Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 192 (22.5.1931)
- Date
- 1931-05-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 pm NEU? WELT Nr. m wurden. Auch die Reparatur der Chaussee Tiberias— [jüdischen Arbeit Zemach wurde trotz der Beteiligung der Stadt Tiberiaa 1 **" ü—:— nichtjüdischeu Unternehmern übergeben. Die Delegation verlangte: 1. daß ein angemessene* Teil der Regierungsarbeiten j ü d i e c Ji.e n A tb eitern auf der Basis von Akkordarbeit übergeben wird; 2. daß der Bau der Chaussee Haifa—Akko in Angriff genommen wird, und daß man eich bemühen soll, die Pflasterung der Chausseen Mes'cha—Jawneel und Ganegar—Nahalal auszuführen,' die schön teilweise von der Regierung bestätigt sind; 3. daß der Distrikts- Gouverneur die notwendigen Schritte für die Beschäftigung einer angemessenen Zahl jüddseiher Arbeiter beim Hafenbau tut. Noch immer keine Sühne für das Verbrechen von Yadjur. Jerusalem, 14. Mai. Das Organ der palästinensi* sehen Arbeiterschaft „Dawar" erklärt anläßlich der „Schloschim", des »Ablaufes der 30tägigen Trauer für die bei dem Ueberfall in der Nähe von Haifa getöteten drei er aus der Siedlung Yadjur, „der Eifer der Regierung scheine sich zu verflüchtigen, wenn es sich um * die Sühne für die Vernichtung jüdischen Lebens handle". Die Regierung trage die Verantwortung für* die Unschuldigen Opfer und dafür, daß das Verbrechen 'vbn: Yadjur bisher ungesühttt blieb. Die Kolöniescheuer von Nathania abgebrannt Jerusalem, 14. Mai. (J. T. A.) Die Scheuer der. zu Ehren des, verstorbenen Nathan Straüss „Nathania" be* nannten Kolonie im Gebiete Vadi Havarith ist mit der gesamten diesjährigen Getreideernte der Kolonie' abgebrannt. Es besteht der Verdacht, daß Araber den Brand, der vier Stunden lang wütete, ge* legt haben. Der Schaden ist außerordentlich groß. In den benachbarten jüdischen Kolonien hielt man den Brand zunächst für eiri anläßlich Lag b'Omcr entzün* detes Freudenfeuer. Auch der Scheik von Vadi Havarith erklärte bei seiner Vernehmüng, er habe, als er die Flammen aufsteigen sah, geglaubt, daß die Juden ihren Feiertag durch Entzünden eines Freudenfeuers begehen. lieber die Disposition der jüdischen Rasse zu verschiedenen Krankheiten Von D*» Kessler, Assistent des Wiene* Allgemeinen Krankenhauses» Unter Disposition zu einer Erkrankung versteht man, die Neigung oder, besser gesagt, die Bereitschaft eines Lebewesens, in einen bestimmten krankhaften Zustand zu verfallen. Die Disposition kann angeboren oder erworben, dauernd oder vorübergehend, erblich oder familiär sein. Wie es nun eine Disposition eines einzelnen Lebe* wesens zu einer oder mehreren Krankheiten gibt, so ver* steht man unter R a s s e n d i s p o's i t i o n eine bei allen Angehörigen eines Volkstammes anzutreffende Bereit« schaft zu einer oder mehreren Erkrankungen. Wir wollen hier im Zusammenhang einige Krank* hejten besprechen, zu denen die jüdische Rasse in einem gewissen dispositionellen Verhältnis steht, eine Frage, die wohl schon verschiedentlich erörtert worden ist, wobei aber nicht selten ein Mangel an Objektivität, zuweilen sogar eine gewisse Tendenz zu erkennen war. Eine der Erkrankungen, zu denen das jüdische Volk zweifellos disponiert ist, ist die Zuckerkrankheit i(Diabetes). Die Zahl der Erkrankungen an diesem Leiden, das in den letzten Jahren an Häufigkeit zugenommen hat, und auch die Zahl der Todesfälle sind unter den Juden verhältnismäßig hoch. Ueber die Ursachen dieser Befunde t können wir keine sicheren Angaben machen. Es ist mög* lieh, daß neben Rasseeigentümlichkeiten auch vielleicht äußere Lebensbedingungen eine gewisse Rolle spielen, . denn es findet sich der Diabetes — auch bei der nicht* jüdischen Bevölkerung — ungleich häufiger in den wohl* habenden Kreisen als bei der ärmeren Bevölkerung. Daß auch Volkseigentümlichkeiten eine Rolle spielen müssen, dafür spricht ü. a. der Umstand, daß bei anderen semiti* sehen Völkern; z. B. bei den Arabern, die Zuckerkrankheit ' viel seltener ist. Die Disposition der Juden zum Diabetes ist weiten-Kreisen; der jüdischen Bevölkerung wohlbe* kannt und hat sogar unter den Juden, besonders unter denen in etwas vorgerückterem Alter, zu einer gewissen, meist übertriebenen Angst geführt, von diesem Leiden be* fallen zu werden. 1 . Die Fettsucht wird, häufig, familienweise und als vererbtes Leiden angetroffen. Als Ursache des Leidens kann man oft eine schlechte Funktion der Schilddrüs an* nehmen, wengleich auch dieses Moment oft nur in den späteren Jahren der Krankheit mit Sicherheit festgestellt werde/n kann. Eine solche Minderleistung der Schilddrüse wird auch.bei der unter den Juden und speziell unter den jüdischen/Frauen nicht seltenen Fettsucht angenommen. Die Vermutung, daß . die jüdische Rasse zum K r e b, s hesondere Disposition zeigt, ist unbewiesen und, wie ioh glaube,, sicherlich unrichtig. Wohl aber besteht eine Disposition der jüdischen Frauen zu der meist gut» artigen Geschwulst der Gebärmutter, dem Uterus* m yom. Von dieser Krankheit muß vor allem bemerkt worden, daß sie in großer Anzahl familiär und erblich vorkommt. Es ist mir eine Familie bekannt, in welcher die Mutter und ihre drei Töchter an dieser Erkrankung gelitten haben und auch operiert wurden. Nach einer vor einiger Zeit veröffentlichten Statistik,. der ein großes . Krankenmaterial zugrunde lag, betrug der Anteil der myomkranken Jüdinnen 19% der an Myom leidenden Frauen, während der Anteil der an Gebärmutterkrebs erkrankten Jüdinnen nur 0,75% der Gesamtpatientinnen betrug. Ich will hier noch hinzufügen, daß das Gebär* rauttermyom nicht selten mit der Zuckerkrankheit und mit der Fettsucht kombiniert ist, zu welchen Erkran* kungen wir die Disposition der jüdischen'Raise bereits kennengelernt haben. Die Prostatahypertrophie' ist eipe Er« krankung der männlichen Vorsteherdrüse, die für den Zeugungsakt und wohl auch als innersekretorisches Organ eine Rolle spielt. Die Hypertrophie der Prostata, d. h. das G^ößerwerden der Drüse durch krankhafte Vermehrung ihj-es Gewebes, gibt zu yerschiedeoM...6e.schwerden An* laß. Die Krankheit ist eine ausgesprochene Alters* erscheinung, sie kommt vor dem 55. Lebensjahr kaum vor und tritt nach dem 75.~. Lebensjahre nicht mehr auf. Daß Mjtoner jüdischer Rasse von dieser Erkrankung und deren Folgen verhältnismäßig häufiger befallen werden, ist sicher. Die Ursache hiefür, über die wir nichts Bestimm* ttes wissen, dürfte mit ' könstitutionelen Momenten im Zusammenhang stehen. Es wurde gelegentlich die Be* hauptung aufgestellt, daß der hohe Blutdruck mit seinen Folgeerscheinungen (Schlaganfall usw.) unter den Juden mehr verbreitet ist als in der nicht jüdischen Bevölkerung. Dies trifft, wie ich mich an Hand eines großen Materials überzeugt habe, für W i e n nicht zu. Hier möchte ich auch die mir mündlich gegebene Mitteilung eines bei der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft in hervorragender Stellung tätigen Arztes ermähnen, nach dessen Erfahrung dieses Institut in den von Juden stark bevölkerten Be* zirken Wiens( 2., 20. Bezirk) wegen Schlaganfällen be* deutend seltener zu intervenieren hat als anderswo. Die Disposition zu Hämorrhoiden wird oft ver* erbt. Die jüdische Rasse Scheint zu dieser Krankheit zu disponieren. Die Ursache dürfte in der häufig sitzenden Lebensweise und in religiösen Momenten, zu suchen sein. (Unbedingt, wenn auch unter sehr starkem Pressen er*, zwungene Stuhlentleerung vor dem gemeinsamen Früh* gebet bei religiösen, Juden. ~ 'Wen» ...diese,, Gepflogenheit von Generationen frömmer,^ ^eübt"#urde, dann neigen auch die späteren, diesen Brauch nicht mehr üben* den Geschlechter in hohem Grätf zu üipde? «Erkrankung.) Was nun die L u n g e n t u b e r k u 1 o s e anlangt, so kann man bei dieser Krankheit deutliche passen* dispositiqnelle Momente .'herausfinden. Die semitischen. Völker (Juden, Araber, Kabylen) sind für die Lungen* tuberkulöse weniger empfindlich. Systematische' Unter* suchungen der Proletarierbevölkerung New Yorks haben eine auffallend geringere Häufigkeit unter der jüdischen Bevölkerung deutlich ergeben, obwohl die äußeren Lebens* bedingungen, unter denen die arme jüdische Bevölkerung in den-großen. Judenvierteln New Yorks lebt, auf keinen' Fall besser, genannt werden können als die' der nicht* jüdischen Proletarierbevölkerung. Es mag hier noch be* merkt werden, daß verschiedene Negerstämme trotz ihres großen, kräftigen Körperbaues eine ausgesprochene Dis* Position zur Lungentuberkulose zeigen. Einö von dem amerikanischen Forscher Leo B ü r* ger zu Beginn dieses Jahrhunderts beschriebene Krank* heit äußert sich folgendermaßen: Der Kranke bekommt Schmerzen in den Fingern oder viel häufiger noch in den Zehen, hat dort das Gefühl des Kribbeiris und der Taub» heit; zeitweise stellt sich eine Erschwerung des Gehver* mögehs ein, so daß der Kranke zeitweise hinkt, der Teil des befallenen Fingers oder der Zehe beginnt sich bläu* lichrot zu verfärben, der Puls ist in dem erkrankten Glied . nur sehr schwach oder überhaupt nicht zu fühlen, die Haut in dem befallenen Gebiet zeigt Zeichen der Er* nährungsstörürig und schließlich beginnen die befallenen Zehen oder Finger zu faulen und, falls sie nicht schon früher operativ entfernt werden, sich abzustoßen. Die Ursache dieser Erkrankung liegt in einer (entzündlichen) Wucherung der Innenwand der kleinen Blutgefäße, die schließlich ganz undurchgängig werden, wodurch die Er* nährungsstörung und das zum Schlüsse auftretende Zu* grundegehen der befallenen Teile erklärt ist. Diese Er* krankung, die auch Bürgersche Krankheit genannt wird, befällt hauptsächlich Männer im Alter von 2.0 bis 40 Jahren und ist bei Frauen" sehr selten. Verschiedene ameri* kanische Autoren behaupten, daß den Hauptanteü zu dieser Erkrankung die nach Amerika eingewanderten russischen und polnischen Juden der ärmeren Stfinflse unentgeltliche Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art u. aller Branchen benötigt, wende sich an „Haköah", t,r WlMlWWtjY 11, Tel. H«aa»CMO Die Bilanz der Oesterreichlichen Postsparkasse für 1930 Das Kuratorium der Oesterreichischen Postsparkasse bat in einer Sitzung vom 12. Mai d. J. die Bilanz für das Jahr 1930 »genehmigt. Das Gewinn- und Verlustkonto ergibt einen Einnahmeüberschuß von rund l3/* Millionen Schilling. Mehr als l1/» Millionen Schilling des Gewinnes werden zu Reservierungen verwendet, der Rest ist als Gewinn ausgewiesen und wird auf neue Rechnung vorgetragen. Im Geschäftsbericht ist erwähnt, daß sich die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse des Jahres 1930 in den wichtigsten Geschäftszweigen der Postsparkasse, im Scheckverkehr und im Sparverkehr, nicht fühlbar gemacht haben. Die Zahl der Gebarungen und die Umsätze sind in beiden Geschäftszweigen gestiegen. Die Spareinlagen haben um 17,6 Millionen Schilling zugenommen, mehr als doppelt soviel als die Steigerung -von 1928 auf 1929 betrug. Die Liquidierung der sogeUannten alten Gebarung des ehemaligen Postsparkassenamtes kann mit Ausnahme eines Engagements als abgeschlossen betrachtet werden. E / Ii Klassen liefern. Bürger selbst fand unter den 500 von ihm beobachteten Fällen nur 4 Nichtjuden (!!). Die so starke Verbreitung dieser Krankheit unter den Juden hat sogar zu der von den amerikanischen Forschern gebrauchten Bezeichnung „Jewish disease" (jüdische Krankheit) ge* führt. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die Krank« heit nicht auch bei andersrassigen Völkern vorkommt. Sie ist z. B. bei den Japanern nicht selten. Die Disposition der jüdischen Rasse jedoch ist nach Angabe der amerika* nischen Autoren ganz, in die Augen springend. Die familiäre Idiotie mit Blindheit (fami* liäre amaurotische Idiotie) ist eine besondere Form der Idiotie, die durch ihr ausgesprochen familiäres Vorkommen gekennzeichnet ist. Dabei entsteht durch eine fortschrei« tende Erkrankung verschiedener Teile des Sehapparates eine vollständige oder fast vollständige Erblindung und Schwäche der Körpermuskulatur. Die ersten Fälle dieser Krankheit sind schon 1881 in Lohdon und 1887 in New York beschrieben worden. Die Kinder, die von der Krank* . heit befallen werden, haben einen abirrenden Blick, können nicht fixieren, wodurch sich die fortschreitende Erblindung äußert. Durch die zunehmende Schwäche der Muskulatur kommt es auch zu ausgesprochenen Lähmungen, im 2. oder 3. Lebensjahr tritt 'der Tod 'ein: Diesen'-'bösartig' ver* laufenden Fällen stehen auch gutartig verlaufende gegenüber, wobei psychische Veränderungen (Abnahme des Intellekts) während der zweiten Zahnung bis zum zehnten Lebensjahre auftreten und die ganze Erkrankung mit ganz allmählicher Erblindung sich über Jahre und Jahrzehnte erstrecken kann. — Schon den älteren Autoren war es aufgefallen, daß diese Krankheit familiär und vorwiegend in j ü d i s c h e n Kreisen vorkam. Nach einer bekannten Feststellung aus dem Jahre 1904 kamen auf 86 Fälle ßl Juden. Im Jahre 1926 berichtete ein bekannter Autor .über eine Familie russischer Juden, wo unter acht Kin* dem zwei im ersten Lebensjahre starben, zwei im Alter yon 15 bzw. 18 Jahren und vier an der amaurotischen Idiotie litten. Die besondere Veranlagung der osteuropäi* sehen Juden zu dieser Krankheit wird mit der überhaupt höheren'Neigung zu Nervenleiden erklärt, wobei es nicht ausgeschlossen erscheint, daß auch schlechte so« zi'ale''Verhältnisse'eine gewisse Rolle spielen.!' Daß der Alkoholiismus in der jüdischen Be* volkerung viel seltener ist als bei den Nichtjuden, ist hin* länglich bekannt und statistisch nachgewiesen. Diesem Befund" entspricht auch das viel seltenere Auftreten der Folgekrankheiten des chronischen Alkoholmißbrauches bei den Juden, der Leberverhärtung (Cirrhose) und der alkoholischen Geistesstörungen (Delirium tremens). «Die Statistiken lehren, daß trotz der Neigung der jüdischen Rasse au verschiedenen Leiden die St erb* 1 i c h k e i t unter den Juden geringer, oder mit anderen Worten, daß die durchschnittliche Lebensdauer höher ist. Auffallend und so ziemlich allgemein bekannt ist die wesentlich geringere Säuglings* und Kindersterblichkeit, Es ist wenig wahrscheinlich, daß letztere Erscheinung auf irgend welche Rassenmomente zurückzuführen ist, vielmehr muß man annehmen, daß die Ursache hiefür in der größeren Aufmerksamkeit und Pflege zu suchen ist, die die jüdische Mutter ihren Kindern angedeihen läßt. In der sprichwörtlichen Innigkeit ihres Familien* lebens ist es " gelegen, daß unter den Juden auch die ärmsten nicht nur für ihre eigene, sondern auch für die Gesundheit ihrer Familienangehörigen sorgen. Wie oft sehen wir in unseren Kliniken und Spitälern judische Pa* tiehten, die nahezu ohne alle Mittel aus den osteuropäi* sehen Ländern den Weg zu uns gefunden haben, manch* mal sogar mit Weib und Kind, um hier ihre Gesundheit wiederzuerlangen. Mittellose Nichtjuden sehen wi?. nie* pals. 'Das innige Familienleben, der mäßige Älkotiolgenuß, das genaue Befolgen der ärztlichen Anordnungen, im Er* kränkun'gsfaJJe die große Sorgfalt bei der Ernährung der Säuglinge,all das sihd Momnte, die in nicht zu unter* schätze'ndym 'M'älje , aie?kra,nkh'eits* und Sterblichkeits* Verhältnisse bei den Juden zu beeinflussen imstande sind.