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Die neue Welt · 1931-10-16 · Heft 213 (16.10.1931) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 213 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ts? Tiii Vni^m>ihlioihek Preis 35 Groschen lalirgang S tnürnq, *■ Olrtob« 1931 w''en, f. Nr- 2» V. b. b. ■% mm mm mm mm??ä8«^ ■TV MM ■ B mfmmt 0 „«!^^ mJ mß mm .. II p> MrfÄ^^ R'ÄSSUr^ «•*■«•"mooat!lch Schwe,zer FranC8lÄ v^ertel- W IM jährig Schweizer Franca «.» HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien lXt ÜnwersitätM*tr.64t leLB-48.504 -< Erseheint jeden Freüag Am Bauernmarkt, beim Teppich Schein, Kauft man stets mit Frejden ein! Doch heisst es sich vor Irrtum schützen, Da wir keine Filiale besitzen! VERBAND DEMOKRAT. ZIONISTEN // JÜDISCHER HOCHSCHULAUSSCHUSS S a m s t a g, den 3!. Oktober 1931/ um 8 Uhr abends im Verbandshetm, II, Untere Augartenstraße Nr. 38 KONZERT» AKADEMIE zugunsten der Mensa academica judaica und der sonstigen Fursorgeeinrichtrniget! de* Jüdischen Hochschulausschusses ♦♦♦♦♦♦♦♦•♦•♦•♦*;•♦♦•♦♦♦*♦♦♦♦•••••♦?•****• Eintrittspreise:;81»— ois Sa.— Im Verbandshetm, H,Untere AKgarteaatr. M IT WIRK E NDE: Vortragskünstlerin Frl. Margarete BacH Konzerlsängerin Frau Maria Winkler-Fialko Komponist Israel Brandmann Professor Julius Isseriis Professor Joachim Stutschewsky 38, und beim Jüd. Hochschulausschuß, IX, Zlmmertnannpl.8 Wie in Polna! Die giftigen Lugen des tschechoslowakischen Regierungsblattes schweigen Pie jüdischen Minister Der Prager Prozeß gegen den ehemaligen Legionär Horak, welcher im Jahre 191° sieben Juden ohne jedes Urteil, und ohne jeden höheren Befehl erschossen und überdies beraubt hatte, war von der gleichen Atmosphäre umgeben, wie seinerzeit der Ritüalmordprozeß gegen den Juden, Hilsner in Polna. Wie damals die Vcrurtei* I u n g des unschuldigen J u d e n. so wurde diesmal die. Freisprechung des geständigen Mörs ders. als Urteil gegen die verhaßte 'Judenschaft sehnlich erwartet und jubelnd begrüßt. Wie damals, so haben auch", diesmal, neben .Politikern auch b e h o r d 1 i c h e O r g a n c; bei der V e r g i f t u n g der _o.ffe.nt I i c he n M e i« nuflg und Beeinflussung der'Richter und «Geschworenen durch erlogene Beriphte mitgewirkt..' .^^hstehend eine iäüsgiefcige Probe. 1 ' v>''»' Ueber die Vernehmung des Zeugen Bednar,. Bürgermeister des Wohnortes; der ermordeten Juden, steht inj Gerichsprotoko.lli wörtlich: ' „Wie sich die Dorfjuden während des Krieges . SU unserem tschechoslowakischen Militär verhalten haben, ob freundlich oder feindlich, kann ich nicht angeben. Im Dorfe hat man wohl davon gesprochen, daß sie die Bolschewiken lieber haben, als die tschechoslowakischen Truppen . . . Aus eigener Anschauung weiß ich jedoch . nichts. ... Sie (die sieben Erschlagenen), die ich alle, gekannt habe, waren anständige Menschen . .. . ' (oni boli l'udia statoeni)." Das Regierungsblatt,^eskos 1 ovens-ka R e p u b l i k a" aber . schreibt im Bericht über den Prozeß: „Gemäß den Worten des Dorfschulzen Bednar hielten die Juden im Dorf zum magyarischen Militär, einer von ihnen stieg auf den Glockenturm und gab den magyarischen Bolschewiken Zeichen, daß tsches chisches Militär heranziehe; Diese Juden hielten immer auch vorT den tschechischen Soldaten Essen und Trinken verborgen, wiewohl sie ein öffentliches Gasts haus hätten . i>* v; Dieses' Blatt ist: Regierungsorgan, Amtsblatt; der t s ch e chos 1 o'wa k i s che n .Republik. Es f liegt'in sämtlichen Amtssteli^ der Republik rauf. Es* ist das Blatt einer Regierung,^' welcher übrigens^auck zwei « Männer fjü d H-cit e r Abkunft sitäenv die s'ozialdemokrä tischen >Mihister Dr. Cz-ech und Dr. Meißner. tiie beiden jüdischen/Minister schweigen. Dafür reden ihre nicht jüdischen Kollegen, und zwar sehr deut* lieh* Das ©rgän des Außenministers Benesch schreibt: . „Die Prager, Geschworenen haben Horak m i t Recht freigesprochen. Das; Gefühl der Gc* rechtigkeit hat sich bei ihnen geregt. Sie wollten den An» geklagten nicht verurteilen, . weil er durch seine zehn* jährige Erinnerung an dieses traurige Kriegserlebnis ge* nug'bestraf t ist , / . (Anmerkung der Redaktion: — Armer Horak! Er mußte sieben Juden ermorden und ihnen Uhren und Brieftaschen wegnehmen. Schmerzlichste Erinnerung! Armer Horak!) Das Schwindelmanöver mit einer ## // // Von Vladimir Jabotinsky xti der letzten Nummer der „Neuen, Welt" waren Berichte über die Agitation in. Palästina, welche sich gegen die Beteiligung der Juden an der Volkszählung richtet, erit« halten. Mehrere Verhaftungen wurden vor» genommen. Der Artikel Jabotinskys dient der Klärung der . Frage. In Erez Israel soll die Volkszählung ihren Anfang, nehmen. Man vernimmt Gerüchte, daß es eine starke Strömung gegen die Beteiligung der Juden: an dieser Handlung gibt; und ich will hoffen, daß eine solche Bemühung von dem Erfolg begleitet sein wird, daß sich weite und angesehene jüdische Kreise tatsächlich von der Teilnahme lossagen werden. Und es ist von außerordent* licher Wichtigkeit, daß die Judenheit in der Galuth ver* steh?, warum eine solche Volkszählung in diesem Moment als Fälschung angesehen werden muß, der kein einziger bewußter Jude,auf die Beine helfen darf. : Erstens wird die Volkszählung schon rein technisch eine Fälschung darstellen. Es werden viele tausende Araber, besonders Beduinen, als „Einwohner" gezählt werden, d^e in Trans Jordanien wohnen, und 24 Stunden nach der Zählung wieder, nach Transjordanien zurück« ' kehren. Das ist unvermeidlich. Es ist zwecklos, anzunehmen, daß man dem vorbeugen könne, ' wenn unter den Zählbeamten sich ein paar : Dutzend Juden . befin» den. Der Uebertritt von Arabern über die Jordan* brücke oder über den Jordan überhaupt, der nicht breiter ist als eine mittelstädtische Gasse, ist das leichteste aller leichten Dinge — selbst wenn sie mit Gewehren zu» gunsten ihrer Brüder des westlichen Teils Palästinas bewaffnet sind. Die „Kontrolle" ist und kann nicht von Erfolg, sein. Das weiß jeder, nicht nur in Palästina, son« dem. auch die Mandatskommission des Völkerbundes, die darüber auch schon oft gesprochen hat. Und wenn die Überschreitung der Grenze so leicht ist, müßten die Araber kleine und blinde' Kinder sein, um nicht solch eine < Möglichkeit und Gelegenheit auszunützen, fast umsonst — zu Ehren der Volkszählung, ihre Mehrheit im Lande zu „vergrößern". Ganz Palästina weiß, daß in dieser Richtung energische Vorbereitungsarbeit geleistet wird. Zweitens gehören die arabischen Zählbeamten, ohne die man bei einer solchen Arbeit nicht auskommen kann, zu jener Schicht von Halbgebildeten, bei der der „patrios tische" Judenhaß genau so stark ist wie ihr Pflichtbewußt* sein schwach. Und noch schwächer ist bei ihnen die Ein* sieht, daß eine Volkszählung wissenschaftlichen Wert habe und schon deshalb nicht gefälscht werden darf. In den jüdischen Siedlungen kann man einfach nicht fälschen, weil (schon abgesehen davon, daß unsere ZähU bearhten ein anderer Menschentypus sind) es hier Register gibt, Matriken, beständige Kontrolle. Aber im Bar Scheba'Distrikt gibt es das alles nicht, und der arabische Zählbeamte müßte ein Engel sein, um eine solche Gelegenheit nicht auszunützen, Die Hauptsache ist aber, daß die ganze Idee von der gegenwärtigen Volkszählung eine bewußte Fälschung ist, ein Schwindel mit der Tendenz des Schwindeins. Die Regierung braucht die Volkszählung zu keinerlei Zweck einer wissenschaftlichen Statistik: sie will ein •■ . Alle tm redaktionellen Teil befindlichen entgeh* liehen Notizen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet, Bei Kopfschmerzen/ nervösen, rheumatischen und gichtischen Schmerzen wirken Togal-Tabletten rasch und sicher. Wenn Tausende von Aerzten dieses. Mittel verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen! In allen Apotheken. Preis S -2.40. „Parlament" mit einer arabischen Mehrheit einführen und nur dafür braucht sie zunächst eine Zählung, um zu „beweisen", daß die Juden dort in Palästina nichts weiter als eine kleine Minderheit sind. Das kann sie ohne jeden Zweifel beweisen. Warum? Weil sie selbst keine Juden nach Palästina hineingelassen hat, und jetzt sollen wir Juden selbst helfen, der Welt zu zeigen, daß diese antisemitische Politik .der Regierung von vollem Erfolg gcse:giret ist, daß die Juden in der Tat eine Minderheit sind f— dann wjxd sie, die Regierung, eine neue Ausrede für ein Parlament mit arabischer Majorität in Händen haben und obendrein noch eine „wissenschaftliche", und obendrein-Äpch-mit der Legitimation der jüdischen Teilnahme« Mit anderen Worten: man will uns ins Grab legen und schlägt uns vor, mitzuhelfen, dies Grab zu schaufeln. Man will uns einen D pich in den Rücken stoßen, und f or* dert uns auf, das Messer beizustellen. Das wäre schlimmer als Selbstmord. Das wäre Dummheit: die einzige Sünde, die uns bis heute nicht einmal die Antisemiten vor« geworfen haben. * Der Jude soll sich durch Worte nicht täuschen lassen. Volkszählung ist ein schönes Wort, eine Sache der Kultur, man mächt sie in allen zivilisierten Ländern; und der Jude erschrickt und fragt: Wie kann man gegen eine Volkszählung sein? Aber den schönsten Begriff kann man fälschen und mißbrauchen. Zum Beispiel Parlament! Auch ein schönes Wort. Und doch wissen wir, daß man es in Palästina zu durchaus unschönen Zwecken ausnützen will, es ausnützen will, um eine der größten edelsten nationalen Hoffnungen, die die Welt je gesehen hat, zu erschlagen. Es ist nicht das erstes mal, daß man schöne Kulturworte gegen die berechtigsten Interessen des Zionismus ausspielt. Passfield Weißbuch; ist voll der fortschrittlichsten und demokratischesten Phrasen — vom Pächterschutz, von der Gleichheit, vom NichtÜberschreiten der ökonomischen Möglichkeiten des Landes, alles, um zu beweisen, daß man Juden nicht hineinlassen darf, und daß sie kein Laad 'in Palästina kaufen dürfen. Dieser Schwindel mit schönen Worten gegen den Zionismus ist die leichteste und büV ligste Sorte von Schwindelei. Denn dort, wo es sich um die Verbesserung eines unnormalen Zustandes handelt, müssen natürlich auch die Mittel außergewöhnlich sein, und jedes Kind kann leicht beweisen, daß alle diese Mittel im Gegensatz zu den gewöhnlichen Methoden der Staatsführung stehen. Genau so leicht ist zu beweisen, daß jedes Rezept aus Elementen besteht, die an und für sich vielleicht giftig sind und nicht eingenommen werden dürfen. Aber jeder Mensch, der auf den Schultern einen Kopf hat, und im Kopf ein Pfund gesunden Hirns, darf sich nicht von falscher Dialektik verblenden lassen. Kolonisation ist derselbe Zustand' wie der einer Geburt. Genau so, wie für eine Wöchnerin viele Dinge nicht passen, die einem Mädchen im Nebenzimmer genehm sein können, genau so müssen bei einer Kolo» nisation Mittel angewendet werden, die in einem normalen Lande nicht angewendet werden. Und umgekehrt: Standpunkte, die für ein normales Land passen, sind für Länder, die einen Kolonisationsprozeß durchmachen, unakzeptabel. Ein feines Wort , .. . Natürlich ist Volkszählung für sich allein eine unschuldige Sache* aber jedes Vers brechen kann man theoretisch in einige Elemente zer* legen (außer in das letzte), die einzeln ganz unschuldig aussehen, z. B.: Ich will dir ein Messer ins Herz stechen und sagen: Brjng mir ein Messer! Warum kein Messer bringen? Eine ganz gewöhnliche Sache, Wenn dein Tisch* naebbar dich beim Nachtmahl um ein Messer bittet, weil

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