Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 179 (20.2.1931)
- Date
- 1931-02-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT die Gerüchte von dem revisionistischen Starrsinn. Er be« weist Verhandlungsbereitschaft. Es ist Pflicht, auf solche Vorschläge zu antworten. Wenn es nicht geschieht, dann ■werden ernste, objektiv denkende Menschen feststellen müssen, daß die ungerechte Handlungsweise auf Seiten der Revisionisten zu suchen ist. stfindlse unentgeltliche Stellenvermittlons Nr.«? Welt trompetet werden, vom außerordentlichen Prestige* wuchs und der genialen Begabung des großen Fahrers und Politikers. Ein Freund der jüdischen Kolonisation* Scholom Asch blickt zurück. Seinen 50. Geburtstag hat der Schriftsteller Schalom Asch, zum Anlaß genommen, sich mit einem autobiographischen Rückblick selbst zu ehren. Diese Schrift, die nun in jiddischen und deutschen Journalen erschienen ist, entbehrt nicht eines gewissen Interesses für den jüdischen Leser. Weniger ob der Dinge, die sich auf das Leben und die schriftstellerische Tätigkeit, des Autors beziehen, als um manchen politischen Bekenntnisses willen, das hin und wieder in dieser Schrift „Rückblick" eingestreut ist. Man weiß, daß Asch gerne dann und wann Ausflüge in jene Gebiete macht, wo nur gefestigte Charaktere bestehen können — in das Gebiet der Politik, der jüdischen Politik. Wir haben schon seinerzeit anläßlich der Wiener Penklubtagung im Sommer 1929 einige Extempores des Politikers Asch historisch-retrospektiv aufgezählt und unserer Verwunderung Ausdruck gegeben, daß der Mann Asch von Zionistea als jüdischnationaler Heros angesehen wird. Es ist uns dies vielfach verübelt worden. Und die Kette der Irrungen um Asch flocht sich unabwendbar •veiter. Er würde Mitglied der erweiteren Jewish Agcncy, auf deren konstituierender Sitzung er eine etwas wirre, ph rasen reiche Rede hielt, er durfte das Wort ergreifen zu den blutigen Augustereignissen von •192 9 voll Angriffslust und Dummheit, er trat in Keren- Hajessod-Versammlungen auf, ja er griff ein w die innerzionistische Diskussion. Ein Reporter der Prager ..Selbstwehr" erzählte uns - sehr anmutig und sehr launig vom Dichter Asch, wie er so dasitze im l'Iüschfauteuil eines noblen Hotels, in nervöser Erwartung der besten Zigarre, die die tschechoslowakische Hauptstadt eben zu bieten vermag, und wie der Dichter Asch plaudert über — Jabotinsky. Den mag er gar nicht. Er beschimpft ihn lustig, schüttelt sich vor Ekel, der feine Asch mit der feinen Zigarre im Mund. Aber Asch war für die Zionisten immer noch ein Zionist, ein Kämpfer für jüdische Ehre, ein Repräsentant des jüdischen Vctlkes. Besonders in den Festtagen seines 50. Geburtstages, den er sich selbst, wie erwähnt, im „Rückblick" zu Gemüte geführt hat. ■ In diesem Rückblick steht ein , Satz, der die ..Zionisten ein. wenig nüchtern machen dürfte. Er tautet: „Obgleich ich eigentlich von der zionistischen Ideologie weit entfernt bin, ja sie in ihren bestimmten Formen für schädlich halte, bin ich doch, seit ich Palästina zum erstenmal sah, ein eifriger Anhänger, der Befruchtung des verwüsteten Landes durch produktive jüdische Arbeit. Die Landschaft und der jüdische Idealismus, der sich überall im Lande so deutlich kundgibt, haben midi zu einem Anbänger der jüdischen Kolonisation gemacht, doch ohne jede Ideologie oder Aspiration auf einen Judenstaa t." Also ungefähr die Tonart eines wasdiechten, salbungsvollen, israelitischen Assimilanten. Die haben auch ein Herz für jüdisdie Kolonisation, für Idealismus, für die armen Ostjuden, sie sind auch sehr böse auf die Judenstaatler mit ihren politischen Aspirationen, Nur daß es bei ihnen etwas verständlicher und immerhin etwas echter wirkt. Jene gehören der europäisch-amerikanischen Großbourgeoisie an, und der da ist ein simpler Jid aus Polen, wobei nichts verschlägt, daß er beim Penklub vom Herrn Franz Werfel (auch einer, der eine israelitische Mission hat in der Welt!) gefeiert wird und mit ähnlichen Figuren des gesprengten westlichen Ghettos feine Zigarren raucht. o. r. Geheimdiplontafie und ihre Erfolge* Warburgs sonderbares Geständnis. — Was ein Mann der Labour-Party aus der Schule plaudert. Die Jewish Ageney mit dem Parlament einverstanden. Von Dr. H. Rosenblum (London). Es ist eine bekannte Sache und es wurde schon viel darüber geschrieben, daß die offiziellen zionistischen Politiker die schlimmsten Methoden der autok,rati« sehen Geheimdiplomatie übernommen haben. Der Zionismus, der eine offene und ehrliche Volksbewe* gmig hätte sein sollen, ist von ihnen zu einer zweideutigen Geheimtuerei und zu einem kontinuierlichen Versteckenspielen gemacht worden. Dies verführt beide Beteiligten: dje Araber und die Juden. Die Araber bekommen den Eindruck, als ob der Zionismus nur ein gelungener Deck» mantel für eine internationale konspirative Unterdrücker* gesellschaft sei, und die Juden meinen, daß ihre Inter* essen hinter den Kulissen ausgezeichnet vertreten werden, ßeide jrren [sich natürlich schwer. Von Zeit zu Zeit dringen aber in die Oeffentüch» Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art u. aller Branchen benötigt, wende sich an „Hattoall", f., Wl«tlfigcntr. «, Tai. R-29-CM0 keit Fragmente des Hinterkulissenspiels, die blitzartig das Wesen der Geheimnisse beleuchten. Zwei solcher Fragmente sind jetzt bekannt geworden. Herr Felix War bürg veröffentlicht im amerkanischen „New Palestine" im Zusammenhang mit der ameri* kanischen Palästina«Konferenz einen Artikel. Ich glaube, die zionistische Leitung wird Herrn Warburg für diesen Artikel nicht dankbar sein. Es heißt darin: „Nach der Publikation des Shaw*Berichts haben Lord Melchett s. A,, .Dr. Weizman n und ich mit MacDonald ein Gespräch gehabt. Der Ministerpräsident war ausnehmend liebenswürdig und erklärte, daß der Shaw*Bericht ihn selbst unangenehm berührt habe. Er bat uns nahezu, ihm einen Rat zu geben, wie man den ungünstigen Eindruck, den der Bericht hervorgerufen habe, aus der Welt schaffen könne. Einige von uns schlugen damals vor, nicht mehr Kommissionen nach Palästina zu schicken, sondern eine einzelne autoritative Persönlichkeit zu dele* gieren, die die Aufgabe haben soll, die Lage zu studieren und die Grundlagen eines Modus vivendi auszuarbeiten. Nach einigen Tagen benachrichtigte mich der Minister» Präsident, daß er eine Person gefunden habe, wie wir sie verlangt haben. Deren Name sei John Hope S i m p s o n." Es stellt sich also heraus, daß die Idee, einer Einzelperson die Entscheidung über die zionistischen Kolonisationsmöglichkei* t e n z u überlassen, nicht vom C o 1 o n i a l Office komme, sondern von der zionisti« sehen Exekutive oder — formell gesprochen — v o n .d e r Jewish Agency,. Jetzt .verstehen wir, warum die Agency in den „Times" von vornherein die Sendung Simpsons so innig begrüßt und warum Herr R u p p i n so dienstfertig dem Regierungsabgesandten alle seine Kenntnisse und sein ^Material zur Verfügung gestellt hat. Es stellt sich wieder einmal heraus, wie wenig die zionistische Presse über das politische Spiel informiert ist, das im Nebel Londons getrieben wird. „Wir dürfen nicht zulassen, daß das Schicksal eines Volkes von einer Einzelperson entschieden werde, mag diese auch der größte Fachmann sein", schrieb die jüdische Presse, als sich die ' Früchte der Sendung Simpsons zeigten. Die arme jüdische- Presse! Sie wußte nicht, wer die Simpson*Idee ausgeheckt hat. Jetzt geschieht dasselbe, bei den englisch«zionisti? sehen Verhandlungen. Wir glauben wieder, daß die zionistischen Repräsentanten wie die Löwen gegen die Einführung eines Parlaments kämpfen, das unser ganzes Werk zu zerstören g e* eignet ist. Einige zionistische Blätter malen sich in der Phantasie den Verlauf dieses Kampfes sogar sehr dramatisch aus. Was stellt sich aber heraus? Herr A. Rewutzky hatte mit N. Brailesford, dem Redakteur des sozialistischen „New Leader", den Rewutzky als „führenden Kopf der Labour Party und bekannten Judenfreund" vorstellt, ein Gespräch. Das Gespräch war vor zwei Wochen im New Yorker „Morning Journal" gedruckt. Wir wollen uns mit einem Satz des Interviews mit Brailesford begnügen. Er sagt dort, die Juden sollten allgemeine Wahlen zum Paria m e n t verlangen und sich nicht auf religiöse Kurien einlassen. Brailesford meint weiter: „Nach dem, was ich in Indien gesehen habe, möchte ich euch in Palästina eine ernste Warnung geben. Bei der Ausarbeitung des Statuts des kommenden legislativen Rats (des geplanten Parlaments) dürft ihr es auf keinen Fall zulassen, daß Kurien« wählen stattfinden, Juden, Mohammedaner, Christen getrennt. Ich weiß, daß das von Seiten der Beamten des Colonial Officevorgeschla. gen wird und daß die jetzigen jüdischen Führer gerade in diesem Punkt mit ihnen übereinstimmen. Das ist aber ein sehr gefähr» liches Experiment." Daß Brailesford gut informiert ist, darüber besteht natürlich kein Zweifel. Wenn er offen erklärt, er wisse, daß die jüdischen Führer einverstanden sind, so kann man es ihm glauben ... Es stellt sich also heraus, daß statt eines „dramatischen Kampfes" von sehen der „jüdischen Führer" in der Verhandlungskommission ein Moschko«Tanz aufgeführt wird. Es genügt schon, wenn ein solcher „Führer des Zionismus", der im übrigen'den Juden den Rat erteilt, die Mehrheitsidee fallen zu lassen, die jüdische Oeffentlichkeit vor dem Opportunismus der Exekutive warnt. Man kann bereits begreifen, wohin „unsere Führer" unter Ausschluß der Oeffentüchkeit hinein« galoppiert sind. Sie hatten nicht nur schon dem Parlament zugestimmt, sie gehen, sogar auf ein religiöses Kurialwahlsystem ein, das für Jahrzehnte Miß Macht und den Ein* fluß des Mufti und seiner Clique befesti* gen wiri Bald wird von den großen Erfolgen des Prof, Dr. Weizmann seitens der Londoner gelben Journalistik in die AUS PALÄSTINA. Kooperation zwischen jüdischen und arabischen Pflanzern. In der arabischen Zeitung „Fa last in" veröffentlicht der jüdische Leiter der „Jaffa Fruit Co", Mr. T o 1k o w sk y, einen Aufsatz, in dem er zu einer Kooperation zwischen jüdischen und arabischen Pflanzern aufruft. Er weist auf die hohen Preise für kalifornisdie Orangen hin und sieht die wichtigste Ursache für die niedrigen Preise der Jaffa-Orange in dem Mangel an Organisation der Pflanzer und Exporteure, der die Position der Jaffa- Orange auf den englischen Märkten schwäche. Allein eine gemeinsam betriebene großzügige Propaganda, die sowohl von Juden wie von Arabern unter Ausschaltung aller politischer Differenzen einzuleiten sei, könne die Aussichten dieser Frudit auf den englisdien Märkten stabilisieren und künftige Absatzkrisen vermeiden. Die Redaktion des „Falastin" erwidert darauf, daß die Araber sich immer für eine gemeinsame wirtschaftlidie Arbeit unter Ausschaltung politisdier Ge» siditspunkte eingesetzl: hätten, aber die Juden hätten eine soldie Zusammenarbeit durdi ihre Ausnützung für politisdie Zwedce unmöglich gemacht. Jedoch schlägt auch das Blatt die Gründung von Kooperativen vor, die sich mit den Fragen der Besserung der Albsatzverhältnisse zu befassen hätten. Die O'Donnell-Koinmission kürzt das Budget der Palästina-Regierung um 300.000 Pfund. Jerusalem, 15. Februar. (J. T. A.) Die unter der Führung von Sir Samuel Perry O'Donnoll stehende Finanzkommission beabsiditigt, eine Kürzung des Budgets der Palästina-Regierung um 300.000 Pfund vorzunehmen. Zunächst werden vermutlich die Gehälter der Regierungsheamten um 10 Prozent herabgesetzt werden. Die Steuer Überlastung von Verkehr und Handel in Palästina. Eine von der Handelskammer von Jaffa und Umgebung durchgeführte Untersuchung über die Ge* bühren und Abgaben, die in den Palästina benachbarten Ländern im Autotransportwesen erhoben werden, hat ev> geben,-daß die betreffenden Gebühren« und Steuersätze in Palästina ganz erheblich höher sind als in Aegypten und Syrien. So ist in Aegypten die jähr* liehe A^abe füVTe^ ig Syrien für einen 1 % «Tonnen«Wagen 31 syr. Pfund und für einen 3*Tonnen« Wagen 60 syr. Pfund. Jn Paläst ins werden als jährliche Abgabe für einen 1/^ »Tonnen«Wagen 3 0 Pfund, für eine 2«Tonnen*Lori 50 Pfund erhoben. Außerdem bestehen in Palästina strenge Vorschriften über das Lastgewicht, die Ladungen über 2 Tonnen in einer Reihe von Städten verbieten. < Der Zoll für Benzin beträgt hv A e g y p t en 280 Mil für 100 kg, in Palästina 1350 Mil. Besonders empfindlich wirkt sich auch die Mehr* belastung durch die hohen spezifischen Zolle in Palästina aus, die den gegenwärtigen Preisverhältnissen in keiner Weise Rechnung tragen. Die Handelskammer von Jaffa hat dem Direktor des Zoll« und Handelsdepartements ein Memorandum über« sandt, in dem auf die Mißstände in der Abwicklung der Güterausgabe im Zollamt von Jaffa und auf die unrecht« mäßige Verhängung von Bußen durch die Zollbeamten hingewiesen und nachdrücklich Abhilfe verlangt wird. '■. (Ziko.): Jerusalem als kulturelles Zentrum der mohammedanischen Welt. Jerusalem, 13. Februar. (J. T. A.) Schau ka-t Ali, der Bruder des verstorbenen Führers der indischen Mohammedaner Mohammed Ali, ist in Begleitung des Großmufti in Jaffa eingetroffen und hat in. einer von der moharamedanisch-chri s'tliehen Vereinigung* Jaffas einberufenen Versammlung eine Ansprache gehalten, in der er erklärte, er sei während seines Londoner Aufenthalts mit dein Präsidenten der Jewish Agency Prof. Dr. Chahn W e mann in der Absicht zusammengekommen, die Wiederherstellung friedlicher Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina anzubahnen. Es seien ihm aber damals die wirkliche Situation jn Palästina uijd der tiefe Haß, der die palästinensischen Araber gegen die Juden wegen deren Politik erfüllt, nicht bekannt gewesen, Die Juden, erklärte Ali weiter, werden ihre Politik ändern müssen. Die ganze mohammedanische Welt steht geschlossen hinter den Arabern Palästinas. Der Großraufti hat die Absicht, Jerusalem zum kulturellen Zentrum der mohammedanischen Welt zu machen. XIII. Delegiertentag des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler Oesterreichs „Judäa". Der XIII. Delegierteutag des Gesamtverhandes Jüdischer Hochsdiüler Oesterreichs, „Judäa", findet Samstag, den 28. d. M., um 5 Uhr nachmittags, Wien, VIII.. Bennoplatz 1, statt.