Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 240 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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wtommmi*!**- Preis 35 Groschen Jahrgang 6 Mitte**, den SO* Ap/rt IMS Nr« 240 V.b.b. BEZUOSBEDINQUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S420. ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.-, viertelfährlR Zloty 0.-; Tschechoslowakei monatlichJfc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark -1.—, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—{Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung .- Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B.48-504 — Erscheint jeden Freitag R E V U E fifl TCLI klIC-HOSBH alle Größen öü I CNN13-HEMDEN von s 5-96 ]7J]QqL oERBIlUGSTe^lV WIPPUNGERSTR - ÜCT e Aus der Knechtschaft in die Freiheit I Pessacb 5692 Wenn alljäihrlic/h das Pessachfeet Anlaß zu historisch-religiöser Betrachtung gilbt, Juden in ihrem Heim überall in der Welt am Sedertiseh bei Mazzoth und Wein des Auszugs aus Mizraim, aus der Knechtschaft in die Freiheit gedenken, so taucht im Rahmen dieses schönsten Familienfestes für uns nationale Juden, für uns Zionisten, auch noch das stolze Gefühl auf, in die Zukunft zu blicken, die an das große Symbol des Pessachfestes anknüpft. Die Zeit, in der wir leiben, wird vielleicht in der Geschichte des jüdischen Volkes von nicht geringerer symbolhafter Kraft sein als der Marsch nach Kanaan. Denn die Geschehnisse in der jüdischen WeIt, dm hyacht v ol 1 e We r'k Fn Paläs 11 na und die hewjisqhen ^Anstrengungen <jerer, die in den Imnd^^id^^GalÄ^ .•<s|V?^ -^Miiöc^ .^ai^^-i Ge- Zurüsten, geben uns die Berechtigung zu Denken und Fühlen. Das Pessachfest ist uns wesenes und Kommendes, Vergangenheit und kunft. I Das Land unserer Väter und das Land j unserer Kinder, Erfez Israel, hat das Glück, | gerade heuer rund um Pessach sich im Gewand der Arbeit und im Glanz der Freude über das Geschaffene au seihen. Junge Juden aus aller Welt, muskelstarke Juden vom Geist Herzls, Nordaus und Trumpeldors, könnten heuer auf dem Mutterhoden Palästina in Spiel und Sport zeigen, wie der zionistische Geist den Körper und die Sinne gesund gemacht hat. Siebenundzwanzig Länder werben auf der Levante-Messe i(n Tel-Awiw um die Sympathien für die Waren* die jüdische Hände und jüdische Hirne produziert halben. Der jüdischen Kunst wurde in Tel-Awiw eine würdige Heimstätte errichtet. So steht das Land im Mittelpunkt der jüdischen Arbeit und des Stolzes, den diese Arbeit zu gewähren beanspruchen darf. Erez Israel gibt uns Mazzoth und Wein. So schafft das jüdische Aufibauwerk den sentimentalen Vergangenheitsgefühlen den festen Unterbau der Gegenwart, so wird ... ,yd i e s e s J a h r" immer wieder ein Baustein ^für das kommende. Neben dem'Makkabäerfest ist der Pessach für uns die Zeit seelischen Aufschwungs und freudigster Gemütserregung ge^^r^i^^I^rv'^i^^P^u®' hat diese große Wandlung, dieses all jährliche Glück -zxl- ■ ■ solchem I Juden schadenfroh drängen. Darunter wird in - 1 \ o r.! '■^r-'i^.M:-?f-.'-~ ' I ♦:•■ ■ •'%5<i; ,-\ Wiener Gentemdewahlen — Politische Demoralisation Wien, 20. April. Wien steht im. Wahlkampf um den Gemeinde Die lüdasdie VoBkspartei rat, um. das Stadtparlament. Dieser Kampf ist sehr ■wichtig, denn wer Über diese Körperschaft verfügt, verfügt über den , Großteil aller Steuergelder ■Oesterreichs, bann,tief in den öffentlichen Geldsack greifen, seine Helfer mit Pfründen und Profit versorgen. Und; die Möglichkeit der Pfründen- und Profitverteilung bedeutet in dem ausgepowerten Oesterreich, mehr als anderswo, unbestrittene Macht. In früheren Jahren wurde der Kamipf um diese große Futterkrippe im Zeichen der Diskussion über Wirtschaftsfragen, Steuerpolitik, Mieterschutz, Arbeitslosenunterstützung usw. geführt. Die reichlich begründeten gegenseitigen Anklagen wegen Korrupt i o n bildeten das Traggerüst, die Propaganda den Stützpunkt» um den sich die Diskussion drehte. Diesmal aber dreht sich «lies um die ' J u d e n f r a g e. Der Judenpunkt ist Zentrum der .Wahlagitation.) . Das Verdienst an dieser, Verschiebung der Wahlplattforin' gebührt den n a ti o n a 1 s o z i a 1 istischen. Hitler-Leuten. Diese Gruppe spielte bisnun: in' Oesterreiclj, T und besonders in Wien, eine ganz bescheidene Rolle und die sozialistischen, und liberalen Politiker und Journalisten glaubten sie mit Witzen, mitunter sehr geschmacklosen, abtun zu können. , Im Verlaufe des Wahlkampfes haben die Hitler-Leute zu einem mächtigen - Vorstoß ausgeholt und er ist ihnen geglückt. Ihre; Aüfzüge bringen große Massen auf die Siraßen,' ihre Versammlungen sind übervoll und von allen Plakatwäuden leuchten in grellen Farben ihre Aufr nie zum Pogr om. .Mit einer in Oesterreich sonst , nie beobachteten Bedenkenlosigkeit; wird zu .mörderischen Gewalttaten gegen Juden aufgefordert* „Juda verrecke , . '.!" D4e in Wien . herrschende . s o z i a 1 d e not o-' kratische. Partei, welche jetzt ihre Machtstellung verteidigt,, hat gern und schnell die von den Hakenkreuzlern'bestimjmte neue Front, die jüdi-1 s c h e fron t, - bezogen. Die, Sozialdemokraten benötigen die .12Q.QQ0 Stimmen der Wiener Juden.! Wie sind diese .Sjtimmen f zu bekommen?; Auf proj grammatischem Wege sicher nicht, denn die Wirtschafts- und Steuerpolitik der Sozialdemokraten richtet, sich mit zerstörender Wucht gegen den jüdischen Mittelstand, d. h. gegen den (Überwiegenden Teil der Juideneohaft direkt, und indirekt gegen die jüdischen ' Angestellten und Arbeiter, welche nur in jüdischen Betrieben, bei jüdischen Kaufleuten und Unternehmern Arbeit finden können. Eine brutale Steuerpolitik und die Einrichtung Von Genossenschafisgeschäften, welche wieder von der sozialdemokratischen Gemeindeverwaltung protegiert werden, würgen den jüdischen Kaufmann und Gewerbetreibenden und mit ihm die jüdischen Angestellten aib. Auch die allgemeine Politik ist gegen die Juden gerichtet. Man muß der nichts weniger als judenfeindlichen Stimmung der Massen Rechnung tragen. Man darf in der Gemeindeverwaltung und in den Gemeindebetrieben, bei der Straßenbahn, der Wasserleitung, beim Gaswerk usw. keine Juden anstellen. Wie bekommt man aber doch, jüdische Stimmen? Man kauft sich einige Juden, indem man ihnen gewisse Geschäfte zuschanzt, und tut in Wahlzeiten judenfreundlich, gibt billige Versprechungen. Diesmal aber kommt man, dank den Hakenkreuzlern, noch billiger weg. Man braucht imit dem jüdischen WäMer gar nicht, zu diskutieren, braucht nichts zu entschuldigen; nichts zu versprechen. Man hält sich einfach an das Rezept der Hakenkreuzler. „Pogrom! . . „Wenn Judenblut vom Messer spritzt . . ." Knallrot und groß stehen diese Zeichen auf den sozialdemokratischen Wa'hlplakaten, um die sich die Juden ängstlich und die Nichtwenigen dürren Worten den Juden mitgeteilt, daß Ausschlachtung und Austreibung ihr Schicksal ist, wenn sie nicht sozialdemokratisch wählen. „Parieren oder krepieren." Das ist das Rezept, nach welchem die über 200.000 Köpfe zählende, arbeitsame, hochintelligente, steuerzahlende Wiener Judenschaft behandelt wird. Wie vordem ein verängstigtes Judenhäuflein in einem zaristischen Pogromnest, welches besoffene Bandenführer vor die Wahl stellten: „Zahlen und kuschen oder krepieren!" . v Verdienen die Wiener Judeu diese Behandlung;? Ja! Eine ihres Rechtes und ihrer Würde bewußte* Wiener Judenschaft brauchte vor keinem hakenkreuzlerischen Feinde zu zittern und brauchte keinem sozialdemokratischen „Beschützer" Trjbut an Gesinnung und wirtschaftlichen Interessen zu zahlen. Eine politisch organisierte .Judenschaft würde zwölf von den hundert Mandaten im Stadtparlament erringen, hätte genügend Kraft, sich der Angreifer von rechts und links zu erwehren. Eine solche Judenschaft würde der Umwelt einen Anblick bieten, der Achtung erzwingt. Welchen Anblick aber bietet die Jüdenschaft heute, wen von den Juden sieht die Umwelt, wen. hört sie? Jüdische Namen hört man, wenn von Bank- und .Lieferungsskandalen die Rede ist, ] bei großen Betrugs-, Schieber- 'und. Spaeierj^^e^eja. Bei protzigen, snobistischen yeranstältiingen' jede« Art', in ' -Theatern, Kxirörten und * Ballsälen^ dräÄg^' sich die Abfallprodukte des Judentums in^ ^di« Oef fentiichl^itt> Auf .der politischen Tribüne' sfönt man entjutte'te'' Macher ihr Spiel treiben, .als . gut versorgte. Einpeitscher in fremden Diensten. "Die Umwelt sieht nur die Zerrblider, diese . scheußRdben Masken, hört nur diese widerwärtigen Stimmen und bildet sich daraus seine Vorstellung vom Judentum und lernt das Judentum hassen und verachten. Pas wirkliche Judentum, diese Gesellschaft arbeitsamer, fleißiger, treuer, einfacher Menschen, tritt nie indie Erscheinung. Es hat keine Stimme und hat kein Gesicht, denn es ist nicht organisiert',' -tritt; n'icltf;; in geschlossener, bestimmter Form in die Oeffeiitlichkeit. Wer braucht denn mit dem Willen dieses anonymen Judentums zu rechnen? Was Wunder, wenn die Hakenkreuzler übermütig drohen und die Sozialdemokraten überheblich kommandieren?. * , ... , Iii den Tagen, da das wirtschaftliche und politische . Elend der österreichischen Juclensphaft, die ihm'auf gezwungene beschämende Rolle so'kraß in die Erscheinung tritt, hat die Jüdische V o 1 k spartei für Osterreich ihre Arbeit begönnen. Die Juden aus den fremden Reihen zu ziehen und dm eigenen Lager zu sammeln, ist ihre Aufgabe. Die Männer und Frauen, welche eich in dieser Partei zusammengeschlossen haben, wissen, wie schwer diese Aufgabe ist, mit wieviel bösartigen und dummen Vorurteilen zu kämpfen ist, wie zäh der' Widerstand ist, den kleinliche Selbsucht -und Würdelosigkeit leisten werden. Aber die Arbeit wird geleistet werden, weil sie geleistet werden muß. Kann man nidifs tan? Von Vladimir Jabotfi'nsky Eine Frage: Was denken wohl die Juden, unsere Brüder in:Israel, das auserwählte Volk? Sind wir so weit,: daß man. uns mit hohler Hand die Fische aus dem Eimer herausgreifen kann? Auf der einen Seite: Eine Messe im jüdischen Palästina» die in Wirklichkeit eine Ausstellung von Wundern und sagenhaften Bingen vorstellt. Nicht nur. reisende Touristen, auch alte Einwohner des Landes werden ihren Augen nicht glauben. Welchen Reichtum; in Sachwerten verfertigt der Jischuw mit eigenen Händen! Wieviele Sorten jeder Branche in Industrie und Land-, Wirtschaft und in weicher Vollendung t Der naivste Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeh*' liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Optimist hat von solchem nicht geträumt. Beim Jordan steht eine elektrische Wasserkraftstatibn, von der Haifa und Tel-Awiw ihr Licht und ihre Mptorkraft beziehen. Alles vom ersten Plan bis zum letzten Meter Draht ist von Juden gemacht. Vom Toten Meer ziehen jüdische Hände einen Reichtum in Chemikalien, was in naher Zukunft eine Weltkraft darstellen wird. Und vielleicht größer noch als das .Wunder dieser Dinge ist das Geistige — daß in einer solchen Zeit, wo niemand einen Groschen in der Tasche hat; Tausende jüdische Touristen in ein fernes Lärid strömen, um eine Makkabiah zu sehen, eine Ausstellung, und.um an einer Konferenz der Freunde des Tozereth Haarez teilzunehmen. Keine Uebertreibung ist die Behauptung^ das kein anderes Volk imstande wäre, untersolchenBedingungen