Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 181 (6.3.1931)
- Date
- 1931-03-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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r Söffe 8 DIE NEUE WELT Nr. 181 in Unserem verdienstvollen Präsidenten und langjährigen Mitarbeiter Chawer Scfiimeon Sch«u«r* mann wünschen wir anläßt ch seiner Verlobung mit Frl. Saida Tunis herzlichst Mas* Tow. MeHcas „Zaire Kitr*c*l" Wlan. ^MHmn»Hm,,m,m,...,Hnnim,nMmMllllminimiMillmninlmlu»,m,mm.i1mllh,l»atlnmnnmmlnla der Bibel bekannt ist und sehr hübsch im Buche Ruth geschildert wird, die aber jetzt große Härten für die Frau enthä.lt. Keine Ehe darf mit einer kinderlosen Witwe abgeschlossen werden, ohne daß sie ein Zeugnis über die von dem Bruder des Verstorbenen erhaltene „Chaliza" vorlegt. Und wenn dieser Bruder irgendwo in Afrika oder Amerika lebt oder der. Witwe keine Chaliza geben will, muß sie ihr ganzes Leben lang Witwe bleiben. Um hier Erleichterung zu schaffen, findet man häufig die sonderbare Sitte, daß ein todkranke? r M a nn sich von der ge Ii ebten kinder- 1 oseh Iran scheiden läßt, um sie nicht als Witwe" zurückÄulassen und ihr die Pfotw e n d i g k e i t der „Chaliza" zu ersparen. Diese Scheidung tritt jedoch nur , im , Falle seines tatsächlichen Ablebens, nicht im Falle seiner Genesung in Kraft. Besonders hart für die Frauen ist das jüdische Erbfolge recht. Die Frau hat keinen Anteil au dem Vermögen des Mannes, tind sie hat nur Anspruch auf die Summe, die in der „Ketuba", dem Ehekontrakt, festgesetzt wird oder auf Unterhalt. Doch gibt es, um diese Ungleichheit abzuschwächen, in bezug auf unverheiratete Töchter eine Verordnung, die ihnen Anspruch auf eine Mitgift einräumt. Aufförderung an Juden, sich in Nazareth niederzulassen. Die ambische Zeitung „A 1 S a 1 a m" veröffentlicht einen offenen Brief aus Naznreth, in welchem jüdische Kaufleute aufgefordert werden, sich in dieser Stadt niederzulassen und das sehr darniederliegende wirtschaftliche Leben von N azareth zu beleben. Die Stadt Nazareth stehe seit vielen Jahren unter dem erdrückenden Einfluß d^r Geldverleiher und ihre Bewohner erhofften sich allein von' der wirtschaftlichen Tätigkeit der Juden eine Besserung ihrer Lage. Der Brief trägt nach dem genannten Blatt die Unterschrift von zehn angesehenen and wohlhabenden Einwohnern von Nazareth. (Ziko.) „PuHm in Tel'Awjw»'' Verband demokratischer Zionisten VI—VIII. Der unter dieser Devise ver; talteten Purim- Redoute muß zugebilligt werden, daß sie ein Stück jüdischen Volkshumors auferstehen ließ und so wesentlich von den alljährlichen Purim-Veranstaltungen abwich. Denn neben ctem bunten Treiben in den blau-weiß ausgeschmückten Räumen des Chat Nöir gab es eine Art jüdischer. Bilderr'evue auf der Bühne, Symbole jüdischer Geigen wart und. Legende: jemenitische, > kaukasische Gruppen,' eine ostjüdische Familie, den Brith Trumpeldor und . eine TraVestie auf das Buch Esther. Auch interessante historische Einzelfiguren waren erschienen. Eine besondere Üeberraschungbildete die lustige Purimzeitung ,,Die neue Purim-Welt", die in allen Rubriken zionistische Persönlichkeiten und Richtungen persiflierte. Per Autor der Zeitung, Di*. Oskar Rosenfeld, hatte auch die Conference des Abends inne. Die Wahl des Bürgermeisters von Tel-Awiw (Herr Josef Slam aus Odessa) und der- Königin Esther (Esther Schächter) gab für viel Heiterkeit und Scherze Anlaß. Die überaus gelungene Veranstaltung, deren Reingewinn zionistischen Zwecken zufließt, währte bis in die Morgenstunden. Der 'Verband der demokratischen Zionisten Gruppe VT bis VIH "hat mit diesem echt jüdischen Fest wertvolle Propaganda geleistet. Besondere Anerkennung gebührt Herrn Paul-Alter für seine intensive Vorarbeit, und den'Frauen des Veranstaltungskomitees, die aus eigenen Mitteln ' ein ausgezeichnetes und ertragreiches Büfett herstellten. ' V " Der Erfolg des Abends war durchschlagend. Die Rfiuine'des ^)hat Noir konnten die große Anzahl der Gäste kaum fassen, so daß der Verband beschlossen hat, die nächsten' Veranstaltungen in großen Konzertlokalitäten abzuhalten; ' * ''. Die alljährlichen Kinder-Purimfeiern ändern; heuer "Samstag, den und Sonntag, den 8. März, ttmha]b;5 Uhr; ..im Theater Reklame, IL, Praterstraße 34, statt. Die ,vq» Frau Else Nebenzahl verfaßte Revue wird ausschließlich von Kindern dargestellt. Das Tanzarrarigemtmt hat Frl. Steffi Stahl übernommen. An die Freunde und Leser des Blattes! : J#ewi Sie der Ansicht sind, daß die „New Welt" eiip empfehlenswertes Blatt ist* geben Sie uns freund* lachst die Adressen von Freunden and Bekannten an. Wir werden denselben die „Neue Weif durch mehrere Wochen cur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir ans'hei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ansdröcknch zu bemerken. Aas der Zusendung erwachsen weiter Jbneo noch den Empfängern irgend welche Ver» pfli*btnngett. Die Verwaltung der „Neuen WeltM. Der jüdische Selbsthaß. Vortrag Prof. Lessings in Wien. Das jüngst im „Jüdischen Verlag, Berlin" erschie* nene Buch „Der jüdische Selb st haß" von Prof. Theodor L e s s i n g hat die Aufmerksamkeit weiter Kreise wieder auf dis Persönlichkeit eines Mannes ge« lenkt, der als ein Kulturkämpfer, eigenartiger Philosoph und interessanter polemischer Publizist seit seinem Auf* treten in Deutschland stark umkämpft ist. In den letzten Jahren hat Theodor Lessing einen beachtenswerten inneren Proteß durchgemacht, dessen Endpunkt mit einem „Zurück zum Judentum" fixiert ist. Sein Buch „Der jüdische Selbsthaß", dem wir eine entsprechende Würdigung bei seinem Erscheinen widmeten, legt davon Zeugnis ab. Auch in seinem Vor» trag, den Lessmg vor einem zionistischen Publikum Mon# tag, den 2. März, in Wien hielt, entwickelte er seine jüdischen Gedankengänge, die sich im wesentlichen mit denen, seines Buches deckten. Sein zionistisches Bekenntnis am Schluß seiner Rede, das er auf alle Scb ».hten des Judentums links und rechts ausgedehnt w i s s e n, w i 11, die Ablehnungen des utopisch^satten Liberalismus und des nur kosmopoli« t i s c Ii en'Internationalismus fanden bei den Zu* hörefn starken ßcifall. Ein zweiter Vortrag des Gelehrten wird demnächst vor der jüdischen Jugend stattfinden. Vortrag Professor Lessing. Jüdischer Hoch* sqhulausschuß, Wien, IX., Zimmermann* platz 8. Donnerstag, den 5. März 1931, um %S Uhr abends, findet im Fesfsaale des Handelsmuseüms, Wien, IX., Berggasse 16, ein Vortrag des Herrn Professor Doktor Theodor Lessing (Hannover) über das Thema: „Judentum als Mittler zwischen Asten und Europa" statt. Kolleginnen und Kollegen erscheint zahlreich! Gäste willkommen. T heater/ Kunst und Hiiiiiiiiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiir Literatur. Verein zur Förderung jüdischer Musik. Nach dem erfolgreichen ersten Kammerkonzert der laufenden Saison mit Werken von Brandmann, Gnessin, Engel und Stutschewsky veranstaltet der Verein zur Förderung jüdi* scher Musik einen zweiten Kammermusik abend am 14* März im Saale B'naj B rith (IX., Universitätsstr. 4). Das Programm des bevorstehenden Abends enthält fol* gende Erstaufführungen: Grigori Krein, Präludium für Flöte, Streichquartett Und Klavier, Alexander Woprik, zweite Klayiersonate, Leo Zeitlin, „Eli Zion" für Cello und Klavier, und Reb. Nachmans „Nigem" für Streich* quintett, Joel Engel, Duette für Frauenstimmen und Klavierbegleitung.'% Neues jüdisches Theater. Im Rahmen der Veranr. staltungen des jüdischen Schauspieler Vereines, tritt die jüdisch-amerikanische Scüauspielerin und Sängerin Koralova .mit ihrer Truppe auf. Gastspiel für weitere sieben Tage prolongiert. ' ' Tanznachmittag Susi Mirjam. Im Theater ah der Wien tanzt nach dreijähriger Pause wieder Susi Mirjam. Die junge Tänzerin, die sich schon frühzeitig einen guten Namen erworben hat, betont auch in ihrem neuen, interessanten Programm wieder die orientalische und jüdische Note. Beginn H5 Uhr, kleine Preise. Palästinensische Landschaften. Samstag, den 28. Fe* bruar, wurde im Kunstsalon W ü r t h 1 e (I., Weihburg« gasse 9) die Ausstellung ' Anna Ticho eröffnet. Frau Tic ho, die Gattin des bekannten Jerusalem, er Augenarztes Dr. Ticho bringt Aquarelle, Oel* bilder und Handzeichnungen, die Palästina darstellen. Be* Merkenswert: sind neben den landschaftlichen Motiven (Jerusalem, Jericho, Totes Meer, Tiberias) Typen persi* scher; jemenitischer und anderer orientalischer Juden. Im Rahmen der Ausstellung las der ausgezeichnete Bildhauer Und Bühnenärchitekt Alexander J a r a y eine Reihe jüdi* acher Dichtjungen in deutscher Uebersetzuiig;' lind zwar Bialik, J. Perez, Schalom Alechem und Morris Rosen* feie};" mit seltener Einfühlungsgabe in die Atmosphäre der einzelnen Stücke, so daß man ihn als wertvollen Inter* preten jüdischer Dichtung bezeichnen kann. Eine- „Geschichte des Chassidismus", der bedeut« samsten religiösen Bewegung im neuzeitlichen Judentum, aus der Feder von Prof. Simon Dubnow,v dem Ver* fasser der .zehnbändigen „Weltgeschichte des jüdischen Volkes", beginnt jetzt im Jüdischen Verlag, Birlin W 50, zu erscheinen. Das zweibändige Werk ist die erste zusam« menhängende historische Darstellung des Chassidismus, die auch zahlreiches, bisher unbekanntes Material im Privatbesitz von Prof. Dubnow verwertet. Soeben erschien der erste IjWd, der zweite Band gelangt im Mai d- J. zur Ausgabe. "<V v' •' Eine, hebräische Ausgabe der Werke Edgar Poes; D>r Stiebe!- Verlag in Tel-Awiw hat soeben öie erste hebräische Uebersetzung Poescher Novellen herausgebracht. Der Band faßt unter dem Titel „Mystische und phantastische Erzählungen .; die Novellen „Die Morde in der Rue Morgue", „Der schwarze Kater", „Eleonore" und „Das vorzeitige Begräbnis" zu* sammen. Die Uebertragung der Erzählungen1 besorgte 4er hebräische Dichter und Kritiker Reuben Groflm an» aus dessen Feder auch die Einleitung zu dem Bande stwoint. JSijl Vew$e»cliiii« der Mandatsliteratur der VoIk,erbundabibliothek. Die Bibliothek de» Völkerbundes hat ein Verzeichnis aljer in dein Jahren 1920*1930 in die Bibliothek 4es Völker» bundes aufgenommenen Bücher, Broschüren, wichtigen Artikel aus Zeitschriften, Dokumente usw, herausgegeben, die auf (Jag Mandatssystem und die ver sc hie* denen Mandatsgebiete Bezug haben, Die Gruppe VI-VIII des Verbandes | demokratischer Zionisten gratuliert 1 ihren Mitgliedern | Salomon Geltner und Frau 1 s zur Geburt ihres Töchterchens. 1 In die Liste der mit dem P a 1 ä s t i n a*M a n d a t in Zusammenhang stehenden Werke wurde auch z i o n i« stische Literatur aufgenommen. Wie im Vorwort zum Verzeichnis betont wird, handelt es sich hierbei durchaus nicht um eine vollständige Bibliographie zur Judenfrage, aber auch nicht alle zionistischen Werke .sind in dieses Verzeichnis aufgenommen, so t. B. die Werke Herzls, Nordaus und andere, obwohl sich diese Bücher in der Bibliothek befinden. Es ist bemerkenswert, daß die Anzahl der Bücher über das Palästina«Mandat bedeutend größer ist als die die anderen Mandate betreffenden Werke. Während die Liste der Bücher über das Palästina*- Mandat 17 Seiten umfaßt, ist das Verzeichnis der Bücher über das syrische Mandat bloß 9 Seiten, das über die Mandate für Irak und Mossul 10 Seiten stark. Das Verzeichnis der Bücher über das Palästina*Mandat ist auch umfangreicher als das der Werke über das Man* datssystem im allgemeinen. Die Liste dieser Bücher nimmt einen Raum von 10 Seiten ein. Artur Ruppin, „Soziologie der Juden", in zwei Bänden. Von diesem zweibändigen Werk ist vor kurzem der erste Band, „Die soziale Struktur der Ju« d e n", erschienen, während der zweite Band, „D e r Kampf der'Juden um ihre Zukunft", im Früh* jähr 1931 zur Ausgabe gelangt. Ruppins „Juden der Gegenwart", die in verhältnismäßig: kurzer Zeit drei Auflagen erlebten, waren das grundlegende Werk übet das moderne Judentum. Es wird jetzt durch seine „Sozio« logie", die viel größer angeleert ist und eine wirklich umfassende Enzyklopädie des zeitgenössi* sehen Judentums darstellt, abgelöst. Ruppins neues Werk kann als Grundlage und Ausgangspunkt für eine wirklich wissenschaftliche Behandlung der: J u d e n f r a g e der Gegenwart angesprochen werden. J udisdie Sport« und imiiiiiiiii Turnbewegu n g. Der judisdie Sport an einem Wendepunkt. Die „Neue Welt" veröffentlichte unter obigem Titel* die Zuschrift eines jüdischen Sportschriftstellers, in; welcher der Verfasser von einer Krise der jüdi-:r sehen Turn- und Sportbewegung spricht. Der Kreis Oesterreich im Makkabi-Weltver^: band sieht sich mit Rücksicht auf die verschiendenen, in diesem Schreiben allzu allgemein gehaltenen Behauptungen veranlaßt, zu deren Richtigstellung folgendes zu; bemerken: Die jüdische Turn- und Sportbewegung wurde vor' etwas über 30 Jahren, von Wien aus beginnend, in langsamem, aber stetigem Wachstum über die ganze Welt verbreitet. Ein normales Wachstum, das bis zum Ausbruch des Krieges anhielt. Die Kriegsjahre brachten selbstverständlich einen sich dem Nullpunkt nähernden; Rückgang, dem ein sprunghafter, übermächtiger Auf-' schwung in den ersten Nachkriegsjahren folgte. Diesen' wie Pilze aus dem Boden schießenden jüdischen! Sportvereinen — es waren damals im Nachkriegs-' Oesterreich weit über 30 — mußte ein Rückschlag folgen,! der die schon in ihrer Geburt nicht lebensfähigen ver-, eine im gleichen Tempo, als sie entstanden waren, wieder zum Verschwinden brachte. War eben in den fünf' Kriegsjahren der zur Führung neuer Vereine geeignete; Nachwuchs nicht vorhanden, so hatten auch die den Krieg, überdauernden bestehenden Vereine infolge des Abganges ihrer alten Führer unter dem Mangel an geeigneten führenden Personen ungeheuer zu leiden. Ein Mangel, der bis heute leider noch nicht ganz behoben ist,: weil die herangebildete Jugend zufolge der Wirtschaftsverhältnisse im schwersten Existenzkampf steht, vielleicht auch, weil sie, dem Zuge der Zeit folgend, allzu materialistisch eingestellt ist. Für die vielen neu entstanden en Fußballklubs und Sportvereine kommt noch hinzu, daß die Aufrechterhaltung ihrer Betriebe große Summen erforderte, die mehr oder weniger leicht in den Inflationsjahren aufzubringen waren. Mit dem Erlöschen der Inflation hörte der Geldzufluß auf, womit auch diese ff "f. ,1......... —........... , ,......ja, Wochen-Kalender März 1931 TW «mn Adar 5691 6 Freitag 17-r Sabbateingang 5.45 7 Samstag 18-m Sabbatausgang 8.28 '-utn rvQ «Ben ,rho »b .avn >d: 8 Sonntag li-tf . 9 Montag 20-3; 10 Dienstag ai-*o 11 Mittwoch »8-33 ■• ■ : u Donnerstag 38-33