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Die neue Welt · 1931-07-10 · Heft 199 (10.7.1931) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 199 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 8 DIE NEUE WELT Hr.'SP ausschüttet über die Beteiligung an einer jüdischen Sache in Eres Israel. Daß dieser Geist immer weiter um sich greift, das fürchte ich, und darum rufe ich Ihnen zu: Kehren Sie zurück, geben Sie dem Kongreß seine Rechte und seine Souveränität wie* der! Mit den Nichtzionisten werden wir uns dann schon leicht verständigen können. Sie sagen, die Organisation* frage sei eine technische Frage. Was sind technische und was sind ideale Fragen? Sie alle kennen den berühmten Brief Theodor Herzls an den Baron Hirsch, in dem er über die Imponderabilien einer Bewegung schreibt und sagt: „Eine Fahne, was ist das? Eine Stange mit einem Fetzen Tuch? Nein, eine Fahne ist mehr als das: mit einer Fahne Hir Frshilain a«s gutem Hause, nicht unver- II riatllCIII mögend, wird solider gebadeter Herr, zwischen 45—5<», zwecks Ehe gesucht. Oefl. Zuschriften erbeten unter „Nur hochanständig" an die .Expedition dieses B'attes. führt man die Menschen, wohin man will, selbst ins Gelobte Land." Eine Fahne oder eine Stange mit einem Fetzen Tuchl Für. den jenigen, der den Geist der Sache nicht ver* steht, sieht beides gleich aus. Da ist der Kongreß, da ist der Apparat der Bewegung — eine Stange mit einem Fetzen Tuch! Machen Sie wieder die Fahne daraus! (Leb* hafter Beifall). Slridcers Mahnung an den Kongreß Robert Stricker führte aus: Der jüdische und zionistische Patriot Dr. Stephen Wdee hat Freitag nachmittags in sedner Rede die britische Arbedterregierunig wegen ihres Wartbruches getadelt. Er wurde dafür angegriffen. Es wurde ihm entgegengehalten, daß er gegen die britische Arbeiterregieroing Unerlaubtes gesagt haibe. Aiber er hat nur so gesprochen, wie ein jüdisciher Patriot sprechen muß. Man höre, wie ein Nichtjude über die Arbeiterregierning im Zusammenhang mit den Augustpogroamen 1929 denkt Der Dekan der Universität Krakau, Dr. P. Atcbutowski, schreibt: „loh war im April 1929 in Palästina. Schon damals, teilte mir unser dortiger Generalkonsul mit, daß die Stimim'ung im Lande gereizt und verhetzt sei und daß Mutige Ausschreitungen, von arabischer Seite geplant, 'unmittelbar bevorstünden. AMe, miit denen ich sprach; drückten dde Meinung aus, daß die britische Regierung den Dingen nicht nur teilnahmslos zusehe, sondern eine Haltung einnimmt, welche von den Anstiftern als Ermunterung aufgefaßt werden mruß. Ich habe mich überzeugt, wie verlogen und gemein die P'ölitdk ist, welche die heutige brdtische Arbeiterregierung in Palästina betreibt. Jetzt kommt der Zionistische Kongreß. Es ist in diesem Augenblick keine Zeit, prahlerisch von jüdischer Arbeit' zu sprechen und jeden gekauften Dunaan Boden als Eroberung auszuschreien. Von der Kongreßtribüne' herab sollen dde Ziondsten gegen die Arbeiterregierung protestieren und zeigen, w*e gemein man mit den Rechten des gepeinigten jüdischen Märtyrervolkes umspringt. Der blutige August 1929 hat Eng- ' land und seine Regierung entehrt. Nie hätten die wilden: Horden ihren Angriff gewagt, wenn die Haltung ■ der Regierung sie nicht ermutigt hätte." So wie dieser Nichtjude hat der Patriot Stephen Wise gesprochen. So zu sprechen halte au^h ich für.uveine Pflicht. Sie, meine Herren von der Majorität, haben bereits „Schuldige" gefunden. Man hat hier y.ön; dieser Stelle von Provokationen gesprochen, die sich unsere Jugend bei der Klagemauer zuschulden kom röen ligß. Schämen Sie sich! Wehe dem Volke, das sich hinter'.:;-seine Kinder versteckt! Von seiner Jugend verlängt, /in Augenblicken heiligster Entrüstung gemäßigt zu'sein!,/ •* ' '"^Jrei. Verbrechen hat die britische Arbeileregierung begangen. Ein Verbrechen am englischen Volke, indem sie in seinem Namen einen Eidbruch vorübt hat Ich will nicht sagen, sie habe es getan, weil sie eine Arbeiterregierung ist. Ich bedaure, daß sie es getan hat, trotzdem sie eine Arbeiterregierung ist. Das zweite Verbrechen beging die britische Regierung an dem jüdischen Volke, dem sie ein heiliges Versprechen gebrochen hat. Das dritte beging sie an der menschlichen Gesellschaft. Sie war es, die dem jüdischen Volke das Vertrauen an die Heiligkeit von Verträgen und an seine nationale Zukunft geraubt hat und es zwangsläufig hindrängt, wo der Geist der Zerstörung herrscht. Wehe der Menschheit, wenn die Verzweiflung unseres Volkes sich chaotisch entladen müßte. ■Der Revisionismus. ist es, der die jüdische Jugend vor Verzweiflung bewahrt, indem er ihr wieder. ein großes Ideal gibt und neuen Mut und * Hoffnung für die Zukunft. Der Kongreß hat eine große Aufgabe. Er ist die Tribüne; von der herab die zionistischen Führer Rechenschaft darüber abzulegen haben, was in der vergangenen Periodeihrer Leitung geschehen, was ihnen zur Schuld, was ihnen zum Lob gereicht. Bei uns wurde diese Funktion ins Gegenteil verkehrt. Man legt nicht vor dem jüdischen Volke Rechenschaft ab, sondern verlangt vom jüdischen Volke Rechenschaft. Präsident Weizmann hat sich njeht verantwortet.. Er hat wieder einmal das jüdische Volk angeklagt. Wieder hat er den Ruf ausgestoßen: „Jüdisches Volk, wo bist du?" Ich aber sage Ihnen, daß das jüdische Volk nicht versagt sondern Gut und Kraft in reichem Maße gegeben bat und das Recht zur Frage besitzt: Was ist mit dem geschehen, was ich gegeben habe? Was aber das System Weizmann, von eiuer großen Majorität gestützt, in Palästina geleistet und erreicht hat, kp»nen Sie aus dem offiziellen Bericht ersehen. Es hat 755Q Menschen in einem Zeitraum von zehn Jahren angesiedelt. Wenn man in Betracht zieht, daß der jährliche Uberschuß des arabischen Bevölkerungszuwachses gegenüber dem jüdischen in Palästina zirka l2i000 Seelen beträgt, so bedeutet das, daß wir in: Palästina in zehn - Jahren das geleistet haben, was die arabischen Mütter in sieben Monaten zustandebringen. (Großer Beifall.) Aber man hat diese 7556 nicht einmal in der Weise angesiedelt,' daß sie wirklidi fest sitzen, sich selbst erhalten können. Diese Siedlungen sind nach wie vor stützungsbedürftig. Idi sage das, um aufzuzeigen, daß in der Kolonisation Palästinas, wie die Leitung sie betreibt, die jüdische Volkskraft nicht zum Ausdruck kommt. In Palästina ist in kurzer Zeit eine Industrie entstanden, welche 12.000 Arbeiter beschäftigt Sie ernährt sie ganz. Man kann sagen, daß heute in Palästina, direkt und indirekt, ein Drittel der jüdischen Bevölkerung von Industrie und Gewerbe lebt. Dieses schöne Werk kam zustande, wohl durch Mithilfe des jüdischen Arbeiters, aber durch Initiative jener Faktoren, für welche die Zionistische Organisation, und insbesondere ihr Präsident, nie audi nur ein Fünkchen von Anerkennung, Verständnis und Sympathie übrig gehabt hat Zur Förderung von Industrie, Handel und Gewerbe steht ein Posten von 800 Pfund im zionistischen Budget, also etwa die Hälfte dessen, was mancher Funktionär der Zionistisdien Organisation an Gage bezieht. Man muß dem jüdischen Volke Rechenschaft darüber ablegen, wie man sein Geld verwendet hat Das Mitglied der Exekutive Herr Dr. Rosenblüth wendet sich gegen die „Pauperisierung" der Beamtenschaft. Sie (an Dr. Rosenblüth gewendet) hätten es ruhig und ohne Zurückhaltung aussprechen können, daß ich, Stricker, der Initiator des „PauperisierungsVersuches" bin. Ich gehöre zu den Trägern jener Bewegung, die eine Regelung des Gehaltswesens verlangt, aber ich habe nie verlangt, man möge pauperisieren! Ich sehe nur nicht ein, daß gegenüber einem Arbeiter in Palästina, der mit 6 bis 7 Pfund im Monat auskommen muß, ein Funktionär der Zionistisdien Organisation das Zehn- und Zwanzigfache bekommt. Ein Wiener kommunistisches Organ berichtete unter dem Titel „Die Bonzen fressen uns auf", daß Oesterreich 9 Minister habe, von denen jeder 51 Pfund im Monat erhält. Die Zionistische Organisation hat 11 bis 13 Minister, deren Gehalt bisher je 80 Pfund im Monat betrug. Ein Gentleman erzählt so etwas nicht, werden Sie sagen. Ich aber äage Ihnen: Gentleman ist man aus seiner eigenen Tasche, und nie aus der Tasche des jüdischen Volkes. Einer Frage wird hier dauernd ausgewichen,'d e r Frage der neuen Leitung. Man half sich, indem man neben dem jüdisdien Volke einen zweiten Gedächtnisfeier für Theodor Herzl Sonntag, den 5. Juli abends, fand eine Gedächtnis« feier für Theodor Herzl und zugleich für die 1929 bei der arabischen ]Revolte in Palästina gefallenen Juden statt. Präsident M o t z k i n sprach über die Bedeutung Herzls als des Verfassers des „Judenstaat" und des Gründers des neuen Zionismus, der die Judenheit in die Familie der Völker eingeführt habe. Nahum Sokolow gedachte Lord Balfours, Louis Marshals, Lord Melchetts und der in Hebron und Safed Ermordeten. Revisionistisches Bankett In den Räumen des Mustermesse-Restaurants veranstalteten die Revisionisten Freitag, den 3. Juli, ein Bankett, an dem 250 Damen und Herren aus verschiedenen europäischen Ländern sowie "aus Palästina, Südafrika, Tunis, Amerika teilnahmen. Den Vorsitz hatte Dr. Michael Schabad inne. Reden wurden gehalten von Justizrat Dr. Bodenheimer, dem Freund und Mitarbeiter Herzls, Richard Lichtheim, Meyer Großmann, Oberbaurat Stricker, Dr. Wolf gang v. Weisl, Dr. Soskiui Dr. Waschitz, dem hebräischen Dichter. Uri Zwi Grünberg, Frau Dr. Lachmaun, Arditi, Lausonne und Wladimir Jabotinsky. Revisionistische Frauen Wie wir vernehmen, steht die Gründung eines Wieltverbandcs revisionistischer Frauen unmittelbar bevor'. Eine Studenten Versammlung Montag, den 6. Juli fand im Kongreßgebäude eine Studentenvcrsamralun'g statt; die von den jüoV Angeklagten herbeigeschafft hat: die revisioii• stische Partei! An allem Uebel sind die Revisionisten schuld 1 Ich muß da aber fragen: Wer hat denn die Geschäfte geführt? Die Herren da oben oder die Revisionisten? Und wo sind denn die Erfolge, welche die Herren da oben gebracht haben? Haben wir Revisionisten die jetzige unglückliche politische Situation herbeigeführt? Haben wir den finanziellen — ich will ein mildes Wort gebrauchen — Zusammenbruch herbeigeführt? Verantwortlich ist in erster Linie der Mann, der an der Spitze steht Präsident Weizmann hätte nach seiner Berliner Rede gegen den Judenstaat gehen müssen! Es wundert mich, daß ich jetzt keine Zwischenrufe zu hören bekomme. Motzkin hat gestern erzählt: Als Herzl seinen „Judenstaat" geschrieben hatte, hätten seine Freunde geweint und gesagt Herzl sei verrückt geworden. Wenn jetzt ein Zionist das Wort „Judenstaat" ausspricht, weinen die Zionisten und schreien: „Er ist verrückt geworden 1" Weizmann hat das Ziel verleugnet Gestern erklärte hier ein Sprecher seiner Majorität, Doktor Arlosoroff, es sei ein Wahnsinn, vom Ziel des Zionismus zu sprechen. Derselbe Arlosoroff hat wenige Stunden vorher in einem Referat für die Aufnahme einer großen zionistischen Anleihe plädiert Hat man je gehört, daß jemand einen Groschen geborgt erhält, wenn er sagt: Was ich will, das werde ich nie erzählen! Bilden Sie sich nicht ein, daß die Augustrede Weizmanns die letzte Etappe seiner Entwicklung war, die vom Zionismus wegführt. Stricker verliest das Interview Weizmanns (siehe Seite 1 der heutigen Nummer) und schließt seine Rede: Das bedeutet, daß jeder ehrliche Zionist als Provokateur hingestellt wird, jede künftige Leitung, die nicht den Weg vom Zionismus weg gehen will, als extremistisch hingestellt wird, als eine solche» mit der man nicht verhandeln kann! Sie werden hier über die zionistische F i n a n z n o t reden, Sie werden das Vertrauen und die Hilfe des jüdischen Volkes verlangen. Das Programm Weizmanns verdient das Vertrauen nicht und wird es nicht finden. Sie können Weizmann wiederwählen". Der Herr Präsident wird eine schöne Rede halten, die Beamten werden klatschen, man wird Hatikwah singen. Aber Sie werden kein Vertrauen finden. Und der Zusammenbruch wird nicht aufzuhalten sein. Als Weizmann in Berlin seine Rede gegen den Judenstaat hielt, sagte ich ihm: „Wenn Sie nicht glauben, dann gehen Sie! Man führt nicht, wenn man nicht glaubt!" '— „Sie graben: Herzl aus, nur. um- Opposition zu machen" sagte Weizmann. — „Sie müssen ihn ausgraben", antwortete ich ihm, „weil er für Sie tot ist Ich aber muß ihn nicht ausgraben, für mich lebt er. Und vorgestern hat Präsident Weizmann Herzl ausgegraben. Er sagte, in Basel habe Herzl mit dem Judenstaat Schluß gemacht. Am 3. September 1897 jedoch schrieb Herzl, wenige Tage nach dem ersten Kongreß, in sein Tagebuch: „In Basel habe ich den Judenstaat geschaffen. Das kann ich sagen, ohne unbescheiden zu sein.4* Ich sage Ihnen: Wenn Sie nicht den Weg vom Geist Weizmann zum Geist Herzl zurückfinden, ist alles verloren. Und es gibt bei uns nicht Platz für diese zwei Geister. Entweder Geist Weizmann oder Geist Herzl. (Lang anhaltender Beifall.) eit Kongreß sehen Studenten der Stadt Basel (I. A. V. Jordania) und den anderen Vertretern jüdischer Korporationen 1 einbe=> rufen worden war. Zur Diskussion stand das Thema „Umwandlung des Forschungsinstituts in eine wirkliche Universität" im Zusammenhang mit der von Wien ausgehenden Aktion, 10.000 Unter* schriften für die genannte Forderung zu sammeln. Der Initiator der Unterschriftensammlung Josef Fr ä n k e 1, der als revisionistischer Delegierter (Polen) in Basel weilt, wurde aufgefordert, dag Hauptreferat zu halten. Es wurde im Sinne des Hauptreferenten eine entsprechende Resolu« tion gefaßt und eine Delegation gewählt, die ihre Forderung (Umwandlung der Universität Jerusalem in ein Lehr* institut) dem Kongreßpräsidium unterbreiten wird. Schaffung eines Weltverbandes Allgemeiner Zionisten Basel, 6. Juli. (J. T. A.) Zwischen den beiden Gruppen der Allgemeinen Zionisten ist eine Einigung, zustande gekommen, daß ein gemeinsamer Weltverband der Allgemeinen Zionisten auf der Basis eines unverkleinerten Zionismus, worunter Nichtannahme des Gedankens eines binationalen Staates zu verstehen ist, geschaffen werden solL Das Ziel des Verbandes soll die Aktivierung von schöpferischer Arbeit und Kapital bilden. Der neue Verband wird alle Gruppen der Allgemeinen Zionisten einschließlich der Eder-Gruppe und der deutschen Zionisten umfassen. Der Text des Beschlusses wurde am Sonntag in vorgerückter Nachtstunde von den Vertretern von 34 Ländern unterzeichnet. Als erste unterschrieben sind Julian M^ck und Leo Motzkin. Durch den Beschluß wird eine Einheitsfront der Allgemeinen Zionisten geschaffen, die

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