqr,. -A d l e r uber^dieTJ' u-d e".n;Ä£l*§M&. .:Öa Keißt -es:;.,,.,, . * . „Im: Ant'ise;m,it^smus', wird also die ' soziale Frage V e rd u n k eit, sie wird einseitig und verschroben zum Bewußtsein des Volkes gebracht. Ein Kampf um die Beute wird dargestellt als Kampf gegen die Ausbeutung. Aber der Wahn kann nicht lange dauern. Die antisemitische Bewegung ist immerhin eine Bewegung, und zwar eine Bewegung von Volksschichten, die insbesondere bei uns die schwerfälligsten urid dumpfsten sind. Ist die' Bewegung dieser Klassen einmal-im Fluß, dann werden sie auch nicht mehr stillstehen; das Mißverständnis wird ein Durch- BEILAGE (Sete«) FÜR DEUTSCHLAND gangspunkt zum Verständnis sein. Mögeri sich die Führer der Antisemiten nur mit dem Gedanken vertraut machen: sie besorgen die Geschäfte der. Sozialdemokratie. Bis dahin aber kann die Sozialdemokratie detri Kampf um die Beute ruhig zusehen.'Der häusliche Streit der besitzenden Klassen interessiert sie sehr wenig. Die österreichische Sozialdemokratie hat nur die Aufgabe, auf ihrer .;: Hut zu* sein, daß sie weder von. den Juden noch von den Antisemiten dazu benützt wird, die Kastanien aus ,dem; Feuer zu holen. Lust verspüren beide dazu;, a b e r e s hat keine N o t. Die Arbeiterklasse ist sich über diese Dinge längst klar.'4 Das ist deutlich gesprochen. Durch den Mund des verstorbenen Führers wird den Juden klargemacht, daß sie sich ja nicht einbilden sollen, bei den Sozialdemokraten Schutz vor antisemitischen Gewalttaten finden zu können. Denn, der Kampf gegen die Juden bedeutet für die Sozialdemokraten einen „häuslichen Streit der besitzenden K1 a s s e n", in den sie sich nicht einmischen. ' Das ist wöhr ein übler Dank für die vielen, den, Roten gegebenen jüdischen Stimmen.; Aber ein gebühren-' ■'^irT3Aük.J^^\y^ \ . Die österreichischen Juden ^verfügen '"über genügend Stimmen, um eigene Vertreter in" die parlamentarischen Körpersch«fteh^»^'entsenden. Sie sind, genug stark, um eine mächtige jüdische politische Organisation zu bilden* Sie haben beides verschmäht. Haben es verschmäht, sich; jüdisch-politisch zu organisieren, haben %s verschmäht, jüdisch zu wählen. Sie haben sich in unwürdiger Hast und Hingabe den Sozialdemokraten an den Hals geworfen« Jetzt stehen sie da: Preisgegeben! Als Förderer der Sozialdemokraten doppelt gehaßt und von den Sozialdemokraten abgeschüttelt. Werden sie aus dieser harten Lektion den richtigen Schluß ziehen? Klassenkampf Unhaltbare Zustande — Aus dem „Haschomer Haxair" hervorgegangene Kommunisten — Verfüg« die Zi'onisten! (Von unserem Londoner Korrespondenten.) , London, 21. Mai. Die hiesige jüdische Wochenschrift „The Je wish Weekly" behandelt in einem Aufsatz „Klassenkampf" die politische und wirtschaftstechnische Hegemonie der sozialistischen Linken in der zionistischen Organisation und in der Palästina-Arbeit. Das Blatt stellt fest, daß die jüdische Oeffentlichkeit in der Galuth nicht . genügend < unterrichtet sei über Ereignisse, die diesem nicht wegzuleugnenden Zustand entspringen. „Jewish Weekly" schildert zunächst den organisatorischen Bau der Arbeiter-Linken,, die* Phalanx, die alles niederreite, was in ihr System nicht paßt,, und durch bewußte Niederhaltung des mittelständischen Elements — das im übrigen alles Geld und alle Opfer gebracht habe und bringe, damit auch lind gerade, eine Arbeiterkolonisation möglich gemacht werde — unhaltbare Z u st ä n d e geschaffen habe. So sei ein Geist erzeugt worden, der in erheblichem Maße auf . alle jüdischen Werte einschließlich derer der Arbeiterschaft retardierend wirkt. Die von der Arbeiterorganisation angewandt« Jugenderziehung In den soge-\ .nannten Arbeiterschulen sei auf Absonderung und Klassenhaß gerichtet. Das jüdische Arbeiterkind werde gelehrt,'das a n d e r e K i n d zu hassen. Herzl sei*von Marx in der Schule verdrängt" worden. „Jewish Weekly" erinnert ferner an ■ den Ausspruch des Arbeiterführers Ja w n e e 1 i von der gewaltsamen Besitzergreifung der Häuser und des Bodens des jüdischen Bürgertums und daran, daß der Vertreter der Linken in der zionistischen Exekutive, Berl Locker, auf eine Anfrage über diese Aeußerung gesagt habe: „Jawneeli hat zwar sehr unvorsichtig gehandelt, aber im großen und ganzen die Grundstimmung der Linken zum Ausdruck gebracht." Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt» lieben Notizen smd durch ein beigefügtes E bezeichnet Der Autor des Aufsatzes „Klassenkampf" nimmt Bezug auf die kommunistische Hetze in Palästina, die er als Folge der von der Arbeiterorganisation geübten Methoden in Propaganda und Erziehung darstellt, ob es nun die Führer der Arbeiterbewegung in Palästina wahrhaben wollen oder nicht. Die Voraussetzung dieser Betrachtung . der jüdischen Wochenschrift „Jewish Weekly" bildet ein vorausgegangener Bericht ihres Palästina-Korrespondenten über einzelne kommunistische Aktionen. Der Bericht lautet: Nun, da das Nebi-Musa-Fest ruhig verlaufen ist, kann ich eine Reihe von Ereignissen anführen, über die bis jetzt Stillschweigen gewahrt wurde. Das diesjährige Nebi-Musa-Fest wurde durch die Verhaftung einer Anzahl von Juden eingeleitet. Man fand bei ihnen Proklamationen, die die Araber auffordern, sich gegen die" Juden Palästinas zu erheben und sie aus dem Lande zu jagen. Die Verhafteten sind durchwegs junge Menschen, die als Chäluzim ins Land, kamen, der Demagogie der Linken , erlagen, um dann weiter nach links in die kommunistischen Reihen abzuschwenken.. Es ist dies keine Einzelerscheinung. Im Gegenteil. Dieselbe Partei, die nun von den sporadischen Ausbrüchen des Kommunismus an einigen Plätzen beunruhigt wird, weiß sehr wohl, daß es ihre eigene Propaganda und ihre eigen« Klassenkampfdoktrin ist, die die Grundlage für den heutigen Stand der Dinge legte. Den Nebi-Musa-Proklamationen waren noch blutrünstigere Aufrufe anläßlich des Purim-Karnevals in Tel-Awiw vorausgegangen. Sie forderten die Araber auf, in Massen nach Tel-Awiw zu ziehen und die Juden aus* zurotten. Es gab noch derlei Zwischenfälle. So am 7. April,

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