Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 215 (30.10.1931)
- Date
- 1931-10-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2711613-2711790-2711834--2797-2716119- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Titl. UniveraitStsbibliothek Wien. I. Preis 35 Groschen toh*&m s *e« oir*^ mi n*. *•$ H. b« b REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich Tschechoslowakei monatlich Kc Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-, ______________ _______......._______ , _______....... - , ___________ , Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Lander monatlich Schweizer Francs 1.50, vierte!, jährig Schweizer Francs 4.90 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint Jeden Freitag 50 kompl. Ski-Ausrüstung bestehend aus: 1 Paar gute Eschenski,! Hultfeld-Chromleder-Bindung, 1 Paar huitfeld-Backen, 1 Paar Fußbleche, 1 Paar Haselstöcke. 1 Paar Rohrteller, 1 Paar Lederschi»uten, 1 Paar Schneebrillen, 1 Spannholz u. 1 Klotz inkl. e < stkl Montage. Dasselbe fürs Kind S 18.80 ^PORTVATTERS7n 20 Lord Balfour Zum 2. November 191? Das Gedenken eines Mannes, der als verantwortlicher Lenker eines großen Imperiums unaus- Jöschbaren Wunsch und unantastbares Recht eines Volkes in eine Formel gekleidet und sie mit deutlich nmrissenen Funktionen ausgestattet hat, das Gedenken James Artur Balfours muO immer wieder die Situation des jüdischen Volkes, den Grad der Verwirklichung der zionistischen Idee im Blitzlicht des geschichtlichen Werdens erstehen lassen. Vierzehn Jahre sind vergangen, seitdem die Balfour- Deklaration erlassen wurde: jenes Dokument, das die Grundlage bilden sollte für eine neue Epoche im Leben des jüdischen Volkes, ein Vorvertrag zu all den feierlichen Verträgen der Mandatarmacht und des Völkerbundes. Wir haben im vollen Bewußtsein der Verantwortung alle Pflichten auf uns genommen, die uns Deklaration und j ü d i s e h e s V.o 1 k s s c h i c ks a 1 auferlegte./ Das Werden der jüdischen Heim* statte' im, Lände unserer ••Väter* die Gründmäüerit des jüdischen Natiörialheims, das' Hände und Herzen unter Mühsal, Schweiß; Sorgen und Kämpfen aufzubauen unternommen haben, können als unwiderlegbarer Beweis dafür dienen, daß uns Balfours Absicht als die Essenz jener Bestrebungen erschien, die uns Theodor H e r z 1 als Lösung der Judenfrage vorzeichnete. Balfour und Balfour-Deklaration, das ist nun bereits geschichtliche Wahrheit. Aber diese vierzehn Jahre bergen in sich nicht nur den Triumph des Durchbruchs einer geschichtlichen Notwendigkeit, sondern auch die retardierenden Momente, die diese Notwendigkeit tragisch umleuchten. Zahlreiche Augenblicke sind; Zeugen dafür, mit welcher Wucht die Festung „Balfour- Deklaration" von allen Seiten berannt wurde, wie versucht wurde, Bresche um Bresche zu schlagen — durch feindliche Handlungen und tückische Interpretationen, wie schließlich gerade heute das Dynamit unter die Mauern eingeschmuggelt wird. Aber daß es für England und für das jüdische Volk einen 2. November'1917 gab, diese Tatsache muß immer wieder den Glauben an die unzerstörbare Macht des sittlichen'Gewissens in der Menschheitsgeschichte stärken: Das jüdische Volk wird und kann von diesem,' Glauben nicht abgebracht werden, wird den dunklen Mächten nicht weichen, mögen diese draußem und drinnen in unseren düsteren Tagen scheinbar die Oberhand haben. Die Judenfra.ge besteht wie am 2. November 1917 in unyer minpVe r tem Grade. Sie in ifyrem ganzen Umfang zu leugnen oder zu kaschieren, hsd sich als aussichtslos erwiesen. Die Mächt der. Tätsäcnißn ist blarkör "als; ihre Leugner und' 'Vertuscher. Der 2. November 4917' wär ein Märkstein. Ein zweiter, 2r(;Novemher wird dfem jüdischen Volk noch gegeben werden. Juden hinaus! Die Oesterrei'diisdie Credit*Anstalt als Rassenproblem ............................. Es gibt ein© Sorte deutscher Helden, deren öster* reichischer Mannesstolz vor jüdischen Hausierern unbeug* sam ist . Vor jüdischen Großbankdirektoren und ver* wandten Größen ändert dieser antisemitische Mannesa stolz seine Beschaffenheit, er verliert an Starrheit und gerät ins Fließen, wird biegsam. Dem Hausierer haut man sein Kastel aus der-Hand,- läßt ihn unter Fußtrittbegleitung zur- Tür hinausfliegen. Bei' der Unterhaltung mit Groß* bankdjrektoren schaltet tnan . das „Konfessionelle" aus und befleißigt sich einer an Demut streifenden Sachlich* Mt, Auch wenn diese, großen Herren zweifelhafte Ge* seilen sind. Der Regierungschef Oesterreichs, Herr Bundes* kanzler Dr. B u r e s c h, scheint der oben geschilderten Sorte deutscher Männer zumindest geistesverwandt. Seine Art, , mit großen Juden zu verkehren, und seine Art, mit kleinen Juden zu verkehren, sind grundverschieden. Die von jüdischen Direktoren geleitete Oesterreichische Credit*Anstalt" ist durch die skrupellose Spekulations* suchtdieser Leute ins Wanken geraten und reißt den armen österreichischen Staat in katastrophale Zahlungs* Verpflichtungen hinein. Draußen im Wienerwald, vor seinen ländlichen Wählern verdonnert der Herr Kanzler die höchstbesoldete,. jüdische Schwefelbande. Einsperren wird er sie, ihr den Raub aus dem Rachen reißen, der Judenbande! Aber in Wien singt sich's anders. Ruhig sitzen. die halbgetauften und. ganz getauften Herren Direktoren in weichen Sesseln, beziehen Riesengehälter und Riesenpensionen aus der unter Aufsicht des Herrn Dr.( Buresch stehenden armseligen Staatskassa. Die Pelze und. die Rivierareisen ihrer Frauen, Töchter und der Maitressen ihrer Söhnchen überdauern unversehrt den versammlungstechnischen Zorn des Herrn Kanzlers draußen im Wienerwald. Aber doch hält der Kanzler sein Wort, er unternimmt „etwas" gegen die jüdische Bande. Er hetzt die Polizei gegen die kleinen Geldwechsler in den Leopoldstädter Kaffeeschenken, gegen „Grqß$chiebcr", welche zwanzig Dollars vierzigmal umlaufen lassen, um drei Schillinge zu verdienen. Sechzig Polizisten.umstellen ein Lokal, dessen Umsatz in Geldschiebereien nicht hin* reicht, um die Monatsrechnung des Bankdirektors beim Zigarrenhändler und Friseur und. seiner-Frau beim Tanz* lehrer und Hühneraugenchirurgen zu begleichen. Ja, es geschieht „etwas"! Und noch etwas geschieht! Bei der Ciedit*Anstalt bauen die staatlichen Kontrolleure tatsächlich J u d e n ab. Aber welche? Kontisten, Strazzisten, Te 1 e* p h o n m ä d e 1 s, Buchhalter, die fliegen raus und die Christen bleiben. Kummer und Elend dringen in das 'kleine jüdische Heim. In den Boudoirs und Salons der Räuber draußen im Cottäge* bleiben Stimmung und Tem* peratur ■— wohlig und warm. Man zieht nur die Gardinen etwas dichter zusammen^ Gerechtigkeit muß sein, bat Herr Dr. Büresch gesagt;, draußen im Wienerwakl. ... ■ » Zur Frage des Abbaues der kleinen und mittleren jüdischen Beamten schreibt man der „Neuen Welt" aus Kreisen der Bankbeamtenschaft: „Als der Budgetreferent des Nationalrates, Herr Dr. Drexel, im Kreise der Bankbeamten verkündete: Alle im redaktionellen Teil befindlichen. entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet VERBAND DEMOKRAT. ZlONISTEN / JUDISCHER HOCHSCjHULAflSSCHUSS Sams tag, den,31. Oktober 1931, um 8 Uhr abends im Verbandsheim, II, Untere Augartenstraße Nr. 38 KONZERT.AKADEMIE zugunsten der Mensa academica judaica und der sonstigen Fürsorgeeinrichtungen des jüdischen Hochschulausschusses MITWIRKENDE: Vortragskünstlerin / Frl. Margarete Bach Konzertsängerin Frau Maria Wlnkler-Fialko Komponist Israel Brandmann Professor Julius Isserlis Professor Joachim Stutschewsky Eintrittspreise: S J.- bis S3.~ Kartenvorverkanf: Verbandshelm. II, Untere Augartenstraße 38? Jüdischer HocbscbalaatKbvfi, IX, Zimmerroannplatz 8; Telephonische Bestellung: Frau Nebenzabi IMM-loY Frau Stricker A-tt*!^ — Abendkass« m Sie brauchen kaltabwaschbare,extra8tarke,,Aa-Abon<,-Zellttloid TOR e und Tapete«» SCHONER I__________ Tapete passend <^^H Alle Größen, Farben und Formen. Sie ersparen teuren Anstrich. Leicht anzubringen. F^OS^VGf'S&llcl M M Spezialist MIKOLASCH 1 70 Wien, Taborstr. 22 c I ■ Telephon R-47-1-85 von 3 JLaufw. Auf Wunsch unverbindlich Monteurbesuch. Kostenvoranschlag und Preisliste gratis, Für Abonnenten 10 Prozent Rabattl mMI>MHHimHIHIHMIMIIMI»IMHIHHIMimiT Wenn in der Credit*Anstalt abgebaut werde, müssen zuerst die Juden abgebaut werden, da hat die „Neue Welt" diese Tatsache festgenagelt; Die Mit* teilung löste Erstaunen aus und wurde von der einen Seite „nicht geglaubt". Das ist jene Seite, die sich allzu gerne von Juden wählen läßt und. die auch mit. Be* : geisterung von den Juden gewählt wird. Wir meinen die Sozialdemokratische Partei. Nicht möglich, gerade der. Dr. Drexel! Es ist möglich. Der Personaldirektor der Credit* Anstalt, der sich zum jüdischen Glauben bekannte, wurde an die Luft gesetzt. Sein Nachfolger glaubt das Gegen* teil. Er bekennt sich zu Dr. Drexel. Der Abbau in der Cfedit«Ä'n8tali;'iat .kcin:;Probienv' ah sich, da er nicht zu vermeiden ist. Das Problem ist nur, wie abgebaut wer« den soll; Höhe der Abfertigungen, - das Tempo des Abbaues, diese und ähnliche Fragen werden eifrig zu beraten sein. Aber eines scheint man als a u s'g c m a c h t e Sache anzusehen: wer abgebaut werden soll. Natürlich Juden, solange der jüdische Vorrat reicht." Dann wird auch, das „Wer" eine harte Nuß werden. Vorläufig heißt -des Rätsels Lösung nach altem Rezept, rechtzeitig vier* kündet von Herrn Dr. Drexel;.D e r J u d. , Wer soll für die jüdischen Beamten der Credit* Anstalt eintreten? Für Beamte hat in unserer Zeit die Gewerkschaft aufzutreten. In der Crcdit*Anstalt haben zwei Gewerkschaften etwas zu reden. Die eine, ist die kleinere, der Zentralverband christlicher Angestellter. Klein, aber fein. Denn in der neuen Direktion sitzen Leute vom Schlage Dr. Drexels. . In dieser Frage wird schon Einhelligkeit zwischen Direktion und Gewerkschaft herrschen. Die andere Gewerkschaft ist groß. Dem von Juden seinerzeit gegründeten „Reichs* verein" gehören die jüdischen Beamten an. Er ist eine „freie*' Gewerkschaft.' Das heißt, politisch übersetzt, sozialdemokratische Gewerkschaft. ' Diese Gewerkschaft ist politisch gebunden. Ihr , Generalsekretär heißt Heinrich Allina, der als führen* der sozialdemokratischer Angestelltenvertreter im Paria* ment der sozialdemokratischen Parteidisziplin unterworfen ist. Und gerade diese Parteidisziplin schließt ein Eintreten für jüdische Beamte aus, macht es unmöglich, mit der in diesem Falle notwendigen Entschiedenheit für objektive Behandlung der Abbaufrage, einzutreten: Von der Direk* tion wird die . christlichsoziale Gewerkschaft gefördert. Diese Gewerkschaft wirbt um christliche Beamtenseelen; In einer solchen Werbeversammlung hat Herr Dr. Drexel seine These verkündet. In der. Frage, wer abgebaut wer* den soll, wer seine Existenz zu verlieren hat, streitet die eine Gewerkschaft; „für die Christen", Wird, ja k a i\n der Reichsverein mit Vehemenz für Gerechtigkeit, d. h, für gerechte Behandlung der Juden, eintreten, wo doch die Partei, der er nahesteht,. immer gerade diesen Konflikt gescheut hat? Die jüdischen, vor allem die „zionistischen" Ver* ehrer der sozialdemokratischen Partei werden vor diesem Problem ratlos stehen. Man hat nie verlangt, daß Juden in Oesterreich jüdische ■■ Gewerkschaften gründen r sollen. Politische Gewerkschaften, nationale Gewerkschaften, überhaqpt zersplitterte Gewerkschaften sind ein Unding. Hier ergibt sich eben in tragischer Form das politi* sehe Problem, das in die Sphäre der Gewerkschaft ein* -greift. In diesen Fällen der Judennot kann nicht die Beamtenvertretung, nur eine jüdisch*politische V er t r e t u n g könnte wirksam. eingreifen. Wo ist sje? Im Kampfe gegen jene Zionisten, welche für eine Ver* tretung der Juden im Parlamente, in den Landtagen und Stadtverwaltungen «interten, Uten äch leidet dte jüdb