Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 184 (27.3.1931)
- Date
- 1931-03-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711790-2711803--2413-2715704- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
' Sittel DIENtüfi WELt Nr. 184 Oit berolU bekannten und all die besten anerkannten amerikanischen Telefon R-41-3.19 HolS *m M*I3SZ eteü MAZZOTM und Q RH SS wieder In Wien Generalvertretung Brüder U/elfireb, II.» Taborstr. 82 ernsten Politikern und Gelehrten als reine Phantasie abgetan, nehmen ganz konkrete Formen an, nnd seitens der Großmächte scheint ihnen kein Widerstand entgegenzutreten... Es wäre verhängnisvoll liir nns, nicht zu erkennen, daß sich hieraus für Palästina und den Zionismus ganz bestimmte politische Probleme ergeben, die nicht durch Berufung auf alte, anderen Konstellationen entstammende Formeln abzutun sind. Das Problem der Einordnung des Jüdischen Nationalheims in diese neue vorderorientalische Welt, das 'am \9. Sep- I tember 1922 in der „Jüdischen Rundschau" aufgerollt Wirde, gewinnt eine neue Aktualität, beinahe genau in derselben Problemstellung wie damals. Zum Unterschied von jener Zeit scheint freilich heute auch in der zionistischen Welt in höherem Maße Verständnis für die wirkliche Lage vorhanden zu sein. Michael Assaf ist kürzlich im „Dawar", ohne Widerspruch zu finden, für den Anschluß Palästinas an eine arabische Föderation eingetreten, wobei er mit Recht darauf hinwies, daß eine solche Konstruktion für das Jüdische Nationalheim schon infolge der Eröffnung eines riesigen Wirtschafts¬ und Absatzgebietes große Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Es wäre naheliegend, daß eine vorausschauende zionistische Politik darauf ausginge, solchen Gedanken e i n e k o n k r e t e r e F o r m zu geben. Jedenfalls scheint der Besuch Dr. Weidmanns in Palästina mit einem geschichtlich bedeutsamen Moment der Entwicklung des Vorderen Orients zusammenzufallen," Wer das liest und berücksichtigt, dafl im politi-? sehen Leibblatt Weizmanns sein enger : politischer Intimus so schreibt, wird vielleicht ein gewisses Verständnis für das Verratgescbrei in Jerusalem trrtd Kairo;- finden und sich nicht mit der Verurteilung der Formlosigkeit der „Schimpfereien'* begnügen.. Kein.-Jadenstaat, nicht einmal einen binationalen arabisch-jüdischen Staat Palästina. Ein groß arabisch es Reich mit Minderheitsrechten für-die Juden.in der Provinz Paläst in al Die August-Rede Weizmanns gegen den Judenstaat, sie war der Auftakt zu dieser Entwicklung, sagt sein Blatt, die „Jüdische Rundschau" Das soll das Ziel der zionistischen „Freiheitsbewegung" sein! . . . Aelteren und bedächtigeren Zionisten als den Revisionisten im heißen Aegypten und im heißen Palästina kann da ein Schreien ankommen. Der Fcmd Im eigenen Haus. Im Kampfe der Juden um die Klagemauer. — Die hebräische Universität verweigert den Juden Beistand und Material, dagegen hilft sie den Arabern. Aus Palästina kommt' eine Nach rieht, Welche beweist, wie tief die Zersetzung in« zionistische Leben eingedrungen ist. Jüdischer Antisemitismus, jüdischer Verrat heben in Palästina frei ihr Haupt, wie vor der Zerstörung des Tempels. und die jüdische Volksorganisation, die Regierung des jüdischen Volkeä, findet nicht den Mut und die Kraft, sie1 niederzuhalten, wie damals vor dem Untergange; So ist der „Stolz" der Zionisten, die hebräische Universität,'1 welche aJs jüdisches Boll- Zeichnungen t.Qr die . neue österreichische staatsgaranNerie WO H N B AU - All L El H E werden bereits entgegen«, enommen DR.THAUSING & SCHLESINGER Wien, L TegettfioffsträSe 4 Vorzügliche, täglich o enfrlsche, leinst«, dünnste AVISO! MAZZOTH UND GRIESS bekommen Sie nur aus der I. Wr. oith. Mazzothfabrik Israel VOftTKEFFUCH, Wien II, Obere AugartensfireQe 52 Verlangen Sie überall ausdrücklich Vorfreff!ich-Ma2zoih werk gedacht war,_ ein Stützpunkt des Antiziönismus und, wie der. Jet2te Vorfall .zeigt,'; ein Bonwerk' des Antiziönismus geworden... ihre . Organe fallen dem um sein Recht kämpfenden jü^'scheh .Volke in Palästina in den Rücken. Dasist. 'k£in''. in 'der . Erbitterung hingeworfenes Wort. Das Visi** Wahrheit, traurige, "-nackte Wahrheit ".\ . ':;. ,'" , '\. t t Aus Palästina wird gemeldet: ' . Im: i,Dpa,r Ha;^.^ Bab« k o f f, einer .idar . aitesienj aktiven Zipnisten. von Tel? Awiw, einen offenen ..BrieJv;«n Dn ,David Y e. 1.1 i n-uind den Arbeiterführer B e n, ^. wi, die Mitglieder/der Kommission, die., mit der./Abfassung des vo.n.; j üdisch e r Seite der In t e r na t io na 1 e.n Klag ema ue.r- Kommißsionde s V öl leer b u n d es. , y o rg elegten Me ni o ra nd u ms. .betraut war. . jn. dem offenen Briefe wird darauf hingewiesen, daß e}njp o z e n t d e r Hebräischen Universität „aus, prinzipiellen Gründen" sich geweigert ha b e, .dem.-rA n wa 11 der Juden vor .dec internationalen Klagemauer- Kommission das zur Unterstützung der. jüdischen Forderungen nötige. Ma t erjVal /n r .V e rf ü gii ng zu stellen. , Babkoff . verlangt , Aufklärung darüber, warum die Verweigerung', der Mitarbeit seitens des Dozenten bisher ver sc h w i'e.g e n . w u r d c, und ab irgend etwas in dieser Angelegenheit veranlaßt worden sei. Es handelt sich um den Dozenten Dr. Gerson Scholem, eine Autorität auf dem Gebiet der kabbalistischen Literatur, der es nach den Angaben Babkoffa abgelehnt hat, ein Verzeichnis jener Stellen aus der Kabbala anzulegen, in denen auf die Klagemauer Bezug genommen wird. Dr. Yei l i n habe eich persönlich als Vorsitzender der Kommission an Dr. Scholem gewendet und von ihm einen kurzen abschlägigen Bescheid erhalten. Dann sprach Ben Z w i abermals namens der Kommission bei Dr. Sdholem vor und erhielt von ihm die Auskunft, daß er ans prinzipiellen Gründen gegen die jüdischen Vorstellungen bezüglich der Klagemauer sei. Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen- Agentur bestätigt Herr Ben Zwi die Richtigkeit der in Babkoffs offenem Brief angeführten Tatsachen. , Weiters teilt Herr Ben Zwi mit, daß der Anwalt der Araber vor der Klagemauer-Kommission zum! Zwecke der Vorbereitung seines Memorandums Bücher und Dokumente von der jüdischen Nationale [ bibliothek erhalten habe. Ben Zwi erklärte; es sei zwar nichts dagegen einzuwenden, daß die Bibliotheksverwaltung ihre Sammlungen den, Vertretern der mohammedanischen Partei zur. Verfügung gestellt habe. Dies entspreche den Funktionen der Bibliothek; es äed jedoch unverständlich, war,uni nicht dasselbe Entgegenkommen der Partei der-' Jaden bewiesen wurde. In einer ebenfalls im „Doar Hayoin" veröffentlichten Antwort auf das .'offene Schreiben Babkoffs er-, klärt Dr. Scholem, er habe eß stets als ein Un- ^lück f ür die Judenh ei t angesehen, daß sich di e J üd e n i n ein Ve r fa h r e n b e züglich d e r ' K 1 ae in aper '.. e i n. g1 e 1 a s s e,n h a b e n, und falte1 fflff. .'ÖaF-'weMn%e^^ persönlichen 'Gewissen gemäß 'sich" der Von "ihm 'gefor-: derten aktiven Beteiligung an einem solchen Verfahrens von dessen schädlichen und destruktiven Folgen er überzeugt war, zu entziehe n. Die Kommissionhabe $ich an ihn nicht in seiner Eigenschaft als Doz.enk . der Hebräischen Universität gewandt, son-.:- Pension Weiss BB Laurana bei Abbazla BH Orth. bestrenommierte Küche Herrliche Lage Mäßige Preise schwarzen Wände sind über und über mit feuchten Schinunelf lecken bedeckt und strömen dumpfigen Geruch aus. War Joel im Stübchen, so zitterte er vor Kälte und ßeufzte bitter, das Gesicht blaß und verkrampft, die Augen tief eingesunken, den Rücken vornübergebeugt» in die Stirn ein Netz von tiefen, traurigen Falten gegraben. Wirr ging er unter den Menschen umher, spie vor jedem aus, warf jedem finstere Blicke ziu, als trüge der Schuld vor ihm. Schwere Tage, lange, lange Nädite . . . Joel fühlt, daß er von Tag zu Tag schwädier wird. Er spürt, daß ihm etwas Schreckliches bevorsteht. Jemand will an ihm Rache nehmen. Der Todesbote ist gekommen und will den Schächter Schächten, ging es ihm unaufhörlich durch den Kopf. Ohne selbst zu wissen, warum, nahm er eines Tages das verrostete Schächtmesser, das ihm von einst zurückgeblieben war, aus der Kammer und brachte es seinem Nachfolger zum Geschenk. Er wollte es nidit mehr im Zimmer halten. Nachts -blieb er nie wieder allein im Beth Hamidrasdi. Er fürchtete die Stille. Mit angstverzerrten. Augen starrte er den heiligen Schrein an. Es schien ihm, daß der Vorhang sich leise bewege. Irgendetwas Schreckliches, Geheimes, ist dort verborgen . . . gleich, gleich springt jemand mit schwarzen, ausgebreiteten Flügeln heraus, mit scharfem Schächtmesser auf ihn los. Joel hörte auch auf, spütnachts im Beth $ami* drasch zu bleiben. Einmal nadi langer schlafloser Nacht, da ein tittber Morgen durchs Fenster blickte, wollte er sich vom- Bett erhöben und konnte nicht. Alle Glieder und der Kopf waren sonderbar schwer, Vor den Augen schwdn* delte es. Das ganze Stübchen schien, sich , zu drehen. Er war krank geworden. Nachbarn erfuhren-es, besuchten ihn immer zu Paaren. Sein gelbtroekenes Gesicht und die wildflackernden Augen erfüllten jeden mit Angst. Fragte man ihn was, seufzte er auf und brummte hie und da zwischen den Zähnen, etwas, das. man nidvt verstand. Die Besucher warfen einander Blicke zu. Entschlüpfte jemand, daß es hier dumpf, kalt, für den Kranken schädlich sei, so blieben die Worte, in der Luft hängen, keiner antwortete, als. ginge es hier nicht um die Kälte, nicht einmal um den Kranken selbst, sondern um irgendein Verborgenes...Geheimnisvolles/ Brachte man einen Arzt, so drehte sich Joel mit dem Gesicht zur' Wand. Bat man ihn, sich vom Arzt doch nur anschauen zu lassen, brummte er T.Mir fehlt nichts" und grub das Gesicht tiefer in das Kjssen. Woztu kriechen-sie, .zu mir? dachte er. Er wollte nicht, daß Fremde bei seinem Krankenbett stehen, er, wollte ihre Gesichter nicht sehen. Warum läßt man ihn nicht sterben? <.•'■. Alle gehen endlich und er bleibt allein. Schwarze Gedanken umhüllen ih«.;E« malt sich ihm: Er liegt als Toter auf dem Boden, mit schwarzem Tud» bedeck*. Zii Haupten steht ein kleiner Junge, vor ihm ein junge, ein eigener Sohn,, mit, .blassem Gesichtchen, blauen Aeuglein und blond gewelltem Haar. Er sagt.-aus. dem Siddur den ersten KadfUseh und weint. Des Kindes warme f räneu fallen, »einzeln auf . seine« starren Kopf, und ihm, der auf dem-Boden liegt, wird so bang, des Kindes gdiwache Sttemne so schwer. Er möchte voan boden aufstehen, den &opf des Kindes über das weiche Haar streicheln. - Die Tage ziehen sidi. Schwere,' grausame, letzte Tage. Joel liegt' mit geschlossenen Augen und spricht im Fieber. Zwei vom Beth Hamddrasch sitzen an seinem Bett und schweigen. „Ohne Kaddisch, der Arme", murmelt leise der eine. „Ein unfruchtbarer Baum", nickt mit dem Kopf der zweite. Dann und wann wird Joel wild -und ruft laut: „Iiier ist er, im Winkel. Er hält mein Schächtmesser, er schärft mein Schächtmesser." Und er bedeckt den bewachsenen Hals mit seiner Hand. Als einer der beiden vom Beth Hamidrasch »ich **r lauter Angst aus dem Stübchen hinausstehlen wollte, ließ Joel scharf seine Augen auf ihm ruhen und schrie mit aller Kraft: „Nein, nicht weggehen . . . nehmt ihm mein Schächtmesser ab, laßt ihn nicht heran." Es kommen andere Juden, aus der .Gemeindestube, Leute mit dichten Bürten und Augenbrauen, die. nach Friedhofsgras rochen. Sie wissen alle, daß Joel sich nicht mehr lange wird plagen müssen. An einem Abend war Joel plötzlich wie ausgewechselt. Das Gesiebt war wach*, gelb, die Augen hatten einen unirdischen Glanz be* kommen. Er tat plötzlich die Augen auf, blickte, blickte und fragte leise: „Darf man ein lebendiges Wesen Schächten?" „Wasfür Frage» Reb Joel", antwortete jemand. „Selbstverständlich, das Fleisch von Vieh und Geflügel muß koscher sein, vbu einem Schächtmesser ohne Fehl." „Und sein Mitleid ruht auf allen seinen . Gesdiöpfen", murmelte Joel wde im Traum und schloß wieder die Augen.