Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 199 (10.7.1931)
- Date
- 1931-07-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Setfc rb DIE NEUE WELT Nr. m jedoch erst nach dem Kongreß in Erscheinung treten wird, da die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Eder-Gruppe und den übrigen Vertretern der Allgemeinen Zionisten in der Frage der Führung durch Weizmann und der Haltung gegenüber der englischen Regierung nicht überbrückt werden konnten. Albert Thomas Sonntag, den 5. Juli, ergriff der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, der als Gast der Sitzung beiwohnte, das Wort. Er erinnerte an seine Begegnung mit Ing. Rutenberg, der während des Krieges in Bordeaux, als die französische Regierung dort voller Sorge über das Schicksal Frankreichs war, /u ihm kam und von ihm Hilfe für die Juden in Palästina verlangte, und wies darauf hin, daß für ihn der Zionistenkongreß eine Nation vertrete, für die eine Heimat geschaffen werden solle. Zum Schluß erklärte Thomas: „Bewahren Sic den Grundsatz der Gerechtigkeit und des Friedens, denn nur so wird sich Ihre Hoffnung erfüllen können." Die Kongreßzeitung, welche täglich in Basel er* scheint, ist in der Buchhandlung M. Rat h, Wien, II., Taborsitraße 20a, erhältlich. Ausrottungskampf gegen die Juden in Kurdistan. Jerusalem, 1. Juli (J. T. A.) Aus Kurdistan in Jerusalem eingetroffene Flüchtlinge schildern, welchen entsetzlichen Verfolgungen die jüdische Bevölkerung d ieses Landes in letzter Zeit ausgesetzt ist. In Hamid ich wurden von den dort lebenden dreißig jüdischen Familien fünf ausgerottet, die Häuser der Juden geplündert und zwei jüdische Frauen geraubt. Die Ausschreitungen waren eine Folge der von Jerusalem a us betriebenen judenfeindJichen Propaganda. Die Kurden waren aufgefordert worden, das Blut der Moslems zu rächen, das angeblich von palästinensischen Juden vergossen wurde. Die Irak-Regierung ist gegen diese Judenhetze nicht eingeschnitten. Agudah in Palästina separiert sich. Jerusalem, 3. Juli. (J. T. A.) Zum Protest gegen die Entscheidung des Waad Leami in der Frage der Fußballwettspiele an Sabbattagen hat die Agudah Jisroel in Palästina ihre Vertreter aus allen gemeinsamen jüdischen Komitees, auch aus dem Volkszählungskomitee des Waad Leumi und dem Komitee der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde für städtische Angelegenheiten zurückgezogen. General Gedeon Geismar gestorben. Paris, 3. Juli. Im Alter von 63 Jahren verstarb in Paris der ehemalige Kommandant des 4. Artilleriekorps General Gedeon Geismar. General Geismar fungierte als Ehren« Präsident des Keren Kajemcth in-Frankreich. Er hat an dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina stets lebhaften Anteil genommen. Antisemitische Krawalle an der Kölner Univer* sität. Berlin, 5. Juli. Nach Telegrammen aus Köln kam es vor. der dortigen Universität am Freitag wieder zu nationalsozialistischen Ausschreitungen. Agitatoren hielten vor dem Gebäude politische Reden und schlugen auf judische Studenten ein. Die Polizei war jedoch sehr rasch Herr der Lage und verhaftete mehrere Nationalsozialisten. Der erste jüdische Bürgermeister in Holländisch» Indien, Die Regierung von Holländisch*Indien hat den Präsidenten der Vereinigung für jüdische Interessen in Cherobo, den Ingenieur F. C. van Li er, zum Bürger* meist er dieser Stadt ernannt. Es ist dies der erste Fajl der Bestellung eines Juden zum Bürgermeister einer Stadt in Holländischdndien. Erklärung der Jüdischen Partei im rumänischen Parlament Bukarest, 5. Juli. Im Verlauf der Debatte über die Botschaft des Königs gab der Deputierte Dr. Theodor Fischer in der Kammer imNamendes Jüdischen Parlamentsklubs eine Erklärung ab, die besagt, das Erscheinen der Jüdischen Partei auf der politischen Arena des Landes, die Vereinigung der jüdischen Bürger aller Provinzen in einer einzigen politischen Organisation mit dem Zentrum in der Reichshauptstadt seien die letzte formale Konsequenz aus den großen historischen Umwand* lungen, aus denen Groß*Rumänien hervorging. Damit ist ein Schritt vorwärts getan auf dem Wege zur Konsolidier rung der Einheitlichkeit des rumänischen Staates. Es kann keinen rumänischen Staatsmann geben, der die Begründung und Existenz der Jüdischen Partei nicht mit einem Gefühl patriotischer Genugtuung erfüllen soll. Nicht auf krummen Wegen einer zweideutigen Politik, nicht durch Verhüllung des jüdischen Wesens, sondern durch offenes und ehr* liches Bekenntnis zur Einheit des jüdi* sehen Volkes, zur Idee der ethnischen Min* d e r h e i t gegenüber der rumänischen Mehrheitsnation strebt die jüdische Partei ihren Zielen zu. Dr. Theodor Fischer umriß sodann die Postulate der jüdischen ethnischen Minderheit in Rumänien. Jüdische Arbeitslose in der Diamontenindustrie Amsterdam, 5. Juli. Die Arbeitslosigkeit in der Diamanten »Industrie von Amsterdam, die seit jeher vorwiegend jüdische.Arbeiter beschäftigte, hält weiter an. Von den insgesamt 3500 arbeitslosen Diamantenarbeitern sind 3000 Juden. Keren-Kajemeth-Spende Salman Schockens Aus, Anlaß der Jahrzeit Theodor Herzls spendete Salman Schocken, der hervorragende deutsche Wirtschaftsführer und Zionist, Mitglied des Direk* toriums des Keren Kajemeth, eine Summe von 3000 Pfund (60.000 Mark) für den Keren Kajemeth zum Ankauf und zur Entwicklung von Boden für neue jüdische Siedlung. „Haam" erscheint wieder. Die Regierung hat die Suspendierung der revisionistischen Tageszeitung „H a a m"> die vor kurzem wegen Veröffentlichung eines Protest* poems gegen die Entscheidung der Klagemauerkommission verboten wurde, aufgehoben. Das Blatt ,erscheint wieder. Die englischsfranzösischen, Verhandlungen über die TotesMeersKonzession. Auf eine Anfrage des Abgeord* neten Marcus (Labour Party), wann . der Land* entwicklungsdirektor für Palästina ernannt werden würde, welches seine Aufgaben seien, welche Amts* daüer und welche Gehaltshöhe für ihn in Aussicht ge* nommen sei, erklärte Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond S h i e I s im Unt,erhause, man hoft$; > die Ernennung in nächster Zeit durchführen zu können. Eiße Anfrage Golonel Howard Burys, ob der Direktor ein Engländer sein werde, blieb unbeantwortet. Schließlich ej* klärte Dr. Shiels auf eine Anfrage des Abgeordneten McShane (Labour Party), er sei nicht in der Lage,, eine I Erklärung über die Verhandlungen bezüglich der Land« entwicklung in Palästina abzugeben. Auf eine Anfrage * Howard Burys bezüglich weiterer Verhandlungen mit der französischen Regierung über die Tote*M,eer* Konzession erklärte Unterstaatssekretär für Aeußeres Lei'dil zu sein ein Jude in Tel*Awiw Von Tunkeier Ich habe noch immer ein Vergnügen von Tel- Awiw. Man sagt: die Welt, das ist der Teig, und wir Juden sind der Germ der Welt. Und wir hatten ständig die Angst, daß eine rein jüdische, hundertprozentig jüdische Stadt aussehen werde wie ein hochaufgegangener Germteig, den man nicht in den Mund nehmen kann. Tel-Awiw ist ein hochaufgegangener Germteig, und ich sage euch, es ist ein Mahl für Könige. Wo hat man das gehört: Du gehst um drei Uhr nachts daher und sicher, daß dir nichts Schlimmes passiert, und daß du am Sabbat beim. Spazierengehen in den Alleen und am Meeresstrand von niemand überfallen wirst. Und wenn du vielleicht einmal spät in der Nacht einer sangesfreudigen und zu Ulk aufgelegten Gesellschaft mit einer „Eh Uchnem" und mit einer Harmonika begegnen solltest, so sei gewiß, daß der „Ej Uchnem" auf Hebräisch geht und daß du außer einem „Schalom" nichts sonst abbekommst. Und wenn ihr zufällig Biolik mit Fisohmaan treflen eoilt, werden sie euch ebenfalls nichts tun; vielleicht eueb einmal — überfallen und einen Reim verlangen. Und wenn ihr dem Lehrer Pufatschow begegnen sollt, müßt ihr auch nicht erschrecken. Das ist nicht der russieethe Pugatechow, der Revolten macht. sondern ein fröhlicher Mensch, der die Kinderkolonie! „Kfar Jaldim" gegründet hat. ■-'") ''S; Das Bewußtsein, daß die Stadt deine ist uad die Einwohner deine Juden sind und du mit jedermann,;dich in deinem einfachen Jüdisch unterhalten kannsjt? —* ruft in dir das Gefühl des Zuha/useseins wach... Wirklich» man spricht hier auch Hebräisch. Aber all die Juden, die in ihrem Leiben im ganzen z>u 910 Prozent Jüdisch gesprochen haben, merken sich ihr Jüdisch noch ganz gut. . . .. Es gibt hier welche, die dir die erste Frage auf Hebräis,ph stellen, offiziell, pflichtgemäß, einfach, weil es sich gehört, aber im nächsten Moment beginnen sie jüdisch zu reden, und gar mit Appetit. Atndere wieder sind entschlossen, das ganze Gespräch mit dir hebräisch zu führen, aber wenn du ihnen sagst, daß du iftuch Jüdisch ausgezeichnet versteht, spricht man jüdjseh mit dir, das heißt „Jargon". " ' v Ganz und gar ist Tel-Awiw eine jüdische Stadt. Zum Beweis: Die russische Zeitung „Poslednje Novosti* ist mehr als alle anderen Zeitungen verbreitet. :; > Es ergibt sich, daß man sich an einem offiz^U^n Ort trifft, wo es sich nicht schickt, jüdisch zu .reden, da spricht man — russisch. Mit einem Wort, mit Jüdisch kann man gewjf sein Auslangen finden in einem jüdischen Land. '' •." Und die hebräischen Schilder und AufschfiiHf?» und Plakate gehören auch nicht zu den schweren Sachen. Zumal, wenn auf einem Schild aufgeschrieben ist: „Grünzeug"; Man weiß, daß dort Grünzeug zu haben ist, wenn dort „Greisenasyl" aufgeschriebensjtefck es dort ein Greieenasyl gibt, und wenn dort gesejirfesben ist ,,Sneziala,r?r. weiß man, daß da ew Spezialarzt wohnt, das alles natürlich in Hebräisch. V; | Dr. Hugh Dalton, es sei vor kurzem eine Note der französischen Regierung über diesen Gegenstand eingelangt und werde gegenwärtig geprüft. Das der französischen Regierung im Juli vorigen Jahres gemachte Anerbieten, die Frage dem Internationalen Gerichtshof im Haag zur Entscheidung zu unterbreiten, sei bisher von der französischen Regierung nicht angenommen worden. Von der Berliner jüdischen Gemeinde. Der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde lag eine Vorlage des Ge« meindevorstandes vor, die die Erhöhung der Steuer« quo te auf 11 Prozent der Reichseinkommensteuer vor» schlug. Da mit der Vorlage ein Etat für das laufende Jahr nicht vorgelegt worden war, wurde von Dr. Oskar Cohn, Dr. Klee, Landgerichtsrat Rau, denen sich auch Herr Woyda anschloß, verlangt, daß die Bewilligung der Steuerquote vertagt würde, bis die Gemeindevertretung sich klar werde, zu welchen Zwecken die Steuergelder der Gemeindemitglieder Verwendung finden würden. Nach einer Rede des Gemeindevorstehers Direktor Graetz, der dazu aufforderte, unter allen Umständen und schnell die Steuer zu bewilligen, wurde die Erhöhung der Steuerquote mit den Stimmen der liberalen Fraktion beschlossen. Nach einer Debatte über den Gemeindesportplatz und die Schul« politik der Gemeinde sollte folgende dringliche Anfrage der Fraktion der Volkspartei (Klee und Genossen) zur Be* ratung gelangen: „Bei den Ausschreitungen, die vor einigen Tagen zur Schließung der Universität geführt haben, sind eine große Anzahl jüdischer Studenten miß* handelt worden. Wir fragen den Gemeindevorstand: Welche Schritte hat er unternommen und will er weiter unternehmen, um durch Einwirkung auf die Oeffentlich« keit und auf die Staatsbehörde, besonders auch auf die Universitäts* und Hochschulbehörden, die Rechte der jüdi« sehen Studenten zu schützen?" Die Anfrage wurde jedoch auf Antrag des Syndikus des Zentralvereins Dr. Alfred Wiener (Mittelpartei) in geheimer Sitzung beraten und fand zunächst mit der Einsetzung einer Kommission ihre Erledigung. Ausländerbeschränkung an der Prager Universität Prag. Der Dekann der medizinischen Fakultät der Prager Deutschen Universität Prof. Dr. Starkenstein hat in Zuschriften an die „Bohemia" und das „Prager Tagblatt" mitgeteilt, daß bei der Inskription an der m e d u z i n i s c h e n F« k u 11 ä t fortan zwischen Inländern und Ausländern ein Unterschied gemacht werden wird, da die Raum* und Arbeitsverhältnisse an der Fakultät eine unbeschränkte Aufnahme von Auslän» dern nicht gestatten. Da es sich hier im allgemeinen um jüdische Ausländer handelt, hat sich die Redaktion der „Selbstwehr" an Professor Dr. Starkenstein mit dem Er* suchen gewandt,; mitzuteilen, wie sich, das Dekanat zu der Frage der Aufnahme jüdischer ausländu scher Studenten stellen wird. Dekan Professor Starkenstein erwiderte, ein Unterschied zwischen Ange* hörigen verschiedener Konfessionen werde bei den Auss Iändern ebenso wenig gemacht wie bei den Inländern; ins dessen wolle er sich nicht der Tatsache verschließen, daß die, um Inskription ansuchenden Ausländer nahezu in ihrer Gesamtheit Juden sind, was ja bekanntlich in den letzten Jahren öfter Anlaß gegeben hat, die gegen das Ausländertum gerichteten Maßnahmen als gegen das Judentum gerichtet anzusehen. Er weise aber darauf hin, daß diese Maßnahmen durch Zwang diktiert sind und keinen konfessionellen Charakter tragen. Aus der großen Zahl der Bewerber werden jene ausgewählt werden, von wejehen eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht erwartet werden darf., Und Manufactory — ist Manufactory, und „Malbuschim" ist Malbuschim, und wenn du :auf "einen gewissen Ort eilst und dn siehst, daß dort ..Sitzhäuschen" aufgeschrieben steht, dann weißt du, was das ist; auch in Hebräisch natürlich. Es gibt keine Schwierigkeiten. Der Apotheker, der Dentist, der Hausmeister, der Polizeikommaindant, der Bankdirektor, sogar der Kellner oder der Barbier oder das angestellte Fräulein im kleinen Gasthaus reden mit dir jüdisch, wenn es nötig ist. Wie angenehm ist des: ich geh mir hinein ine Postamt und knüpf rasch eine Unterhaltung mit dein Postdirektor an in einfachem Jüdisch! Und wer wül sich wundern, daß eben dieser Postdirektor auch der Leiter des Mocgenigebets in der Schul äst? Ich geh mir über die Gasse und der PoHzehnanu sitzt sich gar selbstbewußt auf seinem Pferd in voller Paradeuniform und ruft mit großmütiger Leutselige keit aus: 1 ' „Schalem Alechem, werter Herr, TunkeJ! .Wann s(nd Sie gekommen? Oh, oh, ein hoher Gastf" Da werde ich perplex: „Sie sprechen jüdisch?" „Und wie! Warum soll ich nioht reden? Wenn Sie wollen, lese ich auch noch Ihre Werke, Oft, wenn wir Polizisten im Kommissariat beim Journaldienst sitzen und nichts zu tun haben, und keine Lust zum Kartenspielen haben, lesen wir Ihr Buch „Mit dem Füßen nach bpen". Wie meinen Sie, ist das eine Beschäftigung für einen Polizeidespoten?'* Im Gnunde genommen ist hier ein jüdischer Polizeimann für die Touristen ein blaues Wunder.