Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 183 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 183 gllllllllllllilllllllllillllllllllliiilillllilllllllllliiiililllliliiilll^ § Für das kommende Pestachfest S | liefert | i Geflügel-Dicker i | XVII., Ortliebg. 37, Hauptstr. 73 | | Tal. B-43-4-93 | § Weine aller Art, Insbesondere Pall- 5 s stlnaweine und alle am Wiener 5 Pietz führenden Maitothsorten so- 5 | wie BeflUgel la Qualität | | Telefonische Bestellungen genOgen | ^miiniiiiiiiiiNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii? erzielten Fortschritte: Ein im Jahre 1923 auf einer Parzelle von 50 Hektar angesiedelter Kolonist besitzt heute 7 Hektar Orangen- und Mandarinenpflanzungen im Werte von mehr als 4000 Dollar; außerdem hat er 6000 Dollar Bargeld erspart. Ein im Jahre 192? auf einer Bodenfläche von 75 Hektar angesiedelter Kolonist besitzt bereits 492 Bäume, deren Wert auf 1800 Dollar geschätzt wird, und konnte in diesen vier Jahren über 4000 Dollar ersparen. Die im Jahre 1929 und 1930 angesiedelten Familien aus Transsylvanien (Rumänien, Siebenbürgen) haben sich den Landesverhältnissen gut angepaßt und stellen ein ausgezeichnetes Menschenmaterial dar. Sie sind sparsam und fleißig und haben in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes bereits einen großen Teil des ihnen zugewiesenen Gebietes mit Flachs, Mais, Sudangras, Gemüse und Manioka bebaut und etwa 1 Hektar Mandarinenpflanzungen angelegt. Die. Leute machen einen sehr guten Eindruck und haben sich in Briefen an ihre Verwandten in Transsylvanien sehr zuversichtlich über ihre Zukunft geäußert. Gründung einer Hakenkreuzpartei in Lettland. Kign, 11. März. (J. T. A.) In Riga wurde unter dem Namen „Christlich-sozialdemokratische Arbeiterpartei" eine neue Partei mit dem Programm des Hitlerschen Nationalsozialismus gegründet. Ihre Aufgaben sieht die Partei hauptsächlich in der Bekämpfung der Juden. Vor allem fordert sie, daß alle seit 191? eingewanderten Juden ausgewiesen, daß alle in jüdischem Besitz befindlichen Häuser, Geschäftsunternehmungen und Betriebsstätten enteignet und daß Juden keinerlei Darlehen aus öffentlichen Mitteln gewährt werden." In dem Parteiprogramm wird erklärt, oberste Pflicht der Behörden sei es, der lettischen Bevölkerung Arbeit zu verschaffen und* Unterstützung zu gewähren. Antisemitische Motive beim Attentat auf die Sowjetgesandtschaft in Warschau. Warschau, 14. März. (J. T. Ä.) Die Untersuchung in der Angelegenheit des am 26. April 1930 gegen die So w jetgie sa nd tfic h a f t in Wa rsc hau verübten Bombenattentats, welches damals soviel Aufsehen in der ganzen Welt erregt hat, hat ergeben, daß für das Attentat auch antisemitische Motive maßgebend waren. Der in Lublaui (Jugoslawien) verhaftete und nach Polen ausgelieferte Attentäter Poliansky erklärte im Verläufe des Verhörs, er habe das Attentat unternommen, weil er der Ueberzeugung ist, daß der Bolschewismus nichts anderes bedeute als das Streben der Juden zur Herrschaft über die Christenheit in der ganzen Welt. Indessen wurde in der Untersuchung festgestellt, daß Poljansky, ein früherer Artilleriehauptmann in der Österreichischen Armee, im Jahre 1923 selbst einen Posten als Militärattache" bei der Wiener Sowjetgesandtschaft bekleidet und zweimal Rußland in speziellen Missionen besucht hat. Der Prozeß gegen Poliansky ward Anfang April stattfinden. Das Litauische Oberste Gericht spricht die jüdischen Fleischer aus Szemle von Mordschuld frei, verurteilt sie aber wegen Verheimlichung eines Verbrechens zu je einem Jahr Gefängnis, Kowno, 15. März. Das Oberste Gericht Litauens hat heute die drei jüdischen Fleischer aus Szemle, den 73jährigen Fleischmann, den 54jährigen Man und den 23jährigen Lakunischok, die vor mehreren Monaten wegen angeblicher E r m ordung des Tierarztes Avischenius zu je zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt worden waren, von der Beschuldigung des Mordes freigesprochen, sie aber wegen Verheimlichung eines Verbrechens — das Oberste Gericht nahm an, daß die Angeklagten die Leiche des von Unbekannten Ermordeten in den Brunnen geworfen haben, um die Spuren des Verbrechens zu verwischen — zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt. Der 15jährige Schneider "wurde in eine Besserungsanstalt gegeben. Die Angelegenheit hat seinerzeit viel Aufsehen erregt. Als man eines Morgens die Leiche dt* Avischenius in einem am Wege befindlichen, niedrig umhegten Brunnen fand, glaubte man, daß er in der Trunkenheit in der Dunkelheit der Nacht in den Brunnen gefallen und ertrunken war. Als bekannt wurde, daß Avischenius am Abend vorher im jüdischen Schlachthaus weilte, wurden die Fleischer verhaftet und» ohne daß irgendeine Beziehung zwischen ihnen und dem Morde hergestellt werden konnte, zu Zuchthausstrafen verurteilt. — Auch das Urteil des Obersten Gerichtes befriedigt die jüdische öffentliche Meinung nicht, da man davon überzeugt ist, daß die Verurteilten weder mit dem Mord, noch mit dessen Verheimlichung etwas zu tun hatten. heafer, Kunst und iliilliliiiiiilllllilllllllillliii Literatur. Palästina im Bilde. Atelierausstellung Welheim Wachtel. Die Konzentration des bekannten jüdischen Malers Wilhelm Wachtel auf Palästina in seiner landschaftlichen und folkloristischen Struktur ist ein Beweis stärksten Kunstwillens und einer Liebe, die schon an sich Wertvolles schaffen kann. Sie deutet auch den Entwicklungsweg an, den dieser immer vorwärtsstrebende Künstler in den letzten Jahren eingeschlagen hat. Zwei Palästinareisen — 1924 und 1929 — brachten reife Früchte. Wachtel bezeugt die seltene Gabe, das Besondere, Eigenartige der Landschaft und des Menschen in Farbe, Form und Atmosphäre zu erfühlen, und darum handelt es sidi bei ihm nicht um eine formale Wiedergabe, sondern um die Erweckung des inneren Seins. Seine Strandbilder aus Tel-Awiw und Haifa, die blendend farbigen Studien palästinensischer Typen und vor allem der neue jüdische Mensch, der Chaluz, bei Arbeit, Tanz und Spiel weisen die charakteristischen Merkmale von Erez Israel auf. Hier ist eine Verbundenheit des Künstlers mit dem Stoff zu konstatieren, ein inniges Verhältnis, das der Darstellung Weihe und Schönheit verleiht. Das Monumentalwerk „Christus unter den Jude n", das kontrastreidie „C h a 1 u z i m und die Traditionstreuen", der biblische Zyklus „S c h i r H a s c h i r i m" zeigen Wilhelm Wachtel als Durchbildner interessanter malerischer und menschlicher Probleme und bestärken den Beschauer in dem Glauben, daß hier ein ernst ringender Künstler am Werk ist. Es wäre erfreulich, diese Atelierauestellung schon aus kulturpropatgandistißohen Motiven einem größeren Kreis zugänglich zu machen. . o. r. :t; 'I I Theater ^Rekiame^, Pf aters r. 34 j I Sonntag, den 5. April 1981, 8 Uhr abends | | Einziger heiterer Abend ] 1 Hilda Dulitzkaja 1 S- >rv g Mitwirkend: Samuel $ e h w a g e r (Rezitation m | Programm: Volkslieder, chasgidische und synagogaJe | H - Lieder. . - ' \:-. | ü Karten z«i habe/u Bücherstube Ratn, Wien ll. Taboratraiie 20a, ü §§ und im Theater „Reklame" -^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiw i .. Prof. Max Eisler 50 Jahre alt. Der Kunsthistoriker Prof. Max Eisler kann anläßlich seines 50. Geburtstags aut ein schaffensreiohfcs^ der Kunstforschung gewidmetes Leben zurückblicken. Mit seltener Intuition ist er nicht nur den architektonischen Formen der Vergangenheit und Gegenwart nachgegangen, sondern hat im besonderen die eigenartigen Wesenszüge der jüdischen Kunst aufgespürt. Seihe langjährigen Studien in Holland führten, ihn von Rem b ran dt, dem er im „Alten Rembrandt" ein Denkmal setzte, zu den neueren jüdischen Holländer Jose! Israels, dem seine spezielle Liebe gehört. Zahlreiche Schriften und Vorträge haben dem Gelehrten einen ausgezeichneten Namen in der internationalen Welt gemacht. Max Eisler, auf der Höhe seiner forscherischen Tätigkeit, wird gewiß" noch viel. Wertvolles leisten. 25jähriges Jubiläum des Schauspielers Leopold Jungwirth. Kommende Woche feiert der bekannte Schau* Spieler der Jüdischen Bühne, II., Taborstraße 12, Herr Jungwirth, sein 25jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß wird der Oesterreichische Bühnenverein und der Jüdische Schauspielerverband den Künstler besonders ehren. Der Spielplan für die kommende Woche ist ganz auf Jung« wirth eingestellt. Es wurden Stücke ausgewä/hlt, in denen Jungwirth Meisterleistungen bietet. Das Programm lautet: Freitag, 20. März: „Wus macht der Täte?", Komödie in drei Akten. Samstag, 21. d.: „Der goldene Schydach", Lebensbild in drei Akten. Sonntag, 22 d., 3 Uhr und 8 Uhr abends: „Wus macht der Täte?". Montag, 23. d.: „Der goldene Schydach". Dienstag, 24. d.: A. Chasene im Städtel" Mittwoch, 25. d.r „Wie a Mann liebt". Donnerstag, 26. d.: „Wüs macht der Täte?" Jüdischer Schnuspielerverein. Im Rahmen des Vereines finden auf der Bühne Praterstrafle 60 am 20., 21, und 22. März Aufführungen des neuen Lebensbildes „Jesonim findet heim" von Segal statt. In der Hauptrolle Frau Koralova (New York), Hilda Dulitzkaja wieder in Wien! Die bekannte und beliebte Sängerin Hilda Dulitzkaja ist nach einer erfolgreichen Tournee über Deutschland und nach mehrmonatigem Auftreten in einer jüdischen Kleinkunst* bühne in Berlin wieder nach Wien zurückgekehrt, wo sie am 5. April 1931 einen einzigen heiteren Abend geben wird. Im Programm sind neue Volks» Chassidische und Synagogale Lieder. Es wirkt mit der bekannte Rezitator Samuel Schwager. Jüdisches Quartett. Für zu gründendes Klavier» Quartett werden Damen und Herren gesucht. Gcfl. Zuschriften sind zu richten an Manfred Knapp, IL, Freilagergasse 5. Jebuda Ehr«nkranz gibt,. vor seiner Abreise nach Deutschland, Donnerstag, den 26. d., im Theater Semmerlng PjiJsionHirsch, Fürsten hof Erstklassiges modernes H*Ajs V01 merkungen für die Oster- (nDD) Feiertage. Mäßige Preise Reklame, IL, Praterstraße 34, einen einzigen Rezita» tionsabend in jiddischer .Sprache. Das vollständig neue Programm umfaßt, mit Ausnahme von M e n d e l e Mocher Sforim, lauter lebende Autoren Ehrenkranz liest unter anderem zum ersten Mal: Opatoschu: aus •dem Roman „Polnische Wälder", Bergeison: „Nachts". Uri Zwi Grinberg: „Mephisto". Den heiteren Teil bilden Skizzen von Moische Nadir und neue Parodien von T u n k e 1 e r. Beginn 8 Uhr abends. Karten zum Preise von 1 bis 5 Schilling in den Buchhandlungen M. Rath, IL, Taborstraße 20a, und R. Löwit, L, Wollzeile 6. Der Verein zur Förderung jüdischer Musik veran* staltet Sonntag, den 22. März, %6 Uhr, im Saale der Vera einigung „B'nay B'rith", Universitätsstraße 4, seinen zweiten Kammermusikabend mit Erstaufführungen von Grigori K r e i n, Präludium für Flöte, Streichquar» tett und Klavier, Leo Z e i 11 i n, Streichquintett, Alex« ander Weprik, Zweite Klaviersonate, Ernst Bloch, Meditationen hebraique, Gncssin, Lied eines wandernden Ritters, für Cello und Klavier, Engel, zwei Duette für Frauenstimmen und Klavier und anderen. Es wirken mit: Ren6 Gärtner, Klavier, Joachim Stutschewsky, Cello, Ca* millo Wanausek, Flöte, Israel Brandmann und Kurt Stern, Violine, Robert Tentscher und Josef Kohn, Bratsche, Lewitus, Cello und ein Frauenvocalensemble, bestehend aus: Elsa Beiden, Grete Körner, Annie Masser, Ida Radelmesser, Rosa Reiß, Erna Schnabel, Sabine Vogel. Benjamin Segel gestorben. In Bad Pistyan starb am 13. März im Alter von 64 Jahren der bekannte jüdische Schriftsteller und Publizist Benjamin Segel, der vinle Jahre lang in Deutschland gelebt und in den letzten Jahren in Wien seinen Wohnsitz gehabt hat. Segel war einer der besten .Kenner, des Ostjudentums, eine Reihe seiner Arbeiten galt dessen Problemen. 1910 setzte er sich mit Theodor Lessing in einer viel beachteten Broschüre „Die Entdeckungsreise des Herrn Doktor Theodor Lessing zu den Ostjuden" auseinander. 1918 schrieb er „Rumänien and seine Juden". Nach dem Kriege erschien eine Reihe seiner literarischen Arbeiten im Philo-Verlag, so u. a. „D i e P h i 1 o s o p h i e des Pogroms" (eine scharfe Auseinandersetzung mit Blüher), und eine grundlegende Entlarvung der „Protokolle der Weisen von Zion" (1924), der er zwei Jahre später eine Studie unter dem Titel „Weltkrieg, Weltrevolution, Weltverschwörung" folgen ließ. Einige Jahre lang war Segel Redakteur der Berliner Monatsschrift „Ost und West". Aus der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek Jerusalem. Soeben erschien das vierte Heft des siebenten Jahrganges der von der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek herausgegebenen bibliographischen Vierteljahrsschrift „Kirjath Sepher". Mit dieser Nummer ist der siebente Jahrgang abgeschlossen. Das Heft enthält: Nachrichten der Bibliothek; Bibliographie: Palästinensische Publikationen; Hebraica und Judaica; J. Ben-Zwi: „Pinchasiah"; A. Drucker: Ergänzung einer Bibliographie der Pessach-Haggadoth; Glossen: M. Wilensky: Nicht Samuel ha-nagid, sondern lbn-Janah; D. H. Baneth: Ueber Herrn Wilenskys Notiz; A. Yaari: Ueber R. Isaac b. Mordechai Gerschon; S. A. Neuhausen: Glosse (zum Katalog der Kabbala-Handschriften); J. L. Landau: Notiz (zum Todestag Nachman Isaac Fischmans); Korrekturen. udisdie Sport* und Hiiiiiiiliii Turnbewegung« Der Kampf um die Erstklassigkeit* Hakoah schlägt Donau 4:0. Nach langer Zeit bekam man von der Hakoah wieder ein schönes Spiel zu sehen. Trotz der schlechten Bodenverhältnisse lieferte der Angriff ein Kombinationsspiel, wie man es von dieser Formation auch in der ersten Klasse nur selten gesehen hat. Die Gegner spielten nicht schlecht, konnten aber gegen die technischen Kunststücke der Blau-Weißen nichts ausrichten. Hätten die Stürmer mehr geschossen, wäre der Sieg noch höher ausgefallen. Die Stürmer der Blau-Weißen sollen aber doch alle Gelegenheiten ausnützen, Tore zu erzielen, denn bei Punkte- und Siegegleichheit entscheidet schließlich das Trefferverhältnis, und in dieser Beziehung ist der B. A. C. bedeutend günstiger daran. Das Innentrio Donnenfeld, Heß, Mausner war nicht zu halten. Die beiden Flügelstürmer waren besser als sonst. Birnbaum wird von Spiel zu Spiel besser, während Stroßder schlechte Boden nicht behagte. Das Verteidigungstrio entledigte sich seiner Aufgabe zu vollster Zufriedenheit. Das Spiel beginnt mit Angriffen der Hakoah, die in dgr 15. Minute durch Heß in Führung kommt. Derselbe Spieler kann knapp vor Seitenwechsel den zweiten Treffer erzielen. Die zweite Spielhälfte steht im Zeichen der Uebcrlegenheit der Krieauer, Die Gegner versuchten J Zum 25jährigen Jubiläum des Schauspielers der Jüdischen Buhne Herrn LEOPOLD JUNGWIRTH gratulieren: Der Oesterreichische Bahnenverein Der Jüdische Schauspielerverband Das Jüdische Theater (Krakau) Das Ensemble der Jüdiscnen ritt1 ne, Wien-II, Taborstraße 12