Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 184 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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r Seite 12 DIE NEUE WELT Nr. 184 nobel aef bequeme Teiizahlongen Iis 1B MoDatsntn im Tischler- und Tapezierermöbelhaus Josef Dreikurs Wien, XX., Wallensteinplatz 3 und 4 Gegründet 1885 Tel. A-42-4-32 Großes Lager in einfachen Und modernen^ Schlaf- und Speisezimmern, Küchen- und V 01 Zimmereinrichtungen m RADIO in eleganter Kofferform tür Radio und Schallplatten, spielt Uberall ohne Antenne, ohne Erde so wie alle modernen Netzempfänger. Radio-Apparate mit Auslandempfang, Radio-Bestandteile. Kredit bis 20 Monate. 10°/n Anzahlung, 1% Kreditspesen pro Monat. Freie Besichtigung von 8 bis 6 Uhr. Kein Kaufzwang aller Art sowie sämtliche LUSTER Beleuchtungsartikel billigsten Preisen Koffer apparate Loxus-flpparalß. Sthallplatten von S 2- Die neuesten Schlager in größter Auswahl sowie Mandolinen, Gitarren, Harmonikas, Lauten. Violinen, Zithern, Blasinstrumente, erhalten Sie für S 2*50 Wochenraten Rodio-NusiKhaus Schlesinger Wien, 7. Bes., Burggaste 122-124 VERKAUFT UNGLAUBLICH BILLIG! 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Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- S E land. Türkei, Aegypten und Palästina. s nillllllllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII? Copyright 1928 by „Die Neue Welt". Wien Nachdruck verboten, KOMÖDIANTEN. Roman von Schalöm Aleehern. Ins Deutsehe übertragen von P. Rosenhall. Aber anstatt des aufgehenden Sterns aus Bukarest und statt des sympathischen Uriel Acosta saß auf der Bühne am Schreibtisch der unsympathische Manasse und langweilte das Publikum mit seinen monotonen Reden über Bücher, Rechnungen, Ziffern. Wird er uns noch lang im Hirn liegen, dieser alte Fadian? dachte sich das Publikum und blickte zur Tür, ob sich nicht Uriel Acosta zeige. Endlich öffnete sich die Tür, aber an Stelle Uriel Acostas kam Judith, und es entspann sich zwischen ihr und ihrem Vater Manasse ein langes Gespräch ohne Ende. Wird's einmal aufhören oder nicht? Gottseidank, hier ist der Lakei. „Doktor Silva ist gekommen!" „Shut up", sagt leise einer im Publikum, '„in ' die Erd hinein mit Doktor de Silva, Uriel Acosta gebt her, diese langweilen Kerle, bevor man das bißchen Einge* machte, zu Tisch bringt, muß^ man; sich vorhermit vWasser ansaufen. Ah, hier ist er schon, der Vogel."; Uriel Acosta tritt ein und bleibt mit. , übqr. der Brust verschränkten Armen bei der Tür . stehen, ein Schauer geht durch das ganze Theater und es wircLsttfl — das Sausen einer Fliege zu hören. Alle hoffen, neuc-Worte zu hören, hqha Worte, neue ungewöhnliche Bewegungen zu sehen. Und Rafalesco irrt mit den Augen durchs .ganze Theater, kaum daß man ein Wort von ihm hört: v.Ich bin's, de Silva!" „A little lauter! Höher!", hört man von der obersten Galerie rufen und das Publikum auf der obersten Galerie stimmt ein: „Speek up, höher, höher!" Und Rafalesco lispelt kaum hervor: . „Darf sich der Verfluchte dem Anwalt der gerech« ten Seelen nah'n?" '"• ' „Lauter, speek up, höher, höher", ruft.man'1 ihm von der ganzen Galerie zu. ., „Shut up! Stilüv Quiet! Ruhe!", wird' - vom-Parkett . geantwortet und der Lärm wächst. Rafalesco,. der an eine solche Aufnahme nicht ge* wohnt war, blickt hinauf. Er versteht nicht, was das Sc«reien bedeuten soll. Ihm scheint es, daß er genügend laut spreche. Er gerät in Verwirrung und vergißt, wo er hält. Aber bevor de Silva seinen Dialog beendet, worin er zu erklären hat, was bei Rabbi Akiba zu tun sei, ant* wortet ihm Uriel: „Der Widerruf? Befremdend Wort,' das bebend kaum über meine Lippen geht!" ... Und er verstummt, denn der die Rolle des Doktorde Silva spielt, ein Schauspieler mjft grobem Schritt und 1 dicken Lippen, sieht ihn mit fürchterlichem Blick an und, sagt leise zu ihm: „Um Gottes willen, was fangen Sie die Fische dem - Netz weg?" ... und weiter laut: „Ich komme von dem Rat 4er Drei. Die Sitzung war für Eure,Sache günstig"... Worauf ihm Uriel antwortet: „Ich hör'' Euch an und höre staunend wieder — M'ari hat mich Euch zu grüßen aufgefordert, deshalb bin' ich gekommen" . . . „Güten Morgen, Retitüg mit Milch gefällig?"', hört maii eine Stimme vori der Gölerie und das ganze Theater wie ein Mann wird lebendig. Es ensteht Gelächter, wie im Wald ein fernes' Donnern!;'Das Gelächter rollt und der arme Rafalesco, der nicht gewöhnt war, auf den Souffleur angewiesen zu sein, läßt sich zum Souffleurkasten hin und sieht, wie der drinnen sonderbare Bewegungen macht, mit den Augen winkt, er versteht aber nicht, was er meint. . Rafalesco fühlt nun selbst, daß er nicht sicher ist, daß der Boden unter ihm wankt, daß er gleich umfällt. Da geht er aufs Geratewohl drauf los, wie ein Mensch, dem alles gleich ist, hol's der Teufel, schlimmer kann es nicht mehr werden. Und er sagt zu de Silva glatt in die Welt hinein: „Wie ich sehe,- hab' ich mit euch nichts mehr zu reden." t. . , „That's rightl", läßt sich die Stimme, wieder vonj der obersten Galerie vernehmen, und das ganze Theater; keucht vor Lachen. Man hört nichts mehr, nicht den Doktor Silva, nicht den Monolog des Uriel Acosta, der,; alleingeblieben, voll Stolz davon spricht, „bereuen könne er nicht und er werde sein Haupt nicht vor den Rabbis beugen". ■ . ' Das Publikum hört auch dann nicht zu lachen auf, sobald die blinde .Esther mit ihren zwei Söhnen erscheint. Es hilft nicht Judith, die sich jetzt erst in ihrer Rolle zu*' rechtfindet, es hilft auch nicht, daß Rafalesco seine Rolle im 3. Akt mit Feuer zu Ende spielt. Verfallen!4 Et mag schon spielen wie Gott selbst, es wird ihm nichts helfen. Das Publikum ist erregt, gereizt und böse auf den Abgott,' vor dem es sich noch vor kurzem gebeugt hat. Und man beginnt zu trampeln und zu pfeifen, ihn im höchsten Grade auszupfeifen. Die Feinde des Mr. Nickel und die Gegner aus der Kibetzarni haben recht gehabt, als sie sagten die Nacht sei lang und die Tragödie „Uriel Acosta" beherberge fünf Akte. Sie erleben eine solche Schaden* freude und der aufgehende Stern Rafalesco einen so fürchterlichen Durchfall, daß sie es in solchem Maße selbst nicht erwartet haben- 68.!'Kapitel. M u r a w t s c h i k h | n. t e r d e n Kulisse n. Die letzte Szene des letzten Aktes, vo Uriel sich zum Eilen anschickt, spielte Rafalesco dennoch glänzend durch. Es kam in ihm wiederder große Künstler von früher zum Vorschein. Er griff sich an den Kopf und mit besonderem Feuer und rhit seltener, Kraft, wie aus dem Schlaf erwaqht, rief er mit Lowenstimme aus: „Genug! ... Laßt jhich! Laßt' mich! Ich geh . , , Ich eile!" . . { : Und lief hjnaus hinter -dje Kulissen und bekam dort das Gefühl, als würde der Boden unter seinen Füßen Komplettes engl. Klosett S 32.-. Komplette Badezimmereinrichtting S 480.—. Karl Hirschfeld, I. Flchteg. 1 a. 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Wie dieser Mensch be* merkte, daß Uriel Acosta falle, trat er eilends hinzu, fing ihn auf und schrie den anderen Leuten hinter den Kulissen mit seiner heiseren Stimme zu: „Was steht ihr da wie Golems aus Lehm? Wasser ^ebt her, Wasser!" / , Nach wenigen Minuten lag Rafalesco bereits in seiner Garderobe, über ein Sofa hingestreckt, schon ganz beruhigt, und neben ihm auf einem viereckigen Tabourett saß Scholem Mcir Muraw.tschik. Das war er gewesen. Wie Murawtschik daherkommt? Der Leser wird sich der Szene erinnern, die sich im Vestibül des Nickel* Theaters zwischen Scholem Meir Murawtschik und Mr. Klamer abgespielt hat, Nachdem er mit Mr. Klamcrs HerzUBart abgerechnet und von Nissl Schwalbs üppigen Pratzen die richtige Portion abbekommen hatte, war unser Murawtschik den Händen der beiden und den Händen der usher und der, zuhilfe gekommenen Diener kunstvoll entschlüpft. . Scholem Meir Murawtschik kann sich zu den Glückskindern zählen, daß er nicht in die Hände der New Yorker " Policemänner' fiel. Amerika hat/ zwar eine' sehr liberale „Constitution", trotzdem ist es besser, wenn man dic pölice nur von der Ferne' kennt. : ';; 1 '.Der Teufel' hat mich gestoßen, mit dieser ' Wanze zu beginnen . . . (Wenn Mv. .Klamer hörte,.mif :welchem Namen man ihn" gekrönt hat!) "Wie ein frommer Jude kein Schwein sehen kann, so kann ich dieses "Menschen Bart'nicht sehen.4 ' ■ ' ' ' •. 1 So, sprach sich's unser Murawtschik vom' Herzen herunter, brachte so weit wie möglich das hergenommene Gesicht in Ordnung und begann sich durch, die Hinter* türen zur Rückseite, der Kulissen zu schlagen. Dort stellte er sich zwischen den Dekorationen so geschickt'auf, daß er alles sehen konnte, phne selbst gesehen zu Werden. Mit allen Augen begann er die Bühne zu betrachten, unter den Spielenden den zu suchen, dessen er bedurfte. „Wer von ihnen, ist Rafalesco?", sagte er leise dem Posten beim Vorhang, einem griesgrämigen Wesen, einem Pessimisten mit trüben Augen, der aussah, als wäre die Welt auf ihn gefallen. „Der, der mit dem langen Haar und mit' dem weißen Kragen, der die Rolle des Uriel Acosta spielt." „Du Wejspr! Sie haben alle langes Haar und weiße Kragen." Das griesgrämige Wesen heftete auf Murawtschik seine trüben, Augen: „Ich hab' keine Schuld, wenn Sie ein. Dummkopf sind und Ihnen alle Johanne gleich vorkommen. Bei Ihnen ist alles eins, ob Manasse ob Uriel AcostaJ4 „Mir Ihre Weisheit, Sie heller Kopf. Ich glaube, 3»e haben recht. Pßt, ich weiß schon, wer von ihnen der richtige Acosta ist," So sprach leise Murawtschik mit seinem neuen Freund, den er sich hier bei den Dekorationen erworben hatte, und winkte ihm mit den schelmischen Augen zu. „Findet sich bei Ihnen, mein Lieber ein Zigarettchen?" (Fortsetzung folgt;) Eigentümer, Verleger. Herausgeber und verantwortlicher -Redakteur Oberbaurat Robe« Stricker, Druckerei* und VerUgs-A-G. Igoaz Steiumaria. beide Wlea IX. Uaiversitätsstraßc 6—&