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Die neue Welt · 1930-11-21 · Heft 166 (21.11.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 166 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite« P""*" DIE NEUE WELT Nr. r« $$mchen Sie die in den nächsten Tagen zur Eröffnung gelangende SELCHWARENRESTAURATION PETYAN & CO., WIEN llf MATERSTRASSE M modernste hygienische Einrichtung, Verabreichung von kalten und warmen Selchwaren zu jeder Tageszeit in erstklassiger Qualität, unter bekannt persönlicher Aufsicht seiner Ehrw. Oberrab. M. Mayersohn. Antisemitismus in den Vereinigten Staaten. New York, 12. November. In der Wochenschrift des New York City College, die vor einiger Zeit unter den Hörern des City College eine Rundfrage über die Ursachen der Stellungslosigkeit veranstaltet hat, werden in einem Artikel von Nelson Jarschauer die Ergebnisse dieser Rundfrage zusammengefaßt Auf die Frage: „Bildete bei Ihrer Stellensuche Ihre Stammes- oder Religionszugehörigkeit ein ernstes Hindernis?" haben 40 Prozent der Befragten in bejahendem Sinne geantwortet. Auf Grund der Antworten auf die Rundfrage und anderer zuverlässiger Nachrichten können wir mitteilen, daß z. B. die Standard Oil Company aus ihrer Abneigung gegen Angehörige der jüdischen Religion kein Geheimnis macht;- die Edison Company hat die Aufnahme einer Reihe von genialen Elektrotechnikern wegen ihrer Religionszugehörigkeit abgelehnt . und die New Yorker Telephongesellschaft verbirgt; ihre; Bigotterie hinter einer Prozentnorm, die nicht geeignet ist, irgend jemanden über die Gesinnung dieser, Gesellschaft zu täuschen. Der Verband demokratischer Zionisten veranstaltet am Sonntag, den 14. Dezember eine große Makkabäer- Feier in sämtlichen Räumen des Verbandsheimes unter Mitwirkung^hervorragenderKunstkräfte: Wie im Vorjahre ^finden auch diesmal in » der Chanukka-Woche zwei Kinderfeiern im Theater Reklame statt. Näheres in der Voranzeige. Da§ sozialistische Amerika gegen Englands Treubruch* „Palästina gehört nicht England." Von Ab. Kahan (New York) . JOßr Herausgeber der größten sozialistischen Tageszeitung der Welt, Ab. Kahan, Chefredakteur des jüdischen „Vorwärts"* in" New York, eines Organs, das noch vor wenigen Jahren eine scharf; antizionistische Haltung hatte, greift in seinem Blatt aufs schärfste die englische Arbeiterregierühg ah. Diese Stellungnahme ist um so bedeutsamer, als; der Initiator des britischen Statement, tord P assfield, mit einem sensationellen Interview einen Weg zu diesem Blatt suchte. In diesem Interview hat Passfield bekanntlich die Eiuwanderungssperre als eine provisorische Maßnahme hinzustellen und eine Interpretation des Mandats im Sinne der Negierung eines jüdischen ■ ': Staatswesens versucht. Er erklärte auch bei dieser Gelegenheit, die Balfour-Deklaration. Wierde von der Arbeiterregierung strikt eingehalten werden. •Aus verschiedenen Teilen des Landes bekomme ich Telegramme, Man fragt nach meiner Meinung über die tragischen Palästina-Ereignisse. Meine Antwort ist, daß es flUf eine Meinung geben kann, einen Standpunkt, ein Gefühl. Aus tiefstem Herzen bedaure ich das, was die F.ührer. der englischen Labour Party als Repräsentanten'der. Regierung jetzt gemacht haben. Ich kann nur mit höchster Entrüstung über den unverzeihlichen historischen Schritt sprechen, den sie in bezug auf die jüdische Frage ip Palästina machen wollen. jj!s ist nicht nur eine Frage für die Juden, die in Palästina sind. Die Palästina-Frage ist eine Frage des ganzen jüdischen Volkes geworden. I$s war eine Zeit, da es über diese Sache Streitigkeiten gab, Kämpfe zwischen den verschiedenen jüdischen Parteien und Gruppen. Ich bin überzeugt, daß das bereits der Vergangenheit angehört. Zionisten oder Nichtzionisteu, Parteileute oder Juden schlechtweg — in Millionen und Millionen jüdischer Herzen hat sich ein warmes Gefühl, eine schönere Hoffnung entwickelt, daß in Palästina eine jüdische Heimat heranwächst. Der Beschluß des britischen Colonial Office schneidet wie ein Messer, in jedes jüdische Herz. - Wir bedauern alle die schwere Lage, in der sich England heute befindet. Aber warum soll gerade unser unglückliches Volk das Opferlamm sein? Wenn die zaristische Regierung Rußlands uns Juden zum Sündenbock aller ihrer Schwierigkeiten machte, so war es bei einer Zaristischen Regierung natürlich. Wieso aber beim liberalen, gerechten England? Und — mit bluten- , dem Herzen muß ich fragen: Wieso das bei einer Arbeiterpartei? Ich war im vorigen Jahr in Palästina einige Wochen nach den schrecklichen Pogromen. Ich bin geschritten auf den blutigen Wegen mittelalterlicher Schlächterei gegen uns. In meiner Mappe befinden sich blutgetränkte Kopfpolster und Leintücher und Kleider unserer Opfer von Safed. Für den, der das alles gesehen hat, bedeutet die jetzige Nachricht aus England einen furchtbaren Blitz aus heiterem Himmel. Bei der gegenwärtigen Tragödie haben unsere dortigen Genossen anscheinend ihre sonstige Gelassenheit, den klaren Verstand und das tiefe soziale Gerechtigkeitsgefühl eingebüßt. Sie glauben, daß .der Beschluß, den sie fassen, in den Interessen ihres Landes liegt, ihres Volkes. Wir, die jüdischen Sozialisten, können in diesem sehr traurigen Augenblick nur einen Standpunkt haben: Wir müssen für unser Volk einstehen, für das jüdische Volk. Wir fordern unser Recht in Palästina. Wir fordern, daß England sein Wort halte und seine feierliche Verpflichtungnichtbreche. Hoffen wir, daß der Völkerbund Mut genug haben wird, seine Pflicht zu erfüllen. Palästina gehört nicht England. Man hat es ihm mit einem bestimmten Auftrag anvertraut, mit der klaren Bedingung, daß die Juden in Palästina eine Heimat haben, mit nicht geringerem Recht als die Araber. Hoffen wir, daß der Völkerbund den Beschluß der Colonial Office ablehnt und England auffordert, seinen Vertrag einzuhalten. In dieser Frage kann es bei Juden keine Meinungsverschiedenheit geben. ' * Ein Bild Jabotinskys. Ebenfalls im New Yorker „Vorwärts", dem großen jüdisch-sozialistischen Organ, das lange Jahre hindurch den Zionismus bekämpfte, finden wir ein Porträt Wladimir Jabotinskys anläßlich seines 50. Geburtstages. Es ist nicht überraschend, daß das Blatt Jabotinskys außerordentliche Gaben als Redner, Schriftsteller, Sprachenkenner und Führer in vollem Maße anerkennt; nicht überraschend, wenn es ihn so charakterisiert: „Der Zauber des Genies, die Kraft der von Gott gesegneten Zunge, der begeisternde Idealismus, die reinet) ehrliche Opferbereitschaft, heldenhafter Mut, Rebellen« tum — was Wunder, daß er eine Schar temperament« voller Jugend an seine Führerschaft geknüpft hatl" Ueberraschend erscheint uns, daß der „Vorwärts* auch Jabotinskys politischer Konzeption volle Reverenz erweist und ihn vor allem gegen die verleumderischen Phrasen von seinem Faschismus in Schutz nimmt. Charakteristisch sind folgende Stellen: Was kann man von einem „Faschisten" sagen, der seine Nährkraft aus den Propheten zieht und der seine „extremen" Forderungen ausdrücklich auf ethischen Prinzipien basieren läßt. Erst auf der letzten Revisionistenkonferenz sprach Jabotinsky vom ethischen Fundament des Zionismus: „Selbstbestimmung der Völker bedeutet, daß ein Volk, das kein Land hat, Platz suchen darf bei einem Volk, das zu viel Land hat. Und die Stämme, die arabisch sprechen, ungefähr 40 Millionen Seelen, besitzen ein Territorium, das so groß ist wie halb Europa!" So sagt Jabotinsky und wer wird dem nicht zustimmen? Und weiters sagte Jabotinsky auf derselben Tagung: „Wir werden in Palästina zeigen, wie glück« lieh eine Minorität innerhalb einer Majorität leben kann, das heißt wie glücklich die arabische Minorität zwischen der jüdischen Majorität leben wird." Jüdischer Faschismus 1 Weizmanns Konzeption der Politik ist oder war bis vor einigen Tagen: man nimmt, was man kriegt Jabotinskys Konzeption war und ist bestimmt noch jetzt: man kriegt, was man will; und deshalb muß man viel wollen. Deshalb will er den Her zischen Großzionismus, und Herzl wollte einen jüdischen Staat . . . Welcher Unterschied zwischen Weizmanns und Jabotinskys Weltanschauung! Der „Vorwärts" analysiert die Politik Weizmanns als die einer sanften Taube, die dem Schächter ihren Hals hinhält, und Jabotinskys prophetische Politik, die sich immer wieder bewahrheitet. Das lesen wir in einem sozialistischen Blatt. Ueberaus pikant wäre der Vergleich mit der Meute der Tagschreiber in zionistischen Blättern, für die der 50. Geburtstag Jabotinskys Anlaß war zu unedler Verzerrung seines politischen Wollens oder zu verlegenem Schweigen. Amerikanische Wirtschaftskrise und Welljudenheil Die so jäh unterb;rochene';|^TOs.pe;rity" *• der. araerikaiiiscflen Wirtschaft} -diev-tÄ^' steigende Arbeits* lösenziffer in den Wj?einf£ten Spati^i, die; bereits" die Ausmaße der Arbeitslosigkeit 'in^En^and . erreicht hat, führten zu einem plötzlichen Versiegen der finanziellen Hilfsaktionen der amerikanischen Jüdenheit, das sich in nahezu katastrophaler Weise in den Zentren der Juden? not 4h Osteuropa'auswirkt. Welch eine Bedeutung die Hilfsaktionen der amerikanischen Juden für das Welt* Judentum hatten, geht aus der Statistik der Jüdischen 'Telegraphen-Agentur hervor, die feststellen konnte, daß die amerikanischen Juden im Laufe des Jahres 5690 (d. lv vom Oktober 1929 bis September 1930) ü b e r 7 2 Millionen Dollar, davon über 4 3 Millionen Dollar -, für. j ü d i sehe Zwecke, spendeten. Eine ganze Reihe von jüdischen Gemeinden in Polen und große Massen.'von' Juden in Rußland erhielten sich fast aus* schließlich auf Kosten der amerikanisch*jüdischen Wohl* tätigkejt. Aber auch die durch JmniigrationsYerbote künst* lieh herabgedrückte jüdische Wanderung, die im Jahre 1929 42.350 Juden umfaßte, wurde fast ausschließlich von amerikanisch*jüd|schen Institutionen organisiert und finaiu ziert. Diese Judenwanderung wird von der amerikanischen Wirtschaftskrise doppelt betroffen. Einerseits durch die stark verminderte Spendefähigkeit der amerikanischen Jüdenheit, andererseits aber durch die Verschärfung des Immigrationsverbotes der Vereinigten Staaten, die auf Grund eines , administrativen Erlasses des Präsidenten Hoqver auf Forderung der „American Federation of La» bour" verfügt wurde. Die neue Einwanderungsverordnung, die von allen einwanderungsfeindlichen Elementen der Staaten aufs lebhafteste begrüßt wurde, wird aufs strengste eingehalten werden, denn zur Beratung der Mittel, wie Einwanderer, „die dem Lande zur Last fallen könnten", von den Toren der Staaten fernzuhalten sind, fanden im September und Oktober dieses Jahres drei Konferenzen der amerikanischen Konsulate der Emigra» tionsländer statt. Piese Verordnung ist ein empfindlicher Schlag für cüe Jüdische. Wanderung, da die Judeneinwanderung in die Vereinigten Staaten in den letzten Jahren etwa ejn Drittel der gesamten jüdischen Wanderung ausmachte. Die Organisation „Hias", die von den amerikani* sehen .Juden zum Zwecke der Organisierung und Pinan* zierung der jüdischen Emigration geschaffen wurde, hat auf diesem. Gebiet große Leistungen aufzuweisen. Allein in Polen ist durch „Hias" im Jahre 1929 über 12.000 jüdi* sehen Emigranten geholfen worden, etwa 50.000 Dollar wurden als Anleihen verteilt, über 300 Emigranten absol* vierten' die englischen und spanischen Sprachkurse des „Hias", über* 100 Juden wurden landwirtschaftlich ausge* bildet, usw. Diese Hilfsarbeit des „Hias" ist nun ge* . fährdet, da infolge der Wirtschaftskrise in Amerika die Geldmittel dieser Organisation völlig versiegt sind. Die; Nachricht, daß der. ,,Hias" gezwungen ist, seine HUfs* aktionen einzustellen; löste eine große -Unruh"© betten notleidenden Juden in Osteuropa sowie bei deren Ver* wandten in den Vereinigen Saaten und Südamerika aus. Die jüdischen Zeitungen in Amerika sind voller Aufrufe der verschiedensten jüdischen Kreise (von Albert Ein* stein bis zum Rabbi von Lubawitsch), die die jüdische Not schildern und die amerikanischen Juden .auffordern, „Hias" nicht untergehen zu lassen. Im New Yorker „Vorwärts" ist ein Aufruf der ge* samten Judenschaft von Uruguay an die Juden der Vereinigten Staaten veröffentlicht, in dem darauf hinge* wiesen wird, daß Uruguay als das einzige Land, das den Juden freie Einwanderung gewährt, groite Möglichkeiten für die jüdische Wanderungsbewegung bietet; diese Möglichkeiten könnten aber nicht ausgenützt Wer« den, wenn die „Hias"*Organisation ihre finanzielle bdfe einstellt; daher appellieren die Juden Uruguays an ihre Brüder in Nordamerika, die Existenz des „Hias" zu er* halten und zu vergrößern. So setzte anläßlich der Hoben Feiertage eine großzügige „Hias"*Propaganda in New. York und in den anderen größeren Gemeinden der Staaten ein, mit dem Zweck, die Finanzkraft des ,,Hias'' wiederzubeleben. Der Zionismus — ökonomische Notwendigkeit. Aber aüch in den Vereinigten Staaten selbst hat die jüdische Philanthropie Amerikas neuerdings erhöhte Hilfsarbeit zu leisten. Es ist bereits mehrfach darauf hin« gewiesen worden, daß die Erschütterung der Stabilität: der amerikanischen Wirtschaft, am stärksten die mittleren und ärmeren Schichten der jüdischen Bevölkerung in Mit* KONKURS! ■j Die Israelitische Kultusgemeinde in Podravska Sla.tina B (Jugoslawien) benötigt einen I V O R B E TER B der zugleich Schochet ubodek bekoreh sein soll und B das Inkasso wie auch dieTahara an Verstorbenen zu B verrichten haben wird. Reflektanten auf diesen Posten B (Bewerber jüngere Kräfte, mit kleiner Familie1 wollen B ihre Offerte je eher einreichen, Jahresgehalt 18.00ODinar B und freie Wohnung.

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