Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 196 (19.6.1931)
- Date
- 1931-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2711613-2711790-2711815--2562-2715865- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 35 Gr \ *h»mj 5 ■VtAtaNj? tfcii lwV Jfcpiil 10W Wr* f#5 Y.b.b. REVU E BEZUOSBEDINOUNQEN: Oesterreich monatlich S IJO, Tschechoslowftket monatlich Ke 6V~, vierteljahrig Kc 18, i Polln monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—$ ~, vierteljährig Dinar 40.-: Rntnanlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—: DettteeMHild "monatlich "Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-: Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Kalle« monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.30, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion a.Verwaltung: Wen IX, Universitätsstr. 6^, Tel. — Erscheint jeden Freitag 5 22 _Badetrikots Barte-Hosen Bade.Hflte Bade.Matzen B«de*Sahuhe Bade-GQrtel Bede-Creme In größter Auawahl rein Schalwolla I XoER BILÜGITeTsK M l'WIPPLINCERSTR- AO Der Stolz und das Glüdc Israelis Großer Krach in Oesterreich. Diesmal beschränkt er sich nicht, wie sonst, auf das wirtschaftliche Klein- und Mittelzeug. Diesmal müssen die ganz Großen dran glauben. Die Kreditanstalt, deren Präsident ein Rothschild ist, und die im Volksmunde Rothschild-Bank heißt, ist zusammengebrochen. Der arme Staat Oesterreich muß helfend beispringen. Und um die Kreditanstalt fallen allmächtige Bankdirektoren, Privatbankiers größten Stils, Großindustrielle. Der Stolz des Judentums! Man erzählte ehrfürchtig von ihren Palästen, Bildergalerien, ihren Gartenfesten. Man .war so dankbar, daß sie nur. die Hälfte ihrer Kinder auslaufen ließen, sich selbst an ganz hohen Feiertagen in den Stadttempel bemühten und hie und da einen runden Betrag für Blinde, arme Wöchnerin rien und die Todeskandidaten im jüdischen Siechenhaiis zeichneten. Wenn es irgendwo einen Pogrom gab,, bekam man sie mit einiger Mühe auch a>£die Spendenliste. Sie Safren nicht; jviektiaj^ auf- 4em^S^n«rraetteI zu haben, wirkte so überwältigend; claii*niän ah die Prüfung .der Sümmeit ^ergäß. j r 'Ja, sie wären für das Judentum zu haben! aber nur für ein Judentum, das blind, tuberkulös, ver- . krüppelt, verhungert oder pögromiert ist. Wenn lausende Judenleichen auf dem Boden lagen, öffnete sich, eine kleine Spalte in ihrer Brieftasche. Auch in ihren Herzen? Möglich! . -*...'. .Vom lebenden, kämpfenden, um Freiheit und Ehre ringenden Judentum wollten sie nie etwas wissen.' Wenn man ihnen mit diesem Judentume kam,, dann wurden sie abweisend. Dann konnten dies& ganz feinen Herren ganz ordinär werden, hundsordinär. Theodor Hei-zl hat sie ausgenossen, diese österreichischen Großjuden, bis zur Neige. Sie haben ihn verfolgt, begeifert, verhöhnt, haben ihre Preßköter und Hauspfaffen gegen ihn losgelassen. Weil Theodor Herzl ein lebendes Judentum wollte, mit Ehre, mit einem Staate, mit einem Platze an der Sonne. Ihr Streben ging dahin, ihr Judentum, das ganze Judentum in die Vergessenheit zu versenken, von der Tagesordnung abzusetzen. Da stand der Zionismus auf, . ein Judentum, das seine Existenz in die Welt schreit. Da wurden sie wild, brutal. .. < * Eine Episode, welche das Gesicht dieser Menschengruppe scharf umreißt. Vor einigen Jahren kam der englische Minister, Parteiführer und Zionistenffeund Wedgewood nach Wien, im freiwilligen Dienste für die zionistische Sache. Er mahnte die Juden in Volksversammlungen an ihre Pflicht, das jüdische Nationalheim aufzubauen. Der Nichtjude die Juden. Die Großjuden waren nicht da. Die kommen nicht in Versammlungen. Wie bekommt man sie zur Stelle? Irgendeiner, ein ganz Pfiffiger, verfiel auf die Idee, sich hinter den englischen Gesandten in Wien zu stellen. Der hohe Diplomat wurde veranlaßt, Wedgewood und eine gesiebte Gesellschaft jüdischer Barone, Direktoren und Großindustrieller in seinem Salon zusammenzubringen. Er lud sie ein und sie kamen. Wedgewood sprach begeistert vom werdenden Judenstaat. Die Großjuden rührten im gesandtschaftlichen Tee herum, taktvoll das Gähnen unterdrückend. Als aber Wedgewood nach einer Pause ankündigte, er werde nunmehr über die Pflicht d e s j ü d i s c ke n K a p i t a 1 s, das nationale Werk zu unterstützen, sprechen, da sagte einer laut zum Nachbarn: „U n d j e t z t s i n d w i r t a ubl" Der Gesandte, Wedgewood und die zionistischen Gäste waren wie gelähmt. Dieser Ausbruch jüdischer Niedrigkeit, der alle Fesseln gesellschaftlicher Bindung sprengte, alle Regeln primitiven An- Der Palästina-Bericht vor der Mandatskommission London, 14. Juni. Wie das Kolonialamt mitteilt, hat sich Unterstaatssekretär für dia Kolonien Dr.Drummond Shicls nach Genf begeben, um als akkreditierter Vertreter der englischen Regierung an de$ Sitzungen der perma« nenten Mandatskommission des Völkerbunds, in denen der Jahresbericht über Palästina geprüft werden soll, teils zunehmen. Als weitere Vertreter Englands werden sich an den Verhandlungen der Chefsekretär der Palästina« Regierung Mark Ait'chison Young und die Herren R. V. Vernon und OGR. Williams vom Colonial Office be* teiligen. Zum Pogrom in Zloczov Warschau, 15. Juni. Ueber den Pogrom, von welchem die »Neue Welt" in ihrer letzten Nummer berichtet hat, sind neue Meldungen eingelaufen. Die jiddische Tageszeitung „Momeu t" veröffentlicht Berichte ihres nach Zloczow, Wojwodsehaft Lodz, entsandten Berichterstatters, aus denen hervorgeht, daß dn der 400 Familien zählenden jüdischen, Gemeinde der Stadt ungefähr 200 Verletzte, Männer, Frauen und Kinder, gezählt werden. Die von Juden bewohnten Straßen machen einen überaus traurigen Eindruck. Kein Haue steht ganz da, überall sind die Fensterscheiben eingeschlagen. Die St.r'a ß e n sind wie ausgestorben, kein jüdischer Ein- . wohner wagt es, an den Abenden ayszug^ehJ, E?en-.: Er- .;. Zählungen der verschüchterten; Ei|[^h|||ig^.^^u J&ntr .j; nehmen, daß die Exzedenten am ^frend des .4: Juni mit | „i.i.iii.H liiiliii.iWia.Y-riTiii.^ i^H^Ilf^^^^ v , -y f . ■ v' <,.&•>; „W? f.Fii.'\'M">rv^.^-.yri r i—i - W'p&mtw*-&f?>'&-FrV>"'• T' v'• -•• ■•• ■ ^jü£s>'?'^ ohrenbetäubendem Lärm, Pfeifen und den Rufen „Schlagt die Juden!*4 in Massen in das jüdische Zentrum des Städtchens, in die Blaunegasse und in den Marktplatz, eingedrungen und sofort an ihr Zerstöningswerk geschritten waren. Chrdst liehe Stadtbewohner wiesen der ortsfremden. Bauernschaft die Häuser, in denen Juden wohnen. Es fielen während des mehrere Stunden andauernden ungeheuren Tumults hin und wieder Revolversohüsse. Frauen, Mädchen und Kinder verbargen sich in den Kellern. Der Berichterstatter des .„Moment" erfährt, daß der Pogrom vom 4. Juni das Ergebnis einer lange vorbereiteten Aktion ist, die zum Ziele hat, die Juden von dem Handel dn Zloczow fernzuhalten. Der Pogrom sollte auf die Juden abschreckend wirken und sie dazu bringen, die Stadt zu verlassen. Gegenwärtig herrscht in Zloczow Ruhe. Der aus Lodz an der Spitze einer Polizei trappe eingetroffene Starosta hat die Verhaftung von etwa 30 Hulagans aalgeordnet. Wie der „Hajnt"-Berichterstatter seinem Blatte mitteilt, haben zahlreiche jüdische Einwohner von Zloczow ihre Erlebnisse während des Pogroms im Büjfb der jüdischen Kultusgemeinde zu Protokoll gegebeji. Einmütig geht aus den Protokollen hervor, daß dive Lehrer der Ortsschule die Menge geigen die Juden auf geh et z t haben. Zum Protest dagegen haben die jüdischen Eltern beschlossen, $hr£ •Kinder n.ich t mehr in die Or tsschule zm 6*;h4 c k^efn.- Oegeh diej- Lehrer ist Anzeige an ihre, vor« gesetfjste Behörde erstattet worden. •■ ü&>-%'\ V: '. \ ■ -.•> > .•--••—•.•» '>v> - - --.V.,; HÖCHSTER KOMFORT DIANABAD — WIEN BILLIO E PREISE Die größte und vielseitigste aller physiotherapeutischen Heilanstalten der Welt , Kurgebiauch genau nach Vorschrift der Hausärzte Großer Zandersaal mit den zweckdienlichsten Apparaten Vollkommen neu eingerichtetes Röntgeninstitut für Diagnostik, Oberflächen- und i'iefentherapie; •% Erfolgreiche Behandlung von: Rheumatismus, Gicht, Ischias, alle Formen von Qelenkser krankungen, Lähmungen usw.; organischen u. funktionellen Nervenerkrankungen: Neutasthenie, chronisch-nervöse Erschöpfung. Nervenentzündungen, frkrankungen des GefÜBsystems und des Heriens; Erhöhter Blutdruck, Gefäßverkalkungen, Herzschwäche, usw. Neuralgien usw. Alle Erkrankungen der Atmung«* organe, Erkrankungen des Nagenu.Darmtraktes; Frauenkrankheiten * Myome, Sterilität usw. Volgensustünde nach chirurgischen Erkrankungen, bezw. Verletzun-, gen (Frakturen), Gelenksversteifungen usw, Entfettungskuren — Orthopädische Nassage Gesundheitsturnen — Aerstllche Schönheitspflege I Bequeme Ruheräume für Damen u. Herren I Modernste Heilbehelfe wie: Behandlungssäle für Damen u. Herren sowie Einseiräume für al-e Arten von Wasser-, Heißluftu. Massagekuren, französische Duschenmassage, Voll- und l eiliichtbäder, Ureirarben- und Herzschonungs-Lichibäder usw. Reichhaltige Apparatur für alle elektrischen Behandlungen wie i Diathermie, Arsonvalisation, Faradisation, Galvanisation. Franklinisation Tonisator und Vierzellenbäder Kuren Vollständige Hoehlrequens-Elnrichtung, Bestrahlungsräume für künstliche Höhensonne usw. Inhalatorium: Kaoinen- und Apparatinhalation. Ueber- und Unter druckapparate für pneumatische Kuren Radium-Emanatorium, alle Medisinaibäder, wie Original-Franzensbader Moorbäder, Kohlensäure-, Sauerstoff-, Schaum- und Luftperlbäder, Radium-. Schwefel-, Fichtennadel-, Sole-, Jod-,4 Steinsalz-, Kamillen-, Malz-, Eisenbäder usw. Transkutanbäder, Schiammpackungen mit Original- Pystianer *chlamm und Fango di Balaglia Paratfinpackunqen amerik. Ringroller-Massage" apparate für Entfettungskuren 6tandes über den Haufen warf, legte sich ihnen schwer auf die Brust. Für die Genossen des Sprechers aber bedeute der „Witz", den kein Betrunkener in der letzten Kneipe brutaler rülpsen kann, das erlösende Wort. Sie gingen und keiner gab einen Groschen. Hätte der Vertreter irgend eines Zwergstaates diese jüdische Gesellschaft zu sich geladen, um ihr Geld für einen Kirchenbau abzunehmen, wäre sie demütig buckelnd herangekrochen, hätte die hohe Ehre hochbeglückt, in dienstfertiger Eile und teuer bezahlt. So aber der Gesandte eines Riesenreiches sie einlädt und ihr Gelegenheit geben will, ihrer jüdischen Pflicht nachzukommen, gröhlt sie einen Kneipenwitz und speit ihm auf den Teppich. Der Finanzkrach hat in, die Gesellschaft, welche unnahbar über vollen Kassen thront«» hineingeleuchtet. Kavaliere auf dem Rennplatz, in der Opernloge. Jetzt schreien von den Mauern Wiens. Hakenkreuzplakate ihre Flüche über die jüdischen Beutelschneklerf Räuber und Öiefie, 1 "Jl)iiiiiii.ii iissesssjsmsssssseeiiiiLnj i ■■■■ ' i.i n Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgejt» Hohen Notizen sind durch ein beigefügtes £ beseiebnet welche sich und ihre Sippe fett versorgt, aus den Kassen ihrer verkrachten Institute rasch das Letzte genommen haben. Der Sommer ist heiß. Die Herren und Damen, die es angeht, werden an schweizerischen und italienischen Seen Erholung suchen und finden. Die blutrünstigen, schänderischen Plakate sind für den kleinen Juden, der sich mit seinem kleinen Pinkel, angst- und sorgeschwitzend tax ihnen vorbeidrückt. Das Glück dieser Großen in Israel ist ihr Glück; geht es schief, ist das Unglück unser Unglück. r, «t. « Auspitz, Lieben & Co. Ein Leser der „Neuen Welt" schreibt uns: Die Katastrophe des Bankhauses Auspitz, Lieben & Co. ist auch nach der jüdischen Seite hin außerordentlich lehrreich. Die Inhaber, öffentlichen Gesellschafter, Geschäftsführer der Firma sind durchaus Juden. Sie zählten sich zur besten Gesellschaft, waren überall, wo es elegant und nobel zuging. Sie steck' ten Millionen in ihre Kunstsammlungen, hatten Villen und Häuser modernsten Stils{