Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 227 (22.1.1932)
- Date
- 1932-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wim, I. Preis 35 Groschen Jahrgang 6 freitags «ten 28« Jänner 1932 Nr« 227 Ve bt bi R E V U E t jihrlg Schweizer Francs 4.50 H ERA USGEB ER: R0 BERT STRIC KER Redaktion it. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Graf Key§erlmg an die „Neue Welt" >/ Die Schule der Weisheit'7 unterm Hakenkreuz (Seite 4) BEILAGE ■eMMMM» (Seite 6) FÜR DEUTSCHLAND VERKAUF und VERLEIH aller Krankenpfl#.g«apparate BANDAGEN ALLER ART. OUWVJISTRÜMPFE, gummilose; Krampfadernstrürapfe, OUMMIWaREN. Oummischahe, Watte, Veibandstoffe, Orthopäd.r Bauchbinden, Umstandsbinden, Mieder nach Operation, Schlüpfer. Busenhalter, Bruchbänder, FHß'heilbehelfe, Monatsbinden, Baby-Waagen, Plattfußein lagen, Windelhosen, Bettkautschuk, Kindetpflegemittel, clektr. Heißluftapparate, Kocher und Heizkissen, Inhalationsapparate, Solluxlampen, Höhensonnen. Gummiwärtneflaschen, Zimmerklosette, Bidets, Luftkissen, Thermometer, ' Bettlehnen, Krücken und Krückstöcke, Kämelhaar-Arm-, Puls-, Leib-, Rücken-, Knieu.'Füß-Wärmer, Katzenfelle. Kranken- , J fahrstühle, Rettungskasten Asbest-Ofen- - : schirme, ,,Celiu"-Türschoner etc. BANDAGEN- Hl KOL ASCH jTAfSORSTff. 29 V TELEPHON" H-47-1 laBe^jpi hebraisdier Didhter :m^:-~ '■ti^^MiJMFMf■?n ■ W^f&p&'F£ vv€5 £ B i*a 1 i k wird' in der kommenden Woche 2jum erstenmal in Wien sprechen: nicht vor einöjnForum' vonM^nsölien, die zur engeren G6meiiide-seines geistige» Bereiches gehören, sondern vor allen Schichten1 der Wiener Judenheit. Der Klang seines' Nainens--' allein - verbürgt ein tiefes Interesse und einen nicht minder tiefen Widerhall, - denn der Name ^einhaltet den Begriff des grpßten lebenden . liebrqischen Dichters, zugleich sinnbildliche Verkörperung der staunenswerten Renaissance von.hebra'i!schem Wort, Geist u ni d'S c h r,i f 11 u m. > . '■■ Aber der persönliche Kontakt des Dichters mit dem Wiener Judentum kann mehr bedeuten. Unter dem Aspekt, daß von Wien aus die großen jüdischen Bewegungen der neueren Zeit ihren Weg in alle Gemeinschäften der Galuth antraten, liier Mahner und Wecker waren, um sich dort erst in 'früchtbarer Erde zu verwurzeln, unter diesem Aspekt gewinnt der Besuch Bialiks an historischem Reiz. Aber die große Kraftquelle Wien scheint sich seit geraumer Zeit1 erschöpfen zu wollen. Die Statte Perez Smo 1 e n s kys und Theodor Herzls, des jungen Chowewe Zion-Geistes und der epochalen jüdisch-nationalen Studentenbewegung — eine ausschließlich Wiener jüdische Schöpfung — hat ihr: Antlitz gewandelt. Sie, einst die' große Spenderin, befindet sich heute im Zustand eines Umranken, der von den einst Beschenkten Arznei und* Rezept entgegennehmen muß. Einen solchen; Körper; der so feinnervig und empfindlich auf jeden P.usschlag des' jüdischen , Herzens reagiert, einen solchen Körper mußte der über das jüdische Volk dahingebrauste Sturm des letzten Jahrzehnts am schwersten treffen, Weltkrieg1 und Weltrevplution, das Ringen des; Zionismus, die ins Wanken geratenen Fundamente, der jüdisch-:Soziälen -Struktur; die beispiellose Umwertung sittlicher und ' traditioneller Begriffe - das.; sind; {Meilensteine'- der; Krise; das hat in Wien sichtbarstes -Gepräge gefunden. In solch geistiger Verfassung wird das jüdische Wien Ch.1 N. Bialik begrüßen. Es könnten Zweifel entstehen, ob ein solcher jüdischer Organismus fähig ist, das, was Bialiks Mission in Wien, ist, in. sich aufzunehmen, zu begreifen, fruchtbringend zu realisieren. Denn es ist kejai geringes Unterfangen, hier auf diesem Boden ein Zelt aufschlagen zu wollen, das die modernen Kujtürwerte der Judenheit in sich bergen soll/ kein geringes Verlangen, dem hebräischen Buch und seinem Geist eine Wohnstätte zu bauen. An Bialik, den großen nationalen Dichter, den zürnenden Propheten in den düsteren Jahren der Vorkriegsgaluth, den Mann, aus dessen Brust das jüdische Weh in die Welt hinausschric und in zeitloser Form hinausgestellt wurde, an Bialik knüpfen sich Erinnerungen voll Stolz und voll Wehmut um eine heroische Periode. Aus dem unerbittlichen Prüfer, dem strengen Barden, dem mit antiker Größe und ur jüdischer Gewalt warnenden Rufer wurde später der abgeklärte Weise, der alt jüdischen, althebiüischen Geistesbesitz hütet, der Sammler, Kommentator, Interpret, Neuiormcr, ja Propagator und Verklinder alles dessen, was unsere großen Väter in Jahrtausenden geschaffen haben. Im neu-jüdischen Leben auf der neujüdischen Erde ist Bialik die. Sonne geworden, dessen Spektrum ein sjtück des geistigen palästinensischen Lebens in sich schließt. Wie einst im alten Jeruschalajim die Jünger zu Füßen des Rabbi saßen, um Gesetz und Ethos und das Wort Gottes aus dessen Munde zu hören, so versammelt sich heute in jenem Haus in TqJ-Awiw eine , Runde an jedem Sabbat, um aus Bialiks Munde zu hören^ was die:: jüdische Seele he^.tei...jbewegt...|>ie's.ist ein ft Zeugnis, daß das neue-"Judentum <4n vlSiaKifc seine«' neuen Dichter,- Weisen,; Lehrer, Führer in den Wirrnissen der geistigen Welt gefunden hat. Das jüdische Volk steht im Kampf auf allen Fronten, in der Galuth und in Erez Israel. Es ist , das Los des in dieser Zeit lebenden jüdischen Menschen, diesem Kampf nicht ausweichen zu Bei rheumatischen Schmerzen aller Art haben sich Togal-Tabletten ganz hervorragend bewährt. Zahlreiche Dankschreiben über Togal bei veralteten Leiden, bei denen kein anderes Mittel half. Ein Versuch überzeugt! —■ In allen Apotheken. — Preis S 2.40. können. Es geht um die Zukunft des jüdischen Volkes, um die Rettung vor Untergang, um die Bewahrung seiner Position in der Welt. Was Wunder, daß auch Bialik sich in diesen Kampf hineingestellt sehen muß, Kampfrufen des Tages mitunter erliegt, in dem er aus dem dichterischen Bereich in die Sphäre der Politik. tritt, in eine Sphäre, die einem so gearteten Geist nicht munden und nicht guttun sollte. Aber in diesem Augenblick glauben wir uns eine Konfrontierung des geistigen Führers . Bialik mit dem dann und wann extemporierenden .politischen Bialik versagen zu dürfen, wenn auch, die uns nicht heilsam erscheinende, Wirkung d i e. s.e s Bialik auf die jüdischen Massen nicht zu ü^ier-. schätzen ist. Die spezifische Mission seiner .eurQpäiv sehen Reise ist .von solch aktueller Dringlichkeit,; daß gegenwärtig alle anderen Ausblicke zurückr treteii sölbsm . , ' ^/.''y-Y; Bialik ist der legitime Vertreter des, modernen : Hebraismus, der ein Grundpfeiler ist unseres nationalen Seins, unserer : Gegenwart und unserer Zukunft — in allen Ländern der Zerstreuung, im werdenden Judenstaat Erez Israel. Den Träger dieses Pfeilers grüßen wir, grüßt das jüdische Wien. o. r. Ein brutaler Vorstoß Die englische Bürokratie läßtdie Maske fallen — Absage an den Zionismus — Die „gute alte PluinerrZeii" ist vorbei — Die WeizmanmZionisten werden getadelt! — Absolute Unterwerfung und Ausschluß der Revisionisten wird gefordert spricht in zwei Leitartikeln das zionistische- Problem. (Zum besseren Verständnis sei erinnert, daß Marshall Plumcr, der einzige Gouverneur von In der letzten Nummer der „Neuen Welt" wurde über die „feierliche Lossagung" der Anhänger Weizmans und des Vertreters der Londoner Zionistischen Exekutive vom Revisionistenführer Jabotinsky berichtet. Weil Jabotinsky in einer in Warschau gehaltenen Rede erklärte, daß die wortbrüchige antizionistische Politik der englischen Regierung Haß und Entrüstung des jüdischen Volkes gegen England, zur Folge haben muß, weil er dies erklärte,, beeilten sich die „loyalen" Zionisten der englischen Öffentlichkeit und Regierung zu versichern, daß sie mit diesem gefährlichen Manne nichts zu tun haben wollen. Die „Neue Welt" hat festgestellt, daß dieses ebenso unedle wie unkluge Verhalten, das au das Gehaben der Griechlinge und Römlinge im alteu Judenreich erinnert, ganz zwangsläufig den Uebermut der an ti zion is t is ch.e-n Regierungsstellen ins Maßlose steigern wird. Diese Voraussage hat sich allzurasch erfüllt. Das Organ der britischen Regierung für den nahen Orient „Near East and India" be- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelte liehen Notizen s'nd durch ein beigefügtes E bezeichnet »yHISTAPRUTH IVRITH ■ BR1TH IWRITH OLAMITH" CH* ML BIALIK spricht im GROSSEN KONZERTHAUSSAAL DIENSTAG, DEN 26. JÄNNER, 8 UHR ABENDS (Nach Beginn des Vortrags Je ein Einlaß!) KattenvorverJcanf, von l bis 6 Schilling, im Büro des jüdischen Nationalfonds, lt Kärntnerstr 28; Bücherstube Rath, U, Taborstrafte'20 a, u, beim Sefcr. der Zion, BesirJcssektion, 11, Prateistr.13 Palästina war, der ehrlich für das jüdische Nationalheini eintrat.) Im ersten Leitartikel heißt es: „Es gibt kein Zurück mehr zu der guten a 11 e n P1 u m e r - Z e i t. Es ist sinnlos, jetzt noch annehmen zu wollen, daß das Palästina-Problem vom englischen Volke je wieder so betrachtet werden könnte, wie dies zu einer Zeit geschah, als noch nicht der Simpson- Bericht eine Flut von Licht auf dieses Problem goß. Zugegeben, daß gewisse Tatsachen im Simpson- Bericht ~ wie dies die zionistischen Kritiker des Berichtes versichern — falsch waren, so enthielt der Bericht doch mancherlei, das geeignet war, die englische öffentliche Meinung in England auf ihre moralische Pflicht hinzuweisen, für die landlosen Araber zu sorgen, bevor die Tore Palästinas den unterstützten Einwanderern weit geöffnet werden. Wenn die Palästina-Administration nun diese Politik führt, so rechnet sie nicht allein mit den Tatsachen und den Erfordernissen der Lage, sondern sie interpretiert damit genau die Wünsche der unterrichteten öffentlichen / Meinung in England.41 Der Leitartikel befaßt sich sodanu mit der auf der letzten Konferenz der Föderation der englischen Zionisten an der englischen Palästina- Politik geübten Kritik und betont, daß England niemals die Aufgabe übernommen bat, .ein jüdisches Nationalheim in Palästina zu errichten, sondern nur die Aufgabe, die Errichtung eines solchen Nationalheims zu erleichtern. Zum Schluß führt die Zeitung aus, es sei eiu unglückliches Symptom des Geistes der