Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 197 (26.6.1931)
- Date
- 1931-06-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE nIue WELT Nr. 197 11. Juni anläßlich der Veröffentlichung des Klage* mauersBcrichtes ein Gedicht von „Eldad" veröffentlicht hatte, das ein Klagelied war und der Trauer über die gegenwärtigen Zustände in Palästina und den Verlust der jüdischen Rechte an der Klagemauer Aus* druck gab. Die Strophen endeten mit dem Refrain: „U n d der Mandatar steht daneben und sieht zu." HDawar" zum Verbot von „Haara". Jerusalem, 22. Juni. Die hebräische Arbeiter« Tageszeitung „D a w a r" befaßt sich mit der vom High Commissioner verfügten Einstellung des revisio* nistischen Blattes „Haam" und zieht einen Ver» gleich zwischen dem harmlosen Gedicht, das zum Anlaß genommen wurde, das Blatt zu verbieten, und dem Aufruf des Präsidenten der arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha, in dem von den drei im Vorjahre hin« gerichteten arabischen Mördern als von „M ärtyrern des Arabertums" gesprochen wird. „Dawar" erklärt, das Vorgehen der Palästina«Regierung sei darauf be« rechnet, den Anschein zu erwecken, als ob es die Juden seien, die sich der Aufreizung schuldig machen und den Frieden stören. 10.000 Unterschriften jüdischer Studenten Alle Kollegen, insbesondere die jüd.-akad. Studentenverbände, Verbindungen, Vereine, die für die Umwandlung des Forschungsinstituts in eine? wirkliche hebräische Universität, in eine Lehranstalt eintreten, werden ersucht, die Bogen zur Einholung der Unterschriften im Revision. Studentenklub, Wien, IL, Obere Donaustraße 101-103, zu bestellen oder zu beheben. An dieser Aktion beteiligen sich Kollegen aller zionistischen, Richtungen. nulluni IIIIII HerzkGedenkfeier. — Vereinigung der zionistisch: demokratischen Jugend. Samstag, den 4. Juli, findet um 8 Uhr abends im „H.erzl*Saale" des Verbandsheimes, IL, Untere Augarten« straße 38, die diesjährige HERZL s GEDENKFEIER statt. Die Gedenkrede hält Dr. Nahum Samonsky. Weiteres Prögramm: Chor und Rezitationen. Regiebeitrag 30 gr. IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Sdriffmann ,ium, radikal »das gesamte Sommerlager. Diese beispiellosgünstige Gelegenheit müssen Sie ausnützen, um aktuelle Sommerware der jetzigen Saison in verläßlich guter Qualität wirklich billig (... und wie billig—werden Sie sehen!) einzukaufen. Ganz besonders preiswert sind die Sommer-Räumungs- Angehiote in Waschstoffen, Wasch- und Kunstseiden, Kleidern, Blusen, Bade- und Reiseartikeln. Einen kle|nen Auszug der Sonderpreise finden Sie im Inserat auf Seite 9, Schiff mann, IL, Taborstraße 48. Dr. Ernst Franz Weisl gestorben. Der Vater unseres Freundes, Mitarbeiters und Gesinnungsgenossen Dr.< Wolfgang Weisl ist plötzlich im Alter von 74 Jahren in Wien gestorben. Dr. E. F. Weisl gehörte als Advokat und juristischer Schriftsteller zu den hervorragendsten Persönlichkeiten Oesterreichs. Zu seinen Spezialgebieten gehörten Fragen des internationalen Rechts, des Strafrechts und das Auswanderungsproblem, denen er eine Reihe' bedeutender Schriften widmete. Seinem Sohn Dr.; Wolfgang Weisl, der bekanntlich zu den führenden Revisionisten Palästinas zählt, wendet sich, neben den anderen Mitgliedern der Familie, unsere und unserer Leser innige Teilnahme zu. Chaja Rakowitzky gestorben. Am 17. d. M. starb in Wien Frau Chaja Rakowitzky. Die Verstorbene entV stammte einer hochangesehenen Familie in Pinsk, lebte viele Jahre in Petersburg und übersiedelte nach dem Kriege nach Wien, wo ihr Gatte Maschinenfabrikant ist. Chaja' Rakowitzky war durch ihre Güte und Wohltätig* keit in den weitesten Kreisen allgemein geschätzt und be« kündete stets ein lebhaftes Interesse für das nationale Judentum und für den Aufbau Palästinas. Die Mitglieder des Verbandes dem. Zionisten, Selman und Ing. Josef Radkowitzky verlieren in der Verewigten Frau und Mutter. Der Verband dem. Zionisten spricht den ge« schätzten Mitgliedern sein tiefstes Beileid aus. Stöndise unentgeltliche Stellenvermittlung AUS PALXSTINA. Volkszählung in Palästina Wie in vielen anderen Ländern mit gemischter Bevölkerung droht auch in Palästina die Gefahr, daß aus der geplanten Volkszählung seitens der Regierung politisches Kapital geschlagen wird. Insbesondere wird auf \ jüdischer Seite befürchtet, daß die derzeitige antizionistische Regierung die Ergebnisse tendenziös und so gestaltet, daß sich ein Bild der Verdrängung der Araber von Boden und Wirtschaft durch die Juden ergibt. * >' Jerwaktt* 19. Juni. Die Bildung eines beratenden Kämita» für die bevorstehende Volkszählung, in Palästina verzögert sich dadurch, daß die AttUr «btdingl rfwwf testete», m Komitee dord» Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Persona! aller Art u. aller Branchen benötigt, wende sich an „Makoah", I., Wiesingarftfr. 11, Tai. R-23-0-10 llllllllllllllllllllllllllllllllllllll sechs Delegierte vertreten zu sein, während den Juden nur zwei Sitze eingeräumt werden sollen. Ursprünglich hatten die Araber bloß eine ihrem zahlenmäßigen Anteil an der Landesbevölkerung entsprechende Vertretung jm Komitee gefordert. Die Juden werden wahrscheinlich dem von den Arabern vorgesdilagenen Vertretungsverhältnis nicht zustimmen, obwohl sie der Frage der Vertretung6- .stärke viel weniger Bedeutung beimessen, als die Araber. Die jüdischen Führer sind weit mehr daran interessiert, daß den illegal Eingewanderten Amnestie zugesichert wird und daß in den Volkszählungsbogen keine tendenziösen Fragen, die die Verläßlichkeit der Volkszählung beeinträchtigen könnten, aufgenommen werden. An Juden und Araber wird vermutlich die Aufforderung ergehen, Vertreter zur Korperation mit dem offiziellen Komitee, dem, die Leiter der Regierungsdepartements für Gesundheitswesen, Bodenfragen und Erziehung angehören werden, zu nominieren. Es werden alle Anstrengungen gemacht, anläßlich der Volkszählung eine jüdische Einheitsfront zustande zu bringen. Die Agudas Jisroel wurde eingeladen, mit der Exekutive der Jewish Agency und mit dem Waad Leumi Beratungen zu pflegen. Ein heikles Problem ergibt sich bei der Vorbereitung des Fragebogens für die Volkszählung im Hinblick auf die geplante Einreichung einer oder mehrerer Fragen, die sich auf Bodenbesi;tz, , respektive Landlosigkeit der.Bevölkerung beziehen. In offiziellen Kreisen neigt man der. Annahme zu, daß die Volkszählung wertvolle Informationen bezüglich der Frage der Landlosigkeit liefern könnte. Ein Hinweis hierauf erfolgte .seinerzeit; im Z tf sämmenhang mit dem Weißbuch. In jüdischen Kreisen ist man demgegenüber der Ansicht, daß solche Fragen zu der Kategorie vou Fragen mit politischer Tendenz gehören. Obwohl die jüdischen I^ührer sich einer gründlichen U,nd u.np ärteiische n Untersuchung zur Feststellung der wirklichen- Zahl landlose? Araber, einerseits derjenigen, die durch Uebergang von Grund ' und Boden in jüdischen Besitz landlos geworden sind, anderseits jener, die nieipals,':Boden besessen haben, keineswegs widersetzen, stehen sie doch auf dem Standpunkt, daß der Apoaraf derfVolk^zählung nicht darauf eingestellt ist, eine Beantwortung dieser Frage zu ermöglichen. Das Komitee für die? Volkszählung wird die Argumente, die zugunsten eines alle erreichbaren Informationen liefernden Fragebögens vorgebracht werden, und den von jüdischer Seite erhobenen Einwand, daß unter bestimmten Bedingungen-Qrhaljte.ne;Informationen nur zu einer ■ Irreführung, der, .Öffentlichkeit in, einer grundlegenden Frage führen.können, gegeneinander abzuwägen haben. Palästinensische' Ein- und Auswanderung im Mai 1931. Jerusalem, 19. Juni. (J. T. A.) Im Monat Mai sind 629 Personen, darunter 490 Juden, nach Palästina eingewandert und 76 Personen, darunter 33 Juden, aus Palästina ausgewandert. Kampf zwischen Kolonisten und arabischen Hirten in Jcssod Hamaalah. Jerusalem, 19. Juni. In der Kolonie Jessoth Hamaalah kam es zu einem Zusammenstoß zwischen jüdischen Kolonisten und Arabern, die ihr Vieh auf den Feldern der Juden weiden ließen. Es kam zu einem Kampf, in dem mehrere Personen auf beiden Seiten leicht verletzt wurden. Die Polizei verhaftete vier Araber und einen Juden. Zusammenstoß zwischen Polizei und jüdischen Arbeitern in Afuleh. Jerusalem, 19. Juni, Am 17. Juni kam es in der jüdischen Kolonie Afuleh zu einem Zusammenstoß zwischen jüdischen Arbeitern und der Polizei. Die jüdischen Arbeiter hatten dagegen demonstriert, daß bei einem im Auftrag des Regierungsdepartements für öffentliche Arbeiten von einem arabischen Bauuuternehmen durchgeführten Straßenbau durch Afuleh ausschließlich Araber aus der Gegend von Jerusalem beschäftigt werden. Als die jüdischen Arbeiter der Aufforderung, sich zu zerstreuen, nicht nachkamen, ging die Polizei mit dem Gummiknüppel vor und verhaftete zwölf Demonstranten. Bei dem Zusammenstoß wurden zehn Arbeiter verletzt, darunter zwei schwer. Drei Verletzte wurden ins Hospital eingeliefert. Der Polizeioberkommissar von Nazareth hat die Freilassung der verhafteten Arbeiter gegen Kaution verweigert. Gegen die Verhafteten wird eine Anklage wegen Auflaufs und Widerstand gegen die Polizei erbobea wMHräeA« Ueberfall auf einen Kolonisten in Chederah. Jerusalem, 19. Juni. Am Donnerstag, den 18. Juni, abends wurde in der jüdischen Kolonie Chederah der Kolonist Jefeth Ben Nathan auf dem Heimwege von einem Araber angeschossen. Ben Nathan wurde ins Hospital überführt. Der Täter ist entkommen. Verbot einer Gedenkfeier für die hingerichteten Teilnehmer an den Palästina-Massakers. Kairo, 18. Juni. Die Gruppe der nach den Massakers von 1929 nach Aegypten geflohenen Araber aus Hebron hatte für Mittwodi, den 17. Juni, abends eine Versammlung zum Gedächtnis der vor einem Jahre im Gefängnis von Akka wegen Mordes hingerichteten Araber, von denen zwei aus Hebron stammten, einberufen. Die ägyptische Regierung hat die Abhaltung der Versammlung verboten. Verurteilung von jüdischen Kommunisten in Palästina Jerusalem, 16. Juni. Das Jerusalemer Kreisgericht verurteilte die jüdischen Kommunisten Perez S a g o u und Josef Rosen zu je zwei Jahren Gefängnis, weil sie während der Nebi-Musa-Prozession in Nablus im April kommunistische Literatur und Flugzettel unter arabische Bauern verteilten, in denen zum Kampf gegen „britischen Imperialismus und Zionism u s" aufgefordert wurde. Alle Lehrer an den palästinensischen Schulen der Jewish Agency gekündigt. Jerusalem, 20. Juni. Wie der Direktor des Unterrichtsdepartements der Jewish Agency Dr. B e r k s o n der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitteilt, haben sämtliche an den Schulen der Jewish Agency angestellten Lehrer die Verständigung erhalten, daß ihr Dienstverhältnis am 3 0. September d. J. zu Ende geht. Gleichzeitig wurde den Lehrern die Versicherung gegeben, daß die gegenwärtige Exekutive ihren Nachfolgern empfehlen werde, bei Neuengagements den jetzt in den Schulen beschäftigten Lehrern den Vorzug zu geben, so daß erwartet werden kann, daß der größte Teil von diesen wieder angestellt wird. Die Kündigung wurde' ungefähr 450 ständigen Lehrern zugestellt. Sie dürfte die Entlassung von 50 ständigen und 50 zeitweiligen Lehrern zur Folge haben, falls der gegenwärtige Beitrag der Exekutive für Unterrichtszwecke von 77.000 Pfund auf 50.000 Pfund ermäßigt werden wird. Für die Aufreehterhaltung des hebräischen Schulwerkes in seinem gegenwärtigen Umfang wären zumindest 65.000 Pfund erforderlich. Die vorgeschlagene Uebertragung des im Laufe einer Generation sorgfältig aufgebauten hebräischen Schulwerkes in Palästina an die Knesseth Israel (die palästinensisch-jüdische Gemeinschaft) bereitet infolge der damit verbundenen großen Verantwortlichkeiten der Exekutive der Jewish Agency und dem Waad Leumi schwere Sorgen. Einerseits herrscht. allgemeine Uebereinstimmung darüber, daß die Last der Erhaltung des Erziehungswerkes so weit als möglich der jüdischen Bevölkerung selbst aufgebürdet werden soll. Andererseits ist der Waad Lumi nicht in der Lage, die Verantwortung im vollen Umfang zu übernehmen. Es verlautet, der Waad Leumi habe den Vorschlag gemacht, statt der geplanten Uebertragung der Schulen in die Verwaltung der Knesseth Israel eine gemeinsame Führung des Schulwesens durch die Exekutive der Jewish Agency und den Waad Leumi zu ermöglichen. Dieser Vorschlag soll in einer .unmittelbar vor dem Kongreß in Basel abzuhaltenden Plenarsitzung der zionistischen Exekutive erörtert . werden. Die neue taeferäisdie Kultur A» Z. ben Ischai in Wien Der bekannte palästinensische Schriftsteller und Mitarbeiter der Tel-Awiwer Tageszeitung „Haaretz" A. Z. ben Ischai weilte kürzlich in Wien. Ihm zu Ehren fand seitens der hebräischen Kreise Wiens ein Empfang statt, bei welchem die Herren Prof. Gelernter und S. Auerb a c h den Gast begrüßten. M. J. Daniel, der bekannte Regisseur und Leiter der palästinensischen Kleinkunstbühne „Matateh", der sich ebenfalls in Wien aufhielt, sprach an diesem Abend über das Wesen des neuen palästinensischen Theaters, das im Einklang mit dem neuen jüdischen Leben des Landes seine Entwicklung vollziehe. Ben Ischai selbst beantwortete Fragen zur Lage der hebräischen Literatur und Presse in Palästina, wobei er ausführte: „Die hebräische Literatur J^st ein notwendiges Lebensmittel in Palästina geworden, keine Luxuszubuße zum täglichen Brot, wie anderswo. Das lesende Publikum nimmt daher als Konsument starken Einfluß auf die Verleger, die, wie in jeder lebendigen Literatur, notgedrungen den Erfordernissen des Marktes Rechnung tragen müssen. Der hebräische Leser in Palästina verlangt auch Lektüre wie Schriften von Remarque, Georg Fink, Trotzky, Wells u. ä., von denen mehrere in Uebersetzung gleichzeitig mit dem Original erschienen sind. In der eigenen hebräischen Produktion herrscht, wie auch früher, Ebbe und Flut. Vor einem Jahr war ein großer Aufschwung zu verzeichnen, während heuer ein gewisser Stillstand eingetreten ist. Aber diese Krise ist keineswegs eine innere, keine Krise des Schaffens — viele wichtige Manuskripte harren ihres Verlegers —■ vielmehr ist sie dxveh dte politi»eh-wi*i*«b*4ili«he Lage