Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 176 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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186 Titl. Universifntsbi''*" Preis 35 Groschen BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— " irle R E U E Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.-. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraß BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Telephon: B-48-504 "— Erscheint reden Freitag Jahrgang 5 Freitag, den 30. Jänner 1931 Nr. 176 Der industrielle Auf bau Palästinas* Aktuelle Fragen« Zwei hemmende Momente. Iu den zehn Jahren des praktischen Aufbaues hat Palästina manche wirtschaftliche Krise durchgemacht. Jeweils waren rasch Unglück'spro.pheten zur Hand, die eine Gesundung in Zweifel zogen. Immer wieder ist das Gegenteil ihrer düsteren Prophezeiungen eingetreten und es wurden nicht nur die zeitweiligen Krisen beseitigt, sondern respektable Schritte aufwärts getan. Es hat sich im Verlauf der Jahre gezeigt, daß die Wirtsdiaft Palästinas mit der Einwander ungsf rage aufs innigste verknüpft ist, in dem Sinne, daß die Wirtschaft, je größer die Einwanderung ist, sich desto rascher entwickelt und, je variabler das Einwandererelement, um so mehr Wirtschaftszweige und ökonomische Möglichkeiten sich im Lande erschließen. Die jüngste Einwanderangssperre. läßt naturgemäß die kommende Entwicklung im Dunkeln. Hängt die Wirtschaft in allen Ländern von der politischen Situation ab, so ist dies erst recht.der Fall bei einem werdenden Staatsgebikle, wo jede Unternehmung andie Voraussetzungen legislativer und fiskalischer Vorsorge gebunden ist. Die Palästina-Wirtschaft ist bis jetzt von zwei Momenten behindert worden: von der Feindseligkeit der britischen Verwaltungsbehörden und der Planlosigkeit der offiziellen zionistischen Wirtschaf tsümter. Wir halben schon des öfteren darauf »hingewiesen, daß die extensive Bewirtsdraftung des Bodens, die nahezu bewußt geübte Drosselung der I n d u s t r i eentwickInnig, die Miß-, ja Verachtung jüdischer kommerzieller Tätigkeit Hemmsdiu'he waren für jede großzügige Initiative. Was die Palästina-Regierung berichtet. Trotz alledem ist es erstaunlich, wie beispiellos das ikleine Land im Vorderen Orient in den zehn Jahren der jüdischen Voiksaribeit sich entwickelt hat. Palästina ist vielleicht das einzige Land de «gesamten Orients, das. ein en kontinuierlichen, zeitweise rapiden ökonomischen Aufstieg au verzeichnen hat. Geradezu phantastisch mutet es an, wenn man im soeben erschienenen Bericht der Pallästina-Regierung über das Jahr 1929 von einem Budgetüberscbuß von mehr als 4 Millionen Schilling liest. Nicht minder erstaunlich ist die heute bereits erreichte Exportziffer von fast 70 Millionen Schilling. Im Jahre 1929 wurden Orangen um 17 Millionen Schilling exportiert. Bemerkenswert ist hiebei der Umstand, daß diesmal neben England auch schon Deutschland als Konsument der palästinensischen Orange auftritt und hier auch eine Preisverbesserung zu verzeichnen ist. Der W/;•+ der' jüdischen Orangerien wird auf ungefähr i'i ivlillionen Schilling bei einer Verschuldung von 2,5 Millionen Schilling geschätzt. Andere Bdelfrächte haben eine sechsfache Exportziffer gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen. Trotz , der bereits oben erwähnten Vernachlässigung der Industrie-Interessen hat »Ich die Industrie noch günstiger entwickelt. Konnte man im Verwaltungisjaihr 1928 3500 Betriebe mit einem investierten Kapital von 120 Millionen Schilling zählen, so hat sich inawitschen das Industriekapital um ungefähr 66 Millionen'Schilling vergrößert.' In erster Linie ist die Pailestine Electric Corporation (Ruthenberg-Werk am Jordan) mit einem Kapital von 34 Millionen .'Schilling zu nennen. Eine der wichtigsten Unternehmungen für die Zukunft Palästinas ist die Palestine Potashe Co., die mit einem vorläufigen Kapital von 13,6 Millionen Schilling znr Ausnützung der Mineralien des Toten Meeres gegründet worden Ist* Sehr gut entwickelt haben sidi die Schemen Oel- und Seifenfabriken in Haifa sowie die dortige Z ern en tfabrik, die fast den ganzen importierten Zement verdrängt hat und bereits nad\ den Nadibarländern exportiert. Die Bautätigkeit äußerte sich in der Errichtung eines großen Luxushotels seitens einer Hotelbau A. G. mit einem Kapital von 6,8 Millionen Schilling. Bedeutung gewinnt audi eine Gesellschaft zum Bau von Kühlhäuser n. Der; Bau des TI a i f a e r Hafens madit Fortsdiritte; die Kosten weiden etwa 34 Millionen Schilling betragen/ Im großen und ganzen handelt es sich unter den uns bekannten Umstünden um imposante Ziffern. Ein Katalog der palästinensischen Exportindustrie. Die jüdische Industrie in Palästina, über die jeder zweite zionistische Wirtsdvaftsweise die Achseln zuckte», lebt. Davon geben nidit nur der von uns in großen Umr rissen wiedergegebene Beridif der Palästina-Regierung Kunde, sondern audi die Träger dieses Wirtschaftszweiges. So Hegt vor »ans eirf'palästinensischer Katalog, ein Katalog der palästinensischen, ExporJindusixie;. Efeip'j- Katalog, lautet offiziell Palestine Industrie3 Export Catalogue 1951 und als Herausgeber zeichne* die M a n ii f a c t u res As s o c ia t i o n o f Palestine in Tci-Awiw (Vereinigung der palä* stinensisdien Industriellen). Es ist das erste Budi dieser Art in Palästina und die Interessenten können es auf Wunsdi unentgeltlich von der Manufacturas Association of Palestine in Tel-Aiwiw, 26, Jehuda Halevi Str., beziehen. Es ist dieselbe Organisation, die im Juni 1930 der Imdustrieabteiluing der Jewisih Agency für das Finanzjahr 1930/31 ein Memorandum überreicht hat, worin in großen Zügen der Plan einer umfassenden Entwicklung der jüdischen Exportindustrie Palästinas niedergelegt ist. : Diese Organisation verlangt mit Redit von der Jewish Agency nicht nur Beachtung des Planes selbst, j sondern auch die entsprechende budgetäre Deckung j analog der Fürsorge für die jüdische landwirtschaftliche j Kolonisation. Das Memorandum legt sdiliüssig dar, ,! daß schon heute die Hälfte der jüdisdien Bevölkerung von Industrie und Handwerk ernährt werde, ' und glaubt daher eine proportioneile Verteilung der Beträge verlangen zu dürfen, d. h. einen angemessenen Anteil am Budget, zumal die Fonds der zionistischen Organisation von Kreisen getragen werden, die beruflich der Industrie und dem Handwerk angehören. Die Organisation der palästinensischen Exportindustrie glaubt, für die Zwecke einer großzügigen Propagandatätigkeit, Markterschließung, Errichtung von Filialen, Venbesserung der Verkehrslinien, des Stu» diums der' ausländischen Industrie, mit 25.500 Pfund ihr Auslangen zu finden. Schon heute besteht mit einer Redihe von Ländern des näheren und weiteren Orients, ferner von Nord- und Südamerika einige Verlbindung, die es auszubauen gilt. Der Indußtriekatalog verzeichnet an Ex» porthäusern t? für Textil und Bekleidung, 10 für Nah» .....NtttM»»»»M>»»MtM<m......MH«M»MtM Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt* liehen Notisen sind durch ein beigefügtes £ bezeichnet. KOHLEN KOKS ANTHRACIT MMwt«r auaUUH BÄSCH, IV. ArgcntlnlftrstraM 33 ' ManhtiM W*^v*4WP TwepnoM u,4t*3^f Bei Kopfschmerzen/ nervösen, rheumatischen und gichtischen Schmerzen haben sich Togal- Tabletten hervorragend bewährt. Wenn Tausende von Aerzten dieses Mittel verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen! Fragen Sie Ihren Arzt — In allen Apotheken. — Preis S 2.40. rungs- und Genußmittel, 14 für Möbel, Maschinen und Baumaterial, 6 für diemische Iindustrie, 7 für Verlag, Druckereien und Kartonagen, 9 für landwirtschaftliche Erzeugnisse, 9 für Geldverkefhr, 6 für Fremdenverkehr und zaihlreiche Versidierungegeseiischaiften und Transportfirmen. Derart bietet der Katalog eine Uebersicht Über die großen Betriebe und Firmen, die am Export teilhaben. Der Katalog enthält aber auch zahlreiche Anzeigen, die bezeugen, daß im jüdischen Palästina fast alle, Artikel des täglichen Bedarfs produziert werden, beziehungsweise exportreif sind, und widerlegt damit das unsinnige Gerede von Palästina als einem Land mit nur landwirtschaiftlidien Entwicklungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang hat der Katalog auch politischen Wert. <•. , Denn er führt wieder einmal, was ja nicht unbekannt ist, die Tatsache vor Augen, daß die Attacke Simpsons und des Weißbüchs gegen die . jüdische Industrie ein politischer Akt ist als Ausfluß der Angst vor einem Faktor, der in Zukunft geeignet sein könnte, den englischen Export zu beeinträchtigen. i Die jüdischen' Industriefragen Palästinas haben bisher auf Zionistenkongreßen eine stiefmütterliche Behandlung erfahren. Wie vielen anderen Fragen, so wird auch der Frage der jüdischen Industrie vom 17. Kongreß gebührende Aufmerksamkeit gesdiienikt werden müssen. Das »erlösende« Wort * ♦ ♦ Auch das Schweiäser Parlament hat seine Judendebatte. — Und Kanada bleibt nicht zurück. _>—i Dänemark. In rührender Hilflosigkeit stehen die Assimi-i lationsjuden dem Antisemitismus gegenüber. Sie haben »ich bemüht, alles Jüdische abzustreifen, und rechnen t Wo es nichts mehr Jüdisches gibt, kann eis doch auch keinen Antisemitismus geben! Eine so einfache und klare Rechnung ... Und doch will sie nie stimmen. Je mehr die Juden deutsch, englisch, amerikanisch und polnisch tun, desto stärker antisemitelt es auf der anderen Seite. Das kann doch nicht mit normalen Dingen zugehen! In eich können die armen Juden-Assimilanten den Grund für die Abneigung und die Feindseligkeit von früher nicht finden. Beim besten Willen nicht. Sie sind doch „genau so wie die anderen". Also muß der Grund in den anderen liegen. Ja! Es fehlt bei den anderen an „Kultur". Antisemitismus ist Kulturlosigkeit. Mit dem Wachsen der Kultur schwindet der Antisemitismus. Ein Kulturmensch kann nicht Antisemit sein. Schön gesagt! Nur will es wieder nicht stimmen. Weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart. G o e t h e, S c h o p e nh a u e r,: B a 1 z a c waren waschechte Antisemiten* Man'kann aber schwer bestreiten, daß sie Kulturmenschen waren. Auch der großen Schar von Gelehrten, Professoren, hohen Richtern, Wirtschaftsführern, Schriftstellern usw., welche heute im langer des Antisemitismus stehen, ist mit der Theorie von der Kulturlosigkeit nicht beizukommen. ' Man kann von ihnen denken, wie man will. Das, vftas man die Kultur der Zeit nennt; kann man innen itiöht absprechen. Dann alio liegt es an den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen der Länderl Wo Unruhe und Zwist herrschen, wo die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse unnormal, krankhaft .sind, dort gedeiht auch die Krankheit Antisemitismus. Ja, Antisemitismus ist eine Krankhtit» Wo Ruh« famtehtt «in Zuttaud der Aupg*