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Die neue Welt · 1932-04-29 · Heft 241 (29.4.1932) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 241 (29.4.1932)
Date
1932-04-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 241 Hfl 'fe 5rüf)iafir84teberrüf! (It. SIbbtlb.) franj ftacon, CQ K.*@etbe ftefütteri . . . S elcl ^ammöom»ol).3resco^nsu8(it %mib.> Qfi Glau, grau, braun mit flieferbesOberfraßen . . . S ÖU eleganter 3iagonal<9ln!U0 mi mmim) neuerer 7Q ©cfjnitt, mit?fteferüe*0&er£ragen............. S ■ v 0)JOrt'5lnjU9 atoeitellig (It. 2lfiöUb.), aus guten, mobemen Sporiftoffen . #emn«tyjott«#aIMt!)ttI)e, braun unb mm. -k-sos' ...... .. .VYi Jl...s (P' s^khiffttidtiTii mam „l.'iMiUHMto ■ nisation berufen werden. Auch die kleinlichsten und leersten Ausreden werden nicht verschmäht. 2 6. Juni 2 0. „Alle erklären mir in überschwenglichen Ausdrücken, wie sehr die jüdischen Massen mich ehren und mir blind folgen. Was nützt das, angesichts einer Organisation, die alle Aktionsmittel in der Hand hat und sie skrupellos benützt? So z. B. habe ich gestern erfahren, daß man, um meinem Einfluß etwas entgegenzustellen, eine Abstimmung der Komiteemitglieder erzwungen hat, indem man ihnen versicherte, daß die französische Regierung kühl und wenig begeistert von meiner Wahl sein und sich dem Zionismus feindlich gegenüberstellen würde.....Da alle Welt mich gesehen und gesprochen hat, kann man kaum mehr vorschützen, daß ich krank sei." Das, was die zionistische Welt seit einem Jahrzehnt fühlt und weiß, die bewußte Ausschaltung eines zionistischen Kämpfers", dem es stets darum ging, den Gedanken des großen Herzl-Zionismus in den Massen zu konsolidieren und unsere historischen und moralischen Ansprüche auf Palästina kompromißlos bei der Mandatarmacht und beim Völkerbund geltend zu machen, all das ist in den ' vorstehenden Briefen Nordaus an seine Frau aus dem Jahre 1920 dokumentarisch niedergelegt. Judisdier WiHsdiaflsdiensf D.e industrielle Entwicklung Palästinas Die Eisfabrikation in Tel-Aviv. Tel-Aviv geht in dieser Sommersaison mit einer genügenden Eisversorgung und mit großen und modernen Kühlräumen entgegen, die von der Cold Storage & Supply Co., einer Gesellschaft südafrikanischer Juden erbaut wurden. Diese Gesellschaft fabriziert auch Eis zum Verkauf, und wird in diesem Jahre zusammen mit den beiden Haupteisfabrikanten Tel-Avivs „Maadan" und „Häkarme 1" auf dem Markte erscheinen. — Tel- Aviv hat einen täglichen Eisverbrauch von 30 bis 40 Tonnen. Vier Werkstätten beschäftigen sich mit der Herstellung von Eis schränken, so daß die Einfuhr von Eisschränken aus dem Auslande gänzlich aufgehört hat. — Desgleichen werden jetzt auch die für die Kühlräumen und -schränke erforderlichen K o r kwände in der neuen Korkfabrik „Haschaamon" in Tel- Aviv hergestellt. Biskuitfabrik Froumin. Die Biskuitfabrik Frcumin in J e r u s a 1 e m, die im Jahre 1923 gegründet wurde, ist heute eine der größten Fabriken in Jerusalem. Sie beschäftigt ungefähr 40 Arbeiter .und fabriziert zirka 1000 Kilogramm täglich. Das investierte Kapital beträgt pal. St. 10.000. Die Fabrik verkaufte im letzten Jahre zfrka 200 Tonnen Biskuit. Zur Zeit der Gründung der Fabrik wurde für etwa pal. St. 20.000 Biskuit aus dem Auslande eingeführt, heute hingegen ist der Import auf zirka pal. St. 5000 zurückgegangen, und es werden nur gute englische Keks, die Froumin nicht herstellt, eingeführt. Das Biskuit von Froumin wird auch nach Syrien, Transjordanien und dem Iraqu ausgeführt em Jahre 1929 wurden diese Märkte mit Waren im Werte von pal. St. 1500 beschickt, 1930 erreichte der Export eine Höhe von pal. St. 2000 und im Jahre 1931 stieg er auf pal. St. 3000. In letzter Zeit bemüht man sich auch sehr, die Märkte im Iraqu und in Aegypten zu gewinnen. Die Entwicklung der Fabrik „Lodzia". Das letzte Jahr hat einen großen Fortschritt in der Entwicklung der Strumpf- und Strickwarenfabrik „Lodzia" aufzuweisen. Die Zahl der dort beschäftigten Arbeiter, die 1930 120 betrug, wurde im vergangenen Jahre vergrößert und beträgt heute 175. Zirka 10.000 Dutzend Strümpfe werden monatlich hergestellt, von denen 40 Prozent im Inlande und der Rest in den umliegenden Ländern, insbesondere in Syrien verkauft werden. Der Elektrizitätsverbrauch der Fabriken Tel-Avivs. Die stetige Entwicklung der Tel-Aviver Industrie zeigt folgende kurze Tabelle über den elektrischen S t r o m v e r b r r a u c h, die die Palestine Electric Corporation veröffentlicht hat: 1930 1931 Zahl der Kraftstromverbraucher (Handwerk und Industrie....... 603 646 Zahl der bei diesen angeschlossenen Motore............ 966 1.156 Verbrauch in Kilowattstunden .... 980.000 1,400.000 » Theater/ Kunft und illlllllllllliillillllllillllilli! Literatur „Disraeli" und die anderen Schwer zu sein ein Jud an der Themse Die Autoren der Burgtheater-Komödie „Disraeli" (Artur Rundt und Luise Maria Mayer) begnügten sich nicht mit einer Dramatisierung geschichtlich-biographischer Geschehnisse, deren epische Darstellung in jeder besseren Leihbibliothek bereitliegt. Ihnen geziemte es, ein Stück Zeitgeschichte „melodramatisch" abzuwandeln, ein jüdisches Lebensschicksal zu komponieren — mit unterlegtem Text und reicher Koloratur. Solist: Disraeli. Am Koscher-Flügel: Rothschild. * Der Griff ist glücklich zu nennen, wenn auch Disraeli kein einwandfreies Paradigma. Aber will man eine Judenfigur in das europäische Schicksal hineinstellen, dann gibt — mit weiser Außerachtlassung etwa Heines und Börnes — Disraeli-Beaconfield ein großes Maß von Berechtigung: Bis zum 13. Lebensjahr Jude, dann Tradition und Rassenverbundenheit über Bord werfend, das Rauschen des Blutes mit dem Sehnsuchtsschrei nach einem neuen Lebensbereich übertönend, um der großen, blonden, blauäugigen Liebe zu Britannien zu leben. Das Hindernis bürgerlicher Herkunft im Machtraum der Torrys beseitigen Genie, Willenskraft und der Dämon des Glaubens an sich. Aus dem Aufstieg der Seele wird — Karriere. Und doch Judenschicksal? Auf dem Niveau handfertiger Reportage wäre Disraelis Lebensablauf die Geschichte eines Täuflings, der sich mit den Teufeln seines schlechten Gewissens herumschlägt. Im Querschnitt der Komödie von Artur Rundt und L. M. Mayer erscheint Lord Beaconfield als die äußerste Möglichkeit einer Assimilation, der der Glaube an eine Berufung (als Nichtmehrjude der Welt das Beispiel allerletzter Ueberwindung zu geben) den Stempel adeligen Tuns aufdrückt. Wer ist größer — der traditionstreue Jude Lyonel Rothschild, der Reverenz für Mazzothknödel verlangt und als Bankier die Ideen Disraelis finanziert, oder Beaconfield-Disraeli, der als Christ gewordener Jude die Traditionen der englischen Lords zugunsten seiner einstigen „Glaubensgenossen" bekämpft? Der Zusammenprall dieser beiden Fragen gibt der Burgtheater-Komödie ihren menschlich-unhistorischen Reiz. ■ ' * Aber der Weg Disraelis ist mit Dornen bewachsen. An seinen Fußfesseln baumeln die Ketten rassischer, gesellschaftlicher Vorurteile. Das Wort „Jude" tönt ihm gerade aus dem Münde jener blonden, blauägigen Engländer entgegen, deren Liebe er für sein Lebenswerk braucht. Eine neue Spielart des Schalom Ale jeh einsehe», „Schwer zu sein ein Jud"! Die Autoren der Komödie schlagen und liebkosen nach rechts und links. Sie hüten sich davor, ihre innere Haltung zu demaskieren. Sie kokettieren mit einer Sachlichkeit, die niemanden verletzen soll. Und wenn bisweilen ein Funke von Sentiment für den „alten Juden" Benjamin Disraeli durchschlägt, wenn dieser sozusagen im Zwielicht von Sympathie und Mitleid erscheint, dann geschieht es fast als Konzession an ein Publikum, das heutzutage um jeden Preis — und sei es auch im deutschösterreichischen Burgtheater — einen Tropfen Jüdischheit auf der Zunge spüren will. Auch an der Themse gibt es den Judenkomplex. Wenn schon nicht beim getauften Disraeli, dann beim ungetauften Rothschild. o. r. Gastspiel Paul Baratow (Jüdische Künstlerspiele). Der Sucht, neue Stoffgebiete dem jüdischen Theater zu gewinnen, verdankt auch das Kadelburgsche Lustspiel „D e r d u n k 1 e P u n k t" seine Aufführung. Vor zwanzig Jahren ging dieses Bühnenstück allerorts über die Szene — in den Gartenlaubetagen der Vorkriegszeit, in den Tagen, da die Berührung von Bürger- und Adelsblut dramatische Konflikte ergab. Die jüdische Bühnenliteratur ist zwar nicht sehr reich, aber immerhin nicht so unergiebig, daß man dieses verstaubte, reizlose Lustspiel hätte ausgraben müssen. Es ist ein dunkler Punkt in Baratows erfolgreichem Wiener Gastspiel. Schigorins Uebersetzung und Regie vermochten wenigstens einen äußeren Erfolg zu ermöglichen. — Dr. Paul Baratow wird in der kommenden Woche in den von ihm ECKSTEIN'S lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllüllllillllilllUllllllll FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffeehaus / Täglich 3-Uhr-Tee CEMMBDINfi Telephon II.HoohstraBe 43 JCnnEKIIlVI neoen Hotel Panhans Mäßige Preise, vorzügliche Ktiche, Zimmer mit Pension S 12.- aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kauwasser in jedem. Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24

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