Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 161 (17.10.1930)
- Date
- 1930-10-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711779--2112-2715378- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 35 Qreschen f % V.b.b. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.» : Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlieh Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20 Italien monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.- ^Schwel* und die übrigen Länder monatlich Schweizer Frtincs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6-8 Telephon: B~48-504 — Erseheint reden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 17. Oktober 1930 Nr. 161 JODISCHE LISTE Listenf(Ihrer: Robert Stricker Dienstag, den 21, Oktober, 8 Uhr abends9 Im Zentralkeller, II, TaborstraBe Sa Mittwoch, den 22. Oktober, im Jttdischen Verbands* heim, II, Untere Aiigartenstrafta 38 Zu den ö§terreidu§dien Nationalra4§wahlenu «JÜDISCHE LISTE» LmIciiführen ROBERT STRICKER. Am 9. November finden die Wahlen in den österreichischen Nationalrat statt. Eine Vereinigung jüdischer Männer und Frauen hat sich dazu entschlossen, mit einer jüdischen Liste in den Wahlkampf einzutreten. Aus der Erkenntnis heraus, daß das in seiner Sicherheit und Ehre bedrohte Judentum Oesterreich nicht stumm bleiben darf und die Möglichkeit haben muß, vor dem österreichischen Volke und vor der ganzen "Welt seine Stimme zu erheben, die unverfälschte jüdische Stimme. Keine der bisher im Parlamente vertretenen und keine , der jetzt wahlwerbenden Parteien will und kann Vertreterin bedrohter jüdischer Interessen, „ J u d e: n s c h u t ztruppe" zu sein. Jüdische Vertreter müssen auf dem Platze sein. Nicht auf ihre Zahl kommt es an, sondern auf ihre Ergebenheit im Dienste der jüdischen Sache, auf die Eindringlichkeit ihrer Sprache, aiif die Wairde ihrer Haltung. Die bevorstehende Wahl vollzieht ©ich unter bedrohlichen Zeichen. Die christlichsoziale Regierungsparted, welche siclj in letzter Zeit in Behandlung der Jüdenfrage einer gewissen Mäßigung befleißigt hatte, hat eich nunmehr mit Elementen verbündet, welche den ab s c h r e c k e n d s t e n und gewalttätigsten Formen des Judenhasses huldigen. Der Innenminister Oesterreichs, welcher Führer dieser neuen Verbündeten ist, hält wahre Pogromreden, Redens wie sie das Mitglied der R egi eung eines K u 11 u r s t a a t e s bisher nicht zu führen wagte, und seine engeren Genossen, denen die äußerliche Führung des Wahlkampfes übertragen wurde, überbieten sich in der Judenhetze. In den wenigen Wochen des Wahlkampfes wird die Vergiftung der Volksseele Fortschritte machen. Die alten Führer schweigen oder beschwichtigen schwächlich. Wer sich dadurch in S i c h er he i t wiegen läßt, unterliegt g e f ä h rli eher Täuschung. Dringender als je wird das öste r reichische Judentum eine Ve riretung brauchen, dringender als je eine Stimme, welche sich gegen die Bedränger erhebt und an das Weltgewissen appelliert, den Juden Oesterreichs Mut und Hoffnung einflößt. Um die Macht in Oesterreich kämpft weiters die sozialdemokratische Partei. Im Programm dieser großen Partei ist kein antisemitischer Punkt vorhanden. Und doch' ist sie weder gewillt noch b e r u f e n, die Juden zu schützen und lehnt die Wahrung ^jüdischer Interessen brüsk ab. Sie hatte schon einmal im neuen Oesterreich die Regierung inne. Gerade in dieser Zeit hätten die damals gewählten jüdischen Vertreter hart gegen schlechte Behandlung der Juden, Ausweisungen, antisemitische Ueberfälle, Verweigerung' der Staatsbürgerschaft, Ausschluß von öffentlichen Stellen, Entjudungstendenzen in Schule und öffentlichen Anstalten zu kämpfen. Wohl sitzen sozialdemokratische Vertreter j ü d i s eher Abst ammung im National rat und Wiener Landtag. Aber diese Juden bringen dem Judentum keinen Nutzen, sie stiften oft .Schaden.:.'- ^li|pii^4dH^' irischen' Gemeinschaft den Rückeit gekehrt, s l n d a u s. d e m J u den t u m ausgetre t e n. Sie sind, wie alle Ausgetretenen, immer bemüht, zu beweisen, daß sie mit dem Judentum nichts gern ei n haben, schweigen, wenn in ihrer Gegenwart'die Juden bedroht und. beschimpft werden, manche gefallen sich selbst in Antisemitelei. Dafür wirkt die Tatsache, daß sie da sind, die sogenannte „Verjudung der sozialdemokratisdien Führerschaft", aufreizend und bietet den Judenfeinden Material für wüste Hetzereien. Die großen Verdienste dieser Partei um die Hebung der Lage der arbeitenden Menschen soll wahrlich unbestritten bleiben. Aber wer da glaubt, daß „rote" jüdische Stimmen der Judenschaft nützen, irrt. Je größer ihre Zahl, desto wütender die Angriffe, desto fesselloser das Ge-; haben der Judenfeinde. Jüdische Stimmen für den Klassenkampf sind Oel in das Feuer des Rassenkampfes. Die dritte Partei tragt einen neuen Titel, Sie heißt: „Nationaler W i r t s c h a f t s b 'l o c k und Landbu nd". Listenführer ist der ehemalige Bundeskanzler und Polizeipräsident "Johann Schober. Ein trefflicher Mann! Ein Mann, der sich um Oesterreich und auch um die österreichische Judenschaft große Verdienste erworben hat! Aber der Anblick der Parteien und Gruppen, die unter dem Schlagwort „Schober" auf den Plan getreten 6ind„ erfüllt die Juden mit arger Enttäuschung. Mit tiefstem Bedauern muß man es verzeichnen, daß die Konstellation, diesen wertvollen Mann in eine ganz unselige Situation und Gesellschaft gebracht hat. Radauantisemiten schlimmster Sorte, die nationalsozialistischen Hakenkreuzler, haben sich auch , hinter ihn gestellt und geben leider den Ton an. Bezeichnend dafür ist der Verlauf der Ver- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Seidenhaus Breit iitmiimitmiimiiiiiiimiiiMMifuim Wien I, Herrengasse 2 (Ecke Michaelorplatz) fr-FABRIK$---rt QR°"PREISE!°*T*,U Autobusi III, 4, B, 9 handlangen der Demokratischen Mittelpartei, der Partei der Wiener assimilatorisdien Judenschaft, welche zu über neunzig Prozent aus Juden besteht. Schobers Bemühungen, dieser Gruppe ein Plätzchen im „Block" zu verschaffen, waren vergebens. Erst forderten die Blockleute, e s .dürfe kein Jude kandidiert werden. Die .Juden der Mittelpartei nalimeii d i es e^sch mach volle B'e dingung an un cl präsentierten aus ihrem mageren c h r ijs t liehen. Bestände , K an'di d a't e n. Dann erklärten die Bl.ockleute, a u c h C h r i.s t en, welche mit Juden in einer Partei sitzen, nicht anzunehmen. Sie bewilligten nur einen „Neutralen", der der Mittelpartei niir „nahestehen, aber ihr nicht " angehören dürfe. Auch darauf ging man ein! Zum Schjusse aber erMärten die Blockleute, der Name der ,-,MittelpkrteiM dürfe überhaupt nicht gqnatini; werden! Das ist Schober, der „Block der Mittel von 'dem sich die Juden soviel versprochen haben: eine schlechte Gesellschaft hinter dem. guten Namen „Schober" . Aus diesem Wüste von Haß, Kälte, Zynis- •' iuus und Würdelosigkeit erheben wir unsere . Stimme: Jüdische Männer und Frauen! Tretet : hervor! Nehmt euer Schicksal und eure Würde , in die eigenen Hände! Unterstützet und wühlet , die „Jüdische Liste"! Die Vertreter der „Jüdischen Liste" werden fiir D e m o k r at i e, für Wahruag der Ver f alse u n g gegenüber allen D i k t a t u r g e 1 ü s t e n, gegen -K 1 as s e n k a m p f und für s o z i a:l e G erechtigkeit und eine weitgehende soziale Ge-» setzgebung eintreten, für den Schutz des wirtschaftlich Schwachen und der O p f e r der ökonomischen Krisen, welcher K 1 a s s e s i e auch angehörenmögen, gegen das herrschende Wahlunreeht und für eine, deina-.. kratische Wahl reform eintreten. Sie werden dast österreichische Judentum davor bewahren, der Spielball zwischen rechts und links zu sein, in den Dienst von Parteien gepreßt zu werden, deren Wesen dem jüdischen Wesen fremd ist. Jüdische Männer und Frauen! Sorget für die. Sicherheit des. österreichischen Judentums und rettet seine Würde! - Unterstützet und wählet die z/Judisdie Liste" Listenführert Oherbuurat Robert Stricker. Das Wahlkomitee für die „Jüdische Liste", Wien, II., Untere Augartenstraße 38, Telephon Nr. A- 45-6-34. illlllllllllllllllllllillillllllllllllllllllllü n jjj |||** ij |» I **" | Entscheidet euch für jUd. Ehre u. jUd. Recht 1 Wählet am 9. November iiiiiiiiiiiliililiiliiliiüiiiiiliüiiliH Oberbauraf IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH [| | f|!ffM Listenführer:! llllltllllllllWItlllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIWIIHIHIIIH^