Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 198 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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i Seile n DIE NEUE WELT Nr. 198 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER A DEUTSCH Wien, I. Bes., Seitentiettengaste 2, Telephon tU28~t-2S XL, Zeniralfriedhof, neb. d. t. Tot, Telephon U-1&0r85 ^lllllllllllllllllllllllllfllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllb | äagründet 1882 | I Lebensverslcheninfts- DUfllJIY' I 1 Gesellschaft .rnUmA | | Zentradirektion: WIEN I., Riemargasst Hr. 2' § 24» MWiMia mm 4.8H.MI.- SdÜÜfeg 5 125 MUnn SaSRiig 5 Versidienuigsbesfsnfi per Mille 1930 voneingezahlfes ikfitokipitai E Prämien- und Z'msencinnahaen in Jafeu 1939 5 imMM ptr End« 1929 __________________. _ Jümhlungtn an KmWwle im Ji)»b 1929 38*5 Jfifliratn SAfHfap s Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, OautMhet R«ich( Frankreich, 5 Belgien. Holland, Italien, Spanien, T#cheehoilowaki«che s r Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawion, Bulgarien, Brieehen- 5 land, Türkei, Aegypten und Paljfttina. niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiimur; Mittelgruppe der Union der Zionisten-Revisionisten. Diese neue Gruppe hat sich am Mittwoch, den 24. Juni, konstituiert und-ladet alle Interessenten für Mittwoch, den 8. Juli, 8 Uhr abends, zur Besprechung des Arbeitsprogramms ein. Treffpunkt im Heim, II., Untere Augartenstraße 3.8. Oberkantor Ludwig Mandel nach Wien berufen. Der Oberkantor der Novisader Kultusgemeinde (Jugoslawien), Ludwig Mandel, der vor einigen Wochen im Fünfhauser Gemeindetempel und hierauf vor Fach* experten im Tempel in der Seitenstettengassc Probe* vortrage absolvierte, die allgemeinen Beifall fanden, wurde über einhelligen Vorschlag des Bethausvorstandes des 15. Bezirkes am 23. Juni 1. J. vom Vorstande der Kultusgemeinde Wien als Nachfolger des verewigten I. Kantors Jakob Schleifer zum L, Kantor ..-am Fünf* hauser Gemeindetempel bestellt. E Generälversammlung des „Kompaß", Allgemeine Kredits und ,Garantiebank. Die 18. ordentliche General* Versammlung genehmigte den Absc.hluß pro 1930, der folgende Hauptposten aufweist: Aktiva:. Kassastand lind Guthabungen bei änderen Banken S 2,084.892,73, Wech* sei S 2,288.935,35, Wertpapiere S 574-i85,6ij Debitoren S 23,066.863,31, Beteiligungen, Immobilien ,und Mobilien S 1,907.814,25. Passiva: Aktienkapital S 4,500.000, Offene Reserve S 1,760.689,77, Spareinlagen S 868.926,83, Kredit toren S 23,532.735,31. Unter den Einnahmen: Zinsen und Provisionen inklusive Garantiepfovisionen St 1,864.133,63, Effekten* und 'Konsortialgewinne S 204.891,45. Unter den Ausgaben: Personalkosten S 825.874,25, Sachspesen S -214.052,39, Steuern S 227.882,46, Reserven und Schadenszahlungen im Garantiegeschäft S 625.676,07. Im Geschäftsbericht wird ausführlich die Entwicklung des Kreditversicherungsgeschäftes behandelt. . Von dem G e* w i nn per S 189.509,88 wurden S 1/0.4.75,50, in Reserve gestellt und S ■ 10.034,38 auf neue Rechnung vorgetragen. Die turnusgemäß ausscheidenden Verwaltungsratsmit* glieder Vizepräsident H. A. White, Generaldirektor der Marconi Wireless Telegraph Company, London, Vize* Präsident Julius Singer, Max ' Gritein, Dr. Friedrich Kammann, Emil Minnich, Max Winternitz wurden wiedergewählt. _.__ m AmtUdie VerfaufbaruEigen der Ifvael* Kulfusgemeinde Wien» Zahl 1231 ex I931. Kundmachung. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeindc Wien hat Seine Ehrwürden Herrn Dr. Albert Wein er. in seiner Eigenschaft als Rabbiner des Israelitischen Tempel* und Schulyereines im 10. Bezirke, Wien, X., Humboldtgasse 27, im Sinne des § 44 des Gemeinde* Statuts zum Gemeinderabbiner bestellt. Nachdem gegen diese Bestellung zufolge Erlasses des Magistrats Wien als politischer Landesbehörde vom 23. Juni 1931, M'.*Abt. 49/4393/31, eine Einwendung nicht erhoben wurde, erfolgt hiemit gemäß. §§ 36'und 46 des Gemeindestatuts die allgemeine Verlautbarung. Wien, 26%Juni 1931. ,' Der Vorstand der 'Israelitischen Kultusgemeinde Wicni Wochen-Kajender Juli 1,931 *t"inm Tarnus 569.1 3 Freitag •18-n> ■ Sabbateingang 7.40 : J ', .... '-■ '-V ■ •••< 4 Samstag Sabbatausgang 8.50 .....' Dms : 5; Sonntag 20-3 ", v ' '• '? 6 Montag 21~*o . 7 ■' Dienstag . 22-3?, ..' ■: ' ■ ■ ••- 8 Mittwoch 28-33. ■ " 9 Donnerstag; U~V •- ' .• ■ ' . .;!.. ' RADIO Photoapparate für S 2.S0 Wochenraten erhalten Sie komplette Photo - Apparate samt Ausrüstung nur beste Marken mit Garantie für schönste Aufnahmen, in elegant«? Kollerform spielt Uberall ohne Antenne, ohne Erde, sowie alle fflod. Netzempfänger* mit Auslandempfang. Radlobeatandteile bei 20 Monate Kredit. lü4/(, Anzahlg. u l°/0 Kreditspesen. KOFFER APPARATE Luxus-Apparate, Schallp'atlen v. S 2.» die neuesten Schlagei in größter Auswahl sowie Handelinen, Gitarren» Lauten» Violinen, Zithern, Harmonikas, Blasinstrumente erhalten Sie lUr S 2.50' Wochenraten. 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Sch., Wien XX, iägerstrnße 69 Eine ferzaltlung von Oskar Rosen leid So oft lioli darüihei' iiachdiemke, was in-tcli veranlaßt, die Geschichte von Mendi Ruhig zu erzählen, fällt miir meiaic eigene Jugend ein und die verwegenen Spiele, die wir Jiur.gcn in der Hof.ga.sse getrieiben Juaben. Wü.r' selbst nannten die Gasse Dvorky, Höfe; denn die Häuserfront ging auf den Marktplatz hinaus, wo eich d:ie Schenken und Läden befanden, während der rückwärtige Raum durch Holzzäune in höfartige Plätze abigeteilt war. Hier stiegen zuerst die Gärten, dann die herschaftiiehen Aecker zum Wald auf, Hier rollten ■ die großen Ernte^valgen voribei» und die Khedile knallten mit den 'Peitschen, daß wdr plötzlich unser Spiel unterbrachen, .um das Verlangen!1 nach der Kunst des Peitsclie.n.lcnallens , gegenseitig' auszusprechen. Die Dvorky waren Öde, schanutäigv 'Ublter'fU-nrai und Steinen, allenthalben kigen abgenagte KnocJren, Speisereste aus den Küchen und Wirirsoliaften;;. Selten Vea-irrte sich ein Bürger des Städtchens; din diese berüchtigte Gegend. Aber Kinder > gab es da, eine zahllose Schar, barfüßig, zerlumpt, und dereai Freunde, die Bunde'. Kinder und Hunde, das war .eine -Feanilie.•• 'Man'" 'k«-nn*e die Namen der Hunde ebenso wie' die der-" Gespielen; und wenn einem Hund ©ine Beleidiguuig «ujgefüg't- '#ÜTde, dann „bestrafte. inW sde nach menschlichem Maß:" In den Gräben saßen; wiit und ^ergötzten uns am „Viernuß", am „An die Wand ..werfen",'•'aan „Schnur- . ziehen*' und an ähnlichen Erfindungen unserer jungen Sinne; wdr liefen an den Zäuuen vorheii Um die Wette, und was uns in den Weg trat, wurde el-barmunigslos vernichtet. Wir schnitzten I-Iolzsohwerter, uan Sträiiclier und wuchernde BrenneßseLbtische niederzumähen,. und. wenn wir mit dieser mühseligen Arbeit fer% 'waren, häuften wir Aeste und Blätter itbereiiiiuider »jj-nd. legten Feuer; an, daß das ganze Gesindel aus^leii.'^bifön ^os^injfnen-? lief. Täglich giaben wir Feste d^^Äef^tö r-iiiitgsw-ut;. die; Dvorky waren' hiemaJs vor uns sie Ii er; unser , Lärm eqi übertönte sogar dask la'üt'e; »fnH'r^^',:6^s;wmnier'der Betrarnkeuen, die in einem . AutftilV" v.on Scham.gefühl die Schenken nicht durch vdie .Eji^giulii^sitt'r, sondern durch die D'.vorky hin.aius;.verHcßeni ' . " . / . ■ , -f . „! Aber, vom Knde <l?r Överky, ,dor{,. wo es keine Scliihdeldücher uavd;keine Zäun^^hr ,ga.b, h^ten' wir uns am liebsten fern; einÜaucli von Ehrfürciit und Schauder;.wehte uns' An». •de'jrr'^^-.vei'ffitujhimte: ' -'dort ' stand das uraite GoUe^.haai«" ,mitldeTi:. verbitterten Fenstern, von einer Reihe dichtbelaubte,.; Akazienbäume flankiiert, höher ais: die .elenden Leluidväuser, schneeweiß getüneht, init einem prächtig ^s^j4t%^»..'©)ie^ap8' vergi t terte,n Pei tal, u-nd dahinter /^'^.^aueitbad',' * «an verlassener, igeibrechl'ioher Bau im Iialbstock, dessen Vorraum mii kalten SteinfKeseh; wohnte Mewll. Ruhig, und^ vpi er,- die HäTide^ani Rücken gefaltet, aus der Halle trat, ein unverständliches Läoheln auf den schmalen, bartöo&eh kippen da ferocili^n wir; Jungen, auseinander,^ drücktet;U^sr.anldie Zäune und bekämen einen beklemmenden Ä)tera an der Erwartung, es müsse .etwas geschehen, das ,unaere kindlichen Gedanken nicht zu fassen verjnögen? Kaum war er ,afl?er u,m die HöfezUune verschwunden, wUrdeit?wir wieder 4au^, und \ einige Ver wegene riefen , wfy^ höfisch er. Stinwne: ,Mendl: Ruh^g, Mendi Ruhig, .'jpssV.'der WeiM^kwnml, Mendl Riuhif , der Tor kommt, p»st, psst..Andere brüllten: -; , ' + ',,1^^'' nto deni/krwnpswi. ]R^c^en, , Beine wie die j ungen .^i|^n, . ,: Haare wie ejb ZiegeabockV '''''•' Mend-Ji init dem Sphabfee^Pöekv' . Mendl lebt nicht mehr. Er ist eines Morgens ausgegangen und nicht wiedergekehrt. In der Gemeind,e sagen die Frommen, sein gottverlassenes Tun selbst habe ,ihn verzehrt, während die «Skeptiker, um die Frommen zu ärgern, mit ironisch gespitztem Munde behaupten, er sei zum Himmel gefahren. Ich aber bin der Ueb.erzeügung, daß Mendl Ruhigs Ende ein natürliches war, daß es der Art seiner stillen,', duldenden Seele entsprach; und lege daher Gewicht darauf, es aufzuzeichnen. Wer. will, mag mir glauben. Ich bürge nicht für die Wahrheit metner- Erzählung,- aber eine- Ahnuug, die; im Unbewußten schlummert, regt sich in mir und gibt mir ■ recht und bestärkt meinen Wunsch, die Schicksale des'stummun Helden Mendl späteren Geschlechtern aufzubewahren.;, Die Sonne hatte keine Freude an dem. niedr^eu, altgewordenen Haus; denn sie konnte nur mühselig ihre glänzenden Flecken darauf malen, und auch die Aka.zienbäume, die von; der-einen Seite hart an der Türe standen, rauschten seUen aus der Versunkenheit, aus dem mächtigen Schatten, des' Gotteshauses auf. . Diqc arten Gemeindemitglieder schüttelten traurig : die . Köpfe, wenn sie,, in ihren altmodischen Röcken und Hüten, vor dem Tempel auf dett säumigen „Diener" warteten; denn sie konnten die Wandlung nicht begreifen, die mit dem Frauenbad vor-sich gegangen war; Sie erinnerten ein-, ander, an die Zeit, da die Frauen, in schwere, seidene Gewänder gekleidet, langsamen Schrittes ins Bad gegangen waren, die meisten das. scheue gerötete Gesicht zur Erde gesenkt, vor allem aber die jungen Frauen, die dievWeihe des ersten Frauenbades empfangen sollten. Und manchem Witzbold-, entfielen hiebei Scherzwortc, die dänn von Mund zu" Mund gingen, geflüstert, getuschelt,"' da sie nicht für jedermanns Ohren taugten. .Besonders an den Winterabenden vor dem Sabbat überfiel1 das "Frauenbäd" eine ernste, fast heilige Stille. Ehrfürchtig blickten die Männer, des Sabbateingangs harrend, in das hinter den verhangenen Fenstern ruhende Licht. Keinen lauten Ruf vernahm man; , die Kinder schliefen bereits. in' diesen. Stunden. Und. so, von den schönen, üppigen Fr.au.en. träumend, gewöhnte, man sich lei,sc Schritte, flüsternde; Worte an. Allmählich abej:, als die neue Zeit herankam und die Fabrik, -die,-das Bassin mit warmem •. Wasser speiste, , niedergerissen wurde, scheuchte .dfts Lärmen :dqr- Kinder das einsame Frauenbad aus seiner Stille auf. Solche Stunden kamen, je mehr es verfiel, desto häufiger, ^i'.. > •- .' Die> Rohre . würden abgebröchen, die Stufen, -welche? zum: Bade hinabführten, bröckelten ah, und die Kästen verschwanden mit den Badehüllen. Lange Jahre lag das Frauenbad Verlässen da, solange, bis der"- fromme Sinn der Väter: dem. praktischen dfer" Jungen linterlag und "in einer stürmischen Gemeindesitzüng' die Umwandlung des Fraüenbädes in eine Mietswöhnung durchgesetzt wurde. Die geheimnisvollen Geiste? verließen nun das Haus. ' Der - biedere nSchustermeister Fiedler mit seiner zahlreichen Familie zog .ein; mit ihm werktätiges Treiben, kahle Nüchternheit, offener Biedersinn;' Die Fenster! entkleidete man der Vorhänge, so daß sie schwarz, und trübe auf das Gotteshaus sahen; die kalten Steinfliesen bedeckte der praktische.Schuster mit Strohbündeln; die Inschrift' würde übertüncht, , so daß die, Fremden nicbjt mehr ahnen konnten, zu welchem Zweck die Ahnherren das Haus erbaut. Das, Frauenbad selbst blieb ohne Bewohner»;. .;> >; .; "'• r ' ' :r ' ' ' (Fortsetzung folgt) Eigentümer.' Ve'riegör.' Heransgeber and verantwortlicher. Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. — Druckereiand Ver»ags-A--G Isnaz Steiumana beide Wien. IX, Uuiversltätsstraße 6—S.