Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 183 (20.3.1931)
- Date
- 1931-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711790-2711802--2397-2715687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
18? Till. U«iversi tätsbibliotliek Wien. 1« Preis 35 Groschen V« be ts« BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich ZkHy 2.—. vierteljahrig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —, Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.— Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.— R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlieh Lewa 40.—, vierteljahrig Lewa 1.20 Italien monatlich Lire 5.—, vierteljahrig Lire 14.— Schweiz und die übrigen Lander monatlich Schwebet Francs 1.50. vierteljahrig Schweizer Francs 4,50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erseheint jeden Freitag /ahrgans 5 Freitag den 20. März 1931 Nr. 183 „Round table" mit den Arabern. Seite 5. Von V. Jabotinsky. Numerus clausus — auch i'n Frankreich« Man empfindet die jüdischen Studenten als „überzählig". — Dekan Professor Balthasar will sie entfernen, Rumänien hilft ihm» — Uber 3000 ausländische judische Studenten in Paris« Das (ewige Spiel! Gibt es irgendwo ein Plätzchen,!wo man Juden aufnimmt und halbwegs in Ruhe läßt, dort pilgern die Juden hin. Im Anfang geht's gut. Wird aber die Zahl der Juden eine beträchtliche, dann wird das Ge« sieht des Gastgebers immer düsterer und schließlich schlägt er den Gästen die Tür vor der Nase zu. Dieser ■ Erkenntnis ist der Zionismus entsprungen. Die Juden werden dann zur Ruhe kommen,; wenn es ein jüdisches Vaterland geben wird. Nicht früher. i . \Kw;.djese '•%J?!ennitJH?--^fi^Bfe.-.S^:;sich., .JUktsjonen hin, die kurzlebig sind, bald .zerflattern. Die. letzte dieser . Illusionen "heißt: Fr an fc rc ich..In den Jahren nach dein Kriege, als Chauvinismus und Reaktion in den Ostländern den Juden das Leben verbitterten, gingen Tausende von . ihnen nach Frankreich, Sie wurden unbehindert einge* hissen. Schönes Frankreich! Land der Gleichheit, Freiheit, der Liga für Menschenrechte, usw. Goldenes Frankreich! Besonders die jüdischen Studenten, die man in der „Heu mat" von den Hochschulen verjagte, hasteten nach Paris. Sie schrieben begeisterte Briefe nach Hause, und andere kamen nach, immer mehr. Jetzt sind es über 3000. Da erstarb das liebenswürdigsgastfreundliche Lächeln des schonen Frankreich. Jetzt findet es die. Juden als „über» >"''«■•. ■ zählig" und — wirft sie hinaus. * Die Jüdische Telegraphen*Agentur meldet aus Bukarest: Das Dekanat der Bukarester medizinischen Fakultät hat von der Pariser medizinischen Fakultät eine Zuschrift erhalten, in welcher es heißt: „Gegenwärtig studieren an der Pariser medizinischen , Fakultät 5 11 rumänische Studenten. Von diesen beanspruchen 436 nachAbsolvierung der Studien ... ein französisches Staatsdiplom zur Ausübung des Aerzteberufes. DieserZustanddarf nicht mehr weiter andauern. Wir sind daher gezwungen, Maßnahmen zu treffen, um den Zuström zur medizini* sehen Fakultät seitens der Ausländer einzudämmen. Wir müssen zu diesem Zwecke ein Gesetz schaffen/ unter dessen Bestimmungen auch die rumänischen Studenten fallen werden. Wir würden sehr gerne die'bisherige Be* vorzugung der rumänischen Studenten weiter aufrecht« erhalten. Aber dies ist leider nicht möglich. Wir haben diese 436 Studenten nach ihrer Herkunft klassifiziert und festgestellt, daß 85 Prozent der Gesamte zahl dieser Studenten jüdischer Konifession sind. Es ist uns mitgeteilt worden, daß ein Großteil dieser jüdischen Studenten k e i n e r ü m ä n i s c h e n S t a a t s*. bü* g e r sind, nicht,das-W a h 1 rVc h t besitzen und-auch' keinen* M i 1 it ä r d i e n s t geleistet - haben; Ist dies richtig? Wenn dem so'ist, würde es uns sehrleicht fallen, .den erwähnten Studenten die-In» skribierung zu verweigern. Die rumänische Ge* sandtschaft in Paris hat uns diese'Angäben nicht bestätigt. Uns bleibt demnach kein anderer Ausweg übrig, als den Numerus' clausus für jene ausländischen Studenten einzuführen! die ein französisches Staatsdiplom be« anspruchen. Nach Einführung dieser Maßnahme werden bloß 20 bis 30 rumänische Studenten an der Pariser medizinischen Fakultät aufgenommen werden. Zwecks Auswahl dieser Studenten macht die Pariser medizinische Fakultät den Vorschlag, daß eine rumanisch*französische Kommission einge* setzt werde, die aus einem Vertreter der Pariser rumäni» sehen Gesandtschaft sowie mehreren Professoren der Pariser und der Bukarester medizinischen Fakultät be* stehen soll. Diese* Zuschrift ist vom Leiter der Pariser, medü zihischen Fakultät,-^Professor Balthazar, unter* zeichnet. Die Bukarester medizinische Fakultät übermittelte diese Zuschrift dem Unterrichtsminister Costa ch e sc u. Der Unterrichtsminister, erledigte diese Zuschrift in dem Sinne,, daß der N u m'$r y s * c.l a;u.s u s * Vorschlag lind die Einsetzung einer-^mia'chteir.'KijnimissiDn' für die Auswahl .der rumänische» Studenten akzeptiert wer den- ' ■' *' :' v " Diese Maßnahme der Pariser medizinischen Fakultät hat in Kreisen der;Eltern der betroffenen jüdischen Stu* denten größte Bestürzung ausgelöst. * Gott sei Dankt Zu einem Kriege zwischen Frank* rek- und Rumänien wird es wegen des Hinauswurfes der rumänisch;jüdischen Studenten nicht kommen. Rumänien ist gar nicht gekränkt. Im Gegenteil. Es will den Fran* zpsen bei der Säuberung helfen, in einer „gemischten" Kommission. Mit dem Worte vom „rückständigen Rassenhaß" ist dieser Affäre nicht beizukommen. Frankreich ist, was Ver» ständnis für andere Rassen betrifft, allen voran.' Es hat, als erstes europäisches Land, einen Schwarzen, einen Neger in sein, Ministerium aufgenommen. Eine wirklich schöne Handlung. Da kann man nicht von „rassischer Verbohrtheit" sprechen. Und doch wird auch das m Rassenf ragen schmiegsame Frankreich böse und eckig, wenn der Juden zu viele werden. Die Juden werden erst dann zu Ruhe kommen, wenn es ein jüdisches Vaterland geben wird. Um diese zionistische Erkenntnis wird man nirgends und niemals herumkommen. . * Faris,zählt gegenwärtig an 3000 ausländische jüdi* sehe. Stu.denten, wovon 13Q0. der „Assoziation, jüdi* scher Studenten", angehören, welche von dem Rest der Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet 9. I V.-30. IV. 19 31 . GESELLSCHAFTSREISE MIT DEN,,SIT MAR '-DAMPFERN „AUSONIA" UND „ITAMA" Genya -» Neapel — Syrakus — A'exandrien - Calro — Tel-Awlw— Jerusalem—Haifa—Tiberiaa—Damaskus—Baalbek- Beyrpyt- Zypern - Kpnstantlnopel —Athen Gesamtpreis von S 1384,— aufwärts Auskünfte Wien I, Kärntnerring 1© (Ecke SchwaraenbergplaU) „SITMAR" Bei nervösen Sdimerzen/ Kopfschmerzen, gichtischen und rheumatischen -chmerzen sind Togal - Tabletten unübertroffen. Die Wirkung tritt unmittelbar ein, keine schädlichen Nebenwirkungen. — In allen Apotheken. — Preis S 2.40. Studenten aus verschiedenen Gründen abgelehnt wird. Die einen halten diese Vereinigung für zu nationalistisch, die anderen sind Anhänger linker oder extrem«Hnker An* schauungen. Um ein klares Bild zu bekommen, wie sich diese Studenten nach ihren Ursprungsländern und nach der Verteilung auf die Fakultäten zusammensetzen, geben wir die statistischen Zahlen der Studenten* a s so z i a t i o n, die, wie gesagt, nur einen Teil der Studierenden umfassen. Nach den Ursprungsländern: Pol<jn Rumänien . . . . ^Ü^oTS. S. R. . . Palästina . •.#-• Litauen . . . , Ungarn . . , , Lettland .... Türkei . . ♦ , , Deutschland . Tschechoslowakei . Aegypten . . . , « 546 U. S. A. ..... . 274 China . . . « * < , 79 Bulgarien 77 England 52 Griechenland , , * » 51 Transvaal 36 Estland 10 Kanada Indien .».*•»• Persien . . « * » t « . » « i h i t » « * I * Fünf Studenten besitzen keine Staatsangehörigkeit und haben einen Nansen»Paß. Nach Fakultäten; Medizin..... . 476 Architektur ..... 17 Philosophie . . . . 173 Kameralwjssenschaft » 17 Rechtswissenschaften 165 Veterinärkunde . „ § 8 Naturwissenschaften , 129 Luftfahrt 8 Elektrotechnik ... . 82 Schiffahrt i . * 7 Agronomie .... . 54 Musik . . . ■ » a 7 Chemie ... . . . 38 Bergakademie .... 5 Pharmakologie . . , . 34 Brücken und Chausseen 5 Kunstwissenschaften . 18 Was wundert ihr euch? . Deutsche Israeliten und Zionisten. — Diskussion über die Judenfrage. — Nahrung für den Antisemitismus. Die in den letzten Jahren hochgehenden "Wogen . des Nationalismus im Deutschen Reich haben das deutsche Judenproblem sehr scharf zur Diskussion gestellt In der / deutschen Judenheit selbst hat die a 11 g e meine D is« kutierung der Judenfrage nicht, wie anzunehmen wäre, den Solidaritätssinn gestärkt, der sich bis jetzt immer noch in Zeiten der Gefahr bei Juden gezeigt i hat. Es läBt sich, vielmehr eine gewisse Ver« schärf-ung der Gegensätze in Politik und Weltanschauung konstatieren, eine Erscheinung, die so groteske Formen annimmt, daß von Seiten der deutschen Konfessionsisraeliten die aus dem Krieg sattsam be1«;• kannte' O s V j u d e n h e t z e wieder betrieben wird. Das; deutsche; Konfessionsisraelitentum, das organisierte und vdas freiwildernde, ist in letzter Zeit wieder in,der Offensive begriffen. Das zeigten die Kultusgemeindewahlen in f Berlin,' das zeigt, die;Uebertragung i ihrer Gedankengänge auf die nicht jüdischen Kreise. . . Der deutsche Zionismus, eingefangen in die Wahn« i idee>einer*durch Nichtzionisten er wei t e r t e n Zionistischen Leitung (Jewish Agency), selbst durchsetzt von allerlei Ideen, die man bis jetzt als assimilanti- 8tisch anzusehen gewohnt war, sieht sich, so ausgerüstet, in einer hoffnungslosen Defensive. Als kürzlich Klatzkins bekanntes Buch über die jüdische Frage neu aufgelegt wurde, erregte es bei dem deutschen Demokraten und Pazifisten Hans von Goßlar possierliches Entsetzen, natürlich auch beim Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdisebeu Glau-