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Die neue Welt · 1931-11-13 · Heft 217 (13.11.1931) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 217 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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,ft7 . „itswwwioihck TW. Ü^ers,t"* Wen. \. Preis 35 Groschen uhtvm % tteitaq, den 13» Novembet «f. «17 V.b.b. REV E BEZUOSBEDINOUNÖEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljahrig S4.20, ganzjährig S16.—jPolen monatlich Zloiy 2.-, vierteljährig Zloty 6.- Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich* Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel« jährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion n. Verwaltung: Wien IX, Universitatsstr. 6-8, Tel. B-48-504Erscheint jeden Freitag Zur Tragödie in der Familie Theodor HerzI Nachdruck nur. mit Genehmigung der „Neuen Welt" gestattet Neues über Hans Herzls Leben und Freitod (Seile 5) 29 50 kompl. Ski-Ausrüstung bestehend aus: 1 Paar gute Eschen-Ski, 1 Hultfeld-Chrotnleder-Bindung, 1 Paar Huitfeid-Backen, 1 Paar Fußbleche, 1 Paar Haselstöcke 1 Paar RohrteUer, 1 Paar Lederschiaulen, i zusammenklappbarer Spirituskocher, 1 Spannholz und inkl. erstkl. Montage. Dasselbe fürs Kind S 18.b0 1 Klotz inkl. SportvatterwÄ20 bei Antisemitische Sl udenlenexzesse in Wilna Blutige Schlägereien an der Universität Warschau, 10. November. Im Gefolge von schweren antisemitischen Ausschreitungen, die seit Tagen an der Warschauer Universität den Studienbetrieb unmöglich machen, ereigneten sich heute an der W i 1 n a e r Universität gleichfalls schwere judenfeindliche Krawalle, die sich in das Judenviertel der Stadt fortpflanzten und dort ein Todesopfer forderten. Die jüdischen Hörer wurden vormittags von den anderen Studenten aus dem anatomischen Hörsaal der Universität hinausgeworfen, worauf es vor dem Universitätsgebäude zu wüsten Schlägereien: kam. Vor den Toren der Universität hatte sich während der Krawalle eine größere Menschenmenge angesammelt, die dann, johlend und Schmährufe auf die Juden ausstoßend, in das Judenviertel von Wilna zog. Dort kam es zu neuerlichen heftigen Zusammenstößen, bei denen achtzehn Personen, unter ihnen vierzehn Juden, schwer verletzt wurden. Ein Jude wurde durch einen Steinwurf so schwer verwundet, daß er kurz nach der Einliefehmg ins Krankenhaus starb. Ein zweites Todesopfer Wie aus Wilna gemeldet wird, ist im Laufe des Abends von den vier bei den Zusammenstößen verletzten Polen einer seinen Wunden erlegen, so daß die Ausschreitungen zwei Todesopfer gefordert haben. Spaltungen im Zionismus Im. Misrachi, der Weltorganisation der tradi* tionstreuen Zionisten, machen sich Spaltungserscheinungen bemerkbar. Der Misrachi Deutschland ist aus der misrachistischen Weltorganisation ausgetreten, angeblich sollen, der Schweizer und holländische Misrachi geneigt sein, dieses Beispiel zu befolgen. Die Leitung der mis* rachistischen Weltorganisation in Palästina hat darauf* hin beschlossen, in Deutschland eine neue, verbandstreue MisrachisOrganisation zu schaffen. * Die'immer häufiger auftretenden Spaltungserschei* nungen in der Zionistischen Organisation sind Ware n u n gs z e i c h e n und künden höchste Gefahr. Mit Klagen über „Disziplinlosigkeit", mit Androhung von „Maßregeln" und wehmütigssalbungsvollen Lobreden auf die entschwundene gute alte Zeit, in welcher „so etwas'* unmöglich war, ist der Sache nicht gedient. Uebrigens steckt hinter diesen bewegten Klagen eine gehörige Portion Selbstbetrug, Nicht die jüdischen Menschen sind schlechter, unverträglicher, verantwortungsloser gewors den.'Die Menschen bleiben gleich. Der Zionismus, der den Inhalt der heutigen Organisa* tion bildet, ist anders und schlechter ge« w o r de n! Und das. ist maßgebend! In der . Zionistischen -Organisation hat es, wie in jeder anderen, auch, früher scharfe persönliche und sach» liehe Differenzen, Streit, Zank 'und Revolten gegeben. Aber" am Inhalt der Bewegung, am HerzlsZionis* raus,' an der Idee vom Judenstaat, an der großen Idee der nationalen Wiederaufrichtung gemessen, verloren sie im entscheidenden Augenblick jede Bedeutung, zerrannen'in ein Nichts. Aus der großen Idee, aus der Ver* bundenheit im Kampfe um höchste Ziele, entstand eine alles bezwingende Disziplin, welche nicht auf das schwächliche Gerüst von Statuten und Paragraphen an. gewiesen war. Genossen in diesem Kampfe waren Bluts« brüder, in der Glut nationaler Sehnsucht zusammen» geschweißt. Die wollten und konnten nicht auseinander» laufen, um dieser Person oder jener taktischen Differenz willen. Jeder wußte: Der neben mir will, was ich will. Was mir heilig ist, ist ihm heilig. Mein Feind ist sein Feind! Mein Ziel ist sein Ziel! * Sicherheit und Einheitlichkeit im Wollen ist das Wesentliche des Herzl«Ziönismus. Und darum hatte er die Kraft, Menschen fest aneinander zu binden. Was ist heute der Inhalt des „Zionismus", der in der Zionistischen Organisation den Ton angibt? Herzl-Zionismus? Kleine Menschen tun dir mit großen Worten kund, daß Herzl eine „überholte" Sache _ ist. Judenstaats*Zionismus? Törichtes und gefährliches Beginnen. Binationaler Staat, geistiges Zentrum, jüdische Kleinkolonisation, subven« tionierte Musterfarmen. Das sind „reelle" Sachen. Kampf um das jüdische Recht? Sich mit englischen Beamten und arabischen Führern vertragen, \ ist . viel gescheiter, ist höchste staatsmännische Weisheit, auch wenn nichts dabei herauskommt. Kampf gegen die jüdische Assis milation? Um des Himmels willen! Man muß sich mit allen Juden vertragen, besonders mit den reichen; man darf sie nicht durch jüdischnationale Forderungen ver* stimmen. Man darf sie incht unter moralischen Druckstellen» um sie zur EjfülWg jüdischer Pflicht zu zwingen. ftfan muß schön bettphss-und* schmeich.ehi,,>yiels, leicht geben, sie dann etwas Geld, v ,, Das darf man/Zionismus nennen, das soll die Jugend entflammen, das soll die Menschen unlöslich aneinanderbinden, das soll der Kitt sein, der eine Welt« Bei gfdifisdien Schmerzen/ Nerven« und Kopfsdunerzen sowie b. Schlaflosigkeit wirkt Togal rasch! u, sicher. Togal-Tabletten lösen die schädl. Bestandteile im Blut und führen eine bald. Linderung u. vollständ. Genesung herbei. Fragen Sic Ihren Arzt. In all. Apoth. S2.40. Organisation zusammenhält? Zur Erfüllung dieses „Zionismus" braucht man wirklich keine Revolution im jüdU sehen Volk anzuzetteln, wie Herzl es tat, dazu braucht man wirklich keine Weltorganisation, dazu braucht man keine Bindung hunderttausender Juden in Disziplin, Treue, Opferbereitschaft. Einige Tausend in ein paar Dutzend Spezial« und Geldsammeivereinen genügen. Diesen Zionismus und gleichzeitig eine festgefügte, einheitliche Zionistische Weltorganisation wollen, ist gedankenlose Naivität. Daß es in einer Organisation mit so kleinem Inhalt leicht zu Spaltungen kommt, daß da die Leute vor der Organisation und ihrer Einheit den Respekt verlieren und ausbrechen, wenn ihnen irgend etwss nicht paßt, ist wirklich nicht ver* . wunderlich, ist eigentlich selbstverständlich. Herzl hat seiner Riesenidee vom. -Judenstaat das entprechende Kjeld gegeben^ die Zionistische Weltorganisation. Es ist' nur selbstverständlich, daß diese Riesenhülle dem Zwerg^und Krüppelzionismus seiner Nachfolger von den Schultern rutscht, in sic1^7ztffiSmmenfällt. Wundert euch nicht über die Spaltungserscheinungcn in der Zionistischen Organia sation von heute! r. st. Trauriges aus Palästina Die Jüdische Telegraphenagentur meldet: Jerusalem, 5. November. Am Mittwoch, den 4. November, kam es in der jüdischen Kos lonie Chedera zu Unruhen. Jüdische Ar* b e i t s 1 o s e in größerer Zahl umringten Orangens Plantagen, auf denen arabische Arbeiter bes schäiftigt sind, und forderten, daß auch ihnen. Arbeit gegeben werde. „Wir haben nichts zu essen," riefen sie, „und wissen nicht, wohin wir unsere Schritte lenken sollen." Als die Demonstranten der Auffordes rung der Ortspolizei, sich zu zerstreuen, nicht Folge leisteten, wurde englische Polizei von auswärts herbeigerufen, die sofort nach ihrem Eintreffen mit Gummiknütteln auf die Demonstranten ein« hieb und sie auseinandertrieb. Dabei wurden 20 jus dische Arbeiter, unter ihnen fünf schwer, verletzt. Vier Demonstranten wurden von der Polizei ver« haftet. Jerusalem, 8. November. Der Haifaer Richter Harkawi hat vierjüdische Ar» b e i t s I o s e, die sich an den Demonstrationen bei Chedera beteiligt hatten, zu je 7 Tagen Ar* r e s t verurteilt. Er nahm aber auch Gelegenheit, das brutale Vorge h e n der englischen Po Ii» zei zu tadeln. Das ist eine schwere Schande. Im Lande der stolzesten jüdischen Hoffnung müssen englische Büttel zwischen Juden treten und mit Prügeln und Arrest Ord* nung schaffen. Nicht etwa zwischen raufenden . Einzel« individuen. Nein, zwischen Gruppen, der jüdi« sehen Gesellschaft. Wie konnte es zu dem schmählichen Zustande kommen, daß der Jude Araber beschäftigt' und arbeitslose Juden nicht nehmen will? Manche sagen, weil die' jüdische Arbeit teuerer ist und die Rentabilität des Unternehmens unter ihr leidet. Das tit kein Grund und darf " kein ausschlaggebender Grund im jüdischen Nationalem sein. Die Intelligenz des Juden bei! der Arbeit kompensiert sicher einen Teil der Mehrkosten, Es muß ejnen Ausweg geben, denn die jüdische Arbeit ist einer der Grundpfeiler des zionisti* sehen Aufbaues. Der jüdische Unternehmer muß be« greifen, daß er unter dem Gebote der nationalen Pflicht steht. Nicht der Rechenstift allein darf bestimmen. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet Es hieß sich aber selbst täuschen, wenn man alle Schuld an solchen Vorgängen auf die Rechnung des individuellen Egoismus setzen würde. Zum Egoismus hat sich ein böser Helfer'gesellt, die Verbitterung des selbständigen Kolonisten, Kaufmannes und Gewerbetreibenden in Palästina. Im Lande wurde ein System etabliert, das die Selbständigen in eine unwürdige Rolle drängt. Beherrscher des gesell* schaftlichen Lebens sind die Beamten der Arbeiterpartei; wer dieser Partei, die auf dem Standpunkt der Klassen« kampfideologie steht, nicht angehört oder ihr nicht er« geben ist, wird beiseite geschoben. Und die Zionistische Organisation hat den verhängnisvollen Fehler begangen, dieses System zu dem ihren zu machen. Die Jungen und Mädchen, die in Europa unter Aufsicht und mit Unter« Stützung der Zionistischen Organisation ausgebildet werden, die Kinder in den palästinensischen Schulen werden zur Verachtung des „Klassenfeindes" erzogen. Mit Ueberheblichkeit wird jeder, der den Klassenkampf und den landläufigen Parteisozialismus nicht als: allein« seligmachend betrachten kann, als „Reaktionär" stigma» tisiert. Das erzeugt Erbitterung und führt zu Vorgängen, wie sie sich in Chedera abgespielt haben. Nationale Solidarität, Hilfsbereitschaft, Zusammenarbeit, brüder* liches Verstehen können das jüdische Palästina auf« bauen. Die Klassenlehre bringt keinen Segen, sie bringt den englischen Büttel und jüdische Schande. //Wir werden eudi ♦ ♦ Von Wladimir*Jabotinsky Unter dem Titel „Das weiche Herz der Bourgeoisie'* ■ schreibt Wladimir J a b c-1 i n s k y'.i über die englischen Parlamentswahlen, deren Resultat er auf die Absplitte* rung. der bourgeoisen Mitläufer von der Labour Party zurückführt. Nach dieser Einleitung beschäftigt sich Jabotinsky mit den Verhältnissen im jüdischen Palästina, wobei , er u. a. schreibt; „Bei uns in Palästina herrscht im Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) die Arbeiterpartei nur mit Hilfe der bourgeoisen Mitläufer. Ich leugne nicht, daß in Palästina die Zahl der Lohnarbeiter proportional größer ist als z. B. in England. Hat man doch jahrelang die Einwanderung anderer „Klassen" verhindert; ich leugne auch nicht, daß die; Arbeiterpartei in Palästina der ein«

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