Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 162 (24.10.1930)
- Date
- 1930-10-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 35 Groschen V.b.b, BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2,—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.~, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— : Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—.' R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erseheint jeden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 24. Oktober 1930 Nr. 162 piiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim ft Listenführer: Ofieaouroi ________________ ___ * t%* ■ Entscheidet euch für jlid. Ehre u. jüd. Recht Wählet am 9. November ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin /Jüdifdie Lifte1 Listenführer* Roberl Stricker Versammlungen t Donnerstag am 23. Okiober, 8 Uhr abends, im Cafe Neptun, XX., Gaußplatz?• i«mftag am 25. Okiober, 8 Ubr abends, im großen Saale der Gastwirtschaft Beyer, II., Prater, jVenedigerau 176, in der NHhe des Lustspieltheaters, Samstag am 25. Oktober, 8 Uhr abends, im Misrachi- Saale, tt, Praterstrafie Ii, Monfag am 27. Okiober, 8 Uhr abends, im Heinrichshof, XX,? Jägerstraße i<\ Montag am 27. Okiober, 8 Uhr abends, im Saale des Maria-Theresien-Kellers, I., Maria-Theresien- Strafle & Dfenstag am 28. Oktober, 8 Uhr abends, im Misrachi- Heim, II., Praterstrafie 11« Mittwoch am 29, Oktober, 8 Uhr abends, im Saal des Hotel Guth, IL, Hollandstraße 14. Mittwoch am 29. Oktober, 8 Uhr abends, im Saale des Jüdischen Verdandaheimes, II., Untere Augartenstraße 38. Der Judenpunkf* Wien, Mitte Oktober* Die Wählbewegung in Oeeterreich hat sonst schlummernde Symptome an die Oberfläche gebracht. Der Versuch, die bürgerliche Mittelschicht zu formieren und ihr politisch und wirtschaftlich Geltung zu verschaffen, mußte, wie seit langem nicht mehr, das Wesen der Judenfrage in deutschsprechenden Ländern wieder; zur Diskussion stellen. Sie ist prompt eingetreten und beleuchtet eine Entwicklung» die man kaum für möglich gehalten hätte. Die Judenschaft Oesterreichs, die zu gut 80 Prozent soziologisch Mittelschicht darstellt, glaubte Sitz und Stimme in einem Block beanspruchen zu können, der als Gesamtheit in Oesterreich dieses Bevölkerungselement vertreten soll. Im allgemeinen zeigen die gegenwärtigen politischen Bewegungen die Tendenz zur Formierung wirtschaftlicher Gruppen zur Wahrung ihrer spezifischen Interessen. Proletariat, Bauernschaft, Industrieunternehmer besitzen nicht nur ausgesprochene Körperschaften als Interessen- Organisationen mit verfassungsmäßiger Anerkennung, sondern auch agile, aktive politische Vertretungen in den gesetzgebenden Körperschaften, Die Mittelschicht konnte diesem Zug der Zeit nicht gerecht werden:; sej es* daß sie quantitativ nicht gleichwertig. \*art--oder ideologisch durch die Kriegsfolgen durcheinandergeworfen wurde. Primär aber sind diese Gründe nicht. Die Mittelschicht hat; mit einer Frage fertig zu werden, die schwer auf ihr lastet: mit der Judenfrage. -In Deutschland ist die demokratische Partei kraft der Judenfrage zertrümmert worden. In Oesterreich hat der Liberalismus schon vor dem Krieg, endgültig aber nach, der Revolution-ab* gewirtschaftet. Das „demokratische" Deutschland, das .»liberale" Oesterreich führten ein gespenstisches Dasein, nur vom Gesetz der Trägheit aufrechterhalten. Zum nicht geringen Teil hat der Liberalismus durch die zionistische Idee und Bewegung den Todesstoß erhalten. Die zionistische Erkenntnis vom Wesen der Judenfrage als einer nationalen mußte nach innen und außen aufzeigen, daß der Liberalismus, getragen vom Assimilationsjudentum, innerhalb der andern Völker unhaltbar, bei den Juden selbst nur Krankheitssymptom der Zerstreuung sei. Der einleuchtende Beweis, daß nur die Losschälung der Juden in den Ländern durch eigene politische Arbeit die Juden not lösen könne, trug wesentlich zur Erschütterung des in eine Sackgasse geratenen liberalen Gedankens bei. Die österreichische Wahlbewegung zeigt aber, die : merkwürdige Tendenz, ein unabänderliche« Gesetz ignorieren, ja verleugnen zu wollen. E>ie Gespenster wollen nicht zurück in ihre Ruhe. Die Diskussion seitens der liberalen, israelitisch ge\ färbten Blätter Wiens bewegt sich in einer Geistes* richtung, die dreißig Jahre politischen Geschehen« im Judentum und anderswo verschlafen hat. Siesetzen sich 1 mit dem Antisemitismus auseinander, als ob es nur darum ginge, dessen Vertretern zu beweisen, wieviel brave und gutgesinnte Juden es gibt. mmmmiKmmmmmß^^ Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet* Bei Kopfschmerzen/ nervösen, rheumatischen und gichtischen Schmerzen haben sich Togal - Tabletten hervorragend bewährt. Wenn .Tausende von Aerzten dieses Mittel verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen! Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken. — Preis S 2.40. mtt QiM£tag» den 28. Oktober, um 8 Uhr abends, im Saale desffot«! Poll, I., Fleischmarkt |o«8«nttand; Attentat der englischen Regierung auf das Jüdische Nationalheim I Rtdntn Natürlich kennen diese „Braven" und „Gutgesinnten" nur ein Judentum, das „mosaischer Glauben" ist, deutsch fühlend usw. So sagen sie es fromm, originell wie vor 30 Jahren. Wie ist das wieder möglich geworden? ' Man hatte sich nachgerade gewöhnt, die Judenfraige von der Warte der jüdischnationalen Lehre zu sehen. Weltpresse und weltpolitisch« Tribüne, Friedenskonferenz und Völkerbund haben die Juderiheit: als e i n h e i 11 i c h e s Volk legalisiert undsanktioniert. Palästina-Mandat und jüdische Minoritäten sind staatsrechtliche Begriffe geworden. Die Lehre von der Unmöglichkeit, in nicht jüdischen Gruppen aufzugehen, ist nebst unzähligen anderen Fakten gerade jüngst in Oesterreich dadurch erhärtet worden, daß trotz des guten Willens eines Mannes wie des gewesenen Bundeskanzlers Dr; Schober der sogenannte Mittelblook seine *, judischen ^assimilatorischen Anhänger eliminiert hat. .•• f..- Wie ist die alte, verstaubte Diskussion über den „Judenpunkt" („Neues Wiener 'Tagblatt")' und „Das Wesen des Antisemitis.rn.uV- (,^Neue Freie Presse") denn doch möglich , geworden? Nur dadurch,, daS der offizielle Zionismus . einen Krebsgang angetreten, an jüdische Volkspolitik vergessen hat. Er hat unnütz und verderblich die Assimilation zu seinem Partner gemacht, sie wieder auf die Gasse geführt: Die von der Opposition in Angriff genommene Regenerierung der zionistischen Bewegung^ die Offensive gegen die Assimilation wird die Gespenster beseitigen, . Die Aufstellung einer eigenen jiddischen Kandidatur in Oesterreich ist* ein Bestandteil dieses positiven Willens, os r, Dr. I, Bukspan, Oberbaurat Robert Stricker Regiebeitrag 30 g Union tfpr *ionltt«it'R«vl«lonliton ■^fwplwpii.tf flwP'-jifWMiHwtlwfcwa JW^MtlPf^ii' Aber judisdhe Stimmen wollen sie haben««» Die Kandidaten für die österreichische, .National« ratswahl am 9. November bemühen sich sehr um j ü< dische Stimmen. Der Block der Christlich« sozialen und Heimwehren begnügt sich aller? dings damit, hie und da die blutrünstigen antisemitischen Reden seiner Führer abzuleugnen. Die anderen aber ver* langen unter Berufung auf ihre Judenfreund* schaft von den Juden Stimmen. Wie sind diese Be< werber um das Vertrauen der Juden beschaffen? Der Schober*Block. Bekanntlich! sind in diesem Blocke Antisemiten aller Schattierungen vereinigt, bis zur national« sozialistischen Arbeiterpartei, also auqge» sprochenen Hakenkreuzlern, Pogromisten. Jüdische Kan* didaturen wurden trotz den Bemühungen Schobers nicht zugelassen.' Die erste große Versammlung des Blocks in den Sofiensälen, welcher auch vieler Juden beiwohnten, war.;für die letzteren eine unangenehme U e ber* r.ÄSegnung. Denn, der-Leiter dieser ersten Kundgebung,