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Die neue Welt · 1931-07-31 · Heft 202 (31.7.1931) · page 10

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 202 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE NEUE WELT allem endlich einmal festgestellt zu sehen, a) wieviel Boden schon jetzt kulturfähig ist, und b), welche Flächen reklamiert, d. h. kulturfähig gemacht werden können. Eine geradezu beschämende Tatsache — nach zehnjähriger Arbeit weiß weder der Mandatar, noch die bis jetzt kolonisierende Instanz, die Zionistische Exekutive —, wieviel Boden man jetzt und wieviel in naher Zukunft wir in Palästina in Kultur nehmen können. Das erste Gebot der Stunde ist demnach die wirtschaftliche Landesaufnahme, die unabhängig von der Kataster- und Vermessungsaufnahme gemacht werden soll. Man muß endlich wissen, wieviel von den rund t2Va Millionen Dunam kultivierter oder teilweise kultivierter Boden noch verfügbar sind und welcher Teil der übrig bleibenden Fläche von rund Millionen Dunam kulturfähig gemacht werden kann. Denn das eine Mittel zur Beschaffung der Landreserve ist die Urbarmachung von noch nicht kulturfähigen Flächen durch Bewässerung, Drainage und Boden Verbesserung anderer Art, eine Tätigkeit, die Von den Engländern und Amerikanern „Reclamation" genannt wird. Dies ist die eine Quelle für die Beschaffung von Land für die Landreserve. Die andere soll eine Agrarreform werden. Uns auf die Tatsache stützend, daß große Flächen des palästinischen Bodens sich in den Händen von Großgrundbesitzern befinden, werden wir die Einführung einer Bodensteuer auf allen nicht persönlich bebauten Boden fordein, die nicht gering sein soll und den Großgrundbesitzer zwingen müßte, seinen Böden zu verkaufen. Das Vorkaufsrecht auf den so zum Kauf angebotenen Boden soll eine staatliche Landbank erhalten. Die Möglichkeit für die Einführung einer Agrarreform ist durch den Artikel II des Mandats gegeben, durch welchen der Mandatar den Auftrag erhält, ein Agrarsystem einzuführen, welches den Bedürfnissen des Landes entspricht und unter anderem die dichte Besiedlung durch intensive Kultivierung des Bodens zum Ziel haben soll. Aus diesen beiden Quellen — der Landerschließung und dem staatlichen Landerwerb von den Großgrundbesitzern — wird die Landreserve gespeist werden. Da, wie ich erwähnt habe, die strikteste Sparsamkeit in der Verwendung des Bodens fttt Palästina das höchste Gebot ist, «o soll eine besondere Behörde eingesetzt werden — das Land Settlement Board —, welche über die zur Kolonisation vorbereiteten Böden verfügen soll. (Ein Schlufiartikel folgt) Blätterstimmen zum XVIL Ziomstenkongreß Kampfansage der „Jüdischen Rundschau", Die Berliner „Jüdische Rundschau", das Weizmann nächststehende zionistische Organ, kündigt der neuen Leitung, insbesondere ihrem Präsidenten Sokolow, in sanften Worten, scharfe Opposition an. Es ist überaus bezeichnend, daß Herr Sokolow schwer getadelt wird, weil er sich einen „alten Herzlianer" nannte. Bekenntnis zu HerzI ist zur Sünde geworden, Bekenntnis zum Judenstaat — auch in der leisesten Sprache — zum Kapitalverbrechen. Die „Jüdische Rundschau" schreibt im Leitartikel u. a.: „Der Rücktritt Weizmanns unter anderen Begleitumständen hätte ein politisch räsonabier Akt sein können. Daß aber der Sturz des Führers gerade über die Frage des „Endziels" erfolgte, verändert die ganze Situation. Kraft des „argumentum a contrario" muß man jetzt annehmen, daß die neue Führung in dieser Frage .eine, andere Grundhaltung hat. Diese Tatsache des derart inszenierten Leitungs-wechsels, verbunden mit all der wortreichen und inhaltsarmen Großsprecherei des Kongresses, .verbunden ferner mit der durch'Kongreßbeschluß ausgesprochenen Ablehnung der Weizmannschen Deklaration, die in sehr gemäßigter Form das Minimum dessen enthielt, was als Voraussetzung jeder künftigen politischen Politik unerläßlich ist, — hat natürlich eine Lage erzeugt, die der künftigen Exekutive noch viel zu schaffen machen dürfte. Dazu kommt noch, daß manche zionistische Zeitungen all die Ereignisse besonders unterstreichen und die neue Leitung auf einen „n e u e n" Kurs festlegen zu wollen." : „Dabei werden. Aeußerungen des neuen Präsidenten mitgeteilt, die er angeblich (oder wirklich) im Permanenzausschuß gemacht haben soll, des Inhalts, daß er sich nicht an Weizmanns Politik gebunden fühle, sondern seine eigenen Wege gehe, und zwar als „alter Herzliane r", ein Wort, das gewiß zionistisch keinen Makel bedeutet, aber im Zusammenhang dieser Kongreßdebatten, bei denen der Name Herzl von der Opposition (irrtümlich) im Sinne einer „kompromißlosen" Politik (im Gegensatz zu Weizmanns Methode) mißbraucht wurdei zu' Mißverständnissen Anlaß geben kann, zumal da es dabei um „Endziel" und „Judenstaat" ging. Herr Sokolow hat gewiß, wenn ersieh von Weizmann distanziierte, keine utopistischen Husarenstückchen versprechen wollen, davor behütet uns die abgeklärte Klugheit und der Realitätssinn dieses welterfahrenen Mannes. Aber Herr Sokolow hat häufig in seinen zionistischen Aeußerungen sich mehr von innerpolitischen Erwägungen leiten lassen, und er weiß sicherlich selbst, daß dies anders werden muß, seitdem er *aüf" den 'exponierten Posten des Präsidenten der Jewish Agency ges t eilt w u r d e." - „Schon . erinnert „Jewish Chronicle" daran, daß Sokolow 1922 das Weißbuch als eine Eintagserscheinung ohne prinzipielle Bedeutung bezeichnet., hat. All das wird die Stellung der neuen Leitung nicht erleichtern, aber es kommt wohl heute nicht so seht auf Aeußerungen der Vergangenheit an, unter die ein Strich gezogen werden muß, sondern auf die künftigen Kundgebungen des neuen Präsidenten, und er muß wissen, daß die Welt beunruhigt ist und darauf wartet, was die neue Leitung der Jewish Aigencx zu den Fragen, die die Welt interessieren (und das säfld nicht die innerzionistischen Parteiängelegenheijj;0n) zu sagen hat." ... „Die neue Exekutive hat bisher kein klares politisches Profil. In ihr sitzen die Delegierten der Arbeiter, dar auf diesem KongreB — bis auf einige kleine Entgietennsen — eine gemäßigte und praktikable Politik befürwortet haben und sieh wohl auch der Schwere des awWeofc-jtidischea BrobHHjas, seiner Bedeutung «fe Schlüssel der ganzen Palästinafrage, bewußt sind. Aber dieselbe Exekutive umfaßt auch Emanuel Newman, den man als Repräsentanten der politisch intransigenten Gruppe um Stephen Wise betrachtet, und Farbstein, der für die Judenstaats-Resolution der Revisionisten gestimmt hat und dessen „politische" Reden seit zehn Jahren genugsam bekannt sind. Auch seine Rede auf diesem Kongreß war kein besonderer Befähigungsnachweis für das Amt der obersten Leitung, und daß der Misrachi, trotz der in seinen eigenen Reihen bestehenden scharfen Opposition gegen Farbstein, gerade diesen Mann präsentiert hat, wäre unter anderen Umständen fraglos als Provokation empfunden worden." „All diese Tatsachen und Aeußerungen sind der Welt bekannt, sie sind in englischer Sprache veröffentlicht, werden von Engländern und Arabern gelesen. Darum muß die neue Exekutive so schnell als mäglich, es ist keine Zeit zu verlieren, die trübe Luft reinigen, und eine Erklärung ihrer politischen Richtung geben."1. ..,--*-t.v';^. : ' ■•• Die Bedentang der Zionisten-Reyisipnisten für die Zionistische Organisation. Der unten angeführte Artikel des Leipziger „Allgemeinen jüdischen Familienblattes" is* während der Tagung des Kongresses und unter dem Eindrucke des Exodus der Zionisten-Revisioiiisten nach Ablehnung der Judenstaats-Resolution geschrieben. Er ist umso bemerkenswerter, als das Blatt kein revisionistisches ist und mit den zionistischen Sozialisten bisher immer stark sympathisierte. Unter dem Titel: „Spaltung der Zionistischen Organisation?1' schreibt das Blatt an leitender Stelle: „Im Augenblick, da diese Zeilen in Druck gegeben werden, liegt die letzte Entscheidung des 17. Zionistenkongresses der Redaktion nodi nicht vor. Aber soviel läßt sich bereits voraussagen: Es wird alles beim alten bleiben, allerdings innerhalb der Zionistischen Organisation. Der Kongreß hat nicht die Kraft gefunden, dem Zionismus jene Grundlage wiederzugeben, kraft der er erst zu einem politischen Faktor wurde. Die klare E nd z i e 1 f o. r ni u 1 ie r u n g der Revisionisten wurde durdi eine Willensschwäche, von der unseligen Katastrophenpolitik der Arbeiterpartei ins Schlepptau genommenen Mehrheit verworfen. Die Resolution der Politischen Kommission, gegen die gewiß kein Mensch Einspruch erheben kann, sollte eine Entschädigung für die Endzielresolution der Revisionisten sein. Wochen-Kalender August 1931 SM a"inn Ab 5691 31 Freitag 17-n Sabbateingang 7.10 1 Samstag 18-ro Sabbatausgang 8.10 ap* . . 2 Sonntag M-ff» s Montag 4 Dienstag t Mittwoch 0 Donnerstag Nr 203 ' Mit einem Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung wurde die revisionistische Resolution übergangen. Damit hat der Kongreß eine Entscheidung gefällt, die auf einen Bruch mit den Revisionisten hinausläuft. Noch wagen wir nicht an das Letzte zu glauben, noch hoffen wir, daß der Kongreß im letzten Augenblick zur Besinnung gelangt und sich der Folgen bewußt ist, die er durch einen Bruch innerhalb der Weltorganisation heraufbeschwört. Wir müssen uns heute dessen bewußt sein, daß die dynamische Kraft im Zionismus nur noch von einer Richtung, nämlich der revisionistischen, ausgeht. Geht diese Kraft der Zionistischen Organisation verloren, dann bedeutet dies den Zusammenbruch der Z. O. Darüber müssen wir uns klar sein. Und auch darüber, daß die zionistisch-sozialistische Jugend, solange sie in erster Linie sozialistisch ist, zwar auch ein Reservoir unserer Zukunft, aber immerhin ein unzuverlässiges ist. Was bleibt dann der Zionistischen Organisation? Mit welchen Parolen will sie eine Jugend gewinnen? Für welche Ideen eine Jugend begeistern? Für alle jene, die außerhalb der revisionistischen Bewegung stehen, die künftige Leitung aber mit Einschluß der Revisionisten erwünschten und ihre konsequente Politik als die grundlegende zionistische Politik erachten, wird die schwerwiegende Frage entstehen: Wo gehöre ich hin? So wie bisher kann es nicht weitergehen. Sollte das der Sinn des Kongresses gewesen sein, daß man den besten Teil der Zionisten aus der Organisation trieb, indem man sich zur Politik des „Fortwursteins" bekannte, so wird der Apparat zusammenbrechen — und durch einen neuen, besseren ersetzt werden müsse n " Thealer/ Kiimft and illllilllllllllllHilllliilllilii! Literatur« Max Liebermanns 84. Geburtstagin seinem Sommerhaus in Wannsec beging am Montag, den 20. Juli, Max Liebermann, Präsident der Akademie der Künste, seinen 84. Geburtstag. Eine Ab« Ordnung der Akademie, bestehend aus den Professoren Amersdorfer, Hans Pölzig, Ulrich Hübner und Philipp Franck, fand sich im Hause des Jubilars ein, um ihm zu gratulieren. Max Liebermann ' war in' bester Laune und ließ sich in seinem Tagewerk nicht stören. Wie Freunde des Hauses mitteilen, arbeitet Liebermann gegenwärtig an einem neuen großen Werk, das seiner Vollendung ent« gegengeht. Eine Dozentur für jüdische Geschichte an der Universität Szeged- Der Kultusminister Graf Klebelsberg hat die Habiii« tierung des Oberrabbiners Dr. Armin Kccskemeti aus Mako zum Privatdozenten an der Universität Szeged für jüdische Geschichte im Altertum be« stätigt. Dr. Kecskemeti ist ein bekannter Forscher der Geschichte des Judentums; seine „Geschichte der judi« sehen Literatur" und „Universalgeschichte der Juden" haben in Ungarn große Bedeutung erlangt. Seine Habiii* tierung ist seit dem Kriege die eiste für einen Zweig der Geschichte des Judentums. Hickls „Illustrierter Jüdischer Volkskalender", 31. Jahrgang für das Jahr 1931/32. Herausgegeben vom Chefredakteur Hugo Gold. (Jüdischer Buch« und Kunst« verlag, Brünn, Rennergasse 20.) Der 31. Jahrgang dieses bestbekannten, ältesten jüdischen Jahrbuches der Tsche* choslowakei enthält u. a. folgende Beiträge: Prof. Doktor S, Krauß (Wien): Steine und Gräber sprechen. — Dok» tor A. Posner (Kiel): Persönlichstes aus den Briefen Moses Mendelssohns. — Dr. G. T r e i x 1 e r (Graslitz): Rechtsbräuche in der alten Judenstadt. — B, Bri Illing (Breslau): Der Prager Schammes in Breslau. — Dr. L. Goldhammer (Wien): Alarmsignal. — Dr, Th. Haas (Brünn): Von den Aufenthaltsverhältnissen der Juden in Mähren in älterer Zeit. — Dr. B. König (Brünn): Das Märchen vom Rambam und der Malach«hamowes. — S. Urabin (Gablonz): Aphorismen. — Dr. M. Steif (Brünn): Beleams Eselin reist nach Europa. — Dr. F. Kanter (Zwittau): Der „große" Sabbat, — Gen.*Dir. G. Haas (Brünn): Die Juden in der Literatur der Gegen!» wart. — Esriel Carlebach (Hamburg): Stille Nacht. — Zur Geschichte der Familie Frankl u. a. m. Preis kar« tonniert S 3.50. Ein Buch über das deutsche Judentum. Im Akademie*Verlag Berlin ist unter dem Titel „Die Be« völkerungsä und Berufsverhältnisse der Juden im Deutschen Reich" der erste Band einen umfassenden sozialwissenschaftlichen und statistischen Arbeit erschienen. Der Verfasser H. Silbergleit stellt fest, daß die deutschen Juden eine aussterbende Geraein« schaft sind. Von Jahr zu Jahr steigt die Anzahl der Mischehen ebenso wie die Tendenz zur Kinder« beschränkung. Die Eheziffer fällt, die Sterbeziffer über« steigt längst die Geburtenziffer, die Ueberalterung hat eingesetzt. Alle Angaben über die Juden stützen sich auf die Zählungen des Jahres 1925. Die Gliederung geht nach Alter, Familienstand, Beruf, Einheimischen und Aus« ländern, Provinzen und Städten.. Dieses bedeutende Werk, dessen I. Band vorliegt, hat seine Entstehung der Akademie der Wissenschaft des Judentums zu verdanken. Büchereinlairf. Frehliche Moment*». Ain klarer SpJgel ois dem Famittealebeo von dem jüdiscbentVoOc. Vor«

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