Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 240 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 240 DIE NEUE WELT Seite 9 »andten der Gesellschaften „Ort" oder „Öse", oder einen ..Meschulach" einer litauischen oder polnischen Jeschiwah handelt, mit offenen Armen empfangen und bereitwillig Geldopfcr bringen, steigt man bei ihnen im Kurs, wenn sie erfahren, daß man Zi 011 ist oder Palästina- Freund ist. Die Liebe zu Erez Israel ist hier allgemein. Fast alle sind mit dem „Erez" durch irgendwelche Art, sei es daß durch Aktien, oder Boden auf dem Karmel, verbunden. Charakteristisch ist das Interesse, das sie jüdischer Wissenschaft entgegenbringen. Schreiber dieser Zeilen besuchte im Auftrage des Verlages „Eschkol" (Berlin), die Städte Helsingfors, Abo und Viborg. In letzterer Stadt, wo 50 jüdische Familien wohnen, wurden 17 Exemplare der großen 15bändigen „Encyclopaedia Judaica" untergebracht, mithin besitzt jedes dritte jüdische Haus die Enzyklopädia. Das ist ein Prozentsatz, den keine einzige Stadt in der jüdischen Welt aufzuweisen hat. Von den Juden Finnlands können wir noch große Leistungen erwarten. Jakob Josefsberg (Berlin).! Zum Beduinenproblem in Palästina Der bekannte Berliner Gelehrte und Begründer der Psycho-Antbropologie und ihrer mimischen Methode Dr. Ludwig Ferdinand Clauß schildert in dem soeben erschienenen Heft der „Koralle" (Monatshefte für alle Freunde von Natur und Technik, Berlin 1931) seine Reiseerlebnisse im Orient, wo er sich zu Studienzwecken mehrere Jahre hindurch aufhielt, In seinen ,,A 11 s meiner Beduinenzej t" übersekriebenen Ausführungen geht der Verfasser von den Verhältnissen in Palästina aus, das er zuerst besuchte. Seine Reise galt der Erforschung „der Grundformen des arabischen Lebens und der Grundgesetze der arabischen Seele und darüber hinaus der semitischen Seele überhaupt". Dr. Clauß berichtet hierüber: „Was ich suchte, fand ich (in Palästina) kaum bei den Städtern, noch weniger bei den Bauern, am wenigsten bei den Juden. Das Leben in diesen Gruppen und das Erleben dieser Menschen zeigt ein Gewirr von Formen, in denen zweifellos auch echt Semitisches enthalten, ist, aber entstellt und vermengt mit Fremdem. So blieben denn nur die Beduinen übrig, die Nomaden der Steppen und Wüsten. In arabischer Sprache heißen sie „a r a b", während alle Nichtnomaden, die . Städter und Bauern, sich niemals „arab" nennen, sondern nur „aulad* arab" — Kinder von Arabern, Abkömmlinge von Nomaden. Schon dieser Sprachgebrauch weist auf die geschichtliche Entstehung des heutigen Arab'ertums hin und darauf, daß die Wurzeln arabischen Lebens im Beduinentum zu finden sind." Nach diesen einleitenden Worten, denen noch ein kurzer historischer Ueberblick folgt, schreibt der Autor: „Alber die Beduinen selbst? Wo sind sie geblieben? Und was ist mit ihnen? Meine Aufgabe war es, sie aufzusuchen und mit ihnen mitzuleben in ihrer Welt: ilhre Rolle zu erlernen und von ihnen her zu spielen, als wäre ich einer der ihren. So einfach war das nicht. In Palästina gibt es keine echten Beduinen. Das hat seine Gründe im beduinischen Leben selbst. Beduiniisches Leben ist an weiträumige Steppen gebunden und an Freiheit gegenüber zivilisatorischem Eingriff des Staates. Palästina ist aber seit Jahrtansenden ein verstaatlichtes Land: Frudhtland für ansässige Pflanzer, Bauernland — zerstückelt freilich durch eingesprengte Steppen- und Wüstengebiete. Man könnte auch sagen: Steppen- und Wüstengebiete, zer-. stückelt durch eingesprengtes Fruchtland. Es kommt auf dasselbe hinaus. Durch die Zerstückelung ist der weite Raum gebrochen und geöffnet für staatlichen Zugriff. Und je fester der Griff des Staates, desto minder entfaltet sich echtes Beduinentum. Darum konnten sich im eigentlichen Palästina nur kümmerliche Halbnomaden halten. Diese; unterscheiden sich — außer in ihrer Tracht — von den; Bauern nur darin, daß sie nicht in steinernen Häusern wohnen, sondern in Zelten aus Ziegenhaar, deren Standort innerhalb eines Spielraumes von nur etwa einer einzigen Tagreise von Zeit zu Zeit verändert wird. Erst südlich Ton Berscheba, wo wieder weiträumige Steppe beginnt, und östlich de« Jordans hebt echtes Beduinenleben am." Der Verfasser schildert ferner den bedeutenden Unterschied zwischen den Halbnomaden West- Jordaniens und den Vollnomaden Transjordaniens, die er durch packende Erlebnisse zu schmücken versteht. Für alle das Palästina-Problem interessierenden Kreise ist die Meinung Dr. Clauß* beachtenswert, die dieser über Tr-ansjordanien äußert. Für ihn scheint es fast unverständlich, wie dieses transjordanische Gebiet von Westjordanien (Palästina westlich vom Jordan) losgerissen werden konnte. Er sagt wörtlich: „Und es kam, wie ich gefürchtet hatte. Das Land Transjordanien, angeblich selbständiges Fürstentum (von Englands Gnaden), fühlt sich" als Staat und prüft das Gepäck der Reisenden. Das meine war außen beduinisch wie ich selbst, aber der Kern waren Filme und Instrumente. Und da Transjordahien mit Erfolg bemüht ist, sich als richtiger Staat zu erweisen, sieht es seine vornehmste Aufgabe darin, sich für fremdes Eigentum zu erwärmen." Und in diesem Tone geht's weiter. UNION DER ZIONISTEN-REVISIONISTEN Donnerstag,, 28» April, halb 9 Uhr, im Prater, Sängerhalle (II, Ausstellungsstr.) Versammlung Thema: Dia läge das Weltjudentums Was wollen die Zlonlsten-Revisionisten ■ illim i i ■ Redner: Oberbau rat Robert Stricker T heafeiv Kunft und illlliillliiillllllillllllllllllliLi'feratur Gastspiel Paul ßaratoff — Jüdische Künstlerspiele. II., Praierstraßc 34. Die Direktion der Jüdischen Künstlerspiele bereitet für die Feiertage eine Novität, Baddenburgs K o m ö d t e „D e r d u n k I e P u n k t", Vor. Paul Baratoff kreiert die Hauptrolle bei Mitwirkung des gesamten Ensembles. Diese Aufführung ist die letzte Premiere, welche Baratoff einstudiert, dann folgt eine Revue der bisher gespielten Stücke, worauf Baratoff zum größten Bedauern des Publikums, der Kollegen und der Direktion Wien verlassen wird. Im „Dunklen Punkt4* stellt Baratoff den NcgcrgcnÜeman dar. Karten für die Feiertage werden bereits^ ausgegeben. Tageskassa, It., Praterstraße 34. Telephonische Reservierungen R-40-0-94. Jüdische Bühne, II, Taborstraße 12 (Motel Stephanie). Samstag, den 23. d., die Komödie >,D i e zwei Schwiegers", Erstaufführung. Sonntag VA tind *A9 Uhr abends „Wer is mein Frau" Komödie, in drei Akten. Volkstümliche Preise. Kinder erhalten schöne Geschenke. . ZIONIS!ISCHE BEZIRKSSEKTION UOPOLOSTADT ZIONISTISCHER KLUB „Eft£2 ISRAEL« Samstag, den 23. d. M halb 9 Uhr abends, findet im Festsaale des Hotel' Post, I, Fieischmarkt 24, eine lustige Pessach-Revue , A dritte Sedlernacht' ausgeführt vom Berliner literarischen Kabarett „Kaftan" (Maxim- Säkasehansky); mit anschließendem Tanz, statt JAZZ; : TOMBOLA : " BÜFFET Karten erhältlich ini Sekretariate der Zibn. Bezirkssektlon. II, Praterstr.13, Büchefotube M. Rath, II, Taborstr. 20 a, Modewaren Josef Singen; II» Taborstraße 25 Jehuda Ehrenkranz wird Dienstag, den . 23. Mai, seinen einzigen Vortragsäberfd geben.1 Auf dorn Programm steht Ernste'sWnd J$Mt$#s '■■■*&«'■ der, jiddischen Literatur. •'-Mr h ■ ^^l^^^^^'*;:^ Ein neues StB^ai^Z^i^Braraal Im vHeim ' des Berliner jüdischeni;J^^i^i|n:^errii jj;;K.H n o f £ las ein von, Arnold Zwei|( $ing<?$^ er Dram'atiker, Bensef "L i b e r, Szenen aus seinem Drama „Volk im Taumel" vor, das die Sabatai-Zewi-Epoche behandelt. Zu der Veranstaltung hafte sich/ein Kreis von Presseleuten und Theaterinteressenteg-eingefunden. In der sich anschließenden Aussprache kam zum Ausdruck, daß es dem Autor gelungen ist, dem gewaltigen Stoff, mit dem schon mancher Dichter gerungen hat, die künstlerisch adäquate Gestaltung zu geben. Das hebräische Theater „Hab im ah" in Palästina erwägt eine Aufführung des Dramas, für das Arno N a d e 1 die Musik vorbereitet. üdifdhe SpoH* und ilillHHl Turn Bewegung Vom Sport in Palästina Der Präsident des Weltyerbandes für Sabbatschutz „Schomre Schabbos", Dozent Dr. Samuel Grilnberg, Berlin, hat anläßlich seines' 'Aufenthaltes in Palästina mit verschiedenen Instanzen, besonders mit den Sportverbänden „M a k k a b i" und„H a p o e 1", Besprechungen geführt, die der Vermeidung der öffentlichen Fußballspiele am Sabbat galten. Der Präsident des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Hermann Lelewer, der anläßlich der ersten Makkabiade im Lande weilte, erklärte, daß auch der Makkabi grundsätzlich gegen die Veranstaltung öffentlicher Spiele am Sabbat sei. Er erblickt in Ueibeieinstimraung mit Dr. Grünberg den geeigneten Weg zur Vermeidung der Sabbatspiele' darin, daß die Spiele an einem anderen Wochentage veranstaltet werden, wobei insbesondere der Mittwoch- und Freitag- Nachmittag in Betracht kommen. Zu diesem Zwecke wird übereinstimmend für notwendig befunden, daß die j jüdischen Behörden, Schulen und Arbeitgeber des Landes j den betreffenden Nachmittag als Spielnachmittag freigeben. Am selben Tage fang im Rathaus Tel-Awiws eine Sitzung statt, an der teilnahmen: Die Oberrabbiner Aronson und Usiel, der Bürgermeister Dizeugoff und sein Stellvertreter Rökeach, die Stadträtin Schoschanah Persitz, Ch. N. Bialik, der Vorsitzende des Verbandes für Handel und Industrie Sclnnkar und, als Vertreter der Handelskammer, Katz. Einmütig kam der Wille zum Ausdruck, die Wettspiele am Sabbat unter allen Umständen zu beseitigen. Es konstituierte sich ein Aktionskomitee, das bei den jüdischen Behörden und Institutionen sowie bei den Arbeitgeberverbänden und Arbeiterorganisationen im Interesse der Einsetzung eines wöchentägigen Spielnachmitta,gs intervenieren wird. Der Makkabi soll auch von dieser Seite ersucht werden, die Sabbatspiele für einige Wochen zu unterlassen, um so dem Aktionsausschuß die Arbeit zu erleichtern. Die Arbeitersportler boykottieren die Makkabiade Die Arbeitersportler Palästinas haben an der Makkabiade nicht teilgenommen. Für sie bedeutete , die erste große Sportkundgebung des nationalen Judentums eine „bourgeoise" Angelegenheit, mit der ein Klassenkürapfer nichts zu tun haben darf. Daß sie nicht in Palästina säßen, wenn es dieses nationale „bourgeoise" Judentum nicht gäbe, daran denken die Arbeitersportler nicht. Nach Wien sind sie im Vorjahre zur Arbeiterolympiade in Scharen geströmt und haben den getauften und antisemitischen Führern der österreichischen Sozialdemokratie Respekt erwiesen. Die Makkabiade in ihrem Vaterlande lassen sie links liegen. Segensreiches Walten des Klassenkampfes im jüdischen Palästina! Jüdischer Sport- und Schützenverein „Menorah"', IX., Nußdorferstraße 16. Anmeldungen und Auskünfte in den Aratsstunden, jeden Mittwoch von 20 bis 22 Uhr. Schießzeiten: Mittwoch von 20 bis 21 Uhr. Training: Mittwoch von 21 bis 22 Uhr. — Studentenkorps „Haganah" im J. S. S. V. „Men o r ah". Anmeldungen und Auskünfte: Montag und Mittwoch von 20 bis 22 Uhr. Schöner Erfolg Hasmoneas gegen Bewegung XX 1:1.. Ein wenig zu spät ist die Hasmonea-Mannsqhaft in Schwung gekommen. Die jüdischen Spieler sind gute Techniker und wären bestimmt in der Spitzengruppe zu finden gewesen, wenn sie unter Leitung eines, tüchtigen Trainers gestanden wären. Daß die Blau-Weißen zu spielen verstehen, bewiesen die letzen Ergebnisse. Besonders das unentschiedene Ergebnis gegen Bewegung XX ist hoch einzuschätzen, da die Brigittenauer in .der Meisterschaft an vierter Stelle placiert und überaus spielstark sind. Hasmonea lieferte ein glänzendes Spiel und ein Sieg wäre nicht unverdient gewesen. Sehr gut gefielen Feldmar, Fisch, Grüner und Birnbaum. Den einzigen Treffer erzielte Arm. Hasmonea spielte in folgender Aufstellung: Kohn; Feldmar, Raab; Sternhach, Fisch, Grüner; Arm, Pottasch, Grünbaum, Birnbaum, Augapfel. Erfolg der Hakoah-Athleten. Beim Geländelauf des W. A. C. erzielte der Hakoah-Nachwuchs einige schöne Erfolge. Die Junioren placierten sich vor W. A. C. auf den zweiten Platz und die Erstlinge blieben ebenfalls Zweiter vor der Christlich-deutsqhen Turnerschaft. Auch in den anderen Wettbewerben hielten sich die Junioren ausgezeichnet, so daß man mit dem Nachwuchs des jüdischen Vereines zufrieden sein kann. Trainer Willi Kertesz über die „Hakoah", Der Ma< nager der Hakoah, Willi Kertesz, der internationale Spieler Ungarns, äußerte sich gegenüber unserem Mitarbeiter über den Kampf Hakoahs um die Erstklassigkeit;