Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 229 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, F. Preis 35 Groschen latargaitg 6 Freitag/ den 5v Februar 1932 Nr« 229 V.b.b. R EU U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.-; Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zlotyö.-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich'Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; RnmBnlen monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Uetrtscnlmd monatlich Mark 1-, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Ünwersitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint federt Freitag Herzl§ Schul- und Umversi'tätszeif (Seile 4) ^,9 Uhr abentls» Theater Reklame) IL, ünt. S■ Mittwocjv den 10. Februar, um in ocq fo iiinn »s c^ v e s« ■ II II h% I .WT ■. III II II Schauspiel von H. Leiwik mit Zwi-Baratow IV|I| IJjlll lUllU in der Hauptrolle und der erstklassigen Besetzung. W-WJ.WMW WMwWJ' m WM mm IM Normale Preise. / Kartenbestellung und-vetkauf auch u mW telephonisch) bei der Administration „Neue Welt", Augartenstraße 38, Tel. A-45-K-34, David Nebenzahl, Iii.. Rasumofskygasse!, Tel.U-1 i-2-16, Paula Stricker II.. Höllandstraße ><> Tel. A-4--1-89. / Zugunsten de^ Verhands^ und lugendheim? BEILAGE vmmmmmmmmm (Seite 6> DEUTSCHALND Vor einer geschlossenen in W,ie.n, 3. Februar. . Im Zusammenhang mit der Credit-Anstalts-Affäre"1 hati wie wir in unserer-letzten Nummer ausgeführte haben, .der 'christlichsoziale -Nationalrat Kunscha'k, der bekanntlich auch F^rer. des: christliehsozlalen' Klitb»' im,/Wienerv;Qeiu^4dät{Li.i^' einige Bemerkungen fällen lassen, ..die uns in seine, J^eger-Zeit" zurückzuversetzenin-.'der: Läge. sind. ,'Die 'Reder^ünscHäks hat uns- Ver--. anlässung gegeben, sie' "zunächst; unter dem Gesichtswinkel „Credit-Anstalt und Ausschiffung '- jüdischer Beamten" zu betrachten.-; ■ f.; .- . ..• Aber über, den "aktuellen,. Fall hinaus gibt Kunsehaks antisemitischer: Vorstoß Anlaß zu weiterer .Betrachtung,, zur Konstati'erung nämlich eines symptomatischen . politischen; 'Vorgangs -in .Oesterreich. Denn ' es' steht außer Zweifel, daß der jH'akenkreuztön des. christli'ch'soziälen Abgeordneten',- des' Führers des gemäßigten Flügels der Partei, der um. jeden Preis republikanischdemokratischen iGruppe,'? kein: ^Extempore war, ' zumal Wiedergäbe und Aufmachung, der: Rede in der „Reichspost", dem offiziellen Organ der: Partei, deren Billigung annehmen läßt. Somit .wäre die christlichsoziale Partei, die-nicht-wenige Juden-seit»einigen Jähren als vom" antisemitischen Bazillus "freisehen wollten, wieder in den Häfen des Radau-Antisemitismus - eingelaufen.: In der Tat"' hat - sichder V'orkriegsfavorit> des österreichischen Antisemitismus, die - Partei- Luegei's, einer gewissen Zurückhaltung in-Dingen „Jüd" befleißigt, und nur ein hin. und -wieder" ausgestoßener antisemitischer- Seufzer hat verschämt die Traditionfür die christliche Gasse zü wahren gesucht;'siritetnalen sie, die Partei und ihre „R'eichspos't", ' von' den Sozialdemokraten und der' „Arbeiter-Zeitung" mit dem höhnischen: Vorwurf bedacht wurden, sie hätt'en ih'r'en A ntisem itism-u s v e r g< e s s e n; was ihnen arischeinend als Verbrechen angekreidet'wurde". - ■ < '. ,. 'Wenn! also in., diesen Jahren von der christlich-, sozialen Partei "und .ihrer .Presse keine antisemitische Gassenpropagahda betrieben wurde, so ' übte sie . als Regierung in derstaatlichen Verwaltung, wenn auch' nicht., auffällig , — so deutlich spürbar, antisemitische-, Praxis. Für den dummen Kerl der Gasse besorgten die -' .■>' i. , ., . .c i .' i' : antisemitische ( Propaganda,, die Hakenk.reuzler und. der , mit .d.jeser, sympathisierende Teil der Heimwehr, wobei diesen beiden' hie und da von den deutschnationalen; Grpfi.deutschen .sekundiert wurde. Chrjstlichsoziale und Sozialdemokraten,, beschränkten ..sich ■ lediglich auf ,die5 antisemitische Verwältungspraxis in Staat und Gemeinden... •!,.-,'■ -; / •. r ' > , •' . •. r 1 KunschakjS Rede,kündigt scheinbar einen neu.enj Ku rs, an. .D,ie;; größte, bürgerliphe Partei Oesterreichs./ des städtischen Bürgers ' unddes ländlichen Bauern,; übernimmt. n,aqh längerer, Pause; di.e Tendenz des; mjli-; tanten Antisemitismus: und läßtsomit im Zeichen < des; Antisemitismus, eilten .llmschwungi erkennen. Die Juden werden sich sehr bald einer geschlossenen ahtisemiti-' sehen Front gegenübergestellt sehen. Diese rückläufige Entwicklung war. vorauszusehen. Was sich in Deutschland vollzieht, vollzieht sich gleicherweise im nachbarlichen Oesterreich. Die Wirtschaftskrise, die durch Europa geht, hat die Positionen der Judenheit in den' Wurzeln geknickt und sie dadurch zum Punkt des geringsten Widerstandes gemacht. Die Zusammenbrüche der gfoßen'f'*Wirtschaftskörper, in denen eine dünne Schichte jüd i-s eher G r o ß b o u r g o i s i e an der' Oberfläche schwamm, haben den Glauben von einer jüdischen Wirtschaftsmacht auf deutschem und österreichischem Boden jetzt als III u s i o n erkennen lassen. Ihre-selbstverschuldete politische Ohnmacht auch schon zu'einer Zejt, wo ihre „Prosperity" nicht in-Frage gestellt :>yar, '^i(bt. heute, den, anti jüdischen Tendenzen; um so;.,ej^ Schlag auszuholen.' K u ns clia iw|f^Dhl,; w a s^e r \s a g f. Er weiß,- (laß die ^vr^idhbh^^'^ttü^n^^iÄ'e' .Wahlgelder mehr \ hergeben können, er weiß, däR-ltf den .legislativen Körperschaften niemand ihn - zu entlarven sich anschicken wird, er weiß, daß das antisemitische Schlagwort berufen und geeignet ist, das Versagen der Regierungsparteien in der Wirtschaftskrise bei den grollenden Volksmassen, zu vernebeln. , Er.wejß aber auch, daß die Juden der Chance, Bei Kopfsdimerzenv nervösen/ rheumatischen und gichtischen Schmerzen wirken Togal-Tabletten rasch und sicher. Wenn Tausende von Aerzten dieses Mittel verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen! In allen Apotheken. Preis S 2;40. eine eigene jüdische Politik durch eigene jüdische Vertreter ■ machen zu lassen, bisher ausgewichen sind. Die antisemitische Front schließt sich. Der Hakenkreuzterror an der Universität flaut nicht ab, vielmehr hat es alle Wahrscheinlichkeit für' sich, -daß die kommenden parlamentarischen Kämpfe um das von uns schon mehrfach' besprochene S tu denten r e c h t den* akademischen Pogromcharakter noch verschärfen werden. In Wien stehen die Gemeinderatswahlen' vor der Tür, und wenn man die Rede Kimschaks 'als 'politisches Symptom ansehenwill, - so 'wird1 die ^Wählschlacht eine beispietldse 'antisemitische Flut der."^ic&^schließeb^; ■den Front' 3er'; Jüdenhetzer*-durch - die Gasselir wälzen. Die Juden sind wirtschaftlich zusammengebrochen, das . raörKfiSc^e','';,'Ö^füge is"t bedenklich gelockert, . de*; : Sinn für Wirklichkeitspolitik systematisch abgestumpft" worden. Wird der so geschwächte Organismus der geschlossenen antisemitischen Front Widerstand leisten ikönnen? Es wird notwendig sein, den Weg der jüdischen R e o r g a n i s i e r u n g in Oesterreich aufzuzeigen. U in Wird England als arabisdien Völkerbund bringe T Das Ende der Mandate Von Spektator Jerusalem, Jänner 1932. In diesem Monat hat ^der Völkerbundrat über die Aufnahme,-des Irak in die Genfer Staatenversamm- •lüng zu. entsdheiden. Da alles schon lange yorhereitet ist, wird es wohl kein Hindernis geben und. der Eintritt glatt vonstatten gehen. Selbstverständlich hört damit auch das Mandat zu bestehen auf. Der Irak i wird als unabhängiger Staat anerkannt. Juristisch' eine enorme Aenderung, und man wird nun wahrscheinlich: freundliche Gemüter; von dem beginnenden Ende , der Kolonialherrschaft, der. Befreiung 'Asiens und dem Z e r-f a 11 d e s b r i t isehen W .e 11 r e i c h s reden hören. In, Wirklichkeit tritt an die Stelle des Mandats das altvertraute Protektorat. Es beißt nur nicht so, sondern: Bündnisvertrag, abgeschlossen! zwischen Seiner Majestät dem' König von G r o ß.b rit a n n i e n, , Irland und den britischen' Dominions jenseits der Meere, Kaiser von Indien, und Seiner Majestät' dem Koni g v o n I r a k. Die manchmal u'n angenehme Kont r o 11 e der Mä n d a t sk o m m i s s i o n und des Vplkerbundrates fijllt. init dem j Mandat 1 weg /und gleichzeitig :i tritt äutomatisch der |Bündnisvertrag 'in Kraft,-' der ( das : LandJ so/: unter .die britische Herrschaft fallen läßt. Er gibt \England'""däs Recht, seine Truppen dort zu" belassen," | sich Flugplätze anzulegen» Kriegsschiffe "in' irakische , ' Gewässer'und Häfen zu/senden , usw. Wenn der Irak in Konflikt mit anderen Staaten, gerät, muß er sich über dessen Beilegung mij E n g 1 a n d \ i n s' E i n v e r-' n ehm qn; setzen. Et darf überhaupt kein e außen- Aile im redaktionellen Teil befindlichen entgelt» liehen Notizen s*nd durch ein beigefügtes E bezeichnet politische Haltung einnehmen, die England Schwierigkeiten macht. Der Vertrag läuft auf fünfundzwanzig Jahre und nach zwanzig Jahren kann jede der beiden Parteien den Abschluß eines neuen verlangen, „der Maßnahmen für den Schutz und die Aufrechterhaltung aller wichtigen Verbindungswege Seiner britischen Majestät unter allen Umständen vorsehen muß". In kurzen Worten: Der Irak wird von diesem Monat ab zu einem englischen Marokko. Was sich aber wirklich nicht nur formell ändert, ist das Kräfteverhältnis zwischen England und den anderen Staaten im Völkerbund. Mit dem Eintritt des Irak' bekommt England faktisch eine neue Stimme in der Völkerbundflversammlung. Es ist klar, daß die andere vorderasiatische Mandatsmacht, Englands größter politischer Gegenspieler, Frankreich, diesen Machtzuwachs ' auszugleichen und womöglich noch zu' übertrumpfen sucht. Es hat daher angekündigt,:daß es' Sy rien denselben .Status geben will, wie ihn der Irak-von-England bekam, i Däs\ heißt;mit anderen'Worten: r : j; Verschafft sich England eine neue Stimme I im Völkerbund,' indem es sein i r a k i s c h e s M a ndatsgebiet hineinmanövriert, so will sich'Frank- 1' reich eine neue. Stimme verschaffen, indem, es den syrischen Teil seines Mandatsgebietes hineinbugsiert. Zu diesem Zwecke muß Syrien natürlich eine Ver- * fassung bekommen und formal zu einem unabhängigen Staat erklärt werden, der dann einen Vertrag mit Frankreich nach dem Muster des Vertrages zwischen England und dem Irak abschließt. Die Verfassung mitsamt, der Unabhängigkeit»-