Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 208 (11.9.1931)
- Date
- 1931-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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185 Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. Preis 35 Groschen Iringmg 3 lWtoq/ fei fl, S^tulier fftf »f. KS Vi bi be REV U E BEZU '3SBED1N0UNQEN: Oesterrelen monatlich 8 1.50, 1 schechdftloffakef monatlich Kt 6.—, vierteljährig Kc 15.- , .-„v~.r—.. ... , •ä~i"j^-^r„..^ii.w r...» ja .,i.^-nai.,i» Lei 40.-, vierteljährig Lei law; Dwtsenlaad; Monatlich, foark K-, vierteljährig Mark 3.-; »«»R*?«"l,JSS^äJ^P^ ^SSSi Lewa.l20.~; lUHen monatliclt Ure 5.-, vierteljährig Ure 14.-; Schwelt ond dl« übrigen Länder monatllcli Schweizer Francs 1.50, viertel jährig Schweizer Francs 4J0 N< HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redakiiön u. Verwaltung: Wien IX, Universttätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag DAS JÜNGSTE STADTGESPRÄCH ist mit seinen bII Ilgen Preisen und aualltStswaren Trainingshose 7.80 «»««-»-»ismt Trainingsanzug 12.80 ' WippMIngeiOT- Trainingsanzug : Besichtigen Sie unser Rle- ^LlbsV w.r_.*__.«.~ sen-Skl-Laeer: äaa» Marke „Hauco" IS.80 In das Jahr 5692;,Das 17 Millionen starke Judenvolk hat wieder ein Galuthjähr, hinter sich.: ein schicksalvolles, an Ereignissen reiches Jahr. Die Judenheit der ganzen Welt hat; Stünden schwerster Besorgnis durchlitien.- Falten tiefster Erschüttertheit haben sich in die Stirn jedes einzelnen jüdischen Menschen " eingegraben." 1 •.'■'" -•' So schrieben wir, als das Jahr 5691 begann, über die verflossene Jahresepoche.'Das vergangene, jüdische Jahr-überblickend, kann man diese Worte AViederholen. Ein Abriß der Ereignisse des Jahres 5691" läßt die Grundstimmung nicht anders sein als-'vorher. Es handelt sich , nicht' um Einzelereignisse ' da und: dort, nicht um Taten und Unter-' lässungen,;sondern um das objektive Geschick deS/ jüdischen Volkes iii dem ''Zeitraum, der nun hinter; uns fliegt 'und/dem heuen Jahr seine Erbschaft, auf den Weg gibt. ' '. '. ■■ > ' „' „ l In' D ,e vlt s c h 1 a n d hat'' der Sieg de#;Hakehkrejusses ' ,^«ss ' neue. JfkKV : eingeleitet;',' -';JüdÖi f|äjÄd[M ■■j^^Mi^t^ß^^S.'M^i fwirt*»; scl^Üiche'n imd rechtlichen Üiistenz ängedröht. lm&Mar vor; Auge« geführt, -J^^^e^lfsc^ek'- ifude'n-; Eattjep „ein .banges. Jafe. harte Angriffe 'auf-ihfe; ^un^amen.te,.' irre "/Rechtsürteile und Friedhofschändüngen" sind Symbole eines Prozesses^ '' der; noch nicht zu Ende ist. Und die Erschütterung; in der> sich das deutsche Reich befindet, läßt einen trüben Aspekt für die nächste Zukunft zu. Der Niedergang des polnischen Judeut u m s hat seinen unaufhaltsamen Weg genominen. Alit "rapider Geschwindigkeit sind jüdische politische und wirtschaftliche Positionen in den Abgrund gekollert. Eine neue politische Assimilation sucht in diesem Lande "wieder Fuß zu fasseh, und es kann für uns kein Trost sein, daß beides Reflexe von außenher geführter Attacken sind. Die Tatsache ist nicht wegzuleugnen, daß sich der polnischen Juderiheit im Augenblick ein Zersetzungsprözeß bemächtigt hat, dessen Folgen für Jähre hinaus spürbar seinwerdei*. Bankrotte und Selbstmorde sind die1 Zeichen des Trümmerfeldes der jüdischen Wirtschaft in Pölen.\ - Was sich ili Am e r'ika schon früher angekündigt hat, reifte sich in diesem Jahr aus. Der Antisemitismus beginnt immer mehr Wurzel zu fassen upd die Wohlhabenheit der amerikanischen Juden ' hat merklich gelitten. Un S'o W j e t r u ß- I an d. nimmt der Ausrottungsprpzeß gegen alles jüdische. seihen Fortgang. Während auf der 'einen Seite die ihit so großer Emphase verkündeten Avirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen, für die Juden nun aüc;h für alle sich als jener'propagandistischer Bluff erwiesen, den die Sdwjetmächthaber von Fäll 311 Fall brauchen, hat auf der anderen Seite die sogenannte antireligiöse" Propaganda ' ihre .Frü/phte, getragen. Gerade für die bevorstehenden .Feiertage, für, Kösch Haschana und Jörn Kippür, >v,i'rd' mit syste^atischern Haß ein' Feldzug gegen jede\ jücjiscfye/Regung' unternommen. ' , Aber auch die! Länder, die bisner nicht die Tageschronik Jüdischer teiden füllten, müssen wir diesmal .in\ den .foeis-. *4er .jüdischen Sorgen' ein.be« ziehen. Wenn wir clie Vertreibung jüdischer, Händler in Mexiko, den ersten großen Pogrom in Sa lo nikiv die vehemente Hakenkreuzlerpropaganda in, B u 1 g a.r \'e n und den sich immer wiederholenden Radau im j ü d i s c, h ,e u Viertel'vo^n Paris registrieren, so geben wir damit nur eine schmucklose Andeutung für Ereignisse von symptomatischer Bedeutung. Kurz, das jüdische GalUthleben war auch in diesem Jahr ein Leben von Verfolgung, Not, Blut, mmtmmmmmmmmommmmmmmammmmmamamtKamtmcmmmmmmmmmmmmmsaMtmmmmKMm^' Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeh» Hoben Notisen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet, Rechtlosigkeit und Rechtsbruch, ein Leben der Unsicherheit, des in der JLuft Schwebens.: Das schwere Ringet um Palästina gibt auch diesem . Jahr seinen:> Stempel. Die politische Offensive gegen Balfour-Deklaration und -Mandat ist auch in diesem Jahr' unvermindert fortgesetzt worden. Auch in diesem Jahr haben wir einen schweren Defensivkampf bestehen müsseiii einen Abwehrkarapf nac|r außen, einen .Abwehrkampf gegen destruktive' Tendenzen nach innen. Und so mußte auch der B a s e 1 e r Z i o n i s t e nk o n g re ß Üiesen Kampfcharakter tragen, dessen Auswirkung zunächst noch im Fluß ist. Im vorigen Jahr schrieben wir: „Wir müßten aber das Schicksal anklagen und dem Eatum rettungslos verfallen, wenn wir nicht unseren z i o n i s t i s c h e n G1 a ü b e n hätten, einen Glauben, um den uns Defaitisfen-und Schwächlinge beneiden." Eine glänzende Ideet Bauernmarkt — f. Ichein A. G. Dort kauft die Frau, die ideale* Doch Achtung! Keine FilialeI Ja, diesen zionistischen Glauben haben wir auch für das Jahr 5692. Wir schöpfen ihn aus der unerschütterlichen Wahrheit der zionistischen Lehre, aus dem Zionismus, der in den kritischesten Stunden der jüngsten jüdischen Geschichte das Volk wieder aufzurichten vermochte und Zielen entgegenzuführen, die letzten Endes die Erlösung des Volkes bringen werden. Voip link« und von fedifj — Eine zevstövte Illusion "r In, der l^feeiintn^ dai? diel vom, engüÄ<$!J; Aji^^inister: ■ 3. if*: vaiü $ .^o^dibeif' -, ';-e^ssene. VsWfaitä^ sehe, VoJI^ un^^ann jde%^H^^ ^er^flicM«';;p^.''r-i '.eiö Grundpfeiler der' z'iönisti-' sehen Arbeit'in ^a^st|Ua &t,;richten die Feinde Arbeit,-- nunmehr ihr Bestreben auf dip. 2 u r u c k n a'h m e, auf die L Ö s c\h ü h gd e r' B alf our-Deklara tion. .. ...... Für den;?. November (Jahrestag der Balfour- Deklaration) wird in London eine Riesendeinpnstration gegen den Z i o n i s in ü s vorbereitet. Die Kundgebung soll in der Albert Hall, dem größten Saale Londons, Lvor.'.siph. gehen. Veranstalter ist die politisch rechtg gerichtete „National League", Die Tagung findet unter dein .Schlagworte. „Ehglischmöslemitisc^e Manifestation" statt. Den Vorsitz wird der frühere Innenminister Lor.d Brentf drd führen.,; Hauptredner wird der .indischmosllemitische Führer S chaukat Ali sein. Schäukat. Ali ist heute die Seele der . arabischen Hetze gegen .den Zionismus« Er hat monatelang in Aegypten un«l Palästina gegen die jüdische Arbeit in Palästina^ gepredigt und wird nunmehr diese Kampagne in Iiondon fortsetzen. Welche Stimmung er als' Hauptredner in, der Albert Hall schaffen wird, kann wan sich' unschwer vorstellen. Ob der Großmufti von Palästina, der. vor Schaukat Ali. der Wortführer der antizionistisclien Kampagne der Araber, war, auch nach .London kommen wird^ ist fraglich. Er, den ,der erste „jüdische" Gouverneur unseligen Andenkens —- Sir Herbert Samuel — aus 4eni - Kerker , geh^ höchste geistliche Amt eingesetzt hat, ist nach Veranstaltung zweier Judenpogrome: etwas in den Hintergrund getreten und hat Schaukat. Ali den Vortritt bei der Judenhetze., ^ingeräunjt. , Aber er wird jedenfalls starken Anteil an"der ^qufJoner Kundgebung nehmen.- Erkundigt das in ejnjpn.an , die ^Londoner .»National League" gerichteten Schreiben an, in welchem er sagt: , „Heute, da die wahre Bedeutung des; Zionismus allen klar geworden! ist, hoffen wir, dafi der Tag der Erinnerung an die Balfour- - Deklaration ein Tag der Befreiung von der D e k 1 a r a t i o n s e i n w i r d,'* ■ ■ ' ' ■ ': . .. . : Wenn*, djese geplante Veranst*itung auch einen in ' dieser Form bisher , noch nicht verzeichneten Vorstoß: englischer Politiker gegen den Zionismus darstellt, so kommt sie doeb night ganz unerwartet. Man war sich in allen /zionistischen Kreisen darüber klar, daß im rechten Fitigel der englischen Konservativen .scharfe Gegner- - des. Zionismus sitzen. Aber ganz unvorbereitet werde» viele Zionisteo« wird, die Majorität der. Zionisten einer Kundgebung' gegenüber $'M9^&$$t'i$ e n v on d e r li'nken S^t:e :^e"Jr e'r;'!bi 'gt '.fis;t;^^ '. :' v>"; "':; ';? -'{•''". Die/ Majorität "der :Zionkten.' war ■ hok, h^ute davon ü|erzeügi, daß die englische•■•■Ainbe^r^i|^iii. von einigeii^i^udeHingeü abgesehen, treu zi|ni Palästinamändat, zur B alf oür-Deklaration, hält. Nicht zuletzt diesem Glauben ist es zuzuschreiben, daß die linken Parteien im Zionismus besonders gefördert wurden. Erblickte man doch in ihnen, den Bruderorganisationen der englischen Sozial^ demokraten, die besten Mittler zwischen der zionistischen Organisation und der "mächtigen sozialistischen Regierungspartei in Englancl. Wie herzlich begrüßte man den Eintritt der zionistischen Linken in die Internationale. Jetzt sitzen' endlich Zionisten mit mächtigen Freunden an einem Tische. Nun hat sich in Warschau etwas zugetragen, was mit dieser Illusion gründlich aufräumt. Vor wenigen Tagen weilte ein Mitglied der en g lischen A r b e i te rpa rt e i. als Gast der Sozialisten in der polnischen Hauptstadt, und zwar nicht irgend ein Mitglied, sondern der Vorsitzende der Partei, Fenner Brockway.' Anläßlich eines Empfanges der Vertreter der polnischen Presse äußerte sieh Brockway über den Zionismus und* sagte: „Die englische Administration trägt <Up Schuld an der gespannten Lage in Palästina. Wir Unabhängigen wissen den Wert der jüdischen Arbeit in Palästina zu schätzen, aber wir können nicht zugeben, daß die jüdische Kolonisation auf Kosten der arabischen Bevölkerung vor sich geht. Wir sind Gegner der Baliour-Deklar ration, weil sie verkündigt wurde, um dein jüdischen Kapitalismus zu schmeicheln. Auch gibt die Form derDeklaration Anlaß zu mißverständlichen Interpretationen.'* Bedenkenlos macht sich der englische Arbeiterführer das Argument der verlogenen reaktionären Hetzer gegen den Zionismus zu eigen, das Argument, daß die jüdische Arbeit in Palästina auf Kosten der Araber erfolgt, Ausbeutung, Verdrängung und Bedrückung der .Araber bedeutet. Bedenkenlos stößt er gegen die Balfour-Deklaration vor, schmäht dieses/Doku- ,ment, welches doch auch den zionistischen Sozialisten heilig ist, als einen Gaunertrick, mit dem. j ü d i sehe K a p i t a 1 i s t e n .umschmeichelt-: und gefangen worden sind. Bedenkenlos fordert er. die Nullifizierung der Balfour-Deklaration, den Wortbruch; gegenüber dem jüdischen Volke. Der Arbeiterführer Arm in A?m mit dem reaktionären Lord Brentford . und dem raoslemitischen Hetzpriester, dem Mufti von Jerusalem,