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Die neue Welt · 1930-10-10 · Heft 160 (10.10.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 160 (10.10.1930)
Date
1930-10-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 160 Mitbrüdern zu widmen. Und in der Tat ist es diesem Samuel Diwekar zu danken, daß in den „Bnai Israel" das jüdische Bewußtsein tiefe Wurzeln gefaßt hat Die „Bnai Israel" feisämtliche jüdischen Fest-- tage mit Ausnahme von Schabuot und Chanukah, ▼on deren Existenz und Ursprung sie keine Ahnung haben. Jomkippur wird bei ihnen der „Feiertag der geschlossenen Tore" genannt, offenbar in An* lehnung an den Glauben, daß am Jomkippur zu Neilah die Tore der himmlischen Gerichtsbarkeit geschlossen werden. Aber auch sie halten an diesem Tag das strenge Fasten ei Interessant ist, daß die „Bnai Israel" neben diesea jüdischen Fasttagen a ich noch ein eigenes Fest, „Ramsam" genannt, haben, das ohne Zweifel eine Nach* ahmur ^js mohammedanischen „Ramasan" ist. Der „Ramsam" der „Bnai Israel" dauert den ganzen Monat Elul. Tagsüuer wird gefastet, nur nach Einbruch der Na**-' , bis zum . Sonnenaufgang ist Essen und Trinken gestattet. Die Einhaltung dieses Ramsamfestes wurde von manchen Historikern 1 zum ' Anlaß genommen, die These aufzustellen, daß die pnai Israel" auch der Nation nach keine Juden, sondern vom Islam zum Juden» tum übertretene Proselytcn sind, die sich unter dem Ein» fluP eineihrer Führer, des vor 350 Jahren verstorbenen David R a h a b i, -um Juden*um bekehrt haben. Zwischen de „Bnai Israel" und den übrigen Juden in Bombay ba ,-t\un~ fa«*t gar keine Beziehungen. Khen untereinander kommen nur in äußerst seltenen? Füllen vor. Sie besitzen auch ihre eigenen Bet* und Lchrhäuser. Erst in den letzten.' Jahren beginnt allmählich eine Annäherung zwischen ,den „Bnai Israel" und den übrigen Juden in Bombay Platz zu greifen., Viel klarer liegt, die Geschichte der „Schwarzen Juden" von Cochin vor uns. Ihre Gemeinschaft ist zumindest 1200 Jahre alt. Es ist historisch festgestellt, daß .ein König von Mala bar im achten. Jahrhundert unserer Zeitrechnung einem gewissen Josef Rabban, def wahrscheinlich der Führer einer Gruppe yemenitischer Juden (aus Südarabien) war, einen Charter, ein Privileg, verlieben hat. Mit diesem Charter wurde den Juden die Erlaubnis zur Niederlassung und ungestörtem Handel auf dem Gebiet des Königs von Malabar erteilt. Später ent* wickelte sich ein kleiner jüdischer Bundesstaat, wie* es deren im damaligen Indien zu hünderten gegeben hat. Das Zentrum dieses jüdischen Staatswesens war das etwazehn Meilen von Cochin gelegene Kranganar. Dys Stadt wurde vor 250 Jahren durch die Portugiesen zerstört, aus Rache dafür, daß die Juden in dem Kampf zwischen Portugal und Holland sich' auf Seite Hollands gestellt. hatten. Später siedelten sich die aus Kranganar vertriebenen „schwarzen Juden" in dem nachbarlichen G 'p.c. hi ntan.-" Hundert "Jahre später ging diese Stadt in den; Besitz von England über, das um jene Zeit alle europäischen Konkurrenten: Portugiesen, Holländer und * Franzosen aus Indien verdrängte. . ... . . Mit der Zeit kamen auch einige Gruppen von Juden aus'-'/dem nahen Orient nach Cochin. Zwischen den schwarzen und den damals eingewanderten weißen Juden b;e«feht,auch bis heute noch eine tiefe soziale Kluft. Die schwarzen Juden werden von den weißen als Menschen niedrigerer Rasse betrachtet, sie schließen mit ihnen keine Ehen und auch sonst bestehen zwischen ihnen keinerlei- Beziehungen. Die. Hautfarbe der schwarzen Juden'von Cochin ist tief braun. Neger im land* Jäuf igen Sinne des Wortes' sind sie nicht. Ihre Sprache ist däsi: sogenannte ,-Malajam", ein indisches Idiom, das dein auf der Insel Jk v a gesprochenen Malaisch sehr verwandt ist. Bei ihren Gebeten benützen die schwarzen Juden/ 'zum Unterschiede von den „Bnai Israel", die hebräische Sprache. Ein großer Teil des Siddur, des' Gebetbuches für die verschiedenen Festtage, ist ihnen unbekannt. Interessant ist auch, daß es unter den schwarzen Juden von Cochin weder Kohanim noch Leviten gibt. Um aber an bestimmten Feiertagen den vor* geschriebenen Priestersegen sprechen lassen zu können, bestellen sie sich Kohanim und Leviten aus den um» liegenden Siedlungen weißer Juden. ' Den angesehensten Teil unter den indischen Juden bilden jedoch die „arabischen" Juden, die zum größten Teil aus Bagdad stammen. Ihre größte Ge« räeinde ist in Bombay, ihre Umgangssprache ist arabisch. Erst seit wenigen Jahrzehnten wird das Arabische durch die eng Ii sc he, Sprache verdrängt. In ihren Schulen wurde bis in die letzte Zeit außer Englisch und Hebräisch, auch Arabisch unterrichtet. Allmählich aber schwindet die arabische Sprache vom Lehrplan. Die Sitten und Gebräuche der arabischen Juden in Indien sind mrt/denen'der Juden von Bagdad, Damaskus und Aleppo voWommen 'identisch.; Aus 'der Gruppe dieser arabisch* indischen Judenfamilien sjnd mehrere reiche., und auch' politisch, angesehene Familien hervorgegangen. An ihrer ." stehen die Sassoopi die „Rothschilds des OrjenJsV, die vor etwa 150 Jahren aus Bagdad in Indien eingewandert sind. Die/Häupter der -Familie Sassoon spjejen nicht, nur auf finanziellem und landespolitischem Getypte-eine bedeutende Rolle. Auch in der allgemeinen britischen Politik haben die Sassoons beträchtlichen Ein* flu£ gezeigt. So hat ein Sassoon im Kabinett Baldwins die Stelle" eines Staatssekretärs fürAviatik be* ttyrn ' L V|el Aehnlichkeit mit den arabischen Juden haben «J^jP r 8 i s c h e n" Juden, deren größter Teil in Bombay lebt. Ihre Umgangssprache ist auch heute noch die persisch«jüdische Volkssprache. In den letzten Dezennien ist auch eine Anzahl europäischer Juden in Indien eingewandert. Sie stammen zumeist aus Rumänien, Polen und Oesterreich. Die meisten von ihnen kamen bereits als assimilierte Juden aus ihrer alten Heimat an. Ihre Zahl beträgt in ganz Indien kaum 5000 Seelen. Es sind zumeist Aetztc, Ingenieure und Regierungsbeamte, die bemüht sind, ihr Judentum zu ver* decken, daher auch zu keiner der vorhandenen jüdischen Gemeinschafton in Indien innere Beziehungen haben, und im Leben dieser Juden völlig ohne Einfluß geblieben sind. tjnimfttmvnnii iiT»wm(tmrm< Ungariidie Juden sudien Ansdiluft. * * Von Ludwig Bato. . , Die führenden jüdischen Assimilanten aus Ungarn haben vor einiger Zeit der staunenden Mitwelt ihre Ab* sieht kundgemacht, nach jahrzehntelanger Absonderung von der jüdischen Welt wieder den Anschluß an das Judentum des Auslandes zu suchen. Zur Anknüpfung von Beziehungen sind denn auch einige Herren sogleich nach Paris abgereist Wir haben unmittelbar nach dem Erscheinen dieser Nachricht darauf hingewiesen, daß es ganz verkehrt sei, Vollblutassimilantcn zu der jüdischen Außenwelt zu ent* senden, da diese niemals den Anschluß finden können, und noch dazu „Vertreter des krassesten plutokratischen Gemeindesystems, wie ,.es in Budapest herrscht, wo nur ein Sechstel der Mitglic,acr der jüdischen Gemeinde das Wahlrecht besitzt. Auf Grund authentischer In* formationen teilten wir ferner mit, daß die Pariser Reise eigentlich auf des Ministerpräsidenten B c t h 1 c n Geheiß erfolgt sei und lediglich den Zweck verfolge, der zu be* gebenden ungarischen Anleihe die Wege zu ebnen, welcher Absicht nachträglich ein jüdisches Mäntel* choh" umgehängt worden sei. In einem auf Grund dieses Aufsatzes erfolgten Interview erklärte dann der Präsi* dent der Pcstcr isr. Kultusgeminde, Höfrat Samuel Stern, daß er sich zu der gegen ihn und seine Pariser Reise* gefährten erhobenen Beschuldigung nicht äußern könne, womit er natürlich die Richtigkeit der Anklage bestätigte. Dessenungeachtet gibt nun Herr Hofrat Stern weitere Kommuniques von sich, in denen er immer wieder auf die Bedeutung der Verbindung mit dem ausländischen Judentum hinweist, die von einer eigens zu diesem Euer Kind! kleidet nach Maß, auch aus mitgebrachtem Stoff oder vom Lager, am besten nur Spezial Kindermodenwerkstätte SCHÖNFELD, II, Klein« SperlgaiM 7 Zwecke ins Leben gerufenen Körperschaft, der Ungarisch*Jüdischcn Union, gepflegt werden sollen* Dieser Union, meint der Herr Hofrat in seiner letzten Neujahrsbotschaft, harre „die große Aufgabe, zum* Besten des Vaterlandes und der Konfession die Grundlagen zu schaffen für unsere Beziehungen zu den führenden jüdischen Faktoren des Auslandes". Ueberdies wird in dieser phrasenhaften Neujahrsbotschaft noch ein* gehend über1 die Religiosität gesprochen, die als die Zukunft des Judentums hingestellt wird. Wie wenig ernst gemeint, ja verlogen die Anschluß* bestrebungen der ungarischen Assimilanten sind, haben in der jüngsten Zeit wiederum zwei Begebenheiten bewiesen. In Berlin fand im Vormonat die Weltkonferenz der Sabbatfreunde (Schomre*Schabbos) statt, deren Bedeutung für die Erhaltung des religiösen und,nationalen Judentums von der jüdischen^ presse aller Schattierungen eingehend gewürdigt wurde; Alle Länder der Diaspora und alle großen jüdisehen Organisationen waren denn auch an dieser Tagung vertreten: von dem judenreichen Amerika bis zum kleinen italienischen Judentum, nur die große Budapestcr Judengemeinde, die zweitgrößte auf dem europäischen Kontinent, glänzte durch ihre Abwesenheit. Sio begnügte sich mit der Ab* sendung eines Begrüßungstelegrammcs. Um dieselbe Zeit beriet in Wien eine von unserer Kultusgemcinde einberufene Tagung über die Regelung der jüdischen Wanderfürsorge, an der — außer den* öster» reichischen Gemeinden — auch das deutsche, polnische und jugoslawische Judentum durch Delegationen vertreten war. D i c . Bj u-d ap es t e r Gemeinde ließ die an s i e e r g a n g e ne Einladung — unbe ant w ortet. So sieht es also um die Anschlußfreundlichkeit der-ßudapester Herren aus. In Berlin, in Wien hätten sie ausreichend Gelegenheit gehabt, ernste jüdische Probleme der Gegenwart mitzuberaten, aber sio hielten sich fern. In Berlin hätten sie überdies auch darüber nachsinnen können, wie sie die von ihnen Woche für Woche mit einem Phrasenschwall vertretene Forderung nach der „Vertiefung der Religiosität" verwirklichen könnten, sie zogen es aber vor, Neujahrsbotschaften zu veröffent* lic.hen,. die zu nichts verpflichten. Aber seien wir ehrlich:- die Budapester Heeren ha« ben es unterlassen, nach Berlin und Wien zu reisen, weil weder bei der Schomre»Schabbos»Konferenz noch bei der mnx\m\\mti\\\\\\m\\m\im\m\y\\mw iwttmiM;mtt»nmiimmOTumtMtun»nnnnwmm>mftmfiiniiWinin>i> SIEGH. KORNMEHL| OROSSPLEISCHHAUEREI ff Zentrale IX., Bergga«se 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 fj Lieferan* >ür Heilanstalten ff Abteilungen für uff^-Reisch ji MnaMniMHMMBMMMni unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbmats der isr. Kul- || tusgemeinde Wien II Autozustellunfl kosttnlo» i| IX. B«r09Mt« 15 ✓ XVIII., Währlngeritr. 97 jj tnmimiinitnnmttmtnninuntftniiniuitmiminrrniinHntmiiinifiminiwiimiiiirMitititnnii^ S iimimiimMrnwimmwitiiiwwimiiimitnmw jnnm»»iit'i*»nifi*»Hinii'iiH'iiiiiiMMimtnir»i ......... rtHitwmmumttmiimnMiirmiHiiminnfiHiimmmmmiii Tagung über die Wanderfürsorge etwas für Bethlen ges leistet werden kann. Da hat man keine Gelegenheit, seine Anleihe zu placieren. Und da wundern sie sich noch, daß sie in der jüdischen Welt nicht ernst genommen werden? Im übrigen verhält sich die Sache so, daß selbst in Ungarn ernste jüdische Kreise den Anschlußbestrebun* gen der Assimilantenkrcisc großes Mißtrauen entgegen-- bringen. So äußert sich Prof. Pfeifer, Präsident des Pro«Palästina*Verbandes der ungarischen Juden, in der „Zsido Szcmle" folgendermaßen: „Der ProsPalüstina«V.er* band hat bisher offiziell keine Nachricht von der Grün* dung der Union erhalten. Wie sich unser Vorband zu ihr stellen wird, weiß ich noch nicht, da ich bisher keine Gelegenheit: hatte, mit den Mitgliedern des Präsidiums zu verhandeln. Wenn wir sehen werden, daß es sich hiebei um eine Angelegenheit allgemeinen jüdischen Interesses handelt und daß die Tendenzen der Union unseren Bestrebungen nicht widerstreiten, so wollen wir nicht nur pflichtgemäß, sondern mit voller Hingebung für sie ein* treten. Sollte aber die Union nur menschlicher Eitelkeit oder assimilatorischen Bestrebungen dienen, so will unser Verband, der das jüdische Volk vom solidari» sehen Standpunkte aus betrachtet, mit der neuen Gründung nichts Gemeinsames haben , . ." Diese Erklärung spricht eine offene, aufrichtige Sprache. Man ist selbst in Ungarn mit Mißtrauen erfüllt gedient haben, die bisher einer assimilatorischen Politik gedient haben und sich plötzlich — ohne Uebergang — für die jüdische Solidarität zu erwärmen vorgeben. Die Tatsachen sprechen gegen die neugegründete Ungarisch* Jüdische Union, der nach altem, bewährtem Rezept nur „Notabein" aus dem engsteu Freundeskreise der Gründer zugezogen wurden und die schon nach den bisherigen Erfahrungen durchaus nicht den ersten Willen zu haben scheint, jüdische Gemeinbürgschaft aufrichtig zu be* tätigen. Für Phrasenhelden und Vertreter der Horthy* Regierung gibt es in der jüdischen Welt keinen Platz. AUS PALXSTINA. Die Einwanderung nach Palästina in den letzten vier Jahren. In den letzten vier Jahren sind nac.h der Statistik der Jewielx Agency 13.419 Einwanderer nach Palästina gekommen. Die Verteilung der Einwanderer auf die einzelnen Jahre und Monate ist aus folgender . Tabelle ersichtlich; Jänner , . Februar . . März » . April # j. . Mai . » », Juni . „ 4 Juli . . . August . . September , Oktober . November . Dezember . Insgesamt Touristen, die im Lande die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt erhielten 1927 1928 1929 1930 102 75 252 513 154 44 246 550 299 45 220 787 274 45 173 461 284 105 89 213 286 50 122 390 225 35 166 291 10? 87 200 .191 71 527 118 64 998 182 64 480 118 99 462 2520 784 3915 5205 714 1287 1194 3034 2071 5109 3205 Insgesamt Das Versicherungswesen in Palästina. In der Wdener Zeitschrift „Die Versicherung" veröffentlicht E. K n o 11 (Tel-Awiw) einen Aufsatz über das Wochen-Kalender Oktober 1930 : vwn «"«nn Tischri 569t 10 Freitag lfr-rv Sabbateingang 5*05 11 Samstag II-»» Sabbatausgang 5'5l ovnm *i 12 Sonntag 20~3 frnrn.H 13 Montag 21-*o rcn nwin 14 Dienstag 28-33 T3io ,mw 15 Mittwoch 2J-» mm nr»v 16 Donnerstag 24-13 -

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