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Die neue Welt · 1931-07-24 · Heft 201 (24.7.1931) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 201 (24.7.1931)
Date
1931-07-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Hh. SflM jüdischen Industrie in Erez Israel zu unterstützen, stauden abseits. Sie sahen ihre einzige Pflicht darin» in Palästina ein sozialistisches Experiment durchzuführen, zu dem wir aber als Zionisten unser Geld beitragen sollen. Ich bin fast 25 Jahre lang organisierter Zionist, kenne die zionistische Geschichte ganz gut und frage Sie» wann und wo beschlossen wurde» daß das jüdische Volk verpflichtet sei, in Erez Israel ein sozialistisches Experiment zu machen und hiefür das Geld zu geben. Wenn Herr Dr. Rosenblüth in seinem Referat gesagt hat, daß die Revisionisten die Keren Hajessod-Arbeit sabotiert haben, so weiß ich zwar nicht, ob dies stimmt, aber eines kann ich Herrn Rosenblüth sagen, daß, wenn der Keren Hajessod in demselben System weiter arbeitet und die Gelder für die gleichen Zwecke wie bisher verwendet, der Keren : Hajessod offenen Kampf haben wird, denn wir haben keine Verpflichtung, ein sozialistisches Erez Israel zu; kauen, und die Zionistische Organisation ist keine Filiale der Zweiten Internationale. Als nach schweren Mühen und Opfern an Geld, Energie und Sdiweifl die Industrie so weit war, exportieren zu können, da unsere Qualitäten schon mit den ausländischen konkurrieren konnten, hatte sogar die palästinensische Regierung Verständnis für unsere Mühen und Leiden und gewährte für eine Reihe von Rohstoffen volle Befreiung vom Zoll, für eine Reihe von Artikeln Schutzzölle. Die Zionistische Exekutive und unsere Fonds standen weiter abseits, als ob die jüdische Industrie nicht zum Aufbau des Landes gehörte. Unsere Exekutive hat es nicht begriffen, daß das Unglück der Zerstreuung über die ganze Erde ein Glück' für die industrielle Entwicklung, für den industriellen Aufbau Palästinas sein kann. Das jüdische Volk, über die ganze Erde zerstreut, ist der beste Handelsagent für jüdische Industrie-Artikel. Wir haben unsere Erfahrungen in Aegypten, Mesopotamien, in Indien gemacht, wo fast alle unsere Agenten Juden sind, die nicht nur aus Geschäftsgründen, sondern aus Liebe zur Sache und Freude darüber, daß in Palästina eine Industrie entstanden ist, für uns arbeiten. Wir haben von der Exekutive mehrmals Unterstützung zum Ausbau unserer Handelsagenturen verlangt und abschlägigen Bescheid erhalten. Es war wohl Geld da, beim Solei Boneh zirka 130.000 Hund 'zu verlieren, aber für einen Wirtsdiaftszweig, der fast ein Drittel der jüdischen Bevölkerung ernährt, hatte die Exekutive nichts übrig. In dem Referat Arlosoroffs finden Sie, daß genügend kommerzieller Kredit für die Industrie °da sei Und nur langfristiger Kredit fehle. Woher weiß er das? Bei uns hat er sich keine Auskunft geholt. Wie sieht das Kreditwesen aus? Es bestehen im Lande drei Institute, die für Industriekredite in Frage kommen: die Anglo- Palestine Bank, die Mortgage and Loan Bank der Brandeis-Gruppe und die Palestine Corporation (englisches Kapital). Die Anglo-Palestine Bank, mit deren Arbeitsweise die Industrie in den letzten zwei Jahren einigermaßen zufrieden ist und die dem Wert'di?r'Industrie für das Land schon Verständnis entgegengebracht hat, ist dank der ganzen Struktur nicht in der Lage, langfristige Kredite zu geben. Es ist aber für eine Industrie unmöglich, mit dem Dreimonatswechsel auszukommen, da wir Rohstoffe aus dem Auslande bestellen müssen, Zoll bezahlen, die Ware verarbeiten, sie dem Künden liefern, und erst dann den Wechsel erhalten. Die Mort.gage and Lpan Bank gibt wohl langfristige Kredite, doch sind diese Kredite eher schädlich als nützlich, da sie nur auf Maschinen gegeben werden und der Leiter dieses Institutes, Herr Mohl, fünf- bis zehnfache Sicherheit verlangt, wodurch der Industrielle jedes 'Pfandobjektes für ein eventuelles weiteres Kredit-' geschäft mit einem anderen Institut beraubt ist. Ijeber die Geschäfte der Palestine Corporation mit der Industrie will ich mich hier nicht näher äußern, da dies ein Privatinstitut ist, dem wir keinerlei nationale Pflichten auferlegen können. Ich kann nur so viel sa^en, daß. Geschäfte mit diesem Institut die Lebensfähigkeit der betreffenden Fabriken nicht erhöht haben. I)as Schlimmste aber ist, daß in Palästina neben der offiziellen Währung des palästinensischen Pfundes eine zweite Währung existiert, das ist der Wechsel. Durch den Maugel an Personalkredit, durch den Mangel an langfristigen Krediten hat sich ein GefälligkeitswecbsejTSystem ausgebildet, welches das ganze Geschäftsleben korrumpiert hat und welchem Treiben die Banken fast teilnahmslos gegenüberstehen. Trotz all dieser Schwierigkeiten gelang es jüdischer Energie, jüdischem Fleiß, jüdischem Geld und jüdischer Ausdaiwr, in die Nachbarmärkte einzudringen. Wie Sie wisse», besteht zwischen Palästina und Syrien ein Handelsvertrag, der es ermöglicht, palästinensische Industrieprodukte nadi Syrien zollfrei einzuführen, und da unser«?; Qualitätsware den ausländischen Konkurrenten in Syrien fast ganz verdrängte, hatte die Industrie bereits feste Abnehmer, sowohl in Palästina als auch in Syrien. Und gerade das Jahr 1929 brachte einen Aufschwing in der Entwicklung der Industrie und in deren Export. Da kamen die Unruhen. Mit einemmal war der Ges^fi^yer^r zwischen Palästdna und Syrien zerschnitten,.Wij jagen da mit unseren Waren and wandten uns an di* gxejuitive um Hilfe. Die Exekutive meinte, der arabisch© Boykott werde 14 Tage bis drei Wochen dauern und der Schaden werde nicht so groß sein., Aber leider hatte sieb die Exekutive wie in vielen andere« Fällen auch hier getäuscht und der Boykott dauerte zirka sechs Monate. Der Mufti in Jerusalem erklärte den ausländischen Journalisten, er werde durch den Boykott die jüdische Industrie Palästinas vernichten, Beweis, daß ein Teil der Tel-Awiwer Fabriken schon geschlossen sei. Die ausländischen Journalisten, unter ihnen auch Van Passen, kamen nach Tel-Awiw und überzeugten sich, daß die Behauptungen des Mufti unwahr seien. Alle Fabriken arbeiteten voll und kein Arbeiter wurde entlassen. WHJ betrachteten es als nationale Pflicht, das Ansehen der Exekutive zu wahren. Wir haben uns für diese Exekutive weißgeblutet und ich will euch auch den Dank, den wir dafür erhielten, sagen. Und damit komme ich zum Keren Haesra. Dies ist wohl eines der schmählichsten Kapitel in den palästinensischen Geldgeschichten. (Schluß folgt.) Zielsetzung, Finanz, Organisation Die wichtigsten KongreßproMeme Von Dr. F. Bernstein . Der Vertreter und Präsident der holländi* sehen Zionisten, Dr. F. Bernstein, sprach in der Generaldebatte des Baseler 17. Zioni* stenkongresses über grundlegende Probleme des Zionismus in durchaus sachlicher und fundierter Art. Dr. F. Bernstein hat seinen Ideen durch seine Schrift über den „Anti* semitismus" und durch die kürzlich im ,fNeuen*Welt*Verlag" erschienene Broschüre „Der zionistische Gedanke auf Irrwegen" Resonanz verschafft. Dr. Bernsteins Aus« führungen auf dem Kongreß behalten auch außerhalb des aktuellen Rahmens ihre Bedeu* tüng bei. Das in der Rede erwähnte Me* morandum haben wir bereits in seinen Grund« zügen veröffentlicht. Wir haben Ihnen in einem Memorandum die Auf* fassung unseres Verbandes unterbreitet. Das war keine überflüssige Vorsicht, denn die uns zugemessene Redezeit erlaubt nicht, Ihnen alles zu sagen, was wir auf dem Herzen haben. Es hat sich aber aus der Debatte als nötig ergeben, noch einzelne Punkte zu klären. Die Zielsetzungsdebatte war für uns insofern unbe* friedigend, weil sie sich hauptsächlich um die Inter* pretationen bewegte. Diese sind nicht ohne Wichtigkeit, es ist aber nur ein Ausschnitt der Frage und nicht der wichtigste im Augenblick. Es hat . sich herausgestellt, daß über die Ziele, *dic wir in Palästina zu erstreben haben, im Kongreß eigentlich keine großen Meinungsverschieden* heiten bestehen und daß die wirkliche Differenz die Fragen betrifft, 1. ob man sich über diese Ziele aus* sprechen darf und 2. ob man sich über diese Ziele aus* sprechen muß. Die Beantwortung dieser Fragen muß, wie wir glauben, stattfinden, und zwar nicht in erster Linie der Zionistischen Organisation wegen, sondern gerade der Außenwelt wegen, die . uns fortwährend die Frage stellt: Was wollen eigentlich die Juden in Palästina. Selbst wenn wir uns darüber nicht aussprechen wollten, müßten wir es doch tun,'da wir durch unser Stillschweigen die reduzierten Zielsetztingen akzeptieren würden, die uns von außen her aufgedrungen werden. Ueberdies ist im Taktischen folgendes zu bemerken: Unsere Von sieht, diese Ziele auszusprechen, hat keinen anderen Zweck, als daß wir von seiten unserer Gegner den vollen Widerstand einkassieren, den wir zu erwarten haben, wenn wir sie aussprechen, während wir auf der anderen Seite alle Nachteile auf uns nefau men, die in der Tatsache liegen, d a ß w i r s i e n i c h t aussprechen. Zur Verteidigung des Nichtaussprechens wurde hier eine Philosophie der Politik eingeführt, die auf cjifier Analogie beruht, die für uns nicht zutrifft. Unsere- Be* freiungsbewegung unterscheidet sich von der aller an* deren Völker dadurch, daß alle anderen Völker, -die einen Nationalismus haben, in ihrem Lande sitzen und deswegen i hi e Chancen abwarten k ö n n e n; < sje brauchen keine Propaganda zu führen, denn wenn •; der Augenbljck gekommen ist, ist das Volk da. Deshalb brauchen; sie nicht über, ihre Ziele zu sprechen/ Wir müssen aber; versuchen, erst dahin zu gelangen,, wo'alj' diese Völker,! die Tschechen, die Solen und die anderen schon sind, und darum müssen wir unsere Ziele l aus* sprechen. Es handelt sich bei uns erst um die Volks* konzentration, und ob wir frei werden können oder nichthängt davon ab, ob wir diese Volkskonzcntration erreichen körinen oder nicht. Diese Ziele müssen deutlieh vor unseren Augen stehen. Es handelt sich nicht um etwas, dag man! n*ch den Bedürfnissen des Tages einrichten kann, sondern um ein Minimum, von dem es nu? ejh Eijjt* wcde> r~ Oder gibt: Entweder man bekommt es oder man bekommt es nicht. ' Eine zweite Frage, die ich besprechen möchte, ist hier in der Debatte überhaupt noch nicht angeschnitten worden, obwohl sie wahrscheinlich die wichtigste Frjge des Kongresses ist. Es geht hier in diesem Kongreßein Gespenst um die Finanzfrage. r Wfc haben tu Geld eine merkwürdige «wi*; SpültJge Einstellung: Einerseits haben wir die größte 0jb»t^tt^i|keii und Verachtung für «;l>Cf Ge, 1 d, 4a« wir schuldig sind, anderseits haben 'irl iie abgöttische Verehrung;'; f f f" aJTe^ Geld, das wir bekommen machten, ujn^ tauschen uns darum über die Rolle, die das Geld ,J$F /jiiji spielen kann. <;, / , gc^ar Prof. Weismann hat in seiner einleitenden Itftg« dje naive Auffassung verkündet, daß es uns an de» goldenen Schlüssel gefehlt hat und daß wir ib pslästina viel mehr hätten tun können, wenn wir mehr Geld gehabt hätten. Man muß auch wissen, w*e der Schlüssel sawweadtn ist. Wenn man es m>bt weiß, so kann der goldene Schlüssel noch ztnn Fluch i werden und dem Besitzer zum Verderben gereichen. Ich will eine ketzerische Meinung verkünden: Wenn der Keren Hajessod in den verstrichenen zehn Jahren das Doppelte aufgebracht hätte, was er aufgebracht hat — und das ist keine Kleinigkeit —, glauben Sie denn, daß wir jetzt in Palästina das Doppelte besäßen? Nein, die Folge davon wäre gewesen, daß wie wahrscheinlich schon vor drei oder vier Jahren — das1 ist nicht leicht zu errechnen — vor einer viel größeren Katastrophe gestanden hätten, als wir jetzt stehen. Denn wir haben das Geld, das ein Segen sein kann, nicht gut verwendet. Wenn wir mehr Geld hätten, hätte man mehr Punkte aufgebaut, die nicht aus eigener Kraft bestehen können, und so wären noch in größerem Maße laufende Mittel nötig gewesen, um diese Punkte zu er» halten. Ich Wende mich gegen die Annahme, daß unsere jetzigen Schwierigkeiten in der Hauptsache auf der allge* meinen Weltkrise beruhen. Das ist nicht richtig. Denn der Zeitpunkt, wo wir nicht mehr weiterkönnen und wo unsere Ein* nahmen nicht mehr genügen, um das Laufende zu er* halten, hätte naturnotwendig kommen müssen. Das ist Ihnen vor zehn Jahren gesagt worden durch eine Kom* mission, die Sie nach Palästina geschickt haben. Diese Kommission wurde, als sie dies sagte, von der Organisa* tion entfernt. Wir haben im Laufe von zehn Jahren die ff Entwicklung der Dinge in Palästina sozusagen mit ver» haltenem Atem verfolgt und wir verlangen, daß man ein* sieht, wie sehr man auf falschem Wege ist. Es ist im Intern esse der Bewegung und der Zukunft des Aufbaues, daß man sich nicht berauscht an großen Zahlenvorstellungen. Geld muß richtig angewendet werden, um Segen zu bringen. Das nennen wir Wirtschaftlichkeit. Das ist nicht business, das ist noch nicht einmal Rentabilität — man kann auch in unrentablen Sachen wirtschaftlich sein. Noch ein Wort über die Organisation: Wir sehen in der zunehmenden Fraktionierung der zio* nistischen Organisation und der Tatsache, daß die diver* gierenden Elemente in der Organisation immer stärker werden, einen sehr ernsten Zustand und haben es der Exekutive wiederholt erklärt. Wir bauen in Holland un* sere Organisation auf Mitgliederschaft auf. Wir könnten uns auch Zehntausende von Schekalim anschaffen. Wir haben aber fest angeschlossene Mitglieder, und wir werden uns davon nicht abbringen lassen. Sie werden von uns und mir keine Ruhe in dieser Angelegenheit haben. Wir beschäftigen damit die Exekutive und die Mitglieder des A. C. und werden auch den Kongreß beschäftigen. Wir werden uns mit aller Kraft für eine Reorganisation der zionistischen Organisation einsetzen, die zu einer Gesundung führt. Daran sind auch, die Flügel interessiert. Eine feste Mitgliedschaft muß die Basis zum Kongreßwahlrecht sein. Glauben Sie nicht, daß dies eine gleichgültige organisatorische Sache ist, Die Existenz der zionistischen Organisation hängt davon ab und ich bitte um Ihre ernste Unterstützung zu diesem Versuch der Re< Organisation. Jüdische Jugend Auf fabdien Wegen Von A* Prope* 1 Wir bringen den Artikel des Organisators | des „Brith Trumpeldor" in Polen, Er ist der Monatsschrift des B, T. in der Tschecho* Slowakei entnommen. Es ist für niemand ein Geheimnis mehr, daß die jüdische Jugend heute die Reihen der extrem linken Organisationen überfüllt und dort ihrer Zahl ent* sprechend einen ganz angesehenen Platz innehat. Jeder weiß auch, daß zu den extrem Unken Organisationen nicht nur die „wilde" Jugend geht, welche frühe» keiner Gruppe angehörte, sondern auch ein bedeutender Teil der zionistisch«sozialistischen Jugend, Es ist kein Geheimnis und auch kein Wunder. Auch die letzten traurigen Ereignisse in Erez Israel, bei welchen die Kommunisten so erfolgreich ihre Hand bei der Organisierung des „Volkszorn^AusÄruehes Zeigten ~-< haben der jüdischen Jugend die Augen nicht geöffnet und das wahre Gesicht dieser „Menschenfreunde" und „Kämpfer für ein besseres, freieres Loben" nicht enthüllt. Wenn man sich die Frage stellt: Was! hji mit der jüdischen Jugend geworden? Hat sie das Herz verloren? Sehen wir denn nicht das Glück der Juden |n der ganzen Welt und besonders in Sowjetrußland? Ist es denn nicht genug klar gewesen, daß nur ein Ausweg vorhande« ist,

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