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Die neue Welt · 1931-05-29 · Heft 193 (29.5.1931) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
5 (1931)
Issue
Heft 193 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 195 mußte. Unter der jüdischen Bevölikemrag hertscht über diese Ueiberfälle große Aufregung. Die Danziger Polizei hat eine Untersuchung zur Ermittlung der Täter eingeleitet. An dem gleichen Sonntag, den 17. Mai; wtarde eine Gimppe junger Danziger Zionisten, die einen Seeaiusflug nach Nicketewalde unternommen hatte, bei der Rückkehr um 9.30 Uhr abends an der Landungsstelle Milchkanne durch Jlitler-Leute, die in drei Lastautos herangekoimimen waren, überfallen und mit Stöcken schwer mißhandelt. Etwa 40 Personen wurden verletzt. Einige der Verletzten mußten in das Hospital überführt werden. Unter den Ausflüglerai und ihren Angehörigen, die sie an der LandungssteMe Milchkanne erwartet hatten — im ganzen. 500 Personen — herrschte ungeheure Aufregung. Die Hatler-Leute hat! i sofort nach dein ülberrasdienden Uebarfaill wieder die Autos bestiegen und sind davongefahren. Das Organ der Danziger Nationalsozialisten, „Der Vorposten", hat auf seiner ersten Seite in Rie&enlettern dde Parole: „Kauft nicht bei Juden und Polenl" ausgegeben. In einem nachfolgenden Artikel werden die Juden als Freunde der Polen hingestellt. Dann heißt es, die Lage der deutschen Kaufleute Danzigs versdilechtere sich, weil die Deutschen jüdische Geschäfte aufsuchen. Die gesamte Danziger deutsche Bevölkerung wird aufgefordert, die jüdischen Geschäfte ziu meiden. Der Artikel schließt: „Alle, die in der Zukunft bei Juden oder Polen kaufen, werden nicht mehr das Recht haben, sich freie Danziger oder Deutsche ziu nennen; jeder, der bei einem Juden oder einem Polen kauft, ist edin Verräter am seine an Volke!" '' ' ' ■ Schimpffreiheit für Antisemiten. Berlin, 24. Mai. Die Strafkammer I des Landes* gericht's. G 1 e i w i t z hat den nationalsozialistischen Führer.Max Filius ch, der erklärt hatte: „Rathenau, der Verr äter, war auch ein Ju d e", mit der folgenden Be« gründung freigesprochen:' „Der Ausdruck „Ver<* räter" enthält keine Beschimpfung des früheren Reichs» ministers. Rathenau. Der Angeklagte hat die Tatsache behauptet, daß Rathenau Verrat geübt hat. Zu dieser Auf« fassungist er, wie er unwiderlegt angibt, gekommen durch das Kapitel „Walter Rathenau" in Alfred Rosen« bergs Buch „30 Novemberköpfe". Es konnte nicht fest« gestellt werden, daß er seine Behauptung wider besseres Wissen : aufgestellt hat. Eine, Verleumdung liegt somit nicht vor. Soweit Beschimpfung in Frage kommt, konnte die Behauptung des Angeklagten nicht widerlegt werden, daß/ er nur die vorministerielle, nicht aber auch die ministerielle Tätigkeit Rathenaus als Verrat bezeichnet habe. Wilkes Immunität nicht aufgehoben. ' Berlin, 24. Mai. Der Preußische Landtag lehnte den Autrag der Deutschen St a a t s p a r t e i ab, die Immunität des sozialdemok ra t i s eben Abg. W ilk'e Aufzuheben. Wilke, der auch Stadtverordnetenvorsteher' in Stettin ist, hatte bekanntlich den dortigen Kaufmann Hjrschf eld in einem öffentlichen Lokal ohne jeden Anlaß t ä t lieh a n g egriffen und mit Worten wie -,J ud enlü mmel", „voll gefressener Judenjunge" beleidigt. Gegen den Antrag der Staatspartei auf Aufhebung der Immunität stimmten mit den Sozia Id e m o k raten das Zentrum und die R e c h't s-p a r t e i e n. Das ist der Dank der Sozialdemokraten an ihre jüdischen Wähler. Eine neue jüdische Tageszeitung in polnischer :- - Sprache ''-■Seit Sonntag, den 17. Mai, erscheint in Warschau unter dem Namen „Nowe Slowo" (Neues Wort) eine neue'große jüdische Tageszeitung in polnischer Sprache. Chefredakteur der Zeitung ist der ehemalige Sejmdeputierte A; Insler, dem Redaktionsstab gehören außerd/em J, Davidsohn, A. Goldberg, Abg. J. Grünbaujn und Dir. M. Schipper an. „Nowe Slowo" ist die fünfte j ü <1 \ 's c h e. T a g e s z e i t u n g in polnischer Spraohe. Bisher erschienen an Lemberg und Krakau je eine und in Warschau zwei jüdische Tageszeitungen in polnischer Spraohe.... AUS PAUKSTINA. Wirtschaftsleben in Palästina Der amerikanische Zionastenführer und Initiator der palästinensischen ' PifJ&naun^geseüsehiaft, Gan Chajim,';Israel Matz, der sich auf der Rückreise von Paijl&tiina mach Amerika vorübergehend in 'Berlin aufhält, äußerte sich in einem Gespräch mit dem J. A. A.- Ver^fet^r wibec die der zeitige ökonomische Lage und die wirtschaftlichen Eniwackiluaiigsauäsiditen in Palästina. . Pie ,Qkqno (mische La 3e Pal äs tänae, erklärte Israel Matz, ist heute -unigeachtet der uingfusustigen^ politischen Verhältnisse eine weitaus bessere als zur Zeit njei©«« vonletzten Besuches in Palästina vor vier Jahren». Damals gab es dn Tel-Awiw allein 7000 Arbeitsloseia/olge der plötzlichen Einsteilumg der einige Zeit v<R&er' l^örmenien forcierten B^bewe^ung. Heute' backen die Juden Palästinas zuverBiditdieh' in die Zu-' kuijft und sind der Ueberzeugung. daß ohne Rückficht auf die politischen Scowierägküten der wdr^chaiftiidic Stflndise unentgeltliche Stellenvermittlung Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art u. aller Branchen benötigt, wende sich an „Hakoah", I«, Wietingeritr. n, Tal. R-2S-0-10 Aufbau in verstärktem Maße vor sich gehen muß. Der Pal ästin a-Itmpor t ist von 7,166.593 Pfund im Jahre 1929 auf 6,985.758 Pfund im Jahre 1930 gesunken, während der Export in denselben Zeit von 1,554.262 auf 1,896.105 Pfaind gestiegen ist. Die Orangen ernte betrug 1929 1,722.000, 1930 bereits 2,857.000 Kisten. Ein Fachmann wie Blieser Jaffe rechnet damit, dal? die Orangenproduiktion im Jahre 1935 bereits a/uf etwa zehn Millionen Kisten angewachsen sein wird, und dies dürfte, normale Entwidcl/ung vorausgesetzt, wenn nicht im Jaihre 1935, so doch etwa im Jahre 1938 zweifellos der Fall sein. Die Orangenprodu'ktion ist üiberhaiupt der wichtigste und entwicklungsfähigste Produktionszweig Palästinas. Schon heute entfallen etwa 60% des Palästinaexports a u f O r a in g e n. Die angelegten Citnuskulturen umfaßten 1930 110.000 Dunami, davon waren 30.000 Danam fruchttragend, der Rest wird in drei bis vier Jahren ebenfalls frudittragend sein. Das Bodenausmaß für solche Kulturen kann nach dem Urteil vom Fachleuten auf 500.000 Dunam und damit die Produktion von Citnisfr lichten auf 40 Millionen Kisten gesteigert werden, eine Produktion, die unter Zugrundelegung der-heutigen Preise einen Wert von etwa 18 Millionen Pfund repräsentieren würde. Die Rentabilität der Orangenplantagen ist sehr hoch. Während bei gemischter Landwiirtschaift eine Familie zur Bestreitung des Lebensunterhalts etwa 100 Dunam braucht, reichen bei Orangenkuiltur etwa zehn Dun am hierzu aus. Erfreulicherweise wendet sich die Privatinitiative diesem Prc^aiktiooszrweig schon heute in hohem Maße au. Wie mir der Leiter der Baraky-Bank t in Tel-Awiw mitteilte, w.urden im Jahre ,1930 84.000,1 Dunam Oranigenboden von > Juden gekauft umd große Beträge zwecks weiterer Bodenkäufe bei günstigen Gelegenheiten deponiert. Neben der Ausdehnung des Orangen/baues dst die Förderumig der Industrie von basond erer Bedeutung. Voraussetzung hiertfüir ist die Bde&ung des Hypothekarkredits. Der Wert des Immobiliarbesitzes in Tel-Awiw betrug vor zwei Jaihren sechs Millionen Pfund und war bloß mit 679.000 Pfu4d, t^'W6i*fip% seines Wertes, hypoKheikariisch belastet. Durch intensivere Tätigkeit der Hypothekenbanken könnten somit noch große Kapitalien für industrielle Zwecke Mssig'gemacht werden. •Die Aib eit slbsigkeit in Palästina ist unbedeutend. In Jerusalem geht eine lebhafteBautätigkeit vor sich. Infoilige der Tätigkeit kooperativeir Ahsatzgenossenschaiften auf dem Gefciete der Lebensmittelversorgung sind die Verkaufspreise der Lebensmittel im Detailhandelohne r. Schädigung der Produzenten bedeutend gesunken. Während noch vor vier Jahren 80% des Leberismitt elbedarf es von Tel-Awiw bei arabischen Händlern gedeckt ,werden mußten, liefert heute die kooperative Absatzigenossensebaft jüdis'cher Land-wiTte, „Tmuwah", die dm Jahre 1930 einen Umsatz von 154.300 Pfund erzielte, Milch, Kä-se, Butter, Honig und Fnüchtc in hygienischer Oriiginalverpackunig zu mäßigen Preisen. PalHstina-Ein- und -Auswanderung im März Im Monat März 1931 sind 916- Pensonen, darunter 832 Juden, nach Palästina eingewandert und 110 Personen, da.mnter 13 J/uden, aus Palästina augewandert. 146.959 Pfund Defizit im palästinensischen Regie" rungshaushali Jerusalem, 23. Mai. Wie die Pälästina»Regierung offiziell mftteilt, haben die Ausgaben der Regierung im Jahre 1930 die Einnahmen um 146.959 Pfund überstiegen. Tschernichowski in Palästina- Jerusalem, 20. Mai. Der hebräische Dichter Saul Tschernichowski, der mehrere Jahre in Berlin ge* lebt hat, ist zu dauerndem Aufenthalt in Palästina ein« getroffen. Die Zukunft des Gesundheitswesens. Die aus Vertretern der Jewish Agency, des Waad Lcumi und der Hadassah bestehende Kommission hat folgende Vorschläge wegen der Reorganisierung des' Gesundheitswesens vorgelegt: Munizipalisierung der Krankenhäuser in Tel*Awiw und Tiberias gemeinsame finanzielle Verantwortung der Knesseth Israel und der Hadassah für die Budgets der Hadassah und der Kupath Cholim (Arbeiter*Krankenkassa) ab i. Oktober 1931, Anerkennung des aus Vertretern des Waad Leumi, der Jewish Agency und der Hadassah bestehenden Waad Briuth als Aufsichtsorgan und Ueber« nähme des Gesundheitssekretariats der Jewish Agency durch den Waad Leumi. Diese Vorschläge sind von der Jewish Agency und der Assefath Haniwcharim an» genommen worden, und werden nach eingeholter Zustimmung der Hadassah ausgeführt werden. Nachdem das bisherige HadassahssKrankenhaus in TeUAwiw ins Eigen* tum der Stadt überführt wurde, ist jetzt der aus Vertretern der Stadt, der Regierung und der Hadassah bestehende Waad mit der Durchführung der Reorganisa* tion des Hospitals im Rahmen des Budgets beschäftigt. Wegen des Krankenhauses in Tiberias legte die Jewish Agency der Regierung auf deren Wunsch die Be* dingungen vor, unter denen eine Uebergabe an die Stadt Tiberias und die Regierung erfolgen könnte. Aus finanziellen Gründen wurde das Krankenhaus geschlossen und wird erst nach erfolgter Verständigung mit der Regierung wieder eröffnet, werden. Heuschreckenplage in Palästina Jerusalem, 2(2. Mai. Die Ileusdireckenpilaige,. von der bisher bloß Trainsjo.rdaim0h- und die i südlichsten Teile Palästinas heimgesucht "wurden, ©reift rwwmehr auch aiuf andere Teile des Landes über. Ein großer Teil der Felder von Daganjaih ist mit Heuschrecken-' schwärtmen bedeckt. In Damaskus wurde eine Zentra/1- 6teUe zur Bekärapifaiinig der Heuschrecken in Syrien, Palästina, Trans Jordanien, Aegypten un<l der Türkei errichtet. Wochen-Kalender Mai 1931 >VD «"nn Siwan 5691 29 Freitag Sabbateingang 7.40 30 Samstäg 14--P Sabbatausgang 8.34 •mW* nvn w Sl - Sonntag lS-ra; ';';t 1 Juni Montag ie-np l Dienstag r ' Mittwoch »TP .'. . . ' 1 4 Donnerstag »-* Wahlaufruf der Misrachi-Liste. Bei der Kongreßwahl am 3. Juni wird es in die Hand der Zionisten Oesterreichs gegeben sein, Einfluß zu nehmen auf die künftige Politik der. Zionistischen Or* ganisation. Jeder Zionist möge daher seine Stellungnahme ~'\ zu diesem bedeutungsvollen und entscheidenden Kongreß genau und gewissenhaft erwägen. Die < österreichische «ia Mf.srachifOrgahisation kandidiert zum 17, Zio* nisten*Kbngreß" vollkommen selbständig und geht ohne jede Bindung in den Wahlkampf. Der Misrachi strebt an, die Errichtung einer u n< abhängigen, nationalen, jüdischen Heimstätte in Erez Israel auf der Basis der Thora und der jüdischen Tradition. Das grandiose, mustergültige Schulwerk, das sich in einem Netz über ganz Er^z Israel ausbreitet, die rituellen Institutionen, die religiösen Kolonien des Misrachi und des Hapoel Hamisraclu sind Monumente misrachistischer Aufbauarbeit. Unsere Delegierten werden auf dem 17. Zionisten« kopgreß in Basel eintreten: für die Hochhaltung und Verteidigung des zionisti« sehen Endzieles, gegen, die Verkleinerung und Ver« Wässerung des zionistischen Programms, für die energische und zielbewußte Vertretung unserer Inter* essen, gegen eine nachgiebige Politik 4er zionistischen Leitung, für die Wahrung und Hophhaltung der jüdischen Tradition auf allen Gebieten der zionisti« sehen Aufbauarbeit, gegen die Verkennung der volkserhaltenden Kraft un« serer Religion und die Verletzung der jüdischen Tra« dition beim Aufbau Erez Israels. Wer vollen Zionismus will, wer die Erfüllung un« serer alten Sehnsucht, „das jüdische Land dem jüdischen Volk im Geiste der Thora" anstrebt, der gebe seine Stimme am 3. Juni der MisrachisListe. Listenführer: Rabbiner Salomon Friedmann. Misrachi*Lan* desverband für Oesterreich, Rabb. Salomen Friedmann, Dr. Samuel Rappaport, Viktor Bauminger. Polen will den jüdischen Standpunkt in der Kalenderreformfrage unterstützen. Warschan, 24. Mai (J. T. A.) Der stellvertretende polnisdie Außenminister Oberst Beck empfing die agudistischen Sejandeputderten iRabbi Lewin und Wyiszlicki sowie Senator Mendelsohn, die ihm ein Memorandum übereachten, in welchem die polnische Regienumg gebeten wird, vor dem Forum des Vc^eribnindes den jüdischen Standpunkt in der ££ra6e der Kalenderreform zu unterstützen. Die jtiiiischen Repräsentanten erklärten, die polnische Regierung dürfe nicht gleichgültig zusehen, wie die Religion von Millionen der Landesbevölkenung durch die Zerstörung der Stabilität des Sabbats bedroht werde. Vizeminister Beck erklärte, die pxjilndsche Regierung werde in Genf die ireiliigiösen. iu<nj(I wirtschaftlichen Interessen der jüdiischen Bev^eriujag- Polens ver-. treten. Das früheste Vorkommen von Juden auf deutschem Boden. Der als philosophischer Schriftsteller und historischer Forscher bekannte Oberrabbiner Dr, Adolf Altmann (Trier) hielt auf Einladung der QeseUschaft für nützliche Forschungen in Trier einen Vortrag über das früheste Vorkommen von Juden auf deutschem Boden. Auf Grund streng wissenschaftlichen QuellenmateriaU k ^L.

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