Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 5 (1931)
- Issue
- Heft 174 (16.1.1931)
- Date
- 1931-01-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 "■*«*>>**fi. Tltl. Universitätsblbliotli V.b.b. BEZUGSBEDINGUNGEN. Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, Vierteljährig Lewa 1.20. Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX,, Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 5 Freitag, den 76. Jänner 1931 Nr. 174 UNION DER ZIONISTEN-REVISIONISTEN ÖSTERREICHS / :: Samstag, den 17. Jänner 1930, 7*8 Uhr abends, im Saale des Ingenieuru. Architektenvereines, f., Eschenbachg. 9 \\ \/r\DTD A O „Politik und Wirtschaft VVJr\ I rvMCI im Zionismus" Dr. S. SOSKIN lllllllllllllllllllllllllllllllllll REGIEBEITRAG Freie Aussprache REGIEBEITRAG :: r ©eifttge Arbeiter- "\ Stauin, 9l»w5fe, Sudetttanlt, ^att'etöige eilen im eigentn 3nitr«{f: iftg» lidj Das bunfl« 6 i tn o n $ d t o (. Keitfi an Wtttfa^en unt> Sttamitten. 3« b (innen (Sdjniten mit iöulttr (ine Selüoteff«. ©ehr bequem: Stmonabtotpädttjm In SdjnMten. $Jn aOet» guten Seinlofibanblungen uub Börtewitn erUdttltd». . SimonSorotfabrifc 2$teit*5?agratt 11 . V , Sägittfacr ^oftPccfond — Gjpott———J Not/ Resignation, Selbstmord* (Von unserem Berliner Korrespondenten J. Klinow.) ■ ..,; Berlin, 15. Jänner. Mein Freund von der Börse bringt mir wieder eine Neuigkeit: auch im Bankhaus Mendelssohn Co. werden Angestellte entlassen. Und was für Angestellte! Solche, die für die Bank volle 40 Jahre gearbeitet haben. Mein Freund von der Börse hat letztens über* haupt viel Neues zu erzählen. In der jüdischen Gemeindestube sind auf jeder Sitzung herzbrechende Berichte zu hören — über die unvorstellbare Not, die tausende Mittelstandsfamilien ergriffen hat. Alle Wohlfahrtsstellen sind von Notleidenden, Angehörigen der untersten sozialen Schichten, Opfern der ökonomischen Krise, belagert. In der Burgstraße, auf der Börse aber kommen andere Tragödien zum Vorschein, Katastrophen, die die Spitzen der Gesellschaft, die höheren Schichten, die gestrigen jüdischen Reichen, oft auch die gestrigen Millionäre treffen. Und wenn das Haus Mendelssohn Angestellte entläßt, dann hört sich die Welt auf, setzt mein Freund fort. Denn es handelt sich hier nicht so sehr um finanzielle Ersparungen (denn die entlassenen Angestellten erhalten ohnehin lebenslänglich ihren Gehalt), als darum, daß man für sie keine Verwendung hat; daß nichts zu tun ist; daß man in den Banken mit verschränkten Armen dasitzt. Und-vom Bankhaus Dreyfus haben Sie schon ge-; hört? Erst vör kurzem gab es dort noch 400 Angestellte, heute gibt es deren nur noch 80. Alte Bankfirmen krachen. Es krachen Unternehmungen, in denen Juden jahrelang Positionen einnahmen. Das Haus Mendelssohn z. B. gehörte zu jenen Firmen, wo man Tradition wahrte, darauf achtete, daß jüdische Angestellte nicht hinausgestoßen werden. Es wurde immer Proportion gewahrt. Immer machten jüdische Angestellte die Hälfte aus. Es kommen schwere Zeiten. *, ,; , ■ '. Das Gespräch des Tages aber ist eine andere Ueberraschung. Die alte Bankfirma Geb r ü d e r Veit ist in Liquidation begriffen; Die Firma, die, mehr als 150 Jahre existiert und zu den ältesten1 Unt.ernefrm.en Berlins gehört,, räumt freiwillig das Feld und verschwindet. ' Erst' vor einigen Taigen schrieb Hans Goßlar' Über die Juclen dieses Berliner Bankhauses. Schon im; Börsenkomitee von 4805 figuriert „S a 1 o m.on V$ it, Spandauerstraße 68". Und wenn Hans Goß- Ur auf die Solidität der alten jüdischen Handelsfirmen zu sprechen kommt, die den Krieg und die Inflation bis auf den heutigen Tag überlebt haben, so erwähnt er die Gebrüder Veit. Dieses jüdische Bankhaus stellte jahrelang dem Berliner Börsenvorstand ihren Mitinhaber Edgard Rosenblatt. Das Haus florierte. Jetzt geht es nicht weiter.. Es resigniert, es liquidiert. Betrifft dies nur die jüdischen Firmen? Natürlich nicht. Es ist eine allgemeine Zeiterscheinung. Aber die privaten Bankfirmen gehören in d e.r Meh r zahl Ju d en, -und diese sind naturgemäß mehr in Mitleidenschaft * gezogen, da. die großen Bankkonzerne leichter durchhalten können. Die jüdischen Angestellten, die in den privaten Bankfirmen einen ajisehniichen Prozentsatz ausmachen, verlieren ihre Posten und werden so bald ■keine neuen finden.'& r* 11. - •■•■<• -;,,'.V... ......> " * . .. . . - ' . Es spielen sich noch größere Tragödien ab. Da kommt dieser Tage ein Mann in ein Waffengeschäft, kauft einen Revolver, zahlt und schießt sich an Ort und Stelle nieder. Der Mann ist der jüdische Bankier Moriz S t e i n fei d. Noch vor kurzem war die Firma Steinfeld ein Millionenunternehmen. Als die Berichte von Steinfelds Tod erschienen, wollten viele nicht an den Selbstmord glaubend Ein Unglücksfall, unglück- Bcf gidltfsdieil Schmerzen/ Nerven- und Kopfschmerzen sowie bei Schlaflosigkeit wirkt Togal ganz vorzüglich. Togal- Tabletten lösen die schädlichen Bestandteile im Blut und führen eine baldige Linderung und vollständige Genesung herbei. - In allen Apotheken. - Preis S 2.40. liches Manipulieren mit der Waffe! Jetzt weiß man es: Selbstmord. Eine Geschichte von 150.000 Mark, für die Steinfeld Garantie geleistet hatte! Die Firma krachte und Steinfeld selbst, so zeigte es sich, besaß schon seit langem seine Millionen nicht mehr. * Einige Worte über einen anderen Selbstmord. Kein Bankier, sondern ein jüdischer Kunsthändler. Die Krise und die Not breiten ihre Flügel über die weitesten Schichten. Und die weniger Bodenständigen fallen wie die Fliegen. Einer von ihnen, der Kunsthändler Margules, hat auch den Kampf' aufgegeben. Eines schönen Tages erfuhr die Kunstwelt von dem Unglück. Margules ist nicht mehr. Er, war ein Freund der jungen Künstler, wie er letztens selten anzutreffen ist* Selbst der Sohn eines russischen Juden — sein 80jahriger Vater lebt heute noch — brachte ihn der Zufall zum Beruf des &ri$|hän^lersi Aus .„den,;Grabieclen, seinem lina^. Jigen Freunde erfuhr ,man, daß. er mehr Kunstfreund als Händler wäri., Er nahm sich jüdischer Talente an, kaufte Arbeiten, die schlecht gehen. Die Krise hat ihn zermalmt. Man erzählt, daß Margules knapp vor seinem Tode im „Romanischen, Cafe" erschien, jüdische Künstler suchte, um ihnen eine kleine Anleihe in die Hand zu drücken. Das alles ereignete sich innerhalb weniger Tage. Hiobspost bedeutet heute Post aus Berlin. Fehler der Paläsli'napolitik Die Ri'thfung „Herzl" und die Richtung „Wefemann"» Von Direktor M. Reichenfeld (Wien). Der älteste Freund, Verwandte und Anbeitsgenasse Theodor Herzls ihat der „Neuen Welt" diesen Artikel freundlich zur Verfügung gestellt. Direktor Reidienfeld war der erste, mit dem sidi Theodor Herzl beriet, bevor er mit seinem „Judenstaat" hervortrat. Direktor Redchenfekl verfolgt alle Vorgänge im zionistischen Leben aufmenksam und verständnisvoll. Es wird die Leser der „Neuen Welt" 'gewiß interessieren, die Ansichten eines berufenen Hüters der Hierzischen Tradition'kennenzulernen. Der, objektive Besudier der letzten Kongresse konnte schon seit'Jahren Fehler der Politik unter der Leitung Professor Chaim Weizmanns registrieren. Wenn trotzdem mit dieser Darstellung gewartet wurde, so liegt es darin, daß der Ausbruch der August-Unruhen des Jahres 1929 auch der objektiven Kritik Rücksichten auferlegte. Das Abrücken der Mandatsregierung von der, Balfour-Deklaration war schon 1920 erkenntlich geworden. Die Judenheit in Palästina, die dieses Ab-, rücken natürlich zuerst bemerkte, hat nicht aufgehört, die Leitung der zionistischen Politik in London auf diese Alle ■ im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes £' bezeichnet.' hechttor QiMrttUM BASCHIt IV» Art«?ttini«r»tr«ft« n TrttptHMi }£J55j58} besorgniserregende Wendung aufmerksam zu machen. Das Churchillsche Weißbuch vom Jahre 1922 war der Beginn einer Kompromißpolitik, die konsequenterweise zur jetzigen politischen Situation führen mußte. . Doch historisch betrachtet, liegt der Ursprung der gegenwärtigen Schwierigkeiten weiter zurück, er datiert vom Jahre 1917, dem Zeitpunkt der Erlassung der Bali o u r- Deklaration. Die Balfour-Deklaration sollte die Verwirklichung des Lebenswerkes Theodor Herzls sein. Herzls Leitidee war, eine jüdische Heimstätte öffentlich-rechtlichen Charakters in Palästina für das jüdische:. Volk ,zu errichten (Parteiprogramm von 1897). Herzl galt es in erster Reihe, Land, Boden zu erwerben. Das war für ihn; die Grundbedingung. Herzl war deshalb unermüdlich1 im Suchen nach einem geeigneten Land. Deshalb trat er den Vorschlägen „El-Arisch" und „Uganda" näher. Ihm erschien das Erlangen festen Bodens für die jüdische Kolonisation als Grundlage alles Beginnens. : Der große englische Minister Chamberlain eagte Herzl anläßlich einer Audienz: „Ich habe für Sie 'auf meiner Reise ein Land gesehen: Uganda, dort ' könnten Sie Zucker und Baumwolle pflanzen. Aber ich dachte mir,'. Dr. Herzl will ja nach- Pa 1 ä s Ii n a oder -in dessen Nähe gehen." Das wichtige Bodenproblem wurde nun beim Erlassen der Balfour-Deklaration außer acht gelassen. 'Die1 Deklaration löste die Bodenfrage nicht. Sie. sprach vom* Reichte auf den Boden, den1 Boden selbst, hat sie den Juden nicht gegeben. Kein Geringerer als Max' N o r d a u, der un- .: ermüdliche Verfechter der klaren' Herzischen Idee, ermahnte im Jahre 1917 beharrlich Weirmann und seine Mitarbeiter. Nordau erklärte immer, die Balfour- Deklaration ohne Land sei ungenügend. In dieser