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Die neue Welt · 1930-10-24 · Heft 162 (24.10.1930) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 162 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seife 12 DIE NEUE WEi. Nr. 162 GRABSTEINE FRIEDLÄNDER <ft DEUTSCH Wien, /. Bei., Seüen*ieHenga*»e 2, Telephon U~28-t-28 Xi„ Zentralfriedhof, neb. ä. 1. Tor, Telephon IWfl-ott KINDERWAGEN vom einfachsten bis zum feinsten Genre erzeugt CNISBIBBD/S XXt WAUINSTIINMLATX 3 LllULLDLllVl Eingang: Bäuerlegasse 1 lilllllllllllll Filiale: XX, Klosterneubiirgerstralle 91 iuimiiiiiiiiiiiiimiiiniiiiiiHiiiiiiiiiiminiiiiiiiiiiimiiiiim»^ | (legründet 1882 1 Lebensversitherunss- 1 Gesellschaft | Zentradirektion: WIEN I., Riemorgasse Nr. 2 | Versidiernngsbestand per Milte 1930 2450 Millionen SAillinq 5 volleingexabltes Aktienkapital 4.000M-S*iHuig s S Prämien- und Zinseneinnahmen in Jahre 1929 125 Millionen Sdiilling s Garantienlittel per Ende 1929 300 Millionen Srjillinp Aasiahlungen an Versicherte im Jahre 1929 30'5 Millionen Schilling Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, 5 Belgien, Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische E Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechens 2 land, Türkei, Aegypten und Palästina. illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIHIIIIHIHIli: .PHÖNIX' Kofferapparate Luxiis*Apparate mitu. ohne Trichter, Schall' platten v. 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Rosen hall. .1 Jetzt kann ich nicht Gott ist mein Zeuge mehr als einen fünfziger kann ich dir nicht schicken denn die Konkurrenz ist groß und die Spes sind noch großer und jedesmal kommt daher eine andere schlamastik und ein anderes schwarzes Jahr und wenn Gott dir helfen wird wirst du wahrscheinlich mir zurückgeben es sind bei mir keine leichten Rubel Gott weiß die Wahrheit wie man schuftet bis man verdient einen fünfziger und wenn du dich treffen wirst mit dieser da so wirst du sie erinnern an Süppchen und an die Konfekten und die Choko* laden und die besonderen Coupes in den Waggons zweiter Klasse und die Kleider allemal neue sie. hat mich doch bis zum Hemd ausgezogen ein Glück daß ich mich durch* geschlagen hab hierher nach Odessa hier ist meine alte Heimat ich hab hier einmal gemacht gute Geschäfte d. h. ich kann mich nicht beklagen auch heute venn nicht die Konkurrenz drei Thiateren in einer Stadt aber mein Thiater ist das beste denn ich hab mir mein Cheder und meine Klapper alle herausgeklaubt ein Fehler nur daß hier da sind drei Truppen und die Zeit ist schlecht bis dorthinaus und die Cholera ist stark und als Zubeiß noch den Typhus und einen Ucberherrn haben wir hier in Odessa einen Haman schlimmer als die Cholera mitsamt dem Typhus trotzdem mach ich hier die Häuser voll das „Pindele" gottseidank geht nicht herunter von der Bühne und „Chinke*Pinke" ist eine Ware und „Welwele Schejgctz" ist ein Leckerbissen und Bewilligungen wieviel ich will und hab gottzudanken einen schönen Namen in Odessa werde zugezählt zu den Angesehenen hab zurück* gekauft das bißchen breljanten und hab meine eigenen geschriebenen Rollen der Teufel hinein und hätte schon haben können ein eigenes Haus auch wenn nicht die Schläge die man immer wieder kriegt daß man niemals sicher ist mit dem Leben und Feinde gibt es viel da kommt man zu der Frau zu der jetzigen und man erzählt ihr Hollo und Feuer daß ich im Ausland eine Gubownitze hab eines Chasens ein Mädel die mich ein Vermögen kostet und geh hin und verantwort dich die Cholera auf sie alle hast du gar eine Gubownitze vielleicht fehlt noch was mehr kein neues dir zu schreiben sei gesund und schreib mir bald über den fünfzigsfünfziger den ich dir schick' und antwort mir wieso kommen zu dir die Papiere hat sie sie wirklich verloren Rosa oder hast du sie ge* funden bei ihr im Tischkasten hinter dem versperrten Schloß denn du bist doch bei ihr gewesen ein Kehrbesen eine Art Sekritär du meinst ich erinner mich nicht wie du pflegtest mit ihr zu tuscheln hinter meinem Rücken trotz* dem sollst du sie grüßen lassen und für Brejndelc, Kosak verschleppt soll sie werden geb ich einen Gruß wieder und. vielleicht siehst du Hotzmach sag ihm der Teufel in seinem Vater hinein mit hochachtung Direktor Albert Schtschuppak. 42. Kapitel. Von Lea der Cbasenfrau an ihre Tochter Rosa Spiwak. Der Tochter dem, teuren ehrenwerten weisen Fräu* lein Resl leben möge sie. Erstens komme ich dir zu melden, daß ich gottsei* gelobt gesund bin, gebe Gott das nämliche in gutem mit yiel Befriedigung und Freude von dir zu hören amen. Und zweitens nimm zu wissen, meine liebe teure .Tochter, daß ich dich nicht betrüben wollte mit der schlimmen Nachricht vom Unglück, das mich betroffen hatwie die Kugel aus einem Gewehr oder wie ein Donner vom Himmel, Gott ist mein Zeuge, daß ich es dir auch jetzt nicht gern schreibe, denn solange Du bei dem-Brot bist, darf man dich nicht stören. Ich weiß selbst sehr gut, daß es dir,, wie bitter und düster es ist, daß ich bei diesen Jahren als elende Witwe zurückgeblieben bin, ^tausendmal schlimmer sein wird zu erfahren, daß du zu, Leide eine Waise geblieben bist, einen solchen Vater'verloren* hast, den Du so liebtest und er Dich, daß er bis zur letzten Minute Deinen Namen immer wieder auf den Lippen hatte, Resl und Resl. Was soll man. tun? Gott wollte es nicht anders. Es war ihm so vorgezeichnet; von jenem Tage an, da Du uns verlassen hast, hat er sich's so zu Herzen genommen, daß die Welt sich auf ihn legte, es war ihm alleseins, ja essen nicht essen, ja schlafen nicht schlafen, wieviel man ihm das Herz erleichtern wollte, es komme doch vor, daß ein Kind bewahre wegstirbt, die Stunde möge nie eintreffen, ist es doch tausendmal böser, aber wenn ein "Kind wegfährt, kann Gott -, noch helfen, daß es zurückkomme, wenn aber ein Kind gott*. behüte wegstirbt, wird es nie und nimmer zurückkohimen, was die Erde zudeckt ist verloren,' und zum Beispiel nehmt unseren Reichen Rafalawitsch, der will nicht ein* mal, daß. man spreche von seinem feinen |phn,Äder schöne Name Lebl darf gar nicht einmal erwähnt werden im Haus, der Segen über sein Haupt, denn hat es doch seine Mutter noch ärger getroffen, ach und weh ihr, da sie so lange weinte und klagte um seines Hauptes willen, bis sie, sie soll mir verzeihen, erlosch wie eine Kerze, — so pflegte ich immer auf ihn einzusprechen, aber waj: aber umsonst, denn alle meine Worte und meinen Trost wollte Dein Vater, kein böser Geist verstelle ihm den Weg, nicht hören, nicht sehen, er, er ruhe in Frieden, wandte immer ein und brachte das Beispiel vom Armen mit dem Schüfe chen, was geschrieben steht in den heiligen Büchern, dsr Reiche Rafalowitsch, sagte er, besitzt viele Schafe und Rinder, er kann sich's vergönnen ein Kind zu streichen, aber nicht der Arme, der nur ein Schaf besitzt, ein Auge im Kopf, und wenn man kommt und ihm wegnimmt seinen einzigen Trost, das Schwarze aus dem Aug, wie soll er das verwinden, so wandte er ein und hatte viel* leicht recht, denn ich werde; nicht vergessen, solang ich leben werde, die Nächte, wie er, er ruhe in Frieden, auf* zustehen und hinter den Vorhang zu gehen pflegte, um, auf daß ich's nicht sehe, das Bettgewand zu küssen und zu küssen, auf dem Du gelegen bist, leise zu weinen, .die Tränen.-* zu-schlucken, .und' als ich ihnj sagte, Israel, du sündigst vor Gott, ein Mensch darf sich nichVso peinigen sag ich, wirst sehen sag ich, es wird mit Gottes Hilfe von ihr eine gute Nachricht kommen, da pflegte er, er ruhe in Frieden, sich zu einem fröhlichen Gesicht zu zwingen und mir einzureden, daß er schon art den Schmerz zu ver* gessen beginne, aber hab ich denn nicht gesehen, wie der Mensch sich zerquält, von Tag zu Tag einschrumpft, aber ich gebe Dir bewahre nicht die Schuld, Tochter meine teure, ich weiß, daß Dein Herz Dich zu ihm zog nicht weniger als seines ihn zu Dir, einen Beweis hab ich in Deinen ersten Briefen, die für ihn besser waren als Heil* mittel und Kräuter, die der Arzt ihm verschrieb, daß er sie trinke, und dann als wir es erlebten Dich mit den Augen zu sehen, Du zu uns zu Gast kamst, war er ja nicht wieder zu erkennen, aus tot lebendig geworden, ich habe schon geglaubt die Sonne ist aufgegangen, Engel spielen mit mir, ein Ende für meine Not, zuletzt hat es Ohne Diät bin ich in kurzer Zeit 20 Plund leichter geworden durch ein einfaches Mittel, welches ich jedem gern kostenlos mitteile. Frau Karla Mast, Bremen-S0d22 (gtnlöfung tton <£oli>, Silber, Biotin öei ©. «. 6nW, 3Bwti, I. Srrana 3oUf-Sai 4», Hextrale: VI., (Sumpeuborfevftrafte 85 NÄHMASCHINEN FAHRRÄDER 1931 S20.— monatlich ohne Angäbet IX. Llechtenstelnstraße Mr. 27 Tal. A 16.5-84 und A 16.5-8S IV. Niedner HaupistfoBeNr.8 Tel. A 30-0-36 SPORT- UND TOURISTENARTIKEL!llllllllil!!!lllllllllllllllfllllllll!H mich betrogen, weh ist mir, es hat scheirtts an ihm ge* nagt und gezerrt innen, gefressen und gebohrt, Gott sei's geklagt, so daß, als es zum Aufleben kam, keine Jahre mehr reichten. Ein Stückchen Glück, daß er sich ein wenig aufgerichtet hat wenigstens vor dem Tode, von Dir so viel Vaterehren hatte, die niemand überhaupt er* wartet hatte, jetzt müßt ihr schon Reb Israel leben und leben, sagte ihm die ganze Gemeinde in der Stadt, und beneidete ihn um das Haus, das Du uns gekauft hast, um die Wirtschaft, die Du uns eingerichtet hast, obwohl es eigentlich für uns eine zu große Haube ist, und jetzt auch noch, wenn ich bedenke, was ich zum Beispiel ein Mensch allein in so vielen Zimmern machen werde, werde ich wohl — Feinde Zions — verrückt werden wie die alte Rafalowitschin, des Reichen Mutter, die noch immer bis auf den heutigen Tag bei mir im Hof sitzt. Ja ja, bevor ihr Alter zu erleben, ist schon besser, wie es Dein Vater, er ruhe in Frieden, getan hat, akkurat am 22. Tag im Monat Ab ist er gestorben und heute ist der . 21. Tag im Monat Elul, schon nach den dreissig Trauertagen, mußt also nicht mehr als eine Stunde trauersitzen, denn wenn ■'du schön bei dem Brot bist, kannst Du's doch nicht an* . ciers., hast -Deine Pflicht zur Genüge erfüllt damit, was Du getan hats und mit Deinem Kommen nach Hause hast Du ihm, er ruhe in Frieden, die Tage wenigstens ein bischen verlängert und nimm zu wissen, Tochter meine teure, daß Dich der Vater zwei Stunden vor dem Tode erwähnt hat zum Guten. Ein guter Fürsprech sei er Dir und mir und ganz Israel, da er, er ruhe in Frieden, nicht die Gnade hatte von Gott, einen Kaddisch zurückzu* lassen, hab ich Chajim Schajc den Tempeldienef bestellt, der da, dem Du auf eine Kuh geschenkt hast, als Du zu Gast warst, sein Sohn Nochim schreibt mir auch diesen Brief, ich sag ihm und er schreibt. Es ist beschieden, daß sein Vater Kaddisch sage nach Deinem . Vater alletag frühmorgens und am Vorabend. Und ein Leichenbegäng* nis hatte er, ich weiß nicht, ob der größte Reiche bei" uns jemals ein solches Leichenbegängnis gesehen hat, und einen Platz hat man ihm eingeräumt auf dem Friedhof einen sehr ehrenvollen, den dreizehnten vom alten Row, an der einen Seite liegt ßoruch Bär der Schächter, an der andern Seite Reb Schljome aus Telenescht und dann kommen lauter reiche und vornehme Leute, macht nichts, er hat' es der Arme ehrlich verdient, Gott soll mir hei* fen, daß ich die Jahrzeit erlebe, werd ich ihm mit Gotteshilfe einzäunen, so wie . er es wert ist, und ich bitte Dich, mein teures Kind, sollst mir erlauben wenig* stens die halbe Wohnung zu vermieten, denn ich be* denk mir's, was soll ich tun eine allein in so vielen Zim» mern, und sollst mir häufig Briefe schreiben und gute wie bisher, denn Deinen lieben Brief, in dem Du,Dich verabschiedest von uns vor: der Abfahrt nach Amerika und worin Du dem Vater schreibst, er soll ja seine Gesund* heit hüten, bis Du wieder nach Holeneschti kommen wirst, war ihm, er ruhe in Frieden, nicht beschieden zu lesen, denn es lagen ihm damals schon die Scherben auf den Augen, man hat mir Deinen Brief vorgelesen schon, nach* her im Trauersitzen und das Geld hat man mir ins Haus gebracht, mußt mir nicht mehr, Tochterleben, Geld schicken, es wird genügen für den ganzen Winter für Pessach, denn, wenn ich's bedenke, was brauch ich schon ein Mensch allein eine Witwe, ich bitte nur bei Gott, daß ich noch erlebe, Dich wenigstens noch einmal zu sehen, wenn Du mit Gotteshilfe gesund zurückkommst und sonst brauch ich nichts. Und ich bitte nur bei Gott zu erleben Dich unter dem Traudach zu sehen und sei mir , gesund und wohl und sollst nicht viel weinen, mein Kind, wegen Deines Vaters, da Du doch - bei' dem Brot bist und sollst hüten Deine Gesundheit und möge Dir der Oberste Deinen guten Vorbestimmten schicken und recht bald und ich soll's erleben, daß Du in raschen Zeiten erfreust das Herz Deiner Mutter, wie ich Gott für Dich bitte Tag und Nacht, (gorifehuna, fplßt.), Eigentümer, .Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur Oberbaurat Robert Stricker. Druckerei« und y.erUgs-A.-G, Ignaz Steiumana« beide Wien, IX« Universitätsstraße 6—8.

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