Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 214 (23.10.1931)
- Date
- 1931-10-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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THi. Universitätsbibliothek Wien. I. Preis 35 Groschen >«*w5 M******WM Wf* "* V'b'b> i W vierteHÄhfie S 4 20. wnziährig S 16.-; Polen monatlich Zloty 2.--, vlerteUährtg Zloty 6.—, J;?iV Vi»««^ D nar 40.-: Rumänien monatlich {^i^^SSaNm tA BuUarien monatlich dewa 40.-, vlerteHährls RÄ^^^ monatUch heiler Francs 1.50. viertel- ■ VHnuaV ^^Hu^^- BfcuuuW HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion a. Verwalten** Wien IX, VniversHätssir. 6-8, Tel B-48-504 - Erscheint jeden Freitag ■ ' ■ ' -<fifc>f I i ' ir i ii ' i ■ 1 " R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Oestefrdeh monatlich S Tschechoslowakei monatlich KC 6.-^ vierteljährig — .-. . Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-} Üeutschl «nd monatlich - s .-- ■.•„nA Lewa 1»!-; Ifnüen monatlich UrfeÄ-, vierteljährig Lire 14.-J 8chwete und fahrig Schweizer Francs 4J0 v MITWIRKENDE;: Frli Mar VERBAND DEMOKRAT* ZIONISTEN // JÜDISCHER HOCH SCHUL AUSSCHUSS Sam s tag, den 3!. Oktober 1931, um 8 Uhr abends im Verbandsheim, II, Untere Augartenstraße Nr. 38 KONZERT'AKADEMIE zugunsten der Mensa academica judaica und der sonstigen Fürsorgeeinrichtungen des Jüdischen Hochschulau«8:husses Vortragskünstlerin rn;; Margarete Bach Konzertsänserin Frau; Maria Winkler-Fialko Komponist Israel Brandmann Professor Julius Isseriis Professor Joachim Sttttschewsky Eintrittspreise: Sl.— bis S3.— Kartenvorverkauf: Verbandshelm, II, Untere Ängartenstraße38; Jüdischer Hbchschnlausschuß, IX, Zimmermannplatz 8; Telephonische Bestellung: Fran Nebenzahl U-12-2-16, Frau Stricker A-48-l*8? — Abendkassa NahrpfEsdlit! „Solange es vorkommt, daß auch nur ein einziger Mensch hungert o£*t in seiner Lebenshaltung nicht gesichert fifl'" solange taugt' die ganze Gesellschaftsordnung n i ch t s." „Ein c in z i g e r Fall, in dem ein Mensen vor Hunger zugrunde geht, genügt um die N i c h t s w ü t di g k e i t eines ganzen Gesellschaftszustandes zu beweisen." Aus Josef Popper*Lynkeüs: „Die allgemeine- Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage." Die Weltwirtschaft ist außer' Rand und Band ge*. raten. Hunger, Revolution und Krieg heben das Haupt. Die „Retter" sind an der Arbeit, die Führer dieser Ge* sellschaftsordnüng, .welche: man eine, gottgewollte nennt, haben alle Hände voll zu tun. Bankpräsidenten und Industriekapitäne und Finanzminister fahren hin und fahren'her, von London flach' Paris und New York und von "New York nach London und Paris, und halten Kons ferenzen ab. -Vor jeder .Konferenzjubelt und -orakelt ,<&e Presse: „Jetzt sind die» Ganzgescheiten und die Ganz* mächtigen beisamme^/ jetzt kommt die Lösung!'* . : . Nichts kommt! Das wichtigtuerische Gerede von Ans kurbelung der Wirtschaft, Regelung der Produktion und der Währungen .und des Warenaustausches plätschert auf und verrinnt in stilles Nichts. Geschickt und klug sind sie, wenn es gilt, aus dieser. Gesellschaftsördnurig -Profit' zu ,ziehen; täppisch und dumm, wenn die Maschine stockt und keine Dukaten speien will. Ihr Gerede vergeht und der Hunger bleibt. . ' / , Aber auch die auf der anderen Seite der Gesell« schaftsordnung rühren sich, die sozialen Rebellen, die klassenkämpferischen Sozialisten. Sie setzen Programme in-itie. Welt,; länge, und (breite Aufiiife, in denen viel ge* redet und nichts gesagt wird. Als „Retter" haben sie ebensowenig Glück wie ihre Kollegen auf dem Geldsack. Wo Klassenkampf er regieren oder mitregieren, in England, Australien, Rußland, Deutschland, Oesterreich etc., geht es genau so trostlos zu wie anderwärts. Hunger vor der Tür, Hunger im Hause! -Endlich ist den hohen Herren auf beiden Seiten vor ihrer Gottähnlichkeit etwas bange geworden. Sie schicken sich an, herunterzusteigen von den hohen Stühlen der Wissenschaft und Partei. zum Menschen, - der hungert., Noch dröhnen die Phrasen von Weltwirtschaftsregelung, Währungshilfe, Ankurbelung, Vergeseflschaflichuhg,' Kapitalskonzentration .und Neuordnung der Klassen,' aber schon dringt ein klarer Ton-durch:. „Der Mensch darf; nicht hungern, darf nicht " frieren. Er kann nicht auf erV lösende Systeme warten, ob sie nun von rechts 'oder links kommen sollen. Er muß essen, muß' sich kleiden, muß; sich wärmen. Wir müssen ihm Essen, Kleider, Kohle geben. Und das sofort!" . . . . Die nationalökonomischen, soziologischen, finanz», wissenschaftlichen 'Betrachtungen, welche stolz und breit; die-ersten' Spalten aller Zeitungen bedeckten, sind be* scheidener und dünner geworden und haben Aufrufen Platz gemacht, die kurz und schlicht besagen: „Menschen hungern und frieren. Das darf nicht seih. Beschaffet und sammelt Essen, Kleider, Kohle." , Früher waren solche Aufrufe von Bezirksvereinen, frommen Bruderschaften, Tischgesellschaften unter-" schrieben. Jetzt zeichnen Regierungen, Gemeindeverwals' tungen, große Parteien und Gewerkschaften Die größten; Organisationen gehen daran, die Npt ies Einzelmenschen praktisch zu bekämpfen, den Hunger mit Brot, . das Frier«^'mit Kleidern'und Kohle. Das ist das Ende aller prof essoralen, staatsmännischen und parteibonzischen Wissenschaft. Und. es; ist. ein gutes Ende. Wenn man will -r ein guter Anfang! ......... * Diesen Weg. z«m hungrigen Menschenbruder, den, jetzt die großen Herren des Staates, der Gemeinden, der Parteien, zaghaft betreten, hat ein jüdisches Genie vor Jahrzehnten gewiesen^ Der in Wien lebende und wirkende Jude a"us Böhmen, Ingenieur Josef PoppersLynkeus; haltte alles, was an nationalökpnomischer und soziplogi« scher Wissenschaft .bisher produziert wurde, so .. tief durchstudiert, wie es riur ein Höchstbegabter kann. Er ist zu folgender Erkenntnis gekornjtnen: „Um ein brauch-' bareis, soziales Programm aufzustellen, also um die Men« sahen! ökonomisch - zu f sichern, benötigen wir w$d$r; Nationalökonornik, rn.it oder ohne Psychologie, mit oder, ohne. Mathematik, noch Biologie, noch'Psychologie'und auch keine Wirtschaftsgeschichte — und keine Rechtsphilo» sophie." Die Lösung der sozialen Frage liegt in der Erkennt« nis, daß jeder Mensch mit seiner Geburt das untilgbare R e ch t auf das Existenzminimum, auf, Essen, Kleider, Obdach erwirbt. Nichtswürdig ist eine Gesellschafts» Ordnung, die dieses heiligste aller Rechte nicht anerkennt Untauglich ist jede Gesellschaftsordnung, welche dieses Recht jedes Einzelmenschen nicht zu erfüllen vermag." ' ' Die Erfüllung der Pflicht, jedem Menschen ohne einschränkende Bedingungen' das Existenzminimum zu geben, überträgt PoppersLynkeus der „N ä h r a r m e e". Die Gesellschaft hat es verstanden, „Wehra'rmeen" zu bilden, Menschen die „Wje h rp f 1 ic h t" aufzuerlegen, Jahre ihres Lebens in Uniformen, in Kasernen und mit Waffen in der Hand verbringen zu lassen. Diese Gesell« schaft muß es jetzt dahin bringen, die „N ä h r ä r m e e" aufzustellen, den Menschenf die „N ährpf Ii c h t" auf* zuerlegen. Jeder Mensch (Männer und Frauen) hat einige Jähre in dieser Arbeitss und Nährarmee zu dienen, welche alle Mittei schafft, um a 11 e n Merishcen das Lebensnot* wendige .- in'natura zu geben. Hat .der Merisch dieser Nährpflicht (Genüge geleistet, seihen. Dienst in der Nähr' arrriee ,hinter 'sich,.:,dänn ist er f r e i.; Frei von der Sorge ^^l^f^^^^ßi^^iij^','. di^,;öesteilschaft' geben^roußn JSfi^l^^^'^i-eji^ .ö^rin^'.vyir^Uch'ft',. Freiheit, gibt es1. nur dfhfr, -wdhri niah ohne' Sorge;":;>^t^. triäti am' nächsten.-Ta^. seiner Familie und sich' d^s^Lebensnotwendige-beschaff en soll, nach freien* Ermessen tiein Leben gestalten 'kann. PoppersLynkeus hat sich nidht damit bes gnügt, den; Satz von der „Nährpflicht" zu. prägen. Der I n g e n i eu r PoppersLynkeus hat durch ■ praktische Be« Bei Sdimerzen in den Gelenken und OKedevn wirkt Togal rasch u. sicher. Zahlreiche Dankschreiben über Togal bei veralteten Leiden, bei denen kein anderes Mittel half. Ein Versuch überzeugten alL Apoth. S 2J). rechnungen nachgewiesen, daß eine Nährarmee die Ver* sorgung al l e r besorgen kann. Er hat den Arbeitsplan erstellt. * Vor Jahrzehnten ist Popper-Lynkeus mit seiner Idee und mit seinem Arbeitsplan herausgetreten. Warum hat man ihn erst verflucht, verhöhnt und dann tot* geschwiegen? Er hat das Verbrechen begangen, den Reichen und Mächtigen zu sagen, daß die von ihnen als „gottgewollt" gepriesene Ordnung verbrecherisch ist, daß es nur ein Kapitalverbrechen gibt: Sorglos leben und genießen, wenn auch nur ein Mensch an Hunger leidet. Er hat den Klassenkampfern, den Anhängern der Marx» sehen Theorien, die statt der alten Sklaverei eine neue, statt der alten Bürokratie eine neue schaffen, den Men* sehen wieder Zwang auferlegen wollen, zugerufen, daß ihr Beginnen aussichtslos ist, die Frage der Erhaltung jedes Individuums in sorgloser Freiheit nicht löst. Darum hatten sich beide, Kapitalisten und Klassen* kämpfer, gegen ihn gewendet. Aber die Entwicklung ist stärker als die hoch», mütigsten Klassen und Parteien. Sie drängt in die Rich- tung und zum Ziele, das PoppersLynkeus gewiesen hat: Zur Erfassung des Einzelmenschen, zur Bewahrung des Einzelmenschen vor Elend und Not. Zur Erkenntnis, daß das Leben des Individuums das heiligste ist, heiliger ist' als die Existenz von Gruppen und Klassen, die kommen * und vergehen. - ' Das menschliche Individuum bleibt! Unsicher, hastend, mit untauglichen, weil unzu« reichenden Mitteln — mit Sammlungen, Geschenken, An* leihe* und Steuerprojekten versucht die Gesellschaft dict, Lösung"!'V Sid; Avird 'zur Sicherheit, und 'Zielbewußtheitv im Handeln .'fangen, wenn sie sich ac^FG^IuiAg\^6^'i^^^,,^ Menschenfreundes anvertraut. Es; ist an der! Zeit, den : hpchangeschwplfShen WüSt von Projekten und Program- >l men beiseite zu schieben und die Schriften des großen' jüdischen Genius PoppersLynkeus zur Hand zu nehmen. '■ ... Robert. Stricker. ♦ 0fei*; Olfeerrabba'nei' von Südafrika gegen die Preisgabe des HerslffZiowDsmus Er bezeichnet die Kongreßbesdslüsse als »Feigheil und Verrat« Der Oberrabbiher von Südafrika und Führer der südafrikanischen Zionisten, Dr. J. L. Landau, übers mittelte ,'der „Neuen Welt" seine an die südafrikanische Judenschaft gerichtete N e u j a h r s b o t s c h a f t. An die Spitze der Botschaft setzt er einen (flammenden Pros test .gegen, das Verhalten. des letzten Baseler Zionistens kongresses; '• welcher die Forderung nach .dem Judenstaat und — unter dem Einfluß des bekannten Alarmtelegramms aus Palästina — auch die Erlangung einer jüdi« sehen Majorität in Palästina als Zielsetzung äbs gelehnt hat. In der Botschaft heißt es: l; ., „Kolonialminister Lord Passfield, der Zionistenfeind, hat das Feld seiner politischen Tätigkeit, hat die britische Regierung verlassen. Wird der Jude Sir Herbert'Samuel, den nunmehr Minister geworden ist, es , versuchen, seine 'Ministerkollegen zur Wiederanerkennung und Ehrung der Balf o.ursD eklaration zu bringen? Selbst wenn Sir Herbert Samuel dies versuchen wollte, wird ihm' nach dem' 17. Zionistenkorigreß diese Aufgabe < sehr schwer fallen. Denn dieser Kongreß hat sich gegen das Baseler Programm versündigt, als, er unter dem Einfluß eines Alarmtelegramms die Forderung nach einer judischen. Majorität in Palästina aus seiner Programm* erklärung gestrichen hat. Das war ein selbstmörderischer Beschluß, ündJ die kommenden jüdischen1 Generationen werden;ihn als einen Akt der Feigheit und des Verrates verfluchen (condemn as an act of cowardice and treason). Es ist tief bedauerlich, daß ein Zionistenkongreß : durch knieweiche Resolutionen einen Riß in der zios nistischen Bewegung verschuldet hat. Es ist tief bedauerlich, daß man einen Zionistenkongreß soweit einschüch* tern konnte, daß er die Grundprinzipien d<ss politischen Zionismus, des Herzl^Zionis«' raus, preisgegeben hat. Aber wir wollen hoffen, daß wir' in der Zukunft wieder stark genug sein werden, die Zer* mürbung unserer Reihen zu verhindern." Der Führer der südafrikanischen Juden schließt seine Botschaft, mit dem Hinweis darauf,. daß die viele gepriesenen Erfolge einzelner Juden auf finanziellem und . sozialem Gebiete für das jüdische Volk wertlös sind. Diese Erfolgreichen, und besonders ihre Familien, lösen sich bald Vom Judentum los. Nationale Solidarität war in der jüdischen Vergangenheit die Rettung. Sie bietet die einzige' Gewähr für die Zukunft.; ' * Auf dem Baseler Kongreß waren die Zionisten- Reyisipnisten die einzigen, welche den Beschlüssen, die Djr. J. 'L; Landau jetzt als „selbstmörderiscb'' bezeichnet,;AUe.i. »n* :;twMlkt»onel,len. Teil'' befin<|lichen entgelt* 5 liehen N^^ft^MMt';dmfcb'' ein beigefügtes E bezeichnet. . y entschlossen entgegentraten. Es schien so, als wären sie in dieser Beziehung eine isolierte Gruppe. Ein großer Teil der zionistischen Presse bemühte sich auch, die, Sache so darzustellen, als wären die vom ZionismussRevisionismus auf dem Kongreß verfochtenen Ideen Eigenbrötelei ohne Nachhall in den zionistischen Massen. Nun spricht die Gruppe der südafrikanischen Zionisten, die Grußpe» welche auf die größten Leistungen für den Aufbau Paläs stinas hinweisen kann, durch den Mund ihres Führers so, wie die Revisionisten auf dem Kongreß gesprochen haben. Ihr Führer — kein Revisionist — urteilt über die Kons greßbeschlüsse, gegen welche die Revisionisten an* kämpften, und nennt sie „feig, verräterisch, ver* flucht von kommenden Generationen!" Lesser llry gestorben Aus Berlin kommt die Meldung, ' daß der große jüdische Maler Les'ser Ury im Alter von 69 Jahren Sonntag, den 18. Oktober, gestorben ist. Mit Lesser Üry, ist einer der repräsentativen Meister der neuen jüdischen Kunst dahingegangen. Am 7. November 1862 in Birnbaum (Posen) geboren, absolvierte Ury die Düsseldorfer Mal-' ^llllllIllllllIIllllllllllllllIlllIlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllE^ Verband demokratischer Zionisten 1 E Mittwoch» 29. Oktober 1931, um >/,9 Uhf f E abends im Herzl-iaal des Verbands« E heims, II., Untere Augartenstraße 38 s j VORTRAG | | Referent: s 1 Oberbaurat Robert Stricker 1 Gegenstand: Die Weifkrise. Popper^ 1 Lynkeus oder Marx? Regiebeitrag 20 g