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Die neue Welt · 1931-07-31 · Heft 202 (31.7.1931) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 202 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 DIE NEUE WELT ffjp. M GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, I. Bes., SeUeneteHengtoee 2, Telephon V~28-1~28 XtH Zeniralfriedhof, neb, d. 7. Tor, Tetephon U*18*0'85 SrnRimmii^ Q§grinM im .PHÖNIX- 125 MDHeam SckiHiAg 300 MUKomn Utting 301 Millionen Sdiöllnp Zwrtradirtktion: Wim I., fflamergasse Nr. 2 Vmidwnaisiitttioft pir Witt 1930 2450 MIoqm toilRnq MiiiguaMis AtHtotytibr - s Mtaim- und ZhumeiMibRiiR In Jfet 1029 Gawrtiimittil per Mt 1929 ImaWongen an Versierte in Jafur 1929 5 Tätigkeitseebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Maien. Holland, Italien, Spanten, Tschecnosfowakteehe E s Republik. Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- S E »and, Türkei. Aegypten und Palästina. n»«<t»HiHHHiii»iHt»tittitii»iii»iitiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinim7 ^a^OMBMIOOBOOHOOa^ Die b 68 t Bs ewührte unschädliche RADIO iärbt echt, naturgetreu und dauerhaft von blond bis schwarz Ueberau erhältlich S 2.— und S 3.50 W. 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Rabbinat der Israelitischen Kultusgemeinde Wien bekannt, daß den Kohanim auf Grund der rituellen Vorschriften der Besuch des-neuen Friedhofes durch ,den t Haupteingang und durch das Südtor gestattet ist. jedoch nichtdas Betreten des Zeremonien- und des Verwaltungsgebäudes. Auskünfte werden den Kohanim in der Portierloge, welche über eine telephonische Verbindung mit der Verwaltung verfügt, erteilt. Verzeichnis jener Koscherflcischbänke, welche unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde in. Wien stehen. Gültig ab 1. Februar 1931 .bis auf weiteres: i. Bezirk: Schwarzbrod Josef, SejteAstettengassc; 5., 2. Bezirk: Fellner Julius, Haidgas-se 7; Gerstl Ignaz, Malzgasse 5; Gerstler Leib, Schiffamtsgasse 14: Glücksmann Jakob, Molkereistraße 4; Hirschler Josef,, Wölfguug-Schmälzl-Gasse 4; Kronland Michael, Herminengasse 12; Kurzrock Osias, Große Sperlgasse 28; Lustig Nathan, Leopoldsgasse 49; Lubezer Kaiman, r Rueppgasse 27;. Rüber Max, Schiffamtsgasse 19; Schönfeld Israel, Krummbaunigasse 1; Schonfeld Hirsch, Gxoßei ,Spe^lgA.sse .31;. Schwarz Simon, Große Mohrengasse ' .40; Szilagyi' .Franz, Czernirigasse 8; Täuber Michael,, Haiygasse 5.; Walfisch. Moses; Förstergassc "5; Wlach Viktor, Im Werd 5; Winter Moritz, Hei'nestraße 9. 5. Bezirk: Hacker Paula,,Dianagasse 8. 9. Bezirk: Korninehl Siegmund, Ber.ggasse 15. 10. Bezirk: Spuller Frieda, Planefengasse 5. 14. Bezirk: Loheit Froim, Rauchfangkehrergasse .22. 15. Bezirk: Margüles Josef Leib, Oesterleingasse 4.-16. Bezirk: Melier Simon, Friedmanngasse 29; Piontkewitz Wolf; Hofferplätz 10. 18. Bezirk: Kornmehl Siegmünd, Währingerstraße 97. 20. Bezirk: Eichner Heinrich, Rauscherstraße. 5; Hirschl Eugen, Treustraße 1; Hornung Leopold, Jägerstraße 26; Kurzrock Osias, Mortaraplatz 4; Lederer-Josef, Jägerstraße 24 (Heinzelmunngasse 16); Lempert Moriz, Klosterneuburgerstraße 1; Petyan Wilhelm^ Klosterneuburgerstraße 10; Rottenstreich Hermann* : Hannosergasse 12. Unter Aufsicht Sr: EhrWüüden Rabbiner Dr. M. Rosenmann: 21. Bezirk: Kauf er Aron, Sclilqfihoferstraße 6. .Unter Aufsicht des ehrw. Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde (Rosch Beth-Din Josef Babad) stehen . derzeit bis auf Widerruf: l. Selchwärenfabrik Meie*' Brückher & Co.i II., Im Weid 11.. 2. S Auswärtige Geflügelschechitah FeUner, Schönfeld & Steinberg, IL, Haidgasse , 7. 3. Weinkellerei Nathan Spindel, Markus Bart leid, IL, Strotzberggasse 1, Restaurant Aron Barschak, IL,. Große'S.bhiffgasse 3. Für alle anderen Betriebe, die* weht die -Aufschrift tragen „Unter Aufsicht des chrw.' Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien übernimmt das Rabbinatauch wenn diese Betriebe.- »ine Tafed mit der Bezeichnung „koscher" führen ~ keinerlei - Verantwortung in ritueller ' Beziehung und es werden die Gemeindemitglieder auf diesen Umstand besonders aufmerksam gemächt. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIII1IIIH Ai die Freunde und Leser . Wenn Sie der Ansicht sind, daö die „Neos Welt" ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freundliehst, die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir Werden denselben die „Neue Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns Jpde* Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies awäriitktich zu bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend welche VerpEWitoagon» Pie Verwaltung der „Neuen Welt". IHJIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIII endl Ruhig Eine Erzählung von Oskar Rosenleid Ja, er schnappte ihm sogar durch einen pfiffigen Einfäll einen Kosttag weg. Immer düsterer wurde es in Mendls Herzen, er lief sich die Füße wund, um nachts schlafen zu können, und wenn er aus bedrückenden Träumen erwachte, dann fingen Füße und Hände zu zittern an, Nebelschleier verdunkelten seine Augen, und in der Gurgel saß ein Krampf, der ihm das Atmen beschwerlich machte. In solchen Stunden drang der Geselle in ihm, er bestürmte ihn mit Fragen oder ver* { suchte, dem Verstockten mit der Schnapsflasche beizu* kommen. MendJ hingegen schüttelte bloß den Kopf. Flock blieb sein zuverlässiger Gefährte, und: oft gestand er sich, daß er nur des Hundes wegen die Kosttage einhielt. ' Schon vor Sonnenaufgang erhob er sich von seinem Lager. Eine wohlige Mattigkeit in den Knien, schritt et bedächtig ,längs der Feldraine zum! Wald' hinauf. Der Morgennebel quirlte zwischen den Wipfeln der Nadel« bäume, Tau glitzerte auf den Sträuchern. Das Moos* duftete wie nach einem Regen. In den Nadeln war ein feines, eintöniges Säuseln, allmählich trat der. Dunst zu« rück, die Lichtungen wurden heller und leuchtender, und bald stellte sich ein Flirren und Rasseln ein, ein lastendes, betäubendes Schweigen, halb Licht, halb Dunkelheit. Von der Pracht dieser Morgenstunde überwältigt", umschlang Mendl einen Baumstamm und preßte seine Wange an die Rinde. So viele wunderbare Laute vernahm er, so viel Glanz und Duft, daß er die Augen schloß. Wollte ihn Gott nur in Versuchung führen? War er, der arme Emanuel Schindelmachcr, nicht würdig, die große Stadt zu schauen? Unter den Bürgern des Ortes fand er keinen, dessen Seele ohne Makel war. Hatte ihn Gott nur deshalb dulden lassen, um ihn einst vor allen anderen uus* zuzeichnen? Solcherlei ging ihm durch den Kopf, seine Gedanken verwirrten sich, er fandsieh nicht mehr, zürecht. Er merkte gar nicht, daß die Sonne über ihm stand. Er warf sich aufs Moos und schlief, lange. Flock bellte ihn wach. Bestürzt erhob er sich, die Lichtflecken waren verschwunden/ dumpfe, feuchte Däm# merung. nistete zwischen den Stämmen, üeber dem Himmel ratterte schwarzes Gewölk. Sturm zauste die Wipfel, bog die Bäume auseinander,» daß sie stöhnten und kreischten. Mendl begann zu laufen. 'Einigemal '.überschlug er sich, Donnerschläge rüttelten ihn wieder auf. Bevor er noch, die Felder erreicht hatte, fiel der Regen spitz und wuchtig nieder, der Sturm riß die Bäume in Fetzen, der ganze Wald wurde pechschwarz, nur zeitweise von Blitzen erhellt. Mendls Atem ging schwer, er keuchte, die Hände an die Brust gepreßt. Lief nicht etwas hinter , ihm her? Ein steinerner Ziegenbock mit rollenden glühenden Augen? Stolpernde Schritte vernahm er hinter sich. Er wagte nicht, sich umzuwenden. Aus dem grauen Haar tropfte das Wasser über, den Nacken, die Augen brannten wie irrsinnig in den Höhlen. Flock wich nicht von seiner Seite. Als Mendl in den Dvorky erschien, war das Uns wetter-vorüber. Kinder lärmten und spielten, Hunde wühlten in dem Unrat, der vor den Schenktüren lag. Uebel* riechendes Wasser schwemmte Sand und Knochen in die Gassen. Zickl stand mit seinem Kehrbesen vor dem Tempel* eingang. „Seh dir an, Mendl, seh dir an," rief er, „geht sich am Kozel und macht sich Feiertag und was tu' ich, was? Ich arbeit! Was mir zukommt . . ." Die Kinderschar brüllte: „Mendl mit dem krummen Rücken, s Beine wie ein junges Kücken ..." \ , Und auch Zickl versuchte zu fisteln: y , „Mendl mit dem Schabbesrock, Haare wie ein Ziegenbock ..." Flock heulte in den Chor hinein, Mendl schritt langsam auf das Frauenbad. zu. Sein Bild verriet weder Gutes noch Böses. Bis zum Spätsommer lag Mendl krarik im Bassin, fiebernd, von Schüttelfrost heimgesucht. In den Nächten peinigten ihn Schreckbilder, Spukgestalten -wälzten sich an. seiner Seite. Die Angst, jemand könnte vor ihm die große Stadt sehen, He ßihn nicht zur Ruhe kommen. Stundenlang lag er wie bewußtlos da, dann erhob er sich plötzlich und schrie, schlug mit den Händen um sich, fiel ermattet:aufs Stroh zurück. Sein Gesicht war abgezehrt, voller weißer Bartstoppeln, den Kopf umwallte langes, gebleichtes-Haar. Flock saß traurig bei ihm, und wenn er abends vom Ge* seilen abgeholt wurde, dann ließ er ein langgezogenes Stöhnen vernehmen, daß Mendl Tränen in die Augen kamen. Mendl murrte. nicht. Noch War ihm der Gedanke an die große Stadt der Erinnerung, und sie war ihm in die nächtlichen Schmerzen gefolgt, unentrinnbar, aufrüttelnd und zerknirschend zugleich. Was war seit jener Gewitter* stunde im Walde geschehen? War sein Verlangen, den Kozel zu besteigen, geringer geworden? Durfte er es bes schwierigen? Durfte er sich bescheiden? War Emanuel Schindelmacher es sich nicht selber schuldig, einmal im Leben eine Tat zu tun? Unaufhörlich legte er sich diese Fragen vor. Noch war seine Lunge schwach, der Rücken schmerzte in den Schulterblättern. Vor seinen Augen tanzten die Gegenstände, wie in Nebel eingefaßt. Aber je mehr es in den Herbst ging, desto schneller kehrten seine Kräfte zurück. Allnächtlich erhob er sich vom Lager und tat ein paar1 Schritte, um sich von der Tüchtigkeit seiner Beine zu überzeugen. Er lächelte freudig erregt, als er seine Kraft wieder fühlte;'er war fast versucht, die,Spott* verse. der Gassenjungen vor sich hinzusummen. Am Morgen erblickte er sein Gesicht im Fenster. Er sah sehr verfallen aus. Während der Krankheit war ihm ein struppiger, wilder Bart gewachsen. Er öffnete ein Fenster, blickte, zum Tempel, wo sich einige Bürger versammelt hatten. Lange bfaeb er, mit weitgeöffneten Augen sinnend, stehen. Dann wandte er sich um und betrachtete die Winkel des Bassins, die Staubschicht, fadenscheinige Decken, abgenagte Knochen, Papierfetzen und den sorg* fältig gereinigten' Schlüßrock,'der an der Türklinke hing. Wieder lächelte er, nicht mehr mit freudigem Blick, son* dern ausdruckslos blöde, als sei ihm dies alles fremd. Und gegen Mittag legte er sein bestes Kleid an und betrat die Gasse. Sie war menschenleer, man rüstete zum Ver« söhnungstag. Zuerst ging er zaghaft, die'Hände am Rücken, den Kopf zur Seite geneigt, seinen gewöhnlichen Gang. Erst als er die" Dvorky verlassend ins freie Feld k,am, begann er auszuschreiten. Der Wald umfing ihn, dichte Nebelwipfel auf mächtigen glatten Stammen, heitere Lichtungen 'mit jungem Moos gepolstert, und in das Schweigen brach das Knistern der Fichtenäste, worauf die Eichkätzchen spielten. Er lief. Er raste. War es Angst, die ihm die Kehle zuschnürte? Der Weg schien ihm endlos, Schluchten auf Schluchten, Höhen auf Höhen. Irgendwo quarrte eine Schnepfe. Er machte halt Laubbäume standen jetzt ringsum, auf der Erde raschelten verschrumpfte Blätter, (Sdfclufi folgt.) fitontfimer. V*rfefer. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker, » Druckerei- und Vertaw-A«*a kwz Sfcrimaau, boMo Wien, IX« UolvexsJtätwtraÄe 6-8.

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