Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 164 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 35 V« bt .fei« BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—, Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.— . Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— Rumänien monatlich Lei 40— vierteljährig Lei 120.—. REVU E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—, Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20. Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 7. -November 1930 Nr. 164 |IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!I!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIH f£ Listenführer: | Oberbourot I | Entscheidet euch für jüd. Ehre u. jüd. Recht ] Wählet am 9. November iiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiijiii Die letzte Mahnung. Ein Wort an den jüdischen Wähler. Die Wahlbewegung steht vor ihrem Abschluß. Die jüdische Bevölkerung Wiens hat in diesen letzten Wochen zur Genüge Gelegenheit gehabt, in das politische Getriebe der österreichischen Republik Einblick" zu tun. Sie war Zeuge eines bis an •die Spitze getriebenen Machtrüigens von Parteien, die, abseits von allen Jftohveiidigkeiten des Staates, eiuen Totentanz von Haß, Verleumdung, wahnsinnigen Drohungen und gefährlichstem Spiel mit den Instinkten der Masse aufführen. Wie hoch niemals in einem österreichischen Wahlkarapf, entlud sich diese Welle auf das Haupt der KOHLE KOKS ANTHRACIT tiBdntar aininai BÄSCH. IV. ArfonHnlcratra&e 22 Telenhon U-«8-«03 Telephon y.4|.2.87 Jüdische Liste* Li'stenfuhrer* Robert Stricker Versammlungen t Donnerstag/ den 6* November um halb 9 Uhr abends i Festsaal des Hotel Continental, IL, Taborstraße 2. Klubsaal des Cafe Elsahof, VII., Neubaugasse 25. Gasthaus Böhm, X., Keplerstraße?. Toynbee-Halle, XX., Denisgasse 33. Cafe Silier, Goldener Saal, I., Franz-Josefs- Kai: Frauen Versammlung um 5 Uhr nachm. Samstag/ den 8« November um halb 9 Uhr abendsi Zentralkeller, II., Taborstraße 8 a. Restaurant Schäfer, IL, Prater, l.-Mai- Strafie 70 (Haltestelle Lustspieltheater). Restaurant Littmann, III., Radetzkystraße 2. '• / Büro der Wahlleitung: Jüdisches Verbandsheim, IJ., ' Untere Augartenstraße 38, Telephon; A-45-6-2&— Ständiger Dienst. — Wer mitarbeiten wilL merole sich dort. Stimmzettel dort anfordern oder abholen! An unsere Mitglieder und Freunde! Wir fordern hiemit unsere Mitglieder und Freunde in allen Bezirken Wiens auf, ihre Stimme fiÄ' die „Jüdische Liste" abzugeben. Misrachi-Zentrale Wien, IL, Praterstraße 11. Und p schamlos wie noch jüdischen. Bevölkerung. nie lockt man den Juden mit Zuckerbrot und Peitsche in die Lager: die einen mit den Mitteln ihrer tatsächlichen administrativen Macht, die andern mit der Drohung von Pogrom, mit Verlust von Arbeit, Gut und Leben! Der Jude hat Angst in diesem Hexenkessel. Er bangt um seine Zukunft und die seiner Kinder in diesem Staat. Die Sozialdemokraten halten ihm die Faust unter die Nase. Sie brüllen: WäVhT un s, so n s t hast du T e r ro r, F a s c h i s m u s, D i kt a t u r! Und sie flüstern ihm ins Ohr: W ä h 1 uns, sonst lassen w i r diqh V,om R a thanis> erd r ü ck e n! §ie haben. sicji %in Heer gedungen - ein Heer von Trabanten, Renegaten, Assimilauten minderwertigster Sorte, die tagaus, tagein den Juden an der Stange, ja an der Gurgel zu halten, haben. Ja sogar ihre obersten Herrschaften, ihre Sei tz und ihre Eide r sc h, beehren ihn mit ihrem Besuch: die Peitsche von den jüdischen. Assimilanten, das Zuckerbrot von den nich t j ü d ischen H äuptlin gen! Derselbe Herr Seitz, der es seinerzeit mit seiner sozialistischbürgermeisterlichen Würde unvereinbar fand, den in seinem Wien tagenden Z i o n i s ie n k o n g r e ß zu begrüßen, verbeugt sich jetzt vor dem jüdischen Wähler. Inzwischen saust auch drüben die Peitsche. Was? brüllen die Listen der Rechten.. Wir werden es euch schon nach den Wahlen zeigen, ihr roten jüdischen Hunde! Ein roter Wähler bist du, Jude? Nimm dich in acht,, es wird der Zahltag kommen! So bringt der politische Unverstand des Juden seine Gemeinschaft in höchste Gefahr. Drohung von links. Wie soll er diese Drohungen parieren? Wie soll er ihnen begegnen? Was soll er tun, um ihnen den Boden zu entziehen? Die letzten Wochen sollten den jüdischen Wähler belehrt haben. Ueberall, Bei nervösen Schmerzen/ Kopfschmerzen, gichtischen und rheumatischen Schmerzen sind Toga 1 -Tabletten unübertroffen. Die Wirkung tritt unmittelbar ein, keine schädlichen Nebenwirkungen. — In allen Apotheken. — Preis S 2.40. ■ wo es die Juden verstanden haben, sich vom Parteiengetriebe fernzuhalten, einen eigenen jüdischen Weg zu gehen, ist den Antisemiten das Hauptargument aus der Hand geschlagen worden. '■ •■ Im nationalen und sozialen Kampf der tschechoslowakischen Republik zum Beispiel, wo die Juden früher Spielball der verschiedensten Parteien wären, ausgesetzt dem Haß der einen Partei, wenn sie sich den andern anschlössen, ins Feuer; genommen^ vo:u> allen, bei den Tschechen als Deutsche verschrien, bei den Deutschen als Hemmschuh für ihren nationalen Kampf angefeindet, voni den Proletariern als Kapitalisten gehaßt, von den Kapitalisten als Sozialisten verfolgt — aus diese* kranken Situation fanden sie ihre Rettung, erst, als sie in den Nachkriegs jähren sich zu. einer eigenen jüdischen Partei zusammentaten. Heute sitzen ihre Vertreter im Parlament und in den Gemeinderäten. Heute vertreten Juden das tschechoslowakische Judentum. Heute sind unsere jüdischen Brüder in der Tschechoslowakei eigene Gestalter ihres Schicksals. So kann es auch in Oesterreich werden. H u ndertzwanzigtausend jüdische Wäh1e? in Wien sind in der Lage, ihre eigene, jüdische Politik zu machen. Die Roten dürfen nicht sagen: Ihr seid reaktionär! Die Schwarzen dürfen nicht sagen: Ihr seid rot! Das einzige, das ihr sein könnt, ist: Jüdisch sein! Ihr habt keine andere Wahl am 9. November als Die „Jüdisch© Liste"! R II N B S C HAU Die Schwarz-Rot-Goldenen! Nebbich! Im Lager der Herren Wiener Israeliten liberaler Couleur herrsdit Verwirrung anläßlich des 9. November. Im Blatt der Israelitischen Um^ra wird'für die sogenannte Demokratische M i 11 e 1 p ar t e 1 die Trommel gerührt. Das gilt für.die bejahrten Väter und Mütter. Die Söhne allerdings sind schon etwas moderner. Ob noch in kurzen oder schon langen Hosen,; sie schielen: über die Grenzen ' ihrer : Väter Land ■ hinülber in d*s Paradies, wo nicht nur Israeliten beieinander sitzen' W'in das Reich der Sozialdemokratie.', ' Ein Plakat, ■ echwarz-rpt-gold umrandet, > wendet sich mit dem bewährten Pathos de« Vormärz anften Bürger von Wien. Was wollen sie von diesem Wiener Bürger? Er soll'"sozialdemokratisch wählen. Die jungen Herren erklären zwar, daß sie eine — Weltanschai^jipg besitzen, die sie von den Sozialdemokraten; trennt, : s4ch aber — Gott «lüge ihnen verzeihen — nicht ander« helfen können. Denn es gibt Pfaffen, es gibt eine Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durdj ein beigefügtes E bezeichnet. klerikale Reaktion in Oesterreich, und das vertragen sie nicht. Also auf in den Kampf, Schulter an Schulter mit den Weggenossen, den Sozialisten! Drei Efutzend israelitische Burschen, unter bewährter Führung von Hans Arnstein und Erich Lindner, haben die Chuzpe, die Bürger von Wien einzuladen, gemeinsam mit ihnen in einen heroischen Kampf gegen 'die-' katholische Religion! und ihre- Vertreter zu ziehen. Und das alles schwarz-rot-gold umrandet. Also freidenkerische deutschnational.; sozialdemokratisdi!: Ihre Väter sitzen allerdings noch in der israelitischen Kuitus- 'gemeinde auf den Stühlen der Union und sorgen für 'tfnterstützungsgelder an diese biedere Jugendi . -V Das, israelitische Plakat endigt mit einem necjfi- 'sc^ep.v.Gedidit. Die /erste Zeile lautet: „Bürge* ^•ie;ns.l-.;W'eg mit, den Pfaffen . . ,H vv'i-- 'Bös d^ristlich gesinnte Volk;Oesterreichs, dleefp vorsintflutliche Plakat lesend, könnte wahrhaftig glauben, weldi unerhörtem Ansturm „jüdisdier Verschw$* rung" es da ausgesetzt ist. Es weiß nidit, daß in diesem Rahmen drei Dutzend israelitische Teutonen „wi^«^'i