Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-11-07 · Heft 164 (7.11.1930) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 164 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711782--2158-2715427
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seile 9 m mm mir Nr.ftl I Pension «Austria* Kinderheim Vöslau iOLOA KAD1SCN) Jfg«rmav«r*tra8e 1t - Tatoption Nr. 141 Für Dauer" und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. * Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - Mfiftlge Preis« ärmliche und ziemlich schmutzige Stadtteil hat immer hin nicht das elende Aussehen eines Ghettos. Es herrscht dort sogar ein gewisser Wohlstand. An den jüdischen Kau Heuten gewisser Körpersdiaften werden nun durch eine Banditenorganisation Erpressungen begangen. Die Kaufleute geben dem Hauptmann dieser Räuberbande — er heillt Max Eisen und ist einer ihrer Glaubensgenoesen den Namen ,3 1 u t s a u g e r". Max Eisen, der schon oft wegen Mordversuches an denen, die sich ihm widersetzten, verhaftet wurde, fordert unter furchtbaren Drohungen von seinen Glaubensgenossen Tribute, die der Ausdehnung ihrer Geschäfte cot sprechen. So werden die größten Fisdihändler von ihm mit dreitausend Dollar besteuert, von denen tausend sofort und der Rest in monatlidien Raten von fünfzig Dollar zu bezahlen ist. Erfindungsreidi, wie er ist, hat er die Koscherfleischhauer dazu gezwungen, die rituellen Messer bei ihm um fünfhundert Dollar per Stück zu kaufen. Wehe dem Fleisdihauer, der dagegen protestierte und einwendete, daß man um fünf Dollar ein rituelles Messer bekomme, das den Anforderungen der Orthodoxen entspridit. Man fand den Unbotmäßigen in der Nacht halbtot auf dem Pflaster. An einem Sonntag ging ich zu einer alten Fischhä nd 1 e r i n, die schon lange unter den Verfolgungen Max Eisens litt. Die alte Händlerin, die nach dein Braudr der frommen jüdischen Frauen ihre weißen Haare unter einer Perücke mit glatten Scheiteln verbarg, geriet in Entsetzen. „In meiner Jugend", erzähle sie, „wohnte ich in Poleu. Es hat dort Pog.r ome gegeben. Dann bin ich mit meinem Mann' nach Amerika gefahren. Wir haben hier glücklich und frei gelebt. Amerika ist ein schönes Land. Aber seit Max Eisen und die anderen Banditen uns quälen, leben wir in einer Schreckenszeit." . _ ■ / Ein Jude Nobel-Preistrager für Medizin. \ Stockholm, 2. November. Der Nobelpreis für Medizin für das Jahr 1930 ist dem bekannten Bakteriologen and Biologen Dr. Karl L a n d s t ein e r, Professor an der Universität Wien und Mitglied des Rockefeller- Instituts für medizinische Forschung in New York, für seine Untersuchungen über die Blutgruppierung' verliehen worden. Karl Landsteiner ist Jude; er wurde 1868:in Wien geboren. Dort hat er im Jahre 1900 als?Assistent am Pathologischen Institut seine bedeutende Entdeckung der Blutgruppen gemacht und wurde dadurch der Begründer der BLutgruppenlehre, die die Grundlage der gegenwärtig vielfach angewendeten Transfusdonstherapie bildet Er stellte fest, daß es bestimmte Eigenschaften des Blutes gibt, durch die einzelne Menschen einander ähneln oder sich voneinander unterscheiden. Durch die Entdeckung Landsteiners ist es möglich geworden, innerhalb kürzester Zeit festzustellen, ob das Blut eines Menschen, das man auf den Kranken überleiten will, gruppenmäßig für diesen Zweck geeignet ist oder nicht, und seit dieser Zeit hat wieder die Bluttransfusion eine ganz außerordentliche Bedeutung in der Behandlung mancher schwerer Krankheitszustände erlangt. Landsteiner, der 1911 Professor an der Universität Wien wurde und 1922 au das Rodcefeller-Institut in New York berufen wurde, hat auch auf anderen medizinischen Forschungsgebieten Hervorragendes geleistet. Seine wichtigsten Arbeiten sind: „Ueber die Abhängigkeit der serologischen Spezifizität von der chemischen Struktur", Vortragssaal für einige Abende der Woche zu vergeben! Für Nachmittagsstunden steht auch ein Beratungszimmer zur; Verfügung. Auskünfte im Ver-j bandsheim, H, Untere Augarten- ■ Straße 38, im Hof, Tel. A-45 6-34' „Spezifische Serumreaktionen mit einfachen Substanzen von bekannter Konstitution", „Untersudiungen über die Syphilis bei Affen", ferner Anbeiten über die Komplementbindungsreaktion bei Syphilis. Er klärte die paroxysmale Hämoglobinurie auf, entdeckte die Uebertragbarkeit der epidemischen spinalen Kinderlähmung auf Affen und konnte dadurdt einige Eigenschaften des auch bis jetzt nodi nidit lx>kannten Erregers dieser Krankheit feststellen. Baurat Alexander Baerwald gestorben. . Jerusalem, 28. Oktober. (J. T. A.) Der berühmte Architekt Baurat Alexander Baerwald, der eine große Reihe öffentlicher Prachtbauten in Berlin und später in Palästina das Haifacr Technikum samt hebräischer Realschule und eine Reihe anderer großer Bauten geschaffen hat, ist heute in Jerusalem im Alter von 53 Jahren verstorben. Alexander Baerwald wurde 1877 in Berlin geboren. 1906 erhielt er die S c h i n k e 1 - M e d a i 11 c für den Entwurf eines Architckturmuseums. Er nahm durdi Jahrzehnte, dem frühereu Ministerium für öffentliche Arbeiten zugehörig, Anteil an zahlreichen bedeutsamen Staatsbauten Berlins, so besonders an dem komplizierten Neubau der ehemals Königlichen Bibliothek Unter den Linden. Er nahm zuerst im Jahre 1912, dann vor sechs Jahren wieder Urlaub vom Staatsdienst, um nach Palästina gehen zu können und dort eine Reihe seiner Baupläne zu verwirklichem Am 1. Jänner 1931 sollte Baerwald neuerdings sein B e rliner Amt übernehmen. Das Ableben Baerwalds hat unter der palästinensischen Judenheit, insbesondere in den Künstler- und Gelehrtenkreisen, Trauer hervorgerufen. Die 94. Friedhofsschändnng. Berlin, 3. November., (J« T. A.) Aus Greven* broich (Niederrhein) wird gemeldet: Auf dem Fried-' hof der Filialgemeinde Wewelinghoven, wo früher eine stattliche Gemeinde bestand und jetzt nur noch zwei jüdische Familien wohnen, sind mehrere Grabsteine umgestürzt und gänzlich zertrümmert worden. In dem Orte sind erst in diesen Tagen mehrere nationalsozialistische Versammlungen veranstaltet worden. Polizeiliche Ermittlungen sind eingeleitet, jedoch bis jetzt ergebnislos geblieben. Nationalsozialistische Hetze gegen jüdische Schau- ' --4 vv,;< . -I^fer« , 'V Fränkfurt a. M.,::28i Oktober, (J. T. A.) Im Verlauf der in Frankfurt a. M. stattgefundenen Tagung des Bezirksverbandes Rhein-Main der Genossenschaft der Bühnenangehör^gen . führten eine; ' Anzahl Referenten Klage über den" zunehmenden Antisemitismus an den The^te^n, de*. eine'l^r&mt der''"; naüonaisbzialistischen Hetze ist Der BeziirksvPr^and-von Erfurt teilt mit, daß er die jüdischen Kollagen gegen nationalsozialistische Kollegen schützen .müjse^JEs würde ein Antrag angenommen, nach dem die Wage nach Alter und Religion im Fragebogen des Bühnennachweises nicht beantwortet werden^darf^ da in ihrer Beantwortung eine schwere Gefahr für die Stellensuchenden liegt. '«MMifbMMMlM ■ j . - " Nationalsozialistischer Boykott-Terror. Berlin, 29. Oktober. (J. T. A.) Aus Stuttgart wird gemeldet: Die Nationalsozialisten^ haben ihre Parteigenossen zum Austritt aus dem weitverbreiteten Schwäbischen Alb verein aufgefordert, weil die Yereinsleitung ,aus Sparsamkeitsgründen, den Druck ihrer Blatter für 1931 einer Firma übertrug, deren jüdischer Inhaber von zehn Angeboten das niedrigste gemacht hatte. Der Schwäbische Albverein stellt dazu u. a. fest: „Selbst wenn die neue Druckvergebung nicht größere Ersparnisse verspräche, die übrigens der Verein zur Erfüllung seiner Aufgaben dringend nötig hat, muß es als ein Uurjecht erscheinen, gegen ihn derartig ungebührlich vorzugehen. Der Verein wendet sich gegen eine solche Hetze und gegen Störungen des wohlgepflegten Vereinswesens und bittet seine Mitglieder, welchen Glaubens sie auch sein mögen, sich yon keinerlei gehässigen Verleumdungen dieser Art. irremachen zu lassen." Hakenkreuzlerei als Exportware. Frankfurt a. M„ 30. November. Der Kownoer Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" klagt"*über, zunehmende nationalsozialistische Propaganda in Lettland und Litauen, die dazu angetan ist, dem deutschen Element in diesen Ländern Schaden zuzufügen. Die Rigaer Blätter berichten, daß in Riga auf Schaufenstern und Haustüren die Zeichen, der Nationalsozialisten, ein rotes Feld mit weißer Mittelscheibe und in dieser ein schwarzes Hakenkreuz, darunter die Aufschrift „Deutschlang erwache" angeklebt wurden. Die Blätter sprechen von einer nationalsozialistischen Bewegung in Lettland. Die litauischen Blätter berichten ebenfalls über eine Hitler-Bewegung in Litauen, die sich in erster Linie gegen die Juden richtet und die insbesondere bei den letzten Wahlen zum Memelländischen Landtag in Erscheinung getreten ist. Deutsche Politiker des Memelgebietes hätten von einer Nazizentrale in München die Aufforderung erhalten, der Hitler-Partei beizutreten und für sie zu werben. Das Blatt der deutsche» Minderheit in Lettland, die „Rigasehe Rundschau" nennt die Nazikundgebungen in Lettland deplaciert. In besonnenen deutschen Kreisen Lettlands und | VORNEHME FAMILIENPENSION 1 vormais Dr. GRÜN BERG AM SEMMERING I HOCHSTRASU Nr. 43 (Bit HOT1L PANHANS) § | Pension von S 12.— aufw. Kaffeehaus und Tanz-! § Gelegenheit im Hause < Besitzer: ECKSTUN ' Tel I m bemmering Nr. 11 / Fliesendes Warm« u. Kalt* I H waiitr in jedem Zimmer i m Litauens befürchtet man, daß dieses Treiben meist jugendlicher Elemente sowohl den deutschen Parteien wie überhaupt der Minderheitenbewegung großen Schaden zufügen könnte; eine solche „Bewegung" sei dazu angetan, die deutschen Parteien noch mehr zu zersplittern und sogar zu zersetzen. Die deutschen Minderheiten in den Oststaaten sind auf eine Zusammenarbeit mit den anderen Minderheiten zur Erkämpfung ihrer Rechte angewiesen, so dafi die Hitlersche Rassentheorie hier noch stupider erscheint, als sie schon daheim ist. Das Urteil im Prozeß von Targu-Frumos. — Staden* ten-Exzedenten erhalten geringfügige Geldstrafen! angegriffene Juden werden zu Gefängnis verurteilt. Bukarest, 2. November. Am 31. Oktober spät nachts wurde im Prozeß gegen die im Zusammenhang mit den antisemitischen Unruhen in Targu«Frumos angeklagten Personen das Urteil gefällt. Angeklagt waren mehrere Studenten, die den Antisemitenführer C u z a nach dessen Wahl zum Parlamentsmitglied in einem Siegeszuge durch Targu«Frumos begleiteten, bei dieser Gelegenheit wüste antisemitische Exzesse ver* anstalteten und mehrere Juden und Jüdinnen mißhandelten und verletzten. Angeklagt ■ waren ferner 17 j ü d i« sehe Bürger von Targu*Frumos, denen vorgeworfen wird ein Auto, in welchem einige Cuza»Studenten saßen, beschädigt und die Studenten mißhandelt zu haben. Wie erinnerlich, waren die 17 verhafteten Juden in Targu* Frumos und nach ihrer Einlieferung ins Jassyer Gefängnis schweren Beschimpfungen und Peinigun» gen seitens der Polizei ausgesetzt gewesen. Sie wurden geschlagen, dann drückte man ihnen Knüppel in die Hände und photographierte sie in dieser Aus* rüstung, um zu zeigen, daß die Juden die Angreifer waren. Das Gericht verurteilte einige der angeklagten Studenten zu Geldstrafen von je 500 Lei (12 Mark), von den angeklagten Juden aber wurden mehrere zu Gefängnisstrafen von 10 bis 15 Tagen, die übrigen, zu Geldstrafen verurteilt.. Alle, Vep« Erteilten legten Berufung ein., , ,V v Va Die unruhige Stimmung an den Budapester Hoch* schulen dauert an. Budapest, 4. November. (J. T. A.) Bei den kleineren Ausschreitungen in den jüngsten Tagen an den Budapester Hochschulen haben die Hörer höherer .Jahrgänge; und die Assistenten der Universität die jüdischen Schüler, geschützt. Einer der Angreifer wurde von/einem §tu-» denten vor den Rektor gebracht, während andere Hörer mit Enrüßtung gegen die Insultationen jüdischer Hörer durch die Antisemiten protestierten. ■ Gestern hat eine kleine Gruppe -wieder den Verr such gemacht, den Unterricht der Hauptuniiversität zustören. 25 junge Leute zogen in das Anatomische Institut und beschimpften die jüdischen Hörer, die vor Beendig gung des Unterrichts die Universität verlassen mußten. Einer der jüdischen Hörer, der Mediziner M a reu* der mit dem Anführer der Demonstranten in einen Wortr Wechsel geriet, wurde schwer verprügelt. - Mehrere Studenten drangen wiederWän. die volkswirtschaftliche Fakultät ein und insultierten die jüdischen Hörer dieser Fakultät. Der Dekan ließ die Zugänge schließen, die Demonstranten durchbrachen jedoch die Kette der Pedelle und gelangten ins Freie. Die Kontrolle an den Eingängen der Universität wurde verschärft. Ein Beispiel für den jüdischen Anteil an den Blutopfern des Krieges. Frankfurt a. M., 2. November. (J. T. A.) Der „Israelitische Metzger geiseUenver ein Frankfurt a. M. hat sein 25jähriges Bestehen in der „Frankfurt-Loge" gefeiert, beglückwünscht von den christlichen Kollegen, von Vorstandsmitgliedern .der I UnIotl der Zionisten-RcvUionisten Oesterreichs 1 Montag, 10. November 1930, >/,9 Uhr abends, § Im Cafe Arkaden, I., Universitätsstraße 3 (Souterrain) Thema: Itncti der A. c. Sltzuns vom 4.Nwembcr Referent: Paul HaMer / Dr. David »uktpait 1 Eintritt frei! Gäste willkommen l 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.