Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 244 (20.5.1932)
- Date
- 1932-05-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 35 Groschen Jahrgang 6 Freiing/ den 20* Mai 1932 Nr« 244 V.b. b- BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, ganzjährig. S 16.-; Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6.-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-: Balgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel* jährig Schweizer Franca 4.50 HERAUSGEBER. ROBERT STRICKER Redaktionu. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, 7et. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag REVU E Zionistische Rundschau Der „French-Bericht" und die revisionistischen „Lügen" .Angriffe auf Präsidenten Sokolow — Der umstrittene Jabotinsky-Brief In Palästina spielt jetzt der von der britischen Regierung dorthin entsandte Direktor French eine große Rolle. Er ist mit der Aufgabe betraut, den Bodenverkehr in Palästina zu regeln, Gesetzesvorschläge für den Kauf und Verkauf von Boden, Ansiedlung von Landlosen etc. zu erstatten. Die Leitung der Zionisten- Revisionisten in London hatte die zionistische Oeffentlichkeit und Leitung der Weltorganisation gewarnt und aufgefordert, rechtzeitig Herrn French, dessen •antizionistische Einstellung, ihr bekannt wurde, ' entgegenzutreten. Sie hat auch besorgniserregende Einzelheiten des Planes des Herrn French, die zu ihrer Kenntnis gelangten, veröffentlicht. Die Antwort von : offizieller zionistischer Seite war ein Sturm gegen .die revisionistischen „G e r ü c'h temac-he r", welche frivol Unruhe' stiften. Nun sieht sich die offizielle Leitung genötigt, Einzelheiten aus dem bisher „geheimen" French'-Bericht zu veröffentlichen, welche die "revisionistischen Warnungen vollauf bestätigen, '.vielleicht übertreffen. Sie bedient sich zur Veröffentlichung der ihr ergebenen palästinensischen Tageszeitung „D a y a r4\ Die. J. T. A. meldet taus Jerusalem: ,,Die Arbeiter-Zeitung „Davar" bringt ihr zugegangene Informationen Über den voraussichtlichen1 In- 'thält'des Berichtes des palästinensischen Landentwicklungsdjrektors Lewis ^r e'iic hi der, wie verlautet, in diesen .Tagen fertiggestellt und der Regierung be r.e i t"s ^nJler-b r^^ t e t -«.w p r.d'e n;',ä;fti^:^reÄchr,ßc^gt/^.ut „Davar'* der Regierung vor, vier .der Landentwieklung IzW' unterstelle^ Beer Sheba, Beisan, Jordan-Tal' und Huleh-See-Distrifct. Z uerst ßollen die d ep oss edierten Araber in diesen Gebieten angesiedelt werden; wenn dann ■noch freie Böden übrigbleiben und aus der palästinensischen Landentwicklungsanleihe (Palestine Development Loan) noch Gelder verfügbar sind, sollen auch 'Jirden in. diesen Gebieten angesiedelt .werden, ' Ein anderer Vorschlag Frenchs ist laut „Davar" der Erlaß eines Verbotsvon Bodentiber tr agun-geh." Solche Uebertragunge» sollen nur unter ausdrücklicher' Billigung der;Regierung vor sich gehen können. Die- Regierung soll Qptionsrecht auf gewisse zum Verkauf angebotene Böden haben. „ -t > Wie. „Davar"- weiter berichtet, erklärt French in seinem Bericht,an die Regierung, daß die"Juden über genügend. Boden in der Küstenebene verfügen und daß die arabischen Fellachen darum vor dem von den Immigranten ausgehenden Druck geechüt z t werden sollten/ Zu diesem Zwecke fordert ';er ein G e n er alverbot für Bodenverk ä u f e, dieJ den" Verkäufer landlos machen. Nur wenn der Bodenbesitzer für sich selbst ein: gewisses Minimalgebiet zurückbehält, darf er Bbden verkaufen. French schiebt die Schuld an den bestehenden Bodenverhältnissen in Palästina sowohl dem Jüdischen Na- "i i o n a 1 fp n d s als auch den arabischen G r o ß g r u n dbesdtzer'n zu."- ■ ■ * '• Wer lesen kann, kann - nun entscheiden, ob die revisionistischen Warnungen gewissenhaft waren, ob es gut war, Herrn French. unbehelligt „arbeiten" zu lassen. * Der in Amerika weilende Präsident der Zion. (Weltorganisation, So k o 1 o w, hat dort in einer Rede betont; daß; die ■ Juden ihren Anspruch auf Transjordanien— jenen großen Teil Palästinas, der dank der1 unheilvollen .Arbeit Herbert. Samuels und unter .Verletzung des Mandats von' Palästina abgerissen, und den Juden verschlossen wurde — . aufrechterhalten. .Wegen dieser Haltung,' die durchaus zionistisch 'ist und' der Stimmung. der Mehrheit aller . Zionismen entspricht,, wird. Präsident Sokolow von den dem früheren Prä-: «idehteit Weizmanu. nahestehenden;-Blättern ».-(Berliner; „Jttd.Rundschau", ,?Dayar" etc.) heftig angegriffen; als Unruhestifter bezeichnet. — Professor Weizmann hat in einer -Red«, die» er :in Südafrika hielt, angekündigt, daß er wieder in die zionistische Politik einzugreifen gedenke. * Wollen ihm die genannten Zeitungen durch, die Angriffe auf Sokolow den Weg beredten? t' Jabotinsky hatte au . die" Landeskonferenz der Äpnisfea-RevJiwonisten i» Palästin« ein Schreiben ge- , BEILAGE .(Seile 6) FÜR DEUTSCHLAND richtet, welches Gegenstand einer erregten Diskussion in der zionistischen Presse bildete. Eine irreführende JTA.-Meldung wurde dahin,ausgelegt, daß Jabotinsky die Konferenz aufgefordert habe, dahin zu arbeiten, daß England das Palästina-Mandat weggenommen werde! Dann wurde berichtet, daß das Londoner Büro der revisionistischen Leitung und Mitglieder der Exekutive in dieser Sache gegen Jabotinsky protestiert hatten. In Wirklichkeit hat Jabotinsky in dem Briefe festgestellt, daß die derzeitige britische Regierung vomf Wege des Zionismus abgekommen und daß es Pflicht der Zionisten ist, diese Tatsache der Welt eindringlichst zur Kenntnis zu bringen. Dann führte Jabotinsky folgenden Gedanken aus: Europa, Amerika und England sollen dessen eingedeuk sein, daß in der heutigen politischen Konstruktion der Welt und um Palästina noch gewaltige Aenderungeu eintreten können. Vor allem soll man dessen eingedenk sein, daß sich auch um die Herrschaft über Palästina noch mächtige Konkurrenzen entwickeln könnten. (Eine Woche nach Absendung dieses Briefes hat der . Außenminister G r a n d i im italienischen Parlament die Forderung Italiens nach einem Mandat im Mittelmeerbecken erhoben! Die Warnung Jabotinskys scheint also nicht/nebulos!) . Union der Zlonisten-Revlsionlsten Oesterreichs Mittwoch, den 25. Mal 1932, '/a9 Uhr abends, im Herxl*saal des Verbendsheims, II., Untere Augartenstraße 38 LICHTBILDER¬ VORTRAG Die Makkabiah in Erez-Is rael Referenten' Alfred Guth, Mik| Hlrscjil, Fritz Deutscher Regiebeitrag 20 g Gegen solche Feststellungen zu protestieren, lag also auf Seiten irgendwelcher revisionistischer Stellen oder Führer auch nicht der geringste Grund vor. Niemand hat protestiert. Wenn einige antirevisionistische Blätter, vor allem die Berliner „Rundschau", mit einiger . Genugtuung konstatieren, daß : über eine,;so .wichtige Frage Meinungsdifferenzen zwischen den' revisionistischen: Führern, zu herrschen scheinen, so haben sie' danebengeraten. Wohin geht die jüdische Jugend? — Junge Juden'Verhaltenen den Progrom, die Ermordung judischer Greise/ Kinder und Frauen — Rote Assimilation unter zionistischer Flagge Die "Vermischungstendenzen und Angleichungsbestrebungen, welche in der Aera des Liberalismus (im letzten Viertel; des neunzehnten Jahrhunderts) einen grollen Teil der jüdischen Jugend erfaßten, hatten dem Judentum schweren Schaden zugefügt. Die Lehre, die dahin ging, sieb den anderen Nationen rasch und gründlich* anzupassen und jüdische Sondereigenschaften ebenso rasch und gründlich auszumerzen, brachte die jüdische Jugend dazu, alles Jüdische und alle jüdisch gebliebenen Menschen zu verachten.- Sie war eine genug böse Sache,' diese „liberale" Assimilation, diese „weiße" Assimilation. In unseren Tagen hat eine andere Art von Assimilation eingesetzt, die marxistisch-kommunistische, die „rote". Ihre Lehre geht auch dahin, durch Unterdrückung oder Zurückdrängung des Jüdischen im jungen Menschen, restlose Angleichung an die Umwelt, zu ermöglichen. Aber sie begnügt sich nicht damit, die jüdische Jugend zur Ablehnung und Verachtung alles Jüdischen zu bringen. , , Sie bringt junge jüdische,'Menschen daz u, a ll es Jüdis che z u h a s sen.s eine V ernichtung— sei es auch mit den;'br uialsten Mit teln — zu ersehnen, 6ich'der bes tia 1 ischen' Ermordung jüdisch gebliebener Menschen zu erfreuen, sie unmittelbar, persönlich, zu fördern. .Judenpogrome als,not wendiges Mittel zur Förderung der marxistisch - kommunistischen'Sache zu' betrachten. w Ich werde es gut begreifen, wenn im ersten Augenblick der Leser die vorstehenden Zeilen als heillose und unerlaubte Uebertreib ung zurückweisen wird.' Ich hätte; noch vor ganz kurzer Zeit ebenso reagiert.;Aber Tat-; Sachen sind stärker als Erwägungen; sie haben meine Betrachtungsweise überwunden und-werden die meines- Lesere überwinden. * > Ich hatte vor einigen Tagen in einer .Massenversammlung im B e r Ii n e r J udenvierte l.zu sprechen. Vor dem Saaleingang'trat mir eine ' Gruppe jüdischer Mädchen und Jungen entgegen, mit. kommunistischen Abzeichen versehen. Sie boten mir ein rotes Heft an, Alle im redaktionellen Teil befindlichen entfielt» liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet sehr billig, zehn Pfennige. Ich kaufte und las. Der Titel: „Rote Reihe 6. — Tag der Fellachen." Autor ist der Jude Hadak. Das Heft enthält eine Beschreibung der J u <} e n s c h 1 ä c h t e r e i in, Pa 1 ä s t i n a ini August 1929. Der blutige Vorgang wird als h e r o i s c he Periode im ' Freiheitskampf "'des ' arabischen Volkes geschildert. In der Einleitung steht: „Der arabische Aufstand im Jahre 1929 war ein wuchtiger Ausdruck der arabischen Freiheitsbewegung!" Dann folgt die Schilderung der entsetzlichen Geschehnisse. Sie ist um einen „Held e n" gruppiert, um .den Araber Abdul, einen der drei Mörder, : die in Hebron und S a f e d wehr lose Greise, Kinder und Frauen niedergemetzelt, hatten und. später iingerichtet .wurden. Abdul durchzieht an , der Spitze bewaffneter Haufen das Land. In einer Pause besucht er seine'Frau Auscha. Da heißt es: „... Auch Auschas Vater blickte um sich, griK dann in den Schlitz seines Hemdes und zog ein langet frisch geschliffenes Dolchmcssev hervor. ,JEs hat lange genug geruht", sagte er, die Schärfe der Klinge prüfend, „aber heute gibt es, glaube ich, Arbeit!" Abdul zog eine riesengroße Pistole aus der Brustöffnung seines Hemdes, betrachtete die Waffe mit großer Zufriedenheit und sagte; „Dieses Ding hier ist doch besser als dein geschliffenes Werkzeug. Seht da —- er zog Patronen aus der Tasche — „jede bedeutet einen weniger von ihnen!" — und er zeigte nach der j ü d i s c h e n K o 1 o n i e, wo die erst'1"! Anzeichen des Erwachens zu bemerken waren . ♦ , Abdul zieht weiter: . „Yor einem Laden wurde getuschelt. Abdul sah, wie die Fellachen ihre Münzen auf - die fl4che Hand zählten, dann im Laden verschwanden und nach kurzer Zeit wieder herauskamen, die Hand an \ der; Brust. „...;. frisch g esc h 1 i f f e n e Messe r . . .44 flüsterte jemand. „Allah segne sie!" murmelte ein alter, graubärtiger Gemüsehändler.4' 1 v "Abdul zieht weiter. Auf dein Gehsteig steht ein junger Jude allein: . „Und die jüdischen Kolonisten? Und da:, , . dieser Junge im schwarzen Hemd auf dem Trottoir, der so frech herübersah .. , Omar-Moschee, Dschidad, ' Blut, Boden . . , Das frisch geschliffene Messer ward blitzschnell hervorgezogen , , , im nächsten,