Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 168 (5.12.1930)
- Date
- 1930-12-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT St. «6S kämpfen für die Erhaltung des alten Kapitalismus wie um die Wege zu einer neuen Wirtschaftsordnung. Mit dem Kapitalismus aufgestiegen zu der Bedeutung, die sie für die deutsche Wirtschaft durch die Jahrhunderte gehabt haben, ßehen sie heute viele Wege zum Vorwärtskommen versperrt. Nicht jeder jüdische jijnge Mann kann wie einst der Vater zum freien Unternehmer aufsteigen. Vor der jüdischen Jugend türmen sich Probleme von größter Bedeutung. Ihrer ha^rt eine Aufgabe, die größer ist al6 die ihrer Väter: die Einstellung auf die neuen Gesetze der Wirtschaftsführung, getragen von dem Bewußtsein der Verantwortung. Der Unternehmer als Verwalter einer öffentlichen Funktion, der Arbeitnehmer im Dienste seines Werkes. Das Schicksal des Kapitalismus wird mitbestimmend sein für das Geschick der deutschen Juden. Sie waren die Wegbahner in unsere Wirtschaftsepoche, werden sie es verstehen, auch Führer in die neue Zeit zu sein? AUS PALÄSTINA. Der Kamp! um die beimische Industrie. — Bata überschwemmt Palästina. In jüdischen Wirtschaftskreisen Palästinas wurde in letzter Zeit durch die verstärkte Einfuhr ausländischer Fabrikate große Erregung hervorgerufen. Besonders betroffen von der zunehmenden Konkurrenz ausländischer Fabrikate wird die Schuhindustrie im Zusammenhang mit der Eröffnung von Läden der großen tschechoslowakischen Schuhfabrik Bata. Die Bata-Niederlassungen versuchen auch in Palästina durch besonders n i e d r i g e Schleuderpreise und große Reklame den Markt zu gewinnen. Von den einheimischen Schuhherstellern wjrd* befürchtet, daß durch'die Ausbreitung der Waren dieser Firma, in Palästina der palästinensische Schuherzeüger großen Schaden leiden wird. Nach der letzten jüdischen Gewerbezählung im Jahre 1930 bestanden Ende. 1929 allein 429 jüdische Sc hu Ii Werkstatt en in Palästina, so daß mindestens 2 000 Personen, in diesem Wirtschaftsz w e i g ihre Existenz finden. Die Eroberung des palästinensischen Schuhmarktes durch Bata würde also viele^ jüdische Familien in ihrer Existenz bedrohen. Die jüdische I n.d \\ s.tr j e,l 1 e n-V ereinigung hat bei der Regierungskommiission für Handwerk und Industrie eine Petition eingereicht und darin die sofortige Erhebung eines hohen Zolles auf Lederschuhe verlangt. Sollte damit die Einfuhr der Bata- Erzeugnisse nicht 'genügend getroffen werden, so wird eine Anti-DumpiiigrKlausel nach dem Vorbild des australischen Zolltarifgesetzes von 1921-22 gefordert. Inzwischen haben'auch bereits zwischen jüdischen und arabischen Schuhherstellern Verhandlungen über ein gemeinsames Vorgehen gegen die ausländische Schlcuderkohkurrenz stattgefunden. „Doar Hayom" und „Feiestin" erscheinen wieder. Jerusalem, 25. November. (J. T. A.) Die Palästina- Regierung hat die vor einigen Tagen verfügte Suspendieru'ng der Jerusalemer * hebräischen Tageszeitung „Do a r Hayo m" und" des Organs der arabischen Exekutive „F e 1 es t i n" aufgehoben. Die beiden Zeitungen erscheinen ab heute wieder. : Ein arabisches Waffenlager aufgedeckt. J e r u s a 1 e'm, 28. November. (J. T. A.) Die Polizei hat in dem Dorfe Ab.uein bei. Ramallah neuerdings 21 Gewehre und 5 Revolver beschlagnahmt. Erst vor ganz kurzer, Zeit' wurde' iri demselben Dorfe ein Lager van 80 Gewehren und einer großen Anzahl von Re* v o 1 v e r n aufgedeckt.. Van Vriesland holländischer Genemikonsul in ' Palästina. Jerusalem, 2b\ November. Das ehemalige Mitglied uer zionistischen Exekutive und" jetzige Mitglied des Direktoriums der Palps Pofasb Company, Van Vriesland, hat ehrenamtlichdas Generalkonsulat fü[r Holland in' Palästina übernommen. Der frühere holländische Konsul Fn Palästina war Jacobus Kann. Wahlen zum Legislative Council. Jerusalem, 27. November, (J. T. .A,) Aus arabischen Kreisen wird mitgeteilt, daß die Wahlen zum Legislative Council für Palästina anfangs 1 9 31 stattfinden. Das Land wird in vier Wahlkreise, Acco, Nablus, Jerusalem (einschließlich Hebron, Hamallah und Bethlehem) und Jaffa (einschließlich Ber Sheba und Ghaza) eingeteilt werden. Die arabische Presse gibt der Vermutung- Ausdruck, daß für Jaffa und Jerusalem sowie für die nördlichen Distrikte je ein christlicher Vertreter in den Legislative Council entsendet wird. Die Judenschaft Palästinas hat, wie bekannt, be» schlössen, an diesen Wahlen nicht teilzunehmen. Die Wirtschaftslage in Palästina. Am 28. Oktober fand in Tel>Awiw eine Sitzung der Handelskammer von Jaffa und Umgebung statt, an, ißt außer den Mitgliedern eine Reihe, von Ver* treten*, jüdischer Wirtschaftsstellen teilnahmen. In der Sitzung wurden die wirtschaftliche Lage Palästinas und die AuMicbten für den kommenden Winter be« bandelt. Der Vorsitzende der Handelskammer, Herr Hoofien, betonte in seiner Ansprache, daß die Senkung der Produktenpreise die Lage der Landwirte und ihre Kaufkraft ungünstig beeinflussen müsse und daß dadurch auch der Importhandel betroffen werde. Man habe dies jedoch bereits vor einigen Monaten voraus* sehen können, so daß die jet£t eingetretene Depression keine Ueberraschungen biete. Auch die in den meisten Ländern der Welt herrschende Wirtschaftskrise müsse sich auf verschiedene Weise in Palästina äußern und man habe tatsächlich hie und da frolche.£inwirkungen bereits verspürt. Aber gleichzeitig damit müsse hervorgehoben werden; daß die wirtschaftliche Lage in Palästina heute nicht nur besser, sondern auch weit stabiler und g ei e s t i g f e r als in den meisten Ländern Europas und Tri Amerika sei. Im Vergleich mit der Lage etwa vor fünf Jähren sei eine außerordent* liehe Wandlung zu verzeichnen. Damals befanden sieh viele Personen im Lande, die sich nicht verwurzeln konnten und unter schweren materiellen Verlusten und moralischen Depressionen Opfer der in Polen herrschen» den Finanzkrise wurden. Ungesunde Unternehmungen und gereizte Stimmung waren das Produkt dieser damals plötzlich eingetretenen Krise. Heute seien solche Erscheinungen verschwunden und es sei auch nicht zu befürchten, daß wieder ähnliche Ueberraschungen auftreten würden. Im Bezirk von Jaffa War in den letzten Monaten die geldliche Lage etwas angespannt, da die Summen, die früher regelmäßig um diese Zeit als Vor» Schüsse der englischen Orangen« Import eure ins Land strömten, diesmal nicht eintrafen. Dadurch fehlte den Pflanzern ein Betrag' von zirka 100.000 Pfund. Das hatte seine Rückwirkung auf die Kaufkraft und damit auf den Markt im Orangengebiet. Diese Schwierigkeiten haben aber jetzt fast aufgehört, da in den nächsten Tagen die neue Orangenexport«Saison beginne und gleichzeitig mit der Versendung der Früchte auch ihr Gegenwert ins Land kommen werde. Der Rückgang der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt habe noch keine parallele Reduktion der Pro» duktenpreise hervorgerufen. Man müsse damit rechnen, daß eine solche Reduktion eintreten werde und eine mehr oder weniger plötzliche Form annehmen könne. Jeden* falls würden die Kaufleute, die sich mit dem Handel von Rohstoffen befassen, gut daran tun, in der nächsten Zeit mit besonderer Vorsicht zu dispps nieren. Auch die Handelskammer möge an ihre Mitglieder in. den verschiedenen Sektionen entsprechende Hinweise ergehen lassen. Die junge palästinensische Industrie könne leicht von dieser Entwicklung unangenehm betroffen werden. Sie müsse damit rechnen, daß eine Periode, niedriger Preise komme, auf die, man sich gut vorbereiten müsse. In den großen, Industrieländern des Auslandes seien über* all beträchtliche Preisreduzierungen für Industrieprqdukte vorgenommen worden, die'die Konkurrenzfähigkeit (dieser Länder. auf den internationalen Märkten erheblich ver* größerten. In der darauffolgenden Diskussion wurde allgemein die Notwendigkeit JjQtpn.r, diejüdische Industrie zu unterstützen, und vorgeschlagen, eine besondere Kommission zur Propagierung ihrer Erzeugnisse einzusetzen. . . . . Pse howvßhimhedmUiqe Vuisa&a« Vor einiger Zeit hat Benjamin Donath mit seiner Forderung der Korrektur eines Vulgataverses viel Aufsehen erreg t. fsTu n gibt ps aber in der lateinischen '.Bibelübersetzung -• tatsächlich: 'einen Vors, der •dringend der Korrektur bedarf, .nämlich Mosis III. 1.9, 18; „w'ahawta l1 re'acha kamocha" ist mit: „Diliges amicum tüu'ni sicut te ipsum" übersetzt (Liebe deinen Freund wie : dich selbst), statt rieht i;g: „Diliges pröximum tuum" (Liebe deinen Nächsten wie dich selbst). Die Septuaginta wiedergibt das in Frage stehende Wort re'a mit ton plesion — Nächsten. Die Vuigata hat an vielen Stellen pröximum tuum, als Aequivalent für re'acha, um nur einige Beispiele herauszugreifen: im Dckalog (sowohl Mosis II 20, 16; wie Mösls V, 5, 18), auch Mosis II, 2, 13: „lama take re'echa", „a.uare percutis pröximum tuurn" (warum schlägst du deinen Nächsten?). Uebrigens ist im selben in Rede stehenden- Kapitel III 19, Vers 16, re'acha mit piroximi tibi (deines Nächsten) wiedergegeben; Beim Vers 18 handelte es sich darum, diesen Vers mit der „Bergpredigt" in Ueberein« Stimmung zu bringen, wo es heißt: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist: ihr sollt eure Freunde lieben." Dje Ueber* setzung dieses Verses ist demnach eine tendenziös» Christliche. Das Wort re'a bedeutet wohl stellenweise Freund (auch Gedanke: Psahn 139, 2, 17); aber, wie w^nn der Verfasser jedem Mißverständnis vorbeugen wollte, heißt es im selben Kapitel Mosis III 19, Vers 34, mit Be^ug auf den Fremdling: „w'ahawta lo kamocha" (du sollst ihn lieben wie dich, selbst). Hieraus geht mit be* sonderer Klarheit hervor, daß das Wort re'a an der be* sagten Stelle JH 19, 18, ebenso Nächster bedeutet,'wie im Dekalog und an vielen anderen Stellen. Der Kirchenvater Hieronymus zog die hebräische „veritas" der griechischen Bibelübersetzung vor, nichts* desto weniger ließ er sieh hinreißen, die Namen Schamai und Hillel ~ zwei inv Judentum hochverehrte Männer» gestalten — in gehässiger Weise w interpretieren: prior „dissipator" (Schamai — von schamam) — sequeus „pro* phanus" (Hillel von chilel [siel]). Es darf demnach seine Ueberset2ung des Verses Mosis III 19, 18, nicht wundernehmen. Die Richtigstellung wäre ein Gebot der Gerechtigkeit. Esther Mieses, Präsidentin des Jüdischen Frauenbundes. Theater/ Kunst und llllillilillliiiiliilliilllllliii! Literatur Jüdischer Kulturklub. Der vor kurzem gegründete Jüdische Kulturklub hat es sich zur Aufgabe ger macht, weitere Kreise der jüdischen Öeffentlichkeit mit jüdischem Kulturgut in Form von Vorträgen, Führungen und künstlerischen Abenden bekannt zu machen. Der erste Abend als Vortrag des Herrn-Dr. Otto Schneid „Ueber moderne jüdische Künstler" (mit Lichtbildern) findet Samstag, den 6. Dezember, pünktlich 8 Uhr abends, im Vortragssaal der Z. M. V. Mirjam, I., Jordangasse 7 (beim Hohen Markt) statt. Jüdische Bühne, IL, Taborstr. 12 (Hotel Stefanie). Ab Freitag, 5. d. M., bis t)onnerstag, 11. d. M.. gelangt das Lebensbild von Zolotorewski „Uneheliche Kinder" zur Erstaufführung. Sonntag, 3 Uhr, Nachmittags* Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Makkabi. Im Rahmen der zu Chanukah stattfindenden Makkabi-Werbewoche veranstalten die Jugendabteilungen eine große Kinderfeier. Die Veranstaltung findet im „Makkabi". IX., Liecht^nsteinstraße Nr. 20, am Sonntag, den 14. d. M., um 3 Uhr nachmittags, statt. Aus dem sehr reichhaltigen Programm: Schauturnen, komische Vorführungen, Wettspiele mit anschließender Preisverteilung u. v. a. Vor* verkaufskarten sind zu haben: Vereinsheira, IX., Lieditensteinstraße 20, und bei den Mitgliedern. Judifdie Sport* und wr t iiiiiiiiiüiF Tu r nb e w 0 9 u n g Die Generalversammlung des Sportklubs „Hakoah" findet am Samstag, den 13. Dezember 1930, um 18 Uhr, i» dem Klubheim des Sportklubs „Hakoah", I., Wiesinger* straße 11, statt. Falls diese Versammlung nipht beschlüß* fähig sein sollte, so findet eine Stunde spater, das ist um 19 Uhr, eine auf alle Fälle beschlußfähige Generalvbr.s Sammlung statt. Zutritt zur Generälversammlung haben nur jene Mitglieder, die ihren Zahlungsverpflichtungen für das dritte und vierte Quartal 1930 .nachgekommen sind. Diese Mitglieder erhalten ' Stimmkartenl, Zöglingen, die den gleichen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen sind, ist der Eintritt gleichfalls gestattet, doch haben diese keinerlei Stimmrecht und erhalten auch keirie Stimmkarten, Die Tagesordnung läutet: 1. Referate: a) der Leitung, b) des Kassiers, c) der Revisoren, d) , der Sektionen. 2. Generaldebatte. 3. Bericht des Per« manenzausschusses. 4. Neuwahlen. 5. All« fälliges." . Anträge zur Generalversammlung müssen Statuten* mäßig spätestens acht Tage vor der Generalversammlung, das ist bis zum 5. Dezember, 13 Uhr mittags, schriftlich dem Sekretariate übergeben werden! Die Einsichtnahme in die abgeschlossene Bilanz kann in der Zeit vom 9. bis inklusive 12. Dezember täglich von 9 bis 12 und von 16 bis 18 Uhr im Sekretariat genommen werden. Das große internationale . Sdiwimm-Meeting* Große Erfolge der jüdischen Schwimmer. — Rekord Fritzi Löwys. Da« zweitägige internationale Schwimmfest der Hakoah bradite den Veranstaltern sowohl in sportlidier wie in finanzieller Hinsicht einen' großen Erfolg. Die Vertreter der Hakoah besetzten in viel Konkurrenzen die ersten Plätze. Am ersten Tag gewann Fräulein Löwy im Freistil über 400 Meter in 6:27,4. Im 500-Meter-Sdiwimmen verbesserte Löwy ihre Rekordzeit. Von den Herren zeichnete sich Goldberg er aus. Im Wasserballspiel unterlag Hakoah gegen den uugarisdien Meister Ujpest 2:10. Für Hakoah waren Rosenblatt und F1 e s c h erfolgreich. Ein Skandalmafdi* Hakoah sddägt Frem 2:0. Dus Meistersdiaftsspiel Hakoah gegen Frem artete; vor allem wegen des schlecht amtierenden Schiedsrichters Misof, zu einem argen Skandal ans. Was sich der Sdiiedsrichter an Fehlentscheidungen leistete, spottet jeder Beschreibung. Unter -diesen UrostHnden ist es ein Wunder, daß es den Blau-Weißen gelang« beide Punkte mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Wochen-Kalender Dezember 1930 V?CD . twn. Kislew 5691 5 Freitag 15-itt Sabbateingang 4*05 6 Samstag 16-tö Sabbatausgang 4*51 TOy |in meon ,nV«n 7 Sonntag 17~n a Montag 9 Dienstag ■tl-tt* 10 Mittwoch 80-3 1t Donnerstag 21-*o