Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 190 (8.5.1931)
- Date
- 1931-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Titl. Universitätsbibliothek Wien, 1. Preis 35 Groschen Jafirgang S Freitag, den Mal Iflf Hw* 190 V.b.b. RMB ü flf ■ ■ ■■I BEZUOSBEDINQUNQEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20, ganzlflhrigS16.—; Pole« monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty8.—; MM ■ ■ m Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich mm ■■ ■ ■ mWB V*1 40;~' vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1—, vierteljahrig Mark 3.-: Bnlcarlen monatlich Lewa 40.-, vierteliÄrle ■^Z Wm ■■^ Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-, vierteljahrig'Lire 14.-; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1 .TO, viertel WmM W» ^HPT 8HB ifihriS Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u.Verwaltang: Wien IX, UniversitStsstr.6-8, Tel. B-48-504 - Erscheint Jeden Freitag 6 HAFERL-HOSEN Bauernjanker, Windjacken, Sporthemden Pb*#% n f uivTi111% S^eRBiiLic$A5K l'WI PPLIN GE R ST R Ein neues Manöver? Kongreß abermals verschoben. j Ein Baseler Freund unseres Blattes sendet uns eine Zuschrift, der wir hiemit Raum geben. Sie laute!: „Gestern, den 5. Mai, wurde mir hier das Gerücht mitgeteilt, daß der Kongreß noch einmal verschoben würde. Ich habe mich daraufhin sofort mit der Direktion der Schweizerischen Mustermesse in Basel, wo bekanntlich der Kongreß stattfinden soll, in Verbindung gesetzt. Auf meine deutliche Anfrage erhielt ich den Bescheid, der Termin sei noch nicht ganz bestimmt festgesetzt, eine Verschiebung liege im Rahmen der Möglichkeit. Die Verschleppungspolitik wird also von der Exekutive fortgesetzt. Die Wahlen sollen ordnungsgemäß durchgeführt werden und von deren Ausgang soll es abhängen, ob eine Schiebung nötig ist." Es bleibt abzuwarten, wie sich das Kongreßbürö dazu ^.verhalten wird. , ' .. V'*"*,-- " .....V..J........ " ' ' Die llebersdhwentniungikafaifrophe in Osfpolenu Furchtbare jüdische Not. Ueber die entsetzliche jüdische Not infolge der Überschwemmungskatastrophe erhalten wir nachstehende erschütternde Meldungen: Warschau. Die katastrophalen Ueber« schwemmungen, von denen Ostpolen mit Wilna betroffen worden ist, haben die Not unter der jüdischen Bevölkerung dieses Gebietes ins Ungeheure gesteigert. In Wilna und in mehreren meist von Juden bewohnten Städten und Städtchen der Umgebung wurden mehrere hundert von jüdischen Familien bewohnte Häuser und zahlreiche von Juden betriebene Gewerbe- und Industrieanlagen, darunter große Gerbereien, die zahlreiche jüdische Arbeiter beschäftigen, überschwemmt und zum großen Teil vernichtet. Die meisten der betroffenen Familien konnten nur das nackte Leben retten. Die Not ist unbeschreiblich groß. Die Lage der jüdischen Opfer der Ueberschwemmung ist-schlimmer als die der christlichen, da die öffentlichen Hilfsaktionen, die Regierung und Gesellschaft Polens für die Opfer durchführen, den Juden fast gar nicht zugute kommen. . Typhusepidemie und Todesopfer. Wilna. Infolge der Hochwässerkatastrophe ist in Wilna eine' T yphüsepidemie ausgebrochen. Zur Bekämpfung der weiteren Ausbreitung der Epidemie haben, die Behörden die Schließung und Siegelung der Brunnen in den äußeren Stadtbezirken angeordnet. Die Bevölkerung würde vor dem Genuß-ungekochten Wassers gewarnt. Die Hochwassergefahr im Bezirk Grodno ist fortdauernd! ernst. Wie „Nasz Przeglad" meldet, wurde in WUna unter dem Vorsitze des Wpjwqden ein Hilfskomitee gegründet, unter dessen?Q Mitgliedern sich bloß zwei Juden befinden. In den jüdischen Kreisen Wilnas herrscht tiefe Verstimmung darüber, daß die jüdischen Organisationen und die jüdische Gemeinde nicht eingeladen wurden, Vertreter in dieses Hilfskomitee zu entsenden, obwohl die jüdische Bevölkerung von der Hochwasserkata'strophe amstärksten betroffen wurde. Aus dem Städtchen Danilowicz wird das erste Todesopfer .der: Katastrpphe gemeldet Frau Rifka Rifkowska.wnr.de bei dem Versuch, eine'von den Fluten überschwemmte Straße zu'überschreiten, fortgespült und ist ertrunken. .. . Hilfe durch den Joint. .Warschau. Das American Joint Distribution Committee hat eine Summe von 3000 Dollar für sofortige Hilfe zur Verfügung gestellt. Der Leiter des Büros des Joint1 Distribution Committee in-Warschau, Herr Giterra an h,-hat, sich nach Wilna begeben, um den Umfang der Katastrophe und die unter deji betroffeneu jüdischen Familien eingetretene Notlage festzustellen. Amerikanische Aktion. sehen Bevölkerung von Wilna einzuleiten. Ab. Cahan hat für Dienstag, den 28. April, eine Konferenz der Wilnaer Landsmannschaften zwecks Organisierung einer großzügigen Aktion einberufen. Der „Vorwärts" veröffentlicht einen Appell an die Judenheit Amerikas, sich geschlossen an dieser Hilfsaktion zu beteiligen. . Katastrophe auch in Lettland. Riga. Teile von Dünaburg und mehrere kleinere Orte sind unter Wasser gesetzt. Unter den Geschädigten befinden sich sehr viele jüdische Familien, die all ihr Hab und Gut verloren haben und obdachlos sind. Von den in Kreslawka überschwemmten 150 Häusern waren die meisten von armen jüdischen Familien bewohnt. Der jüdische Friedhof dieser Stadt ist vollkommen überflutet, so daß seit einigen Tagen Totenbestattungen nicht vorgenommen werden' können. Vortragstournee Robert Stricker. Der Führer des Verbandes demokratischer Zionisten und Herausgeber der „Neuen Welt", Oberbaurat Robert Stricker, hat sich auf eine Vortragstournee nach Este land, Lettland und Litauen begeben. Robert Stricker wird in Riga, Libau, Dorpat, Kownp und in anderen Städten der Randstaaten über die revisionistische Bewegung sprechen. + GUMMISTRUMPF (auch gummilos) SPEZIALIST Kniekappen Stück von 2.90. WadenstOcke von 7.80 < STRÜMPFE von 5.80. Gummisocken (Fesselformer) von 2.90. ARMGELENKMANSCHETTEN von 1.20. FACHANSTALT für BANDAGEN aller Art. Leih, binden von 7.50. SCHLÜPFER von 5.80. Busen* halter von 1.20. Gummileibbinden von -13.— BRUCHBAENDER mit und ohne FEDER von'3.50 Mieder. Monatsbinden, von t.32. Fußstützen'; i (PlattfuBelnlnsren) fertig oder nach Gipsabdruck. , Entfettunesleibblnden. ALLE Artikel zur Gesund* ' beits-. Kranken- und Kinderpflege. HEISSLUFTAPPARATE, elektr. Heizkissen von 8.40. Inhalatlonsaoparato von 5.40. Faradisations» Wir VQrlQlflGIt &0oarate. Soluxlamoen. HÖHENSONNEN. elektr. Kocher. Gummiwärmeflaschen von 2.60.- alle Krankpti- Zimmerklosette von 40.—. Bidets von 12.—. ..crvraiiKcn Luftkissen von 7.50. Thermometer 1.68, Pflegeapparate Bettkautschuk. 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Am folgenden Tage feierte die erste revisionistische Studentenverbindung Wiens „Unitas" im Alten-Herren-Treffen ihren berühmten ,";Ehrenburschen", den sie zum Alten Herrn ernannte. Den Höhepunkt der Jabotinsky-Woche stellte der Vortrag in den Sophiensälen dar. Auch hier war ein Massenzustrom zu verzeichnen. Jabotinsky setzte in einer großangelegten, sich architektonisch aufbauenden, dynamisch bewegten Rede die sozialen Probleme des Aufbaues auseinander und fügte dann im zweiten Teil der Rede eine politische Analyse des sogenannten Panislamismus an, um in beiden Fragen zu gewichtigen, die Zukunft des Ziof hismus umreißenden Schlüssen zu gelangen. So bot die Wiener Jabotinsky-Woche ein iBild zionistischen Aufstieges und der Hoffnung, indem den Wiener Zionisten klar wurde, daß die zionistische Weltbewegung zwangsläufig einer gesunden Umgestaltung zustrebt. . (Näheres im Innern des Blattes.) Wien, Anfang Mai; Der Aufenthalt des Führers .der Zionisten-Revisionisten Vladimir J & b'Mintf&yViii'- Wien, der Möntag,; den 2?. April, hier eintraf Und Montag, - den ' 4V.. Mai;: Wien verließ, um seine Tournee' fortzusetzen» hat auf den Wiener Zionismus aufrüttelnd gewirkt. Alle Kreise des Wiener Zionismus, ob Freund oder Gegner, nahmen lebhaftesten Anteil an der" Persönlichkeit Jabotinskys und seinen Ideen zur Rekonstruktion des Herzischen Zionismus. Nach der von uns bereits registrierten Konferenz mit der in- und ausländischen Presse und der Konstituierung des revisionistischen Studentenklubs trat Vladimir Jabotinsky im Großen Konzerthaussaal Mittwoch, den 29. April, vor die große Oeffentlichkeit. Der Vortrag „England, Araber und Juden" stand im Zeichen einer zionistischen Kundgebung, wie sie Wien seit Jahren nicht erlebt hat. Hunderte, die Jabotinsky hören wollten, konnten in das schon lange vor dem Vortragstermin ausverkaufte Haus keinen Einlaß finden. Man sah im Saal so ziemlich alles, was nur irgendwie am jüdischen Aufbauwerk in Palästina Anteil nimmt. Als Jabotinsky das Podium betrat, bereitete ihm das überfüllte Haus einen jubelnden Empfang. Der Vortrag dauerte beinahe drei Stunden. Donnerstag, den 30. April, nachmittags, entwickelte Jabotinsky im Rahmen einer internen Sitznng der Wiener revisionistischen Union, der auch Ver- Die zioiiisfisduenglisdie Verhandlungsgrofeske* Ein nicht überraschendes Debakel« derung der unbeschreiblichen Not der von dsc Ueberschwemmungskatastrophe betroffenen jüdi- Als der sogenannte erste Teil der Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der englischen Regie« rung abgeschlossen und der McDonaldsBrief veröffent* licht war, wurde von den Führern der Jewish Agency in die Welt hinausposaunt, daß die Verhandlungen fortge» setzt würden. Es werde ein konstruktiver Plan aufgestellt werden, der geeignet sei, große Perspektiven für die Inangriffnahme neuer jüdischer Kolonisation zu eröffnen. Man drückte die Hoffnung aus, daß jedenfalls in den wirtschaftlichen Fragen wie Landentwicklungsplan, Bodenzuweisung usw. sich für die Juden ein günstiger Abschluß ergeben wird. Weizraann erklärte in Palä« stina wörtlich: Die Bodenfrage wird zu unseren Gunsten gelöst werden. Die zionistische Oeffentlichkeit war, belehrt von den Ergebnissen des ersten Verhandlungsteils, weniger optimistisch. Zunächst behaupteten sich die > Gerüchte hartnäckig, es würden Verhandlungen mit der Jewish Agency überhaupt nicht stattfinden, Gerüchte, denen das Kolonialamt in London selbst Nahrung gabt Und als man dann erfuhr, daß die englischen Verhandlungspartner Vertreter des Kolonial am ts sein würden, daß gleichzeitig auch die Araber eingeladen seien, an den Ver« handlungen teilzunehmen, wußte man, wieviel es ge* schlagen hat. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« liehen, Notizen sind durch, eja beigefügtes £ bezeichnet, Von da ab ging ein Platzregen sich widersprechen* der Nachrichten nieder. Weizmann wollte in Aegypten, in Palästina, in Transjordanien mit den Arabern Fühlung nehmen, um sie für eine Round Table*Kpnferenz gefügig zu machen, angeblich im Einverständnis mit der britischen Regierung. Aus diesem schönen Vorsatz wurde nichts. Die Araber lehnten jede Fühlungnahme glatt ab. Ja, mehr noch. Eine Nachricht aus Jerusalem demaskiert das ganze Gaukelspiel der Verständigung. , Ittamar Ben A v i veröffentlichtim „Doar . Hayorh" unter dem Titel „J'accuse" eine.Serie von Artikeln, in deren erstem er der Palästina-Regierung den Vorwurf macht, Dr. Weizmann genötigt zu haben, von seiner geplanten Zusammenkunft mit Emir Abdul« Iah in Amman Abstand zu nehmen. Ben Avi zitiert in diesem Zusammenhang einen an Dr. Weizmann gerich« teten Brief des Chef Sekretärs der PalästinasRegierung , Young,, in dem erklärt wird, der Zeitpunkt für einen Besuch in Amman sei ungeeignet. Die Regierung könne auch weder jetzt noch später eine Verantwortung für Weizmanns persönliche Sicherheit in Transjordanien übernehmen. Weiters wird in dem Ar* tikel ausgeführt, auch aus anderen Tatsachen sei zu ersehen, daß der High Commissioner Sir John Chan« cellor den Weg zu jüdisch-arabischen Besprechungen verrammelt habe. Jetzt war vorauszusehen, daß eine arabische Dele«