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Die neue Welt · 1931-08-07 · Heft 203 (7.8.1931) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 203 (7.8.1931)
Date
1931-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 38 Gros<hen Itffcttpag S Ti«. Universitä^bibüothek Wien, l t*ek*q, tan 7« Mmgmt 1*11 Mw* V. fth t». REVUE BEZUOSBEDINQUNOBN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganziahflp S16.— { Polen monatlich Zloty 2.-, vlertetllhrig Zkvty 6.^-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.^; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: Rmtt&nien monattieh Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monattlch Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die Übrigen Lander monatlich Schweizer Francs MO, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, Universität Mir. 6-8, Tel. 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Das Testament des verstonbenen Führers vertraut das von ihm mit so viel Liebe und so viel Sinn geschaffene Werk seiner Tochter Lady Earley an, in deren Besitz es übergeht, Lady Earley, die schon zu wiederholten Male» durch öffentliche Kundgebungen bewiesen hat, daß sie dem zionistischen Ideal ihres großen Vaters treuzubleiben gewillt ist, hat jüngst wieder Palästina besucht und dort ihren Entschluß bekräftigt, nicht nur das vom Vater Uebernommene zu erhalten, sondern es auch energisch weiterzuführen. Diese .Absicht nimmt jetzt nun konkrete Formen an. Das Testament liegt vor. Lady Early ist Nachfolgerin in der Lord-Melchett-Wirtschaft Palästinas, ihr Bruder; der Nachfolger in der Lord schaff MejcH&tti der Vorsitzende der Palestine Piantatiöns .titd,, und beide tun kund,-. daß sie an. die .Fortsetzung. der, Arbeit schreiten wollen. Lady Earley hat diesbezüglich präzise Aeußqrungen in einem Interview an die J. T. A. gemacht. : In diesem Zusammenhang ist es nicht unwichtig festzustellen, daß vernünftige.Beschlüsse eines Zionistenkongresses sich segensreich auswirken. Jahrelang wurde von den leitenden zionistischen Kreisen jeder Versuch einer P ri va'ti niitia. ti v e scheel angesehen, jede auf vernünftiger privatwirtschaftlioher Basis angelegte Unternehmung sogar gelegentlich gehemmt, wiewohl: das Aktivum in der bisherigen Aufbauarbeit des jüdischen Palästina auf diesem Prinzip in dieser oder jener Form beruht. Tel-Awjw, die Leistungen der Industrie, der Pica, der Ealeetjue Economic Corporation Lord Melchetts, das Ruthenberg-Werk sind Zeugnis hiefür. Die Abneigung gegen' dieses Prinzip hat den Palästina-Aufbau sicherlich; schwer geschädigt. Die politische Monopolstellung der Linken, zehn Jahre lang ihnen von. der zionistischen Exekutive in die Hände gegeben, leibte sich;thier heminungsloeaaa. W;eil gerade vom Werk Lord Melchetts dje Rede ist, sei erwähnt, daß anläßlich eines Besuchs eines Labour Party-Führers ia Palästina bei seinem Empfang seitens eines Führers unserer Linken die höhnische Bemerkung (mit dem Wink auf den „Kapitalisten" Melchett) r gemacht wurde: „Nicht alle Juden würden in Palästina so wie Lord Melchett arbeiten." Hätten nur alle Juden wie Lord Melchett in Palästina gearbeitet! Der Kongreß hat bezüglich der Frage der privatwirtschaftlichen Initiative vernünftige Beschlüsse gefaßt. Und es ist kein Wunder, daß Persönlichkeiten, die auf dieser Grundlage in Palästina arbeiten wollen, sich in ihrem Willen durch diese Beschlüsse bestärkt sehen. So sagt Lady Earley[in dem erwähnten Interview: „Der Beschluß des letzten; Zionistenkongresses zugunsten der Durchführung des .wirtschaftlichen Aufbauwerkes in Palästina mit Hilfe wirtschaftlicher Körperschaf ten in der Art der P a l e s t i n e.E con o mic'C.o rporation,' der -R:uth;e,nb"erg-Eleictric Corporation, der ' P a4 e s t i n e ■ P. 1 a n t.a t i o n s L t d. und 1 anderer Gesellschaften ähnliphen Typs . ist sehr wichtig : und bezeiclmend.' Wir sind, selbstveiständlich über die in diesem Beschluß -zum Ausdruck, kommende Kundgebung des Vertrauens zu der Politik, die wir bezüglich Palästinas befolgt haben, sehr erfreut.-Es war stets der Standpunkt meines Vaters, daß Palästina nach geschäftsmäßigen, Grundsätzen, aufgebaut werden Boll, und daher erfüllt es meinen Bruder Lord Melchett, der Vorsitzende* der' Palestine, Pkntetions Ltd. ist, und mkk aait besonderer Beftiedigung, daß die Ideen und Ideale unseres Vaters vom Zionistenkongreß bekräftigt wurden. Wenn an uns die Frage gestellt wird, ob die Bekräftigung dieser unserer Politik uns veranlassen wird, unsere Tätigkeit zu erweitern, so habe ich darauf zu erwidern, daß wir den Beschluß des Kongresses sicherlich in dem Sinne auffassen werden, daß wir unsere Arbeit in der von uns bisher befolgten Art fortsetzen werden. Das ist nicht so zu verstehen, als ob wir Zweifel bezüglich der Richtigkeit unserer Politik gehegt und zur ernsthaften Fortführung unserer Arbeit auf diese Bestätigung gewartet hätten. Wir denken an eine den geschäftlichen Erfordernissen entsprec h e n de da ti e r n d c Erweiterung unserer Arbeit. Wir werden sie verstärken, sobald der Bedarf dazu tatsächlich vorliegen Avird, jedoch nicht in der Hoffnung auf einen künftig eintretenden Bedarf. Wir hätten selbstverständlich auch, unabhängig davon, was der Zionistenkongreß beschlossen hat, unsere Politik fortgesetzt. Der Beschluß des Kongresses aber hat uns zweifellos in unserem Standpunkt best ü r k t." Das sind klare und ernste Worte. Das ist ein Symptom und das Signal für einen Weg, dessen Bedeutung für-da« jüdische Palästina hoch eingeschätzt werden kann. Lord Melchetts Erbe liegt in guten Händen. Lady Eearleys Beispiel darf nicht vereinzelt bleiben. Das Testament Lord Melchetts veröffentHcnt London, 29. Juli. Am 29. Jutti wurde das Tes*&am-ent Lord Melchetts veröffentlicht Ans dem Testament, dessen Inhalt bereits vor einigen Monaten von der Jüdischen Telegraphenagentur auszugsweise mitgeteilt werden konnte, geht hervor, daß Lord) Melchett, der an der Spitze großer Gesellschaften mit einen! Gesamtkapital von über 120 Millionen Pfund gestanden hatte und dessen Eigenvermögen seinerzeit auf 10 Millionen Pfund geschätzt wurde, bloß eine Million Pfund hinterlassen hat In diesem Betrag sind aller-, dings nicht seine Besitzungen in Palästina und seine berühmte. Kunstsammlung, die auf über 200.000 Pfund geschätzt werden* inbegriffen. Ein Fünftel seines Nachlasses fällt in Form von Erbschaftssteuer dem ... Staate zu. Seiner Witwe hat Lord Melchett 50.000 Pfund, seinem Sohn Heinrich 100.000 Pfund, seiner Tochter, der Viscountess Erleigh seine palästinensischen Besitzungen hinterlassen; der Rest des Nachlasses wird unter seine übrigen Kinder verteilt. Wie bereits gemeldet sind im Testament Lord Melchetts Wohlfahrtsinstitutionen nicht bedacht worden. Im Testament wird -darauf hingewiese«, daß Lord Melchett bereits zu Lebzeiten humanitäre Institutionen in reichem Maße bedacht hat. UNDSCHAU Die ,jReichspfOst" ^fpjaniert v . . ten Mässenverhaf tungen oppositioneller Abgeord»©*«* Die :,JReichspost^Ä ^baben gewiesen, daß man sich in diesem Lande olii*- 'Pc*Ti»\ OftfiWmcli«.' macht, sieh über den Bolscheüber im klagen ist, welch enges ,Ver^ch*wiöterun^- leri Partei Oesterreichs, macht sich über den Boläche; wismus in Polen Sorgen. In der Nummer vom. 29. Juli erzählt ein „Universitätsdozent, Ministerialrat a. D. Dr. Karl'von Englisch" über die kommunistische Bewegung in Polen und die Mittel, die die polnische Gesellschaft gegen sie anwendet. Der Informator der „Reichspost" tut sehr gründlich. Ziffern und Zahlen geheimer kommunistischer Organisationen, die Beleuchtung des Wesens ihrer Propaganda und ihre Klassifizierung nach Nationalitäten sollen die Informiertheit des Mannes beweisen. Bei alldem tut er so, als hätte Polen noch nie einen kommunistischen Polen gesehen, als gäbe es dort nur weißrussische, ukrainische und selbstverständlich in der Hauptsache — jüdische Umstürzler. Das soll so viel bedeuten wie: daß die Minoritäten des polnischen Staates in ihrer Gesamtheit der III. Internationale verschrieben seien, eine Gefahr für Polen und somit für Europa darstellen — eine Verleumdung, wie sie einem katholischen Blatt vom Range der „Reichspost" gerade gut genug zu sein scheint. . Man weiß, was das bedeutet, die um ihre Existenz schwer ringenden Minoritätsvölker Polens vor der Welt so hinzustellen, als waren sie diejenigen Elemente im Osten, die den Frieden, Europas bedrohen und somit die Unterdrückungsmethoden, die gewisse polnische Kreise propagieren, rechtfertigen; eine gewiß eigentümliche Manier seitens eines Blattes, dessen Stammesgenossen, Deutsch e, ebenfalls in Polen als a n s e h n 1 i c h e M i n o r i t ä t leben. Worauf es aber unserm braven Dozenten der „Reichspost" ankommt, erfährt man aus dem Reeume des Aufsatzes. Es heißt dort wörtlich: „Eines hat der Bolschewismus bei seinem Wüten gegen Polen vergessen, eines hat der ihn leitende n e u j ü d i s c h e Umsturzskeptizismus doch falsch berechnet . . .: die Abwehr durch die große Internationale des Katholizismus und jenen Geist nationaler und staatlicher Wiedergeburt." . Also die Juden sind es, die eigentlichen Träger des Bolschewismus in Polen. Und wie gründlich der «Ministerialrat informiert ist, - beweist seine Kenntnis der - jüdischen Gruppierungen in Polen, Hatte er schon eingangs festgestellt, daß. der 'Verband der Kömmunistischen Jugend (Kim) zu 70 Prozent aus Juden besteht, so übertrifft er sich durch den klassischen Satz: „Die vom Pilsudski-Regime ,im Winter verfüg- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeh« liobeu Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Verhältnis zwischen Opposition und * III. Internationale, zwischen B|und, Kombund, Hitschaduth (soll wohl Hitachduth heißen), Zeire Zion, gewissen Zionistenkreisen ... besteht." Diese Enunziationen des Herrn von Englisch sind neben dein haarsträubenden Unsinn, den sie darstellen, obendrein eine fromm katholische Lüge. Zunächst war ein einziger Abgeordneter jüdischer Abstammung verhaftet. Dann weiß wohl jedes Kind in Polen, welche Rolle die aufgezählten jüdischen Parteien in Polen spielen. Der Bund gehört der II. Internationale an und steht im schärfsten Kampf gegen den Kommunismus. Die Hirn rissigkeit, „Hitachduth, Zeire Zion und gewisse Zionistehjcreise" mit der, III. Internationale verschwistert zu sehen, ist nicht zu überbieten — zumal alle Welt (sogar die „Ileichspost" dürfte es wissen) weiß, daß gerade die Anhänger dieser, zionistischen Gruppierungen in Sowjetrußland bis aufs Blut verfolgt werden. Im katholischen Polen gibt es ohne Zweifel Kom- 4munisten. Für die „Reichspost" müssen diese um' jeden Preis ausschließlich Juden sein. ' Was will die „Geserd"? Die „Geserd" ist die Gesellschaft zur Förderung des jüdischen Siedlungswerks in Sowjetrußland. Sie hält in zahlreichen Hauptstädten ihre Werbebüros, die fleißig für den Sowjetschwindel die Trommel rühren und schnorren. Sie versendet auch Nachrichten, Mitteilungsblätter, die den Zionismus bekämpfen und vom Paradies der Juden in Sowjetrußland erzählen. Daß sich den Juden in Sowjetrußland tatsächlich das Paradies auf getan hat, kann man dort schwarz auf weiß lesen: Keine Massakrierung jüdischer Arbeiter in den Sowjetbetrieben, keine jüdische Wirtschaftsnot, kein Ausrottungsfeldzug gegen jede nationale Regung und keine — Heligionsverfolgung. Laßt euch von den Zionistennicht bluffen!, rufen diese Mitteilungsblätter häufig und schlicht aus, gebt Geld für Sowjetrußland! ] Dann und wann erscheinen auch Stlmmungs- 1 bilder aus B i r o - B i d s c h a n, dem Sumpfparadies an der mandschurischen Grenze. Jungst ist einem begeisterten Schilderer dieses „Kolontsatwnewerkes" ein sachtes Bekenntnis entschlüpft; . „Biro-Bidscban , » besitzt keine Synagogen. Taimudschulen werden hier'bestimmt nicht'gebaut! werden.' Das halbe Dutzend Juden, die am Jon* Kippur 1930 m der Siedlung am Amt in alten Bibefo

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