Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 218 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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185 TH1. Universitätsbibliothek Wien, I. Prtls SS dreschen uk***m Preftacj, den ü» November Iflf Nt« Sit Vaba ba RBJi UM ■ ■ ■■■ BEZUQSBEDINQUNGEN: Oesteffelch monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20. RanzjahrigS 16.-; Polen monattlch Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6.-- ■T^ MM ■ H Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-; Rumänien monatlich ■■fj 1| ■ ■ iVfJfj Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-«) Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig ■r^ fjaT B\_A1 UT^ Lewa 120.—; Italien monatlich-Life 9.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, viertel, ■jH W HBi iährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, UniversHätsttr. 6-8,1 el. B-48-504Erscheint jeden Freitag Zur Tragödie in der Familie Theodor HerzI Unbekanntes Tagebuch Theodor Herzls (Seite 4) Bei Nervenschmerzen/ Kopfschmerzen, | |J£|£,/IGE rheumatischen und gichtisclien Schmerzen wirkt Togal . rasch.u. sicher. Laut notarieller Bestätigung anerkennen \ FUN! l^EftlTSC/FflLi^l^f 9) über 6000 Aerzte, darunter viele hedeutemlc Professoren, die hervorrag. Wirkung des Togal. In all. Apoth. S 2.40. (Seile 7) 17 *50 Schafwolloden-Skihosen für Damen u. Herren, in allen Qtößen, S tO.BOLumberjack, wasserdichter Zeltstoff mit Zippverschluß, S 2.75 Ski-Walk- Socken, S2.25 Skl-Walk-Fäustlinge, S 48.60 skl-Anzug, ein Solllager prima ächa.wollonen, lmprlgnie<t, tilr Damen und Herren beTSPORTVATTER S'Ä' 20 Verlassen ♦ ♦ ♦ Der Sturm gegen die jüdischen Studenten — Von Wien bis Charbin -~ Die Studenten von den Behörden und den Parteien verlassen, in sich gespalten, mutlos Wie auf Kommando hat auf der halben Welt, ein Sturm gegen die jüdische Studentenschaft eingesetzt. In; Oeste r reich aud-Deutschland Schlägereien,' imrFernen Osten, in Charbin und zwischendurch in Polen auf einem Dutzend Hochschulen antisemitische Exzesse mit einigen Toten und Hunderten von Verletzten. Ueberall sind die jüdischen Studenten moralischen und physischen Vergewaltigungen ausgesetzt, welche ihnen 'das-Leben auf der Hochschule, zur Qual machen. Zur doppelten Qual» weil; sie^ Verlusten-f sm<], . von den Be- 1 hörden, von den Parteien, vom -jüdischen Bürgertum, von ihren -jüdischen Professoren, von deu Parteien, die sieh freiheitlich nennen, und — verlassen von sieh ..«el-bst, unfähig zu jedem wirksamen- Widerstand. In Wien. Nach mehrtägigen Kruwallen haben die Behörden „Ordnung" gemacht. Die Polizei hat die aus der Universität hinausgeprügelten Juden aufgefangen und weggejagt. Mit erhobenem Gummiknüttel angewiesen, rasch zu verschwinden. Wegen der Ordnung! Die a k ad emis ch en B c h ö r d en haben einige Tage zugesehen und dann den Wachdienst in der Aula der-antisemitis che n S t u d e n te n s ch af t übertragen. Jetzt stehen 'die Hakenkreuzler in Braunhemden hohnlachend da. Früher prügelten' -sie als „Privat-* personen", jetzt besorgen sie es im „Amt". Im Namen des: Rektorats hielt ein Professor eine Ansprache an die Krawallmacher und sagte, der Senat billige das Ziel und die Mittel der deutschen Stüden t e h s c h a f t. Das Ziel ist: Hinaus mit den Juden .. . Die Mittel: Prügel . . . Und der Senat ist davon befriedigt. .......Die jüdischen Studenten stehen diesen Ungeheuerlichkeiten fast widerstandslos, gegenüber. Und doch gibt es , e i n I g e T a u s e n d e j ü d i s c h e Studenten auf den Wiener Hochschulen. Tauseude junger jüdischer Menschen, zur Abwehrentschlossen, sind doch kein ■Faktor,, den man einfach überrennen kann. Aber der Wille' zu geschlossenem Widerstande fehlt. Einige jüdisch- Aaüonale Studenten haben einen akademischen Selbstschutz gebildet. Kaum hundert waren z.u.r Stelle. Das Häuflein versuchte, sich tapfer zu wehren." Natürlich vergeblich. ,. Der ehedem so starke Wille der Studentenschaft, jüdisches Recht und jüdische Ehre zu wahren, ist gebrochen. Ein Zeichen: Bei der Einschreibung hat mehr 4.3s.- die Hälfte ih r jüdisches Volkstum feig verleugnet, haben sich jüdische Studenten zur deuts.chen, magyarischen, pplnischen, tschechischen Nation' bekannt, :nicht z uv■'■'<jüdischen Nation.. Mit-einer Lüge sind sie ins akademische und bürgerliche Leben/eingetreten. 'Aber sie sind nicht schuld. Die Zip-. lusfjjSche .Organisation, .die Partei der jüdischen Renaissance, ,wav früher Führer der jüdischen Studentenschaft ini: Kampfe um. die nationale Würde. Heute wird die Zionistische Organisation nach. außen hin von Männern vertreten, welche den . nationalen Kampf preisgegeben halben. Bei den letzten Wahlen in das Wiener Parlament hat die offizielle Wiener zionistische Leitung die Parole gegen den jüdischnationalen Kandidaten ausgegeben, hat die nationale Kandidatur abgelehnt und die jüdischen Wähler ruhig für assimilatorische Tauf- und Austritts j uden und gegen den Nationaljuden fc&mmen lassen. Männer der Leitung haben selbst so gesritmmt. Kanu mm eine Jugend schuldig sprechen, die so geführt wird? Darf man sich darüber wundern, daß der Stolz und die Kraft dieser Jugend gebrochen sind? * In Warschau. Dort geht es zu wie in Wien, nur blutiger, schärfer. Auch dort hat man die jüdische Jugend aus dem nationalen Lager in andere überlaufen lassen, ins sozialdemokratische und kommunistische. Man hat den gebührenden Dank geerntet. Als es im Warschauer. Parlament zilr Aussprache über die von den Nationaldemokraten, ■ so ' heißten 'die*;.polnischen Hakehkreuzler, veranstaltete bliit%e Jude4Bietz^ ^cam; sprachen alle Parteien; für und gegen. Nur die sozialdemokratischen A b g e o r d n c t c n J lehnten die Teilnahme an der Debatte ab, die Männer, welche ein Patent auf Freiheit und Gleichheit haben. Warum? Weil sie augenblicklich gemeinsam mit den Häkenkrcuzlern die Regierung bekämpfen. Wegen verjagter, geprügelter, verwundeter, getöteter Juden darf man liebe Bundesgenossen nicht verstimmen. Der Juden ist mau ja sicher, die laufen nach, auch wenn man ihnen zeitweilig Fußtritte versetzt. Bis zu den nächsten Wahlen ist alles vergessen. Die Welle antisemitischer Unruhen in Polen steigt Warschau, 16. November. Die antisemitisdieu Unruhen tin Warschau waren am Frciitaig wieder aufgeflammt, sie setzten eich tun Sonnabend und am Montaig fort. Die n a t i o m a 1 d e m o k r a t i s c h e n Studenten und Gassenjungen bilden kleinere Huliganibanden, die blitzschnell auf die Straßen aiussdj5värmen und üihnen entgegenkommende jüdische Passanten b a r b a r i s c h niederschlagen. Audi Zentren des jüdischen Handels werden überfallen., Die jüdischen Händler am Kerceli-Platz leiben in großer Panik und s cih 1 i e ß e n, i ih r e L äd e n. In den Straßeu Cieip.la...und Grzibowska wiurden mehrere jüdisdie Passanten überfallen und eine AnzaihL von dihnen verletzt. Jüdische L a s 11 r ä g e r vertrieben die Huiligans. Am Abend blockierten die Huliigans die. Eingänge zur Kunstgewerhesdiiule, zum Konservatorium» zur Philharmonie und zu anderen Sälen, du denen Veranstaltungen stattfanden, und attacktierten die die Säle verlassenden jüdischen Besucher. Jüdische Schüler worden in die Kunstgowciibeschulen widtt hereinigelassen, der Rektor der Sdiiuilc, der N a t i o n a 1 d e m o k r a t Saiitski, kommt dem Erisudicn, Ordniumg -z>u schaffen, nicht nach. Der V e r ib a m d der j.ü d i s c h e in S t u d e n t e nve reine Polens veröffentlicht einen Aufruf, in Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt» liehen Notizen s'nd durch ein beigefügtes E bezeichnet welchem mitgeteult wird, daß bis zum Sonnabend weit mehr als 100 jüdische Stud ein t en, unter dihnen J 2 sehr schwer, bei den Ueberfällen verletzt worden sind. Alle jüdischen Studierenden werden aufgefordert, ihr Roehit auf menschliche und büiigenliche' Freiheit mit Würde au vertreten. Die N t d o n a 1 d e m o k a1 a t e n veramstalten in i'a«t allen größeren Städten Trauerfeiern für den in Will na getöteten Studenten Waizlawiski; diese Feiertn \verden zu r ü c k s i c h s i 1 o s e r antis e in i tische r Hetze ausigcinufczt. Die Stianmumg unter der jüdisdien Bevö'lker'UiQg 'ist eiine sehr gedrückte. In L e m ib e r g fand am Freitag* ein T >r a u e rg o <t t e s d i e fli s t zium Andenken aai Woizlawski statt, a« dem 2000. Studenten teilnahmen. Nach dem Gottesdienst faiiiden in verBdiiedenen Stadtteilen Uebe«-'. fälle a uf Juden ^tatt. In W i'l ii-a-'-wurden Jiach der Trauerfeier für Wazlawiskti in vielen jüdisdien Laden und Wohntuigcu in der Middewäoz-Gaßse die Scheiben eingeschlagen. Passanten wurden mißhandelt. Das Büro der jüdischen Gemeinde hat bereits 150 durch die Unruhen zu Schaden gekommene Juden mit Namen registriert. Man sdiatzt die Zahl der in Wilna geschädigten Juden auf 250. In Posen halben, wie die offizielle pakiische Telegnajphcn-Agen'tur mitteilt, Freitoig aibemd antdseimitiische Aiusschreituinigen stattgefnindeu. Gvauppen junger Leute marschierten über den Freiheitspla/tz u-rid den Alten Markt" zu dem Stadtviertel, an weldiem sddi eine Anzahl jüdischer Geschäfte befindet. Die Polizei drängte die Demanstramjten zum Fa-eiheitsplatz zui-ftck und zerstreute sie dort. In Sosnovice kam es wieder zu «schweren aaitiseiÄi'tisdien Unruihen. Ueber 2000 Schüler der höheren Gy tnoiasaalklassen in Sosmovice und Zaiglembde (S^filesden), geführt von aus Krakau herübergekommenen aiationaldemokratds c h e n Stai deuten, marischierten lunter judenihet-zerisdien Losumgen durdi die Straßen. Dabei wurden viele jüdische Einwohner schwer mißhandelt, einer von ihnen wiurde enhehlidi verletzt. Polizei trieb die Demonstranten aiuiseinonder. Neun Schüler wurden verhaftet. — Im Städtchen Pogon bei Sosnovice veranstalteten einige hundert Schüler eine antisemitische De-; tuönstration, schlugen in Läden und Wohnumigen sowio in der Synagoge. die Fensterscheiben ein. Einige -Demonstranten drangen in das Haus 'des jüdisdien Einwohners Federmann und verletzten ihn schwer. Die Polizei verjagte die Demonstranten. — In L o m z a halben, wie die . offizielle polnische Telegraphen-Agentur meldet, Studierende der Geometrae-Hodischule und der Forst-Hochschiule jüdische Passanten in der Gelszinska-Gasse über- : fallen und mißhandelt. Es kam zw einer schweren Schlägerei. — In Mi n s k-M asow i e c k veranstaltete die p o 1 n i s c ih e. S c h u 1 j u g e n d eine Demonstration. Möhrere jüdische Einwodwier wurden mißihandelt. Die Demonstranten drangen in denr Klub der Poale Zion ein und 'begannen die BJ/blio-bhek zu vernichten. Vereins- Verband demokratischer Zlonltten Union der Zionlsten-nevUlon sten Am 6. Dezember, llt9 Uhr, abends, im Verbandsheim, II., Untere Augartenstraße HS Große Na Ii k abäer Ieier Festredner: Abgeordneter Dr* Julius Reiss (Bratislava) Mitglied ^es tsclfechoslowakischen Parlaments Mitwirkende: Oberkantor Oerton Margulles / Oskar Tciller ssssbsssssss^ssbss^ss^^ Einheitlicher Reeiebeitrag S 1.—