Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 209 (18.9.1931)
- Date
- 1931-09-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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f Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. ECKSTEINS ni!l!IIIIHil)llllllllllll!lllll|fl!lllll!Hl!ll!l!llllllilll!!ll!) FAMILIEN-PENSION lUtMuration, Kaffeehaus / THglich 5-Uhr-Tee €EMMBDlMf« Telephon 11,Hoeh«traBe43 JEPinEKIIIU netten Hotel Panhan« Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kaltwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 wesen eine ganz fatale Sache. Vergebens blickten die jüdischen Studenten Europas, unter dem Numerus clausus und dem akademischen Antisemitismus leidend, sehnsüchtig nach Jerusalem hin. Dort steht wohl eine Uni« versität, eine jüdische, aber ihre Tore sind verschlossen, nur „Forscher" werden zugelassen, Schüler nicht. Der Protest gegen diesen Zustand wurde immer stärker. Inss besondere die revisionistisch eingestellte jüdische Stu* dentenschaft wendete dieser Angelegenheit größte Anteil* nähme zu. Auf dem Baseler Kongreß gab ihr Sprecher 1. U. C. Frankel (Wien), der Forderung nach Umwand» lung der Universität in ein Lehrinstitut starken Aus» druck. Nun scheinen diese Bemühungen von einem gewissen! Erfolg gekrönt. Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Leitung der hebräischen Universität zu Jerus salem . veröffentlicht eine Bekanntmachung, in der die Umwandlung der bis jetzt der reinen Forschung s» ar'bc i't dienenden Universität in eine Lehrunivcr-= si tat mit Beginn des kommenden Wintersemesters an« gekündigt wird. In den biologischen Wissenschaften und in der Abteilung für klassische Sprachen be> ginnt ein für vierjährige Dauer berechneter Kursus, dessen Absolventen der akademiechcGratl verliehen werden wird. Zu diesen Kursen werden nur hiezu qualifizierte Studenten zugelassen. In den Kursen für Sprachen wird den Studierenden bei der Wahl ihrer Themen größere Freiheit gewährt werden. Das Winter« semester beginnt am 27. Oktober. Man ist sich darüber einig, daß Bürgschaft dafür bestehen müßte, daß nur entsprechend vorberei» tete und qualifizierte Studenten zu den mit der Graduierung endenden Universitätskursen zugelassen und daß nur solche Kurse eröffnet werden, für die an der Universität Professoren und Dozenten von hohem wissenschaftlichem Range vor« handen sind. Es wurde beschlossen, daß ein Anfang in der Fakultät für klassische Sprachen gemacht werde und daß das Institut für judaistische Studien und die Schule für orientalische Studien als Abteilungen der Fakultät konstituiert und ferner Kurse in Philosophie, Geschichte und Literatur bei dieser Fakultät eingeführt werden. Woiters wurde beschlossen, bekanntzugeben," daß der Unterricht mit dem Ziele der Graduierung in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Biologie im Rahmen der Fakultät für Naturwissenschaften nicht später als 1952 beginnen solle. Während der letzten Tagung des Direktoriums und des Akademischen Rates der Universität, die vor kurzem in Zürich statt« fand, wurde eine Sonderkommission eingesetzt, die die Aufgabe übernahm, Schritte zur Durchführung des legalen Status der üniversitäät als akademische Grade verleihende Institution zu ergreifen. Zwi Bienstock Fünf Bilder aus dem Leben eines Pioniers und eines Volkes Von Ebenescr und Mannhei m e r; Im folgenden bringen wir einige Szenen aus einem im deutschen Original vorläufig „Zwi Bienstock" betitelten Palästina-Schauspiel, das demnächst in Tel- Awiw, zur hebräischen Uraufführajug gelangen soll. Als Autoren■ zeichnen Alexander Ebeneser, ein Schrift- Öteller, der das Leben der Palästina-Pioniere viele Jahre rnitgemaebt hat, und Georg Mannheimer, Verfasser |bn ..Palästina", ,J>er Mann, der durch den Traum lief". ,iMasar$k in Genf und anderer Bühnenwerke sowie JSTachdicfiter des Tschechen Bezruc. ' .......Zwi Bienstock, ein jugendlicher Valutenschieber in eineiji ostgalizischen Städtchen, liebt Bahurah. Sie ist es,:, dje ihn auf den Weg des fast skrupellosen Gelderwerbs;: drangt. Der Apriltag des Jahres 1920, an dem die;ChaIuzini dje Kunde aus San Remo feiern, bringt deii^Ü^'d^.^.a^i Zwi und Bahurah schließen .sieh den Pionieren an. In Tel Awiw, wo Zw* das Leben eines einfachen Bauarbeiters führf, kommt er in Konflikt mit der ehr|eazi^en Bahurali, die nach Macht und Führerschaft strebt. Da sich auch der „Rote Agitator" am sie bewk^^ämpft- Zwi gleichzeitig.gegen dessen Tendenzen und uro' Bahurah. Er siegt, wird aber beim Lagbeome.rfeste auf <h?r Jarkoninsel vom Roten, der die Araber iv^eheixa aufhetzt und dessen überführt -wird, diirch' ejnen. Streifschuß leicht verletzt. J/£us[Streik wird Pogrom (1. Mai 1921!). Zwi, Führer der' Judetoj/die den Arabern entgegentreten wollen, bricht' zusammen, als er den Roten, der an allem schuld" isi,: niederschießen soll. Bahurah kann ihn nicht verstehen und sagt eich brüsk von ihm los, Zwi wird ve^fiajffef unter dem Verdacht, einen Araber getötet zu haben. T>ie arabischen Aussagen und die Schramme an der . Stirn sprechen gegen ihn. Bei der Verhandlung schweigt "er im ^Bewußtsein eeiner inneren Schuld, begangen'dadurch, daß er gegen sein wahres Ich Bahurah un<I die' FühVerscJiaft statt Sefardit und ruhiger Arbeit gewählt1 hat. Sefardit ist nämlich ein in Palästina geborenes'Mädchen, das Zwi in stiller Liebe anhängt. Und nun ruft diese Zwis Freunde zusammen. Im Gerichtfcsaäl: -und : im Immigrationsamt der Zionistischen Exekutive wolle« 6ie für Zwd eintreten. Aber die Bemühungen zerschellen. Schon scheint Zwis Schicksal besiegelt, da legt der rote Agitator, unter dem Eindruck von Zvfis 'iveroisch-passiver Haltung, für ihn Zeugenschaft ab. Zwi wird freigesprochen. Das Stück führt uns mit dem,,Stop immigration"-Telegramm nochmals in die Sphäre der historischen Ereignisse im Mai 1921 und endet nüt der. Verbrüderung aller dem Aufbau dienenden .Element^ die" durch eine große Zahl charakteristischer Typen repräsentiert sind. ) ..... : '.' t .' . ■ r \ * ■ ■ > ■ - .1 , .; Zweites Bild :-. 'Das Lied vom Beton: IMt Neubau in Tel-Awiw l :» r : Personen: 5äiri'-3ien«tock als erster Arbeiter . ' fohuräh; seine Braut, als, StreikfüUcefin Sefardit« em palästinisches Mädchen - '/Mdltm Arbeiter (ein Rothaariger) P*ttJ«f Arbeiter (ein früherer GymnasKwt) Viwter Arbeiter AJter Arbeiter ü»t Aufseher Der Graue, Diener beim Immi^jraiionßamt Der Meschuggene ■ Der rote Agitator oder Rote Der Polizeikommandant Arbeiter, Arbeiterinnen, .Polizisten. Ein Jahr später in Tel-Awiw. Etwa drei Fünftel der Bühne nimmt ein Bauplatz ein, u. a. zweistöckiger Rohbau mit Gerüst, der schräg von der rechten Bühnenecke gegen die Mitte zu verläuft; davor Sandhaufen, auf dem mehrere Arbeiter einen, Imbiß einnehmen; ferner Mischkästen für Beton, Betonfässer, Löschkasten für Kalk, daneben Wasserhahn am Rohr. Der übrige Teil der Bühne stellt eine Gartenanlage als Teil eines Boulevards dar; Bogenlampen, Palmen, niedriges Gebüsch, gepflegte Halfabüscnel. Zwi (als erster Arbeiter): „Na, angegessen..., auch gut." (Reibt die Handflächen gegeneinander.^ ,^ - ' Zweiter Arbeiter; '::,». . . eigenen Schweißgegessen . . , Zwi: „. . . schmeckt süß > " , Zweiter Arbeiter: 4, '. .mit Dreclc 1 dazu .., v kriegst Würmer, Appendizit!" Zwi: „Pfui . . . gibt übrigens an Spital!" Alter Arbeiter: „Spital, Altenhaus . . . großartige Sache!*!. (Hustet :khhh) . Zwi: ,;Ali, bist stramm genug! Ein Junger könnt von dir lernen . . Zweiter Arbeiter: „Und was hat er davon! Sollen mal die anderen ihr Fett ausschwitzen!" Alter: „Na, Gott sei Dank, es geht noch wirklich . . . (Hustet: khhh.) Kalklöschen . . . großartige Sache (khhh), Sardinen . großartige Sache (khhh), Schnaps ... großartige Sache (khhh), fröhlich sein . . . großartige Sache." (Nimmt eine Mundharmonika aus der Tasche.) Zweiter Arbeiter (mit vollem Mund kauend): „Spiel was!" (i Vierter Arbeiter: „Der Aufseher wird schimpfen.' Zweiter Arbeiter: „Aufseher her, Aufseher hin! Wir bauen das Land mit Schweiß und Blut! Wir pfeifen auf alle Aufseher! Sollen wohl schuften wie belgische Pferde, was? Wie Tragtiere, was? Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang! Ja, das ließen sich die Kapitalisten gefallen! Vielleicht gar für zehn Grusch wie die arabischen Arbeiter in Jaffa!" Zwi: „Deklamier nur so weiter! Gefrühstückt hast du schon? Bis Sonnenuntergang ist noch lang . . (Die Arbeiter lachen.) . Zweiter Arbeiter: „Und jetzt erst recht! Spiel . . . spiel das Lied vom Mörtel und vom Beton . . . und ich will singen, daß man es rundherum in den feinen Häusern, in den kühlen Zimmern, hören soll!" Alter (bläst auf der Harmonika und begleitet den zweiten Arbeiter beim Singen): Das Lied vom Mörtel und Beton. Zweiter Arbeiter: Misch den Mörtel, misch den Beton, Brenn den Kalk und wasch den Sand! Dein ist. nieht. der Himmel, Du armer Patron, Dein sind nur die Schwielen an der Hand. Denn wer etwas hat und wer was errafft, Der-fährt mit goldenen Segeln. Doch.- wer nichts hat und wer nichts errafft, Dem spritzt das Blut aus den Nägeln. Und "wer nichts hat und lebt nur vom Lohn:. Dem bleibt der Strick oder der Beton! rt IJfeW onvinx . .flDKPI )VD JTO "WD ävp'l Ji > 0" 3 % 'D * 311 n K tjortto mM -waria torw pno own« TW D. STEINHOF, Wien, II, Haidgasse 5 iWJ ßDttn W Lohn, Chor der Arbeiter: Dem bleibt der Strick oder der Beton! Zweiter Arbeitet: Misch den Mörtel und misch den Beton!" Jawohl, es gibt eine andere Weltl Aber schau Dich nicht um, was hast Du davon? Der Aufseher pfeift, die Sirene gellt. Nein, schau Dich nicht um, mach fort, mach fort, Die Stunde für paar Piaster. Denn wenn Du's verträumst und versäumst den Akkord, Dann fliegst Du morgen aufs Pflaster. Denn wer nichts hat und lebt nur vom Dem bleibt der Strick oder der Beton! Chor der Arbeiter: Dem bleibt der Strick oder der Beton! Zweiter Arbeiter: Misch den Mörtel und misch den Beton Und bau die Stadt Tel-Awiw! Sieh, auf dem Meer kommt gezogen schon Eiu neues Einwandererschiff. Die Schiffsglocke tönt und der Anker fällt. Sie nehmen die Koffer und laufen. Ach, Brüder, es gibt keine neue Welt. Der Arme darf nirgends verschnaufen. Der Arme hat nirgends besseren Lohn: Ihm bleibt nur der Strick oder der Betonl Chor der Arbeiter: Ihm bleibt nur der Strick oder der Betonl Zweiter Arbeiter: „Ja, so ist es in der alten nnti neuen Welt! Psiakrew!" Zwi: „Nein, das Lied hat noch eine Strophe!" Zweiter Arbeiter: „Da wär ich neugierig!" Zwi (zum Alten): „Spiel noch mal!" (Singt): Misch den Mörtel und misch den Beton, Brenn den Kalk und wasch den Sand! Schau nicht auf Schwielen, schau nicht auf Lohn: Denn du baust die Heimat, das heilige Land. Und wer nur mit seinen Händen schafft, Der baut für Holzwurm und Schimmel. Docli wer mit seinem Herzen schafft, Der baut sein Haus in den Himmel. Denn wer nur an sich denkt und seinen Lohn: Dem bleibt nur der Strick oder der Beton! Zweiter Arbeiter (zu den übrigen Arbeitern): „Harr Zwi Bienstock macht sich seine eigene Strophe! .Na freilich, Vorarbeiter! Schielt nach oben! Habt ihr 'ne Ahnung . . . feine Solidarität das!" Zwi: „Sprich keinen Unsinn! Ich seh* es nur anders. Hier müssen wir alle zusammenhalten— Arbeiter und Arbeitgeber! Wir bauen alle das Land auf. Ein Volk — ein LanJ!" Zweiter Arbeiter: „Was du nicht alles weißt! Bist doch kaum ein halbes Jahr hier! Warst du nicht früher in Polen Valutenschieber?" Alter: „Mörtel . . . großartige Sache (khhh) Beton . . . großartige Sache (khhh) Valuten . . . ganz großartige Sache (khhh)." Dritter Arbeiter: „Ihr sollt Zwi nicht beleidigen! Gibt keinen besseren Genossen! Und sein Mädchen Bahurah spielt auch eine wichtige Rolle in der Organisation!".. Zwi (heiter, gelassen): „Er hat ja recht. Vor einem knappen Jahr war ich noch Valutenschiebe.: im Gallith." •Dritter Arbeiter: „Dann hast du dein Geld den Chaluzim gegeben und bist mitgegangen! Zwi soll leben! Ein Heddad für Zwi!" Zwi: „Hab' mein Geld den Chaluzim gegeben . * * hab' niemals im Leben ein besseres Geschäft gemacht... niemals. . hab' es zurückbekommen mit( Wucherzinsen . . . tausendfach zurückbekommen . . Zweiter Arbeiter: „Dieses Land frißt nur Gold und Menschen . . . Hat niemals was zurückgegeben. Was hast du zurückbekommen?" Zwi: „Daß ich ein freier Mensch sein darf unter freien Menschen! Werkbruder unter Werkbrüdarn. Schöpfer unter Schöpfern . . . daß mein Tag nieht mehr beginnt mit Hepphepp, Jüdlein ..., sondern mit ,Heddad\ mit .Friede und Segen' . . . (leiser) und daß ich Bahurah liebe ... Aufseher (kommt und pfeift mit der Signalpfeife). Zweiter und dritter Arbeiter (zueinander): „Wir mischen . . ." Aufseher (zum vierten Arbeiter): „Sehütt Sand ein!" Zu Zwi: „Teil den Beton aus!" ' (Die Arbeiter stellen sich zur Arbeit. Zwi nimmt Säcke und Bretter von einem fertigen Hauten Beton im Kasten. Alter manipuliert bei der Kalkgrube Zweiter und dritter Arbeiter schütten Zement über vorgemessenen Sand, beginnen zu mischen.) Zweiter Arbeiter (zum dritten spöttelnd): „Iteche- Majer! Haha." t Dritter Arbeiter (ebenso): „Dschiadechi! Haha.' Zweiter: „Polnischer Schwächling, ohne mich richtest du einen Dreck an!" Dritter: „Du glaubsts wohl, in deinem roten Scheitel sitzt Simsons Kraft!" Aufseher (vom Gerüst): „Arbeiterl Schneller, Ziegel! Mörtel! Beton! Beetooon IT Wochen-Kalender September 1931 a*2nn Tlschri 5692 . IS Freitag 7-t Sabbateingang 5.45 19 Samstag 8-n Sabbatausgang 6.45 iawi 20 Sonntag 9-ta •wp dv aiv 21 Montag NM niD^a t3?d rwp DV 22 Dienstag 11-» . 23 Mittwoch ll-v u Donnerstag 13-*