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Die neue Welt · 1930-12-05 · Heft 168 (5.12.1930) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 168 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis t niversltätsblbiiothe! Vaba ba öEZUOSBEDINÜUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—. Polen monatlich Zloty 2.- vierteljährig Zloty 6.- Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.-, vierteljahrig Kc. 15^, Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteliährig Dinar 40.— Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Ueutschiano monatlich Mark!.— vierteljahrig Mark 3.—, Bulgarien monat. lieh Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 1.20 Italien monatlich' Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.- Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schwehei Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER .......____________ ,„ Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephons B-48-504 — Erscheint ieden Freiia /ahrgang Uerönnü oemoKrntiscner testen Samstag, den 14. Dezember, um y,9 Uhr abends, in den Sälen des Verbandsheimes, II, Untere Augartenstraße 38 mit reichhaltigem Grolle ier künstlerischem Programm Einlaßkarten S 1.- b'sS.— Judenghetto und Ghetto juden* Sturm in Whi'fediapeL Whitechapel, ist der östlichste Bezirk Londons. Es stellt das dar, was man in fast allen Hauptstädten der Welt als das jüdische Viertel bezeichnet, das moderne Judenghetto. Aebnlich dem Scheunenviertel im Norden Berlins, der East-End New Yorks; den Straßenzügen seitwärts der Pariser'Seine, der Leopoldstadt in Wieru wird der Whitechapel, von -Menschen bewohnt, die die jüdi-c sehe Wanderbewegung aus den Zentren 3nis''/l^iii«Be£geiichwemmt. hat; In den des Ziiiskasernen, in den Baracken, in Kellern und Dachböden lebt jüdisches Proletariat, jüdische Schwerarbeiter, Hausierer, Händler, Luftmenschen, auf. der: Straße und in Massenquartieren. Jiddische Schilder, jiddische Zeitungen, jiddische Äffichen haben dort ihre Heimstätte. In jiddischen Music Halls und Theatersälen lebt konserviertes Wort und Lied,der. östlichen Heimat. Hart neben echtestem englischem Proletariat haust die jüdische proletarische Armut. Was wunder, daß seit Jahrzehnten die, L a b o u r Party dieses Elendsviertels als, ihre politische Domäne betrachtet. Dem Latour-Kandidaten fürs Unterhaus brauchte hier um sein, Mandat nicht bange zu sein. Denn solange die Arbeiterpartei in der Opposition war, gönnte'sie so schön von freier Einwanderung, vom .Schutz der Armen, von Hilfe gegen Arbeitslosigkeit,!, von Sympathie für die Juden in aller Welt, und nicht zuletzt für die jüdische Heimstätte in .'Palästina sprechen. Sie sprach und sprach so lange,, bis sie die Regierung übernahm und der Labour-Minister Lord P a s s f i e 1 d (der ehemalige sozialistische Sidney Webb) sein Weißbuch ü b"e r P a l'ä s t i n a schrieb. * ... In Whitechapel gibt es wieder Unterhauswahlen. Ein verstorbener Labour-Deputierter soll ersetzt werden. Die Labour I'arty kandidiert. Und Whitechapel revoltiert. Ein Sturm. tobt in den jüdischen Gassen, ein Sturm gegen die Labour P/»H;y. Man hat das JVlahdat nicht so ganz in der Tasche, zum erstenmal seit Jahrzehnten. Alle drei Parteien kandidieren: die. Liberalen mit , einem ausgesprochenen Z i o n i s t e n, die Konservativen mit einer zionistenfreundl.ichen Persönlichkeit, die Labour Party mit einem Herrn James Hall. Die Juden , stellen allerdings nur ein Drittel der Whitechapeler Wahlstimmen. * In London finden zwischen der Zionistischen Exekutive und der Regierung Verhandlungen statt. Das heißt: die Regierung versucht, die Juden weiter zu foppen und zu narren. Auch die zionistischen Arbeiterführer sind in London; die Herren Kaplansky, Arlosoroff, Sprinzak, Katzenellensohn. Natürlicherweise. Da ja Prof. Weizmann mit einer Arbeiterregierung verhandelt und eine gewisse Loyalität seitens dieser gegenüber Genossen in der Internationale erwarten wollte, wobei er anscheinend vergessen hat, daß, wie keine englische Regierung, gerade die Arbeiterregierung im Weißbuch c} as Werk de r j ü d i s che n A rb e i,t e rs clija f t F'ja last i n as aufs ger* häs s i g s t e g esc hm ä h.t£ V er l'e um'det,'4 in jpeakt;i on ärster W e.5 s e angeprangert h at! Unsere Arbpiterführer glaubten aber noch eine zweite Aufgabe erfüllen zu müssen, die nämlich, ihrem Genossen James Hall im Wahlkampf um den jüdischen Whitechapel beizuspringen. Sie haben allerdings die Rechnung ohne die Juden Whitechapels gemacht. * Die zionistischen Arbeiterführer Kaplan-, s k y, Sprinzak, Arlosoroff und die P o a 1 e Z i o n in London riefen die jüdischen Massen Whitechapels auf, an einer von der Labour Party einberufenen Wahlversammlung, wo sie selbst, die zionistischen Arbeiterführer, sprechen würden, teilzunehmen. Die jüdischen Massen kamen auch. Mehr als 15.000 Menschen in der Monicendam Hall, viele tausende draußen. Es war eine Versammlung, wie sie so gigantisch Whitechapel noch nicht gesehen hat. Auf der Tribüne erschienen alle möglichen Redner, nur nicht die Herren Kaplansky, Sprinzak und Arlosoroff. Sie dürften Wind bekommenhaben! ■it Schon bei der Eröffnung der Versammlung setzte ungeheurer Tumult ein, viele hunderte Zuhörer riefen ununterbrochen: „Wir wollen keine Reden für den Labour- Kandidaten hören! Whitechapel wird niemals ' einen Labour-Kandidaten wählen I Die Labour- Regierung hat uns verraten!" Der Lärm dauerte über eine Stunde an, ohne daß es irgend einem Redner gelang, sich verständlich zu machen. Jede Bemühung, zur Versammlung , zu sprechen, wurde sofort durch Rufe, wie „Abtreten! Wir glauben der Arbeiterpartei ' nichts mehr!" vereitelt. Schließlich gelang es dem Abgeordneten Harry Snell, der als erster auf der Rednerliste stand, sich' Gehör zu* verschaffen; Snell bat die Alle ira redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet, VORANZEIGE $- mmmmmmmm Bei gidlfisdien Schmerzen/ Nerven-und Kopfsehmerzen sowie bei Schlaflosigkeit wirkt Togal ganz vorzüglich. T o ga 1 - Tabletten lösen die . schädlichen Bestandteile im Blut und führen eine baldige Linderung und vollständige Genesung herbei. - In allen Apotheken. - Preis S 2.40. Versammlung, ihn, der stets ein Judenfreund gewesen" sei, anzuhören. Nach einigen Zwischenrufen, die erkennen ließen, daß die Versammlung änr aus persönlicher Achtung vor Snell; nicht aber aus Sympathie für^ die Arbeiterpartei geneigt sei, ihn sprechen zu lassen, konnte Snell einige Worte an die Versammelten richten. Als er aber auf die Palästinapolitik der Regierung zu sprechen kam, brach der Sturm von neuem los, Stühle flogen durch di*% Luft, die Polizei griff ein und verhaftete drei Versammlungsteilnehmer. Harry Snell konnte seine Rede nicht weiter fortsetzen und verließ den Saal. Dieses Schicksal,; das Flüchtenmüssen vor einer jüdischen Versammlung, trifft den armen Snell zum zweitenmal. -Ei*, dürfte sich noch gut daran erinnern, daß man ihm jüjigst in New York,. wo er auf einem.^l^s,senr'. meeting zu Juden sprechen sollte, ^.^euj^^'g^e,,, a bzu r eis eri\'[ Öenn' gerade damals war die : I£unde "vom Weißbuch näeh^NeHv^ Y und' aus einer Hüldigungsversamralüng für SneJk dem Autor des sogenannten Minderheitsvotunis im berüchtigten Shaw-Bericht, war eine Protestkundgebung gegen seine Regierung geworden. Nach einiger Zeit gelang es dem jüdischen Abgeordneten Marcus, die Versammlung zu beruhigen. Er rief laut, daß er das Weißbuch verurteile, worauf sich der Lärm etwas legte, so daß er mit seiner Ansprache beginnen konnte. Aus cler Mitte der Versammlung wurde an Marcus die Frage gerichtet, warum die Regierung die Verhandlungen mit der Jewish Agency hinausziehe. Ob dies nicht deshalb geschehe, um über die J; Nachwahl in Whitechapel hinauszukommen und dann zu erklären, daß England an der Politik des Weißbuches festhalte. ' Marcus erwiderte, die Vertagung der Konferenz sei auf den ausdrücklichen Wunsch Weizmanns (!) erfolgt, der die Ankunft der jüdischen Führer aus Amerika, die an der Konferenz teilnehmen sollen, abwarten wolle. Marcus teilte der Versammlung mit, er habe selbst in das Dokument Einblick getan, das die britische Regierung Weizmann übermittelt habe. Dieses Dokument werde zweifellos beruhigend auf die jüdische Öffentlichkeit wirken. Und der Kandidat der Labour Party, J a m e s Hall? Ihm gelang es nicht, auf dieser Versammlung zu Wort zu kommen. Weder im Saal noch in der improvisierten Parallelversammlung. Denn beide Versammlungen waren stürmisc he Kundgebungen gegen Labour Party und Labour-Regierung, Hingegen konnte James Hall auf einem anderen sozialistischen 'Meeting in der St, George Hall sprechen. A:ber auch hier hatte er kein Glück. Man schrie " ihn nieder und pfiff ihn aus, so o ft e rauf die P aTa 's t i n a p o 1 i t i k z u s p r e c'h e n' k a m," Es gelang ihm nur mit großer Mühe, drei aus der Mitte der Versammlung' an ihn gestellte Fragen' zu bes des Verbandes demokratischer Zionismen. In der Chanukah.Woche finden 8 KINDERFEIERN am Sonntag, 14. Dezember und Samstag, 20. Dezember um halb 5 Uhr.. . im THEATER REKLAME statt. Theatervorstellung und Tanzvorfuhrungen. Et* wirken ausschließlich Kinder mit. Vormerkungen auf Karten - mit Rücksicht auf den erfahrungsgemäß großen Andrang - nehmen schon letzt entgegen die Damen: MARGIT BUCHBINDER R-48-1-33, KLSE NEBENZAHL U-I2-2-I6, PAULA SIR'CKER R-4S-6-89

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