Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 213 (16.10.1931)
- Date
- 1931-10-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. M der Zionisten«Revisionisten nicht verpflichtet sind, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und ihren Io* lealen Organisationen anzugehören. Die deutschen Revi* sionisten können, soweit die Umstände dies erforderlich erscheinen lassen, als Einzelpersonen oder als Iökale Grup« pen den Ortsgruppen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland angehören, die Konferenz empfiehlt aber den Mitgliedern des Landesverbandes den Austritt aus den Ortsgruppen, beziehungsweise aus der Zionistischen Vcr« einigung für Deutschland und die Gründung selbständiger revisionistischer Gruppen. * Mit einer ähnlichen Begründung haben auch die Zionisten*Rcvisionisten Oesterreichs (Verband de* mokratischcr Zionisten und Union der Zionisten«Revisio* nisten) und der Bukowina die Teilnahme an den kom« menden Landeskonferenzen abgelehnt. Die Landes« verbände dieser Länder, welche freiwillige Arbeits* verbände darstellen, haben durch ihre Haltung und die Haltung ihrer Organe diesen Zustand förmlich erzwungen, da den Revisionisten nicht zugemutet werden kann, ihnen feindlich eingestellte Institutionen moralisch und materiell zu fördern. Die Zugehörigkeit zur Zionistischen Weltorganisation wird durch den Austritt aus den Landesverbänden nicht berührt. Tel Chaj-Fond§ Weltorganisation revisionistischer Frauen, Zentrale für Breslau und Oberschlesien gratulieren Herrn Jaibotinsky zum Geburtstage (Eisernes Buch) . . s , . 100 Mark Olga Abraham, Petroszeny ....... 100 Lei A. S. auf Namen Aron Sternberg .... 10 Schilling Brith „Trumpeldor" Wir eröffnen folgende neue Heime: VIII., Benno« platz 1 a (Anmeldungen Samstag von halb 7 bis halb 9), X., Humboldtgasse 25 (Anmeldungen Montag und Donners* tag), XX., Leystraße 81 (Anmeldungen täglich ab 8 Uhr abends). Unser Bund, dessen Erziehungsarbeit für den Zio* nismus und somit für das Judentum bekannt ist, beginnt nun auch in den neuen Bezirken seine Arbeit. Wir hoffen, daß sie voll unterstützt werden wird. Der zionistischen Jugend der umliegenden Bezirke, die ein strammes und fröhliches Leben im Kreise jüdischer Jugend mitzumachen gewillt ist, wird durch die Eröffnung der neuen Heime Gelegenheit für betarische Arbeit in ihren Bezirken gegeben. Tel Chaj! — Brith „Trumpeldor", Organisation Oesterreichs. Jüdische Studenten! Tretet der „Haganah" bei! Anmeldungen und Auskünfte: Montag, Mittwoch 20 bis 22 Uhr; Freitag 11 bis 12 Uhr. Sprechstunden der Leitung: Mittwoch 20 bis 22 Uhr. Lese* und Redehallc jüdischer Hochschüler, IX,, Türkenstraße 9« Das hebräische Budb in Palästina Kurze Betrachtung zur palästinensischen Schriftstellerkonferenz In Palästina leben 180.000 Juden und 180 h e b r ä is,che Schriftsteller sind im palästinensischen Schriftstellerverein ,,A g u d a t h ha' So fr im" organisiert. Auf 1000 Juden Palästinas entfällt also ein Schriftsteller. Faktisch sind es aber noch mehr. Denn es gibt Schriftsteller und Dichter, die diesen Verband nicht angehören, z. B. die Gruppe, die sich um die Ktuwim schart. Außerdem gibt es noch ein Anzahl von Journalisten, hebräischen und nichthebräischen, die außerhalb des Vereines stehen, so daß man nicht fehl geht, wenn man annimmt, das auf 500 Juden Palästinas ein Mann der Feder entfällt. Wie leben diese Schriftsteller also? Die jüngst stattgefundene Konferenz der hebräischen Schriftsteller in Palästina versuchte, ein diesbezügliches Bild zu entwerfen. Zunächst leben nicht alle Schriftsteller ausschließlich von der Schriftstellerei. Nicht weniger als 80 Prozent beziehen ihren Lebensunterhalt aus anderen Quellen; der größte Teil bekleidet Lehrämter, andere wieder sind Angestellte verschiedener Institutionen, und ein geringer Teil hat privaten Erwerb. Nur die Journalisten leben von' der Feder allein. Die hebräische Literatur müßte angesichts der Tatsache, daß sie für den Schriftsteller nicht Broterwerb ist, blühen und gedeihen. Der Dichter Ch. N. B i a 1 i k aber hat auf der Eröffnungssitzung der Konferenz ein trauriges Bild vom Zustand der Literatur entwerfen müssen. Es erscheint fast zwar täglich ein Buch, jeder zehnte Jude kauft zwar eine Zeitung und jeder dritte liest sie, aber trotz alledem — das hebräische Buch kann von der palästinensischen Judenschaft allein nicht getragen weiden. Wir bennden uns im Prozeß der Auflebung der hebräischen Sprache und Literatur, sozusagen an einer Kriegsfront. Eine solche braucht ein Hinterland, das Rcserveu stellt. Und dieses Hinterland, so findet Bialik, ist sehr schwach. Die hebräische Sprache in der Galuth liegt noch in den Windeln und zeigt keine Entwicklungsperspektiven. Im Gegenteil: es sind Anzeichen vorhanden, daß die hebräische Sprache in der Galuth vergessen wird, daß es außerhalb Palästinas in einigen Jahren gar keine, hebräischen Leser mehr geben wird. Nimmt man noch die Weltwirtschaftskrise hinzu und die spezielle ia Palästina, das sich die Absorption einer umfangreichen Literatur nicht leisten kann, so vervollständigt sich damit das trostlose Bild. Bialik ist sehr pessimistisch. Er ruft deshalb zu intensiver Arbeit in der Richtung der Verbreitung des hebräischenBuches auf. Nach seinem Plan sollen überall außerhalb Palästinas Kommissionen gebildet werden, die eine großzügige Propaganda zu betreiben haben. Sfenn auch die Darstellung Bialiks Übertrieben ist, so müssen die Gründe für die Vernachlässigung des hebräischen Buches, das in Palästina geschaffen wird, auch auf qualitativem Gebiet gesucht werden. Es ist nicht zu verkennen, daß bisher der überwältigende Teil der literarischen Produktion den welthistorischen Prozeß, der sich in Erez Israel vollzieht, zu gestalten und künstlerisch zu bewältigen nicht vermochte. Allerdings berechtigen die ersten Anzeichen einer solchen Gestaltung zu Hoffnungen. Das Resultat einer derartigen Bemühung wird auch den Büchermarkt selbst günstig beeinflussen. —!<!• Die neue jüdische Theatersaison in Amerika Das jüdische Theater Amerikas befindet sich in einer ziemlich schweren Krise, die sich nicht nur in der Sperre einzelner Theater, sondern auch in der Abwanderung mancher Schauspieler zu englischen Bühnen äußert. Die neue Spielzeit, so erzählt uns der in Wien weilende New Yorker Schauspieler Jakob Rechtzeit, steht im Zeichen der Krise. Das jüdische Künstlertheater wird nicht wieder eröffnet und dessen Gründer und langjähriger Direktor Morris Schwarz hat sich von einem amerikanischen Theater engagieren lassen. AUerdins sind Bemühungen seitens offizieller jüdischer Theaterinstitutionen im Zuge, ein neues jüdisches Künstlertheater noch in dieser Saison erstehen zu lassen. Auch Mali P i c o n eröffnet diesmal nicht wieder, ja sieht sich gezwungen, eine europäische Tournee zu unternehmen. Im Zusammenhang mit der Theaterkrise steht der Niedergang der jüdischen dramatischen Produktion, die im letzten Jahre fast nichts Wertvolles hervorgebracht hat. Zu den äußeren Ursachen der Krise gehören die Inimigrationssperre, die Arbeitslosigkeit großer jüdischer Massen und die zunehmende Assimilation der Jugend. Da diese vielfach nicht mehr fähig ist, einem jiddischen Dialog zu folgen, wurde der kuriose Einfall seitens mancher jüdischer Direktoren geboren, ganze Dialogpartien (vornehmlich der jüdischen Helden) in englischer Sprache abrollen zu lassen, ein Versuch, der gänzlich fehlging. In ganz Amerika werden 25 jüdische Theater spielen, davon acht (in der letzten Spielzeit elf) in New York. Starken jüdischen Zuspruch finden die englischen Bühnen, die letztens Stücke über das jüdische Problem auf dem Repertoire haben. Nicht uninteressant ist die Tatsache, daß die englisch-amerikanische Bühne eine Reihe hervorragender jüdischer Kräfte angezogen hat, darunter AI J o 1 s o n, Eddie C a n t o r, die weltbekannte Sophie Tucker und im Schauspiel David Warfield, Ben Ami u. a. Die Aussichten der eben begonnenen Saison werden sehr skeptisch beurteilt. - Jüdische Kriminalität in Amerika^ New York, "9. Oktober. Aus den in einem Artikel der New Yorker Revue „Outlook" veröffentlichten Statistiken geht hervor, daß die Zahl der Juden in den Gefängnissen und Besserungsanstalten Amerikas in letzter Zeit außerordentlich stärk gejsunken ist. Während der Anteil der Juden an. der Gesamtbevölkerung New Yorks .27,4 Prozent beträgt, macht die Zahl der Juden in den fünf großen Staatsgefängnissen, in denen Verbreeher aus New York Strafen verbüßen, hur 8 Prozent aus. Während vor siebzehn Jahren in der, staatlichen Besserungsanstalt für Zwölfb i s A c h t z e h u j U h r i g e aus New York 58 Prozent der Insassen jüdische Knaben waren, war die Zahl der jüdischen Zöglinge in dieser Anstalt am 1, Juni nur. mehr 5 Prozent. Gegenwärtig ist sie bereits auf 3,56 gesunken. Von den Gefangenen in Elmira sind 6,7 Prozent, von denen in S i n g - -S i n g 10,6 Prozent Juden. Unter den 511 Mädchen, die im Gefangenhaus für weibliche Jugendliche untergebracht sind, befinden sich nur sieben Jüdinnen. Die Zahl der jüdischen Kinder, die sich vor dem J u g e n d g e r i c h t s h o f zu verantworten hatten, ist auf 12,1 Prozent aller Angeklagten gesunken, während noch vor wenigen Jahren der Prozentsatz 33 betrug. Die Abnahme der jüdischen Kriminalität führt der Verfasser auf die vorbeugende Tätigkeit der iiul jüdisch-sozialem Gebiet arbeitenden Persönlichkeiten, insbesondere auf das Wirken des verstorbenen Richters am Jugendgerichtshof Julius M. Mayer und des verstorbenen Philantropen Jakob II. Schiff, zurück. Pie neue Organisation der jüdischen Gemeinden im Irak Bagdad, 10. Okotber. (J. T. A.) Als Resultat von Verhandlungen zwischen Führern der Jüdischen Gemeinde in Bagdad und Mitgliedern der R e* gierung ist vor kurzem eine Gemeindeordnung für die jüdischen Gemeinden veröffentlicht worden. Der be« absichtigte, alle Juden umfassende Verband ist nicht ge* gründet worden, sondern es sind Einrichtungen für die Großgemeinden Bagdad, Basrah und Mossul so* wie für die kleineren Gemeinden getroffen worden. Die Bestimmungen lauten: Die Großgemeinden erhalten einen Präsiden* t e n, einen Oberrabbiner, einen Generalrat und einen Laienrat. Bagdad, die größte der Gemeinden, erhält außerdem einen geistigen Rat. Der Präsident, der Oberrabbiner und die Ratsmitglieder müssen Bürger des Irak sein. Der Präsident wird durch königlichen Erlaß ernannt und abberufen. Er beruft den General« rat und den Laienrat ein und vertritt die Gemeinde det Regierung gegenüber. Der Laienrat, der sich in Bagdad aus 8, in kleineren Gemeinden aus 4 bis 6 Mitgliedern zusammensetzt, verwaltet die Stiftungen und Wohlfahrts* einrichtungen, die Schulen und das Steuerwesen. Der Generalrat in Bagdad besteht aus 60 Personen, v o n denen 1 Rabbiner seil müssen, m den anderen Gemeinden setzt er sich aus 20 bis 40 Personen au« sammen. Der Generalrat vollzieht die Wahl des Präsi* denten, des Oberrabbiners und des Laienrats, überwacht die Verwaltung der Laienräte, entsendet 7 Mitglieder in den geistigen Rat und entscheidet über Fragen, die ihm vom geistigen Rat vorgelegt werden. Der geistige Rat überwacht die Ausbildung der Rabbiner und wacht über das geistige Wohl der Gemeinde. In den drei Großgemeinden wird ein religiöser Gerichts« hof eingesetzt, der Angelegenheiten des Pcrsonalstandes, wie Heirat, Scheidung, Testamentsvollstreckung usw., zu erledigen hat. Ueber Streitigkeiten innerhalb der jüdi« sehen Gemeinden entscheidet der Justizminister. Die Zahl der Juden im Irak beträgt 110.000; es leben in Bagdad 70.000, in Basrah 6000, Mossul 3000, in einigen anderen Städten je 3000 oder 4000 Juden« Spinozas Ahnen. Berlin, 10. Oktober. In Heft U der Mitteilungen der G esc Iiis chaf<t für jüdische Familien forsch ung (Sdiriftleitung: Dr. Arthur Czcllitzer, Berlin W. 9, Potsdamer Straße 5) veröffentlicht Arturo Bab, River«. Mitteilungen über Spinozas Ahnen: „Baruch Spinoza wurde zwar in Amsterdam am 24. November 1632 geboren, war aber, wie die große Mehrzahl der holländischen Israeliten, e p a n i o I isciher Abstammung. Ein spanischer Gelehrter, Fernandez Alonso, berichtet in seinem Buche üiber die Juden von Orcnse, einer in der spanischen Provinz Galizia gelegenen Stadt, auch über die Vorfahren des großen Philosophen. Laut Alonso gaib es im 16. Jahrhundert in Galizia eine, angesehene jüdisdie Familie namens Espinosa, die teils in Orense, teils in ihrer ursprünglichen Heimat, denn Städtchen Espino (Departement Vcrin, Sprengel Viriferre) ansässig war. Der Orenscr Zweig beugte sidi zwangs w eise u n t c r den K i r cih e n k u p p e I n und verschwägerte sich unter anderen mit dem Mar* quis Boveda de Limia, der den Beinamen Espinosa annahm. Der ursprüngliche Teil der Familie blieb aber trotz den Verfolgungen dem Judentum treu, und es gelang M i g u e l d e E s p inosa von Espino, nach Amsterdam zu flüchten, wo ihm sein Sohn Baruch geboren wurde. Espino ist" der W r i ß d o r n. Der Name bedeutet daher „aus der Weißdornstadt". Die Aenderungen desselben in den Niederlanden hißsen sidi auf folgende Weise 1 eidit erklären: Die Spanier können im Anlaut kein „sp" oder „st" aussprechen und sagen daher z. B. „Esparta" für Sparta und „Estrosburgo" für Straßburg. In Holland wurde daher wohl a/uch das ..e" in Espinosa für überflüssig gehalten und gestriehen. Ferner ist ein weiches „s" in der kastilianischen Sprache unbekannt, sondern wird stets scharf, ähnlich dem deutschen ,,«s" ausgegesprochen, so daß es in der Schrift durch „z" ersetzt wurde. Unter den Spanic r n und Weilschamer ikauern ist die ursprüngliche Naniensf orin noch heute nidit unselten. So hieß z. B. der vor einigen Jahren gestorbene E r z-bisch of Argentiniens Espi* nosa (und der jetzige spanische Botschafter i n B e r I i n Dr. F erna ndo Espinosa de los Momtrjros)." eaiew, Kunft und iHiiiiiiiiliiiiiiiiiiliiiiiliiiii Li t e r a tur* „Jüdische Künstlerspiele." Die Eröffnungsvorstellung der „Jüdischen Künstlerspiele" findet Freitag, de« 16. Oktober, im Theater Reklame,. IL, Praterstraße 54, statt. Zur Erstaufführung gelangt das Volksstück mit Musik „Die'Blumenkönigin". mit dem Künstlerpaar Gisa 11 eid.cn und Salo Prisament unter Mitwirkung des Charakterkomikers Max Zelniker. Beginn der Vorstellungen hall) 9 Uhr. . Eine ständige jüdische Bühne in Wien. Der Erfolg des Ensembles in der Praterstraße 60 hat die Gründung eines ständigen jüdischen Theaters ermöglicht. Vergangene Woche wurde das Drama „Sonja" abgeführt. Wochen-Kalender Oktober 1931 nwn a'nn Chescbwan 5692 16 Freitag 5-n SabbQteingang 4.S5 17 Samstag 6-1 Sabbatausgang 5,55 - mpy!«n isen ,ra 18 Sonntag 7-t 19 Montag 8-n 20 Dienstag fl-K 21 Mittwoch 10-> 22 Donnerstag ti-w