Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 204 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. an" <len Händen des Staatsanwalts, der festzustellen hat, ob ps sich um eine Provokation oder um die Tat eines Geistes verwirrten handelt. Subvention der Stadtgemeinde Sofia für die jüdischen Schalen Sofia, 8. August. Die Stadtgemeinde von Sofia hat für die jüdischen Schulen der Stadt eine Subvention von einer Million Lewa bewilligt. 300.000 Lewa wurden von der Stadtverwaltung der jüdischen Gemeinde für diesen Zweck sofort überwiesen und der. Rest soll im Herbst zur Auszahlung gelangen. Cuzisten erzwingen die Einstellung eines jüdischen Sägewerkbetriebes Czernowitz, 8. August. In Neu*Fratauz (Buko* wina) haben cuzistische Bauern unter Androhung von Gewaltmaßnahmen die Betriebseinsteltung der Sägemühle von David Sattinger und Markus D e c h n e r er« zwungen. Die Besitzer hatten vor kurzem mit Zustimmung der Präfektur Radautz eine Dampflokomobile installiert, deren Entfernung die Cuzisten wegen angeblicher Feuers« gefahr verlangten. Obwohl der Gendarmeriepostenkommandant Diaconescu und der Bürgermeister Stfeanga fest» gestellt hatten, daß alle Sicherungen gegen Feuers« und Explosionsgefahr getroffen worden waren, drangen 50 Cu« zisten in den Maschinenraum ein .und bedrohten den Maschinisten Artemie Olenici am Leben, falls er die Lokomobile nicht zum Stillstand bringen werde. Seither wurde der Betrieb aus Furcht vor Gewalttaten der Cuzisten nicht wieder aufgenommen. Meinungsstreit im polnischen Judentum über die Frage der Teilnahme von Rabbinern an der Wahl der Gemeindepräsidien Warschau, 8. August. Das polnische Kultusministerium hat vor kurzem ein Zirkular' an alle Wojwodschaften versandt, in welchem die Behörden dahin instruiert werden, daß die Ortsrabbiner überall das Recht haben, sich gleich den gewählten Repräsentanten der jüdischen Gemeinden an der Wahl der Genie indepräsidien zu beteiligen; Dieses Zirkular ist auf den Einfluß der polnischen Agudas Jisr oe;l und anderer orthodoxer Kreise zurückzuführen, die*bei den letzten Gemeindewahlen in Warschau wie in der Provinz Terrain gewonnen haben. Der Führer des nationalen Judentums in Polen, Abg. J. Grünbaum, wandte^ sich an den Kultusminister mit einem Schreiben, jn welchem erklärt wird, daß das erwähnte Zirkular in Widerspruch stehe zu den bestehenden Gesetzen, die lediglich' vorschreiben, daß der Rabbiner das Recht habe, an den Sitzungen "der Gemeindeverwall^ng; aber erst nach deren Konstituierung, teilzunehmen. Würde sich der Rabbiner an der Wahl der Gemeindepräsidien beteiligen, so würde er in zahlreichen Genieinden den Ausschlag geben zugunsten der klerikalen und gegen die n ati onal jü dischen' Elemen te.- Grünbaum forderte die Zurückziehung des erwähnten; Zirkulars. In einem- Schreiben des polnischen Rabbinerverbandes an die Jüdische Telegraphenagentur wird gegenüber dem Schritt Grünbaums beim Kultusminister erklärt, daß die Verfügung des Kultusministers kein Novum schafft, sondern lediglich dein Rabbiner alte Rechte zurückgibt. Seitdem organisierte jüdische Gemeinden in Polen bestehen, hätten die Rabbiner nicht nur das Recht gehabt, einen Gemeindeyorsitzenden mitzuwählen, sondern auch für die eigene Kandidatur als Gemeindevorsitzender zu stimmen. Der ßabbinfcrverband hoffe, daß Grünbaums Forderung, daß man den Rabbinern ihr Recht nehmen solle, nicht verwirklicht werde. Der ObeTrabbdner der Türkei gestorben. Konstantinopel, 6. August. (J. T. A.) Der Oberrab* biner der Israelitischen Kultusgemeinden in der Türkei, B i t s c h a r a n o E f e n d i, ist gestorben. Der Ver* storbene hatte sich um' die Neuorganisierung der türki« sehen Judenheit große Verdienst erworben. Der „Angriff" wegen Mordhetze verboten. Berlin, 8. August. Der Berliner Polizeipräsident hat die nationalsozialistische Zeitung „Der Angriff auf drei Tage verboten, weil sie unter dem Titel „Schluß mit derMordko in m u n e!" zu' Gewalttätigkeiten gegen namentlich angeführte Personen aufgereizt hat. In dem betreffenden Artikel war u. a. ausgeführt worden: .....um den Verbrechern auf der Straße das Handwerk zu legen, muß man zuerst die Hetzer in den Redaktionsstuben erledigen. Zu diesen Verbrechern, die samt und sonders vom Staat an die Wand gestellt werden müßten, gehören aber auch Männer, wie der Jude Alfred Kerr vom Verlag Mosse . . . Ihnen allen müßte zuerst der Prozeß gemacht werden, den Kerr, Feuchtwanger, Renn, Münzenberg, Heinrich Mann, Eißler, Holitscher, Gpldschmidt und Arnold Zweig. Das sind'die Hetzer, die die Verbrechernieuten auf Nationalsozialisten und Schupos hetzen, das sind die intellektuellen Urheber jedes Mordes, der von vertierten Lumpen ausgeführt wird." „Jadenkanzler Brüning" Rom, 9. August. Bei der Ankunft des deutschen Reichskanzlers und des Reichsaußenministers Doktor C u rt i u s kam es zu einer Kundgebung einer kleinen Gruppe deutscher Nationalsozialisten, die in braunen Hemden und mit der Hakenkreuzbinde am Arm auf dem Bahnhof erschienen waren. Als die deut* sebfa Minister den Zug verließen, riefen die National* Die entzifferten Sinau ln§diriften Nicht phönizischen, sondern semitischen Ursprungs Die Inschriften vom Sinai, wo nach der Bibel Moses die Tafel mit den Zehn Geboten erhielt, sind einem Bericht zufolge von Martin Sprengling, Professor der Universität Chikago, entziffert worden. Der Gelehrte hat das Alphabet auf seilen Ursprung geprüft und kommt zum Schluß, daß es nicht phönizischen, sondern semitischen Ursprungs ist. Die Resultate von Doktor Sprenglings Forschungen haben unter den Archäologen großes Aufsehen erregt. Dr. Sprengling teilt nun das Er*, gebnis in einer Monographie des Orientalischen Instituts mit, die durch die Universität Chikago der Presse über« mittelt wurde. Einige Beduinen, die für die Aegypter, die Be* herrscher der damaligen zivilisierten Welt, arbeiteten, er* fanden das Rudiment eines Alphabets innerhalb eines halben Jahrhunderts zwischen 1850 bis 1800 v. Chr. Die Beduinen nahmen den Komplex hieroglyphischer In* Schriften der Aegypter, vereinfachten es zu einem System von 21 Symbolen und entkleideten es ganz das Bild* dement. Die Inschriften, die Prof. Sprengling mit Erfolg übertragen hat, wurden im Jahre 1904 von Sir Flinders Petrie im Sinai gefunden. In der gebirgigen Gegend dem Süden zu ließen die Aegypter unter dem Pharao Amen' Hotep III. nach Kupfer, Türkis und nach Halbedelsteinen graben. Das Reich war damals in voller, Blüte und die Arbeiten, die die Aegypter im Sinai ausführen ließen, nahmen zahlreiche Beduinen in Anspruch, die sich rasch, vermehrten. Es gibt 14 bekannte Master von Inschriften, mit deren Entzifferung sich Gelehrte leidenschaftlich befaßt haben. Einige versuchten aus ihnen Empfehlungen an Moses und seine Feindschaft gegen Aegypten herauszü* lesen. Prof. Sprenglings Uebertragung ist wesentlich ein* facher und deckt sich mit bekannten historischen Be* gebenheiten. Er zeigt, daß die meisten der Inschriften an Baalat gerichtet sind, die weibliche Form des Gottes Baal, gegen den Moses und die Juden kämpften. Die meisten der Inschriften drücken Dank für Wohltaten der Baalat oder Bitten an die Göttin um solche aus. In den Inschriften beruft man sich auch auf Seir, den Landstrich im Osten des Sinai, was beweist, daß, das Volk, das die Inschriften machte und in den Bergwerken unter ägyptischer Leitung arbeitete, aus dieser Gegend-stammt. Es ist das Wort Seir, das Prof. Spreng* ling übertragen hat und das bisher von machen-Gelehrten als Moses gelesen wurde. Die Aegypter besaßen das System des Alphabets, aber das System war äußerst kom* pliziert. Sie bezeichneten ein Haus mit H und, S, aber zwischen diese beiden Symbolen brachten sie ein kom* plettes Bild eines Hauses. Der primitive Beduine, unfähig, die Bildschrift zu meistern, ging einen Schritt weiter und produzierte so.einige der größten Erfindungen der Welt, indem er einfache Zeichen und einfache Symbole, die mit* einander verbunden werden können, anwendete, und sie auf seine Wanderungen in die verschiedensten Richtungen mitnahm. Eine Gruppe wendete sich nach Palästina und Syrien, das sind die späteren Kanaaniter und Phönizier, mit denen die Juden um das Jahr 350 v. Chr. zusammen* trafen. Andere wendeten sich nach Südarabien. Die phönizisch*kanaanitische Form des Alphabets entwickelte sich ungemein rasch.. Die Griechen ver* feinerten es zu einer eigenen Form, allerdings nur ini Rahmen eines bestimmten Gebiets, aber die Römer, die das griechische Alphabet vereinfachten, machten es zu Verständigungszeichen für die ganze Welt. Sozialisten: „Heil Hitler!", „Deutschland, erwache!", „Nieder mit dem Judenkanzler!" Zwei Demonstranten wurden von der faschistischen Miliz verhaftet...... Die Juden Griechenlands gegen den Boykott griechischer Ethrogim. Saloniki. 7. August. Die Nachricht von einer in den jüdischen Kreisen Polens, Ungarns, Amerikas und anderer Länder angeblich einsetzenden Bewegung zur Boykottierung von Ethrogim aus Grie- | c h e n 1 a n d hat unter der jüdischen Bevölkerung Salonikis Beunruhigung hervorgerufen. Maßgebende Persönlichkeiten der Jüdischen Gemeinde Saloniki haben ihrer Befürchtung Ausdruck gegeben, daß eine solche Bewegung den antisemitischen Elementen in Griechenland neuen Agitationsstoff liefern könnte. Ein Boykott griechischer Ethrogrim, wird in den jüdschen Kreisen Salonikis erklärt, sei durchaus unberechtigt, denn weder daß griechische Volk als solches noch die griechische Regierung seien judenfeindlich eingestellt. Die Ausschreitungen in Saloniki seien ausschließlich das Werk einer kleinen Minderzahl nationalistisch ver« hetzter Elemente, während sich die Regierung Veni« zelos des vollen Vertrauens der jüdischen Bevölkerung erfreue, wie dies ja auch anläßlich der Wahlen zum Ausdruok gekommen ist. Gründung einer antisemitischen Organisation in Algier, Algier, 7. August. Dieser Tage fand in Algier die Gründung des Verbandes der „L a t i n e r", einer nach dem Muster der nationalsozialistischen Partei in Deutschland gebildeten antisemitischen Organisation für Algerien, statt. Als sein Hauptziel proklamiert der Ver* band die „Bekämpfung des jüdischen Ein« flusses". Der neue Verband hat einen Aufruf an die „latinische Bevölkerung" Algeriens erlassen, in dem es u. a. heißt: „Dieser Aufruf richtet sich nicht an die Juden, sondern nur an die Latiner. Ihr Latiner bildet die Mehrheit, aber Ihr laßt Euch von einer verwegenen Minderheit beherrschen, die, nachdem sie von Industrie und Handel Besitz ergriffen hat, auch nach der Macht in unserem Lande greift, um unser Volk zu unterdrücken und zu versklaven." Der Aufruf wurde in zahlreichen Städten Algeriens angeschlagen. Die liberalen Zeitungen von Nordafrika er* heben einmütig Protest gegen die Tätigkeit der neuen Organisation und fordern zur Bekämpfung des Rassen* hasses auf. Ein jüdischer General der chinesischen Armee. Kanton, 8. August. (J. T. A.) Die Kantoner Regie* rung hat den jüdischen Berufsoffizier Morris Abraham Cohen zum Generalbrigadier ernannt. General Cohen stammt aus England; während des Welt* krieges diente er in der kanadischen Armee. Im Jahre 1918 kam er nach China, wo er sich in kurzer Zeit die Landessprache aneignete. M. A. Cohen gehörte seiner« zeit zum Kreise der nächsten Berater des Schöpfers der chinesischen Republik, Dr. Sunjatsen. Die türkischen Juden — nationale Minderheit Angora, 8. August. (J. T. A.) Das Innenministerium bereitet ein neues Gesetz vor, durch das zum erstenmal der Rechtsstatus der Juden in der Türkei als nationale Minderheit genau festgelegt werden soll. Es wird erwartet, daß der rechtliche Status der tür» kischen Juden durch das neue Gesetz wesentlich ver« bessert werden wird. Gegenwärtig sind die jüdischen religiösen Angelegenheiten in der Türkei noch durch eine im Jahre 1864 erlassene Verordnung Sultan Abdul Medjids geregelt. Die Bestimmungen dieser Verordnung ent* sprechen jedoch nicht mehr den gegenwärtigen Verhält* nissen. Vier New Yorker Banken schließen ihre Schalter. — Zahlreiche jüdische Einleger geschädigt New York, 8. August. (J. T. A.) Vier kleinere New Yorker Banken, die American Union Bank, die Inter* national Madison Bank, die Times Square Trust Company und die Times Square Deposit Company, haben am heuti* gen Tage ihre Schalter geschlossen. Die Verpflichtungen der vier Banken aus Depots betragen insgesamt 15 Mil* lionen Dollar. Tausende jüdische Einleger, hauptsäch* lieh Angehörige des K1 e i d er er z e u g u n gsg e w er b e«, wurden durch die Schließung der Banken schwer ge* schädigt. Der Zusammenbruch dieser vier Banken hat in der jüdischen Geschäftswelt schwere Besorgnisse bezüg* lieh der weiteren Entwicklung der Wirtschaftsverhältnisse in den Vereinigten- Staaten hervorgerufen. Das Testament des Zionisten Charles Solomons. — 69500 Pfund für wohltätige Zwecke. Johannisburg, 6. August. Der vor einiger Zeit ver* storbene südafrikanische Zionist Charles Solomon hat. eine Summe von 69.500 Pfund für allgemeine und jüdische Wohlfahrtsinstitutionen hinterlassen. 25.000 Pfund von diesem Betrage sind für Palästina «Zwecke be* stimmt, und zwar 7000 Pfund zum Bau eines Heims für arme jüdische Einwanderer und zum Ankauf eines Grundstücks für dieses Heim. Das Gebäude soll auch eine V o 1 k s k ü c h e enthalten, in der sich die Ein« Wanderer zu niedrigen Preisen verköstigen können. Im Testament wird ausdrücklich bestimmt, daß niemand zu* rückgewiesen werden soll, der in der Küche eine Mahlzeit verlangt. 18.000 Pfund sollen als Stiftungsfonds für dieses Heim in palästinensischen Unternehmungen in* vestiert werden. Ferner ist ein Betrag von 25.000 Pfund zur Unterstützung südafrikanischer Studenten an englischen und südafrikanischen Universitäten ohne Unterschied der Rasse oder Konfession bestimmt. Der Verstorbene war in jungen Jahren aus Rumänien nach Südafrika ausgewandert, wo es ihm durch rastlose Tätigkeit gelang, ein großes Vermögen zu er* werben. Er war in der zionistischen Bewegung aktiv tätig. Die zionistische Organisation Südafrikas ließ | vor kurzem seinen Namen in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen. Siebenter Kongreß der europäischen nationalen Minoritäten Genf, 10. August. In der Zeit vom 29. bis 31. August, wenige Tage vor der Eröffnung der Septembers es* sion des Völkerbundrates, findet in Genf der diesjährige (siebente) „Kongreß der europäü s chen Nationalitäten" statt. An den Arbeiten des Nationalitätenkongresses — bekannter unter der in* offiziellen Bezeichnung Minderheitenkongreß — werden sich auch diesmal die Vertreter der jüdischen Min« derheiten unter Führung von Leo Motzkin beteiligen. Auf der Tagesordnung stehen in erster Reihe Beratungen über die gegenwärtige Lage der Minder« heiten in den einzelnen Ländern. Als Unterlage für die Debatte hat das ständige Sekretariat des Kongresses eine wichtige Publikation vorbereitet, in der Berichte über die Lage der. Minderheitengruppen in verschiedenen Ländern zusammengestellt sind. Einen breiten Raum wird die Er* örterung der Lage der Minderheiten in Estland einnehmen, wo bekanntlich ein Minderheitengesetz in Kraft ist, das den nationalen Minoritäten volle kulturell« Auto*